Heiligenkirchen

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Heiligenkirchen
GroßgemeindeDetmold
Karte

Die Bauerschaft Heiligenkirchen entstand infolge der karolingischen Eroberung nach 783 durch die Gründung von vier Höfen im Bereich einer älteren sächsischen Siedlung "Wamelincthorp".

Lage

Heiligenkirchen liegt 3 Kilometer Luftlinie südlich der Kernstadt Detmold im Tal der Berlebecke auf einer Höhe von etwa 140–160 m ü. NN. Im Nordosten begrenzt der Königsberg (220 m ü. NN) das Tal, im Südwesten der Höhenzug des Teutoburger Waldes mit der Grotenburg (386 m ü. NN).

Während letztere aus Osning-Sandstein und mittlerem Keuper besteht, bilden oberer und unterer Muschelkalk den Königsberg. Den Talboden prägt Auelehm. Am westlichen Ufer der Berlebecke hat sich als Hochgestade zwischen den Zuflüssen der Berlebecke fruchtbarer Lössboden abgelagert. Die wasserreichsten dieser Bäche sind, von Süd nach Nord, der Silberbach, der Bergmolchbach und der Grüttersbach. Von Osten mündet nur am südlichen Dorfrand die Wiembecke in die Berlebecke. Im weiteren Verlauf bleibt das Ostufer ohne Zuflüsse.

Verwaltungszugehörigkeit

Heiligenkirchen ist seit 1970 ein Ortsteil der Stadt Detmold. Bis 1879 war es selbständige Bauerschaft in der Vogtei Falkenberg, Amt Detmold, von 1879 bis 1932 Gemeinde in der Amtsgemeinde Detmold, Verwaltungsamt Detmold und von 1932 bis 1969 Gemeinde im Kreis Detmold.

Heiligenkirchen war seit dem Mittelalter Mittelpunkt eines Kirchspiels, der heutigen ev.-ref. Kirchengemeinde.

Wohnplätze der politischen Gemeinde Heiligenkirchen waren 1918:[1]

  • Büchenberg (Post Detmold)
  • Grotte (Post Detmold)
  • Heiligenkirchen (Post Heiligenkirchen)
  • Krummehaus (Post Detmold)
  • Schanze (Post Detmold), politisch teilweise auch zu Hiddesen
  • Schling (Post Heiligenkirchen), politisch teilweise auch zu Berlebeck
  • Tiergarten (Post Detmold)
  • Tötehof (Post Heiligenkirchen)
  • Wantrup (Post Heiligenkirchen)
  • Wellnerberg (Post Heiligenkirchen), politisch teilweise auch zu Hornoldendorf

1935 wurden die bis dahin zu Berlebeck gehörenden Hausstätten im Wohnplatz Schling nach Heiligenkirchen umgemeindet. Büchenberg, Krummes Haus, Grotte und Tiergarten lagen auf Heiligenkirchener Gemarkung, unterlagen der (Detmolder) Neustädter Jurisdiktion und zählten kirchlich zur Landgemeinde Detmold. Sie wurden nach Detmold umgemeindet. Die Heiligenkirchener Hausstätten des Wohnplatzes Schanze (Dehlenkamp, Friedenstal) und im Cheruskerweg wurden nach Hiddesen umgemeindet.

Geschichte

Die Entstehung des Ortes Heiligenkirchen ist eine Folge der karolingischen Territorial- und Siedlungspolitik. 783 hatte Karl der Große die Sachsen im Theomalli-Gau besiegt. Zur Sicherung des eroberten Gebietes wurden Hofverbände (Villikationen) gegründet, die spätestens im frühen 11. Jahrhundert dem Paderborner Bischof unterstanden und ihre Abgaben dorthin abliefern mussten. Villikationen dienten der Versorgung des Grundherrn, sie wurden daher auch Tafelgüter genannt, die in diesem Fall die Tafel des Paderborner Bischofs deckten. Solche Villikationen sind gekennzeichnet durch geschlossenen Landbesitz, ertragreichen Lössboden, die Lage des Hofes inmitten des Besitzes und einer Eigenkirche auf dem Haupthof – ein Vorgang, wie er ähnlich in Stapelage, Meinberg, Heiden und Wöbbel stattfand.

Die Quellenlage ist allerdings so dürftig, dass es keinen Beleg dafür gibt, dass Heiligenkirchen Königsgut gewesen ist. In ganz Lippe ist nur die "curtis dominicalis" in Schieder als Königsgut belegt, welches 997 in kirchlichen Besitz, nämlich des Magdebuger Erzbistums, überging. Bewertet man aber die Indizien, so darf die These wohl als hochwahrscheinlich bestehen. Und auch das Königsgut Heiligenkirchen dürfte spätestens um 1000 in dem Besitz eines Bistums, nämlich des Paderborners, gelangt sein.[2]

Die Villikation Heiligenkirchen umfasste einen Haupthof ("curtis dominicalis") und drei davon abhängige Hufen (mittelniederdeutsch: "hove"), die von hörigen Bauern eigenverantwortlich bewirtschaftet wurden. Während der Haupthof mit drei Königshufen Land ausgestattet wurde (rund 134 Hektar), erhielten die anderen die Hälfte, jeweils eineinhalb Königshufen. Der Schwerpunkt der Siedlung lag mit drei Höfen links der Berlebecke. Als einziger wurde der Haupthof rechts vom Bachlauf positioniert, was ihm den Namen „Meier over dem Water“ oder kurz Watermeier eintrug.

Die drei anderen Höfe können als die heute noch vorhandenen Höfe Köllermeier, Meier zu Wantrup und Teutmeier identifiziert werden. Sie befinden sich in Streulage auf den Lössterrassen, die sich zwischen den Zuflüssen der Berlebecke gebildet haben. Jeder Hof ist mit frischem, quellnahem Wasser versorgt. Der Schwerpunkt der Siedlung hat sich vom sächsischen "Wamelincthorp" in der Frankenzeit etwas nach Süden verschoben. Über dem Wamelincthorp war der Hof "Meyger to Wamelynchtorpe", dessen Name sich später zu "Meyer zu Wantrup" verschliff.

Siedlungscharakteristik

Über Jahrhunderte war Heiligenkirchen eine aus wenigen Höfen bestehende -trup-Siedlung, deren Zentrum um die Kirche lag. Diese steht an der Stelle der Eigenkirche der "curtis dominicalis", des späteren Hofs Watermeier. Es kann sich bei ihr um die in der Vita Meinwerci genannte Kirche in "Theotmalli" handeln. Karl der Große hatte hier nach seiner gewonnenen Schlacht gegen die Sachsen (783) eine Kirche errichten lassen. 799 stiftete Papst Leo III. anlässlich seines Besuches in Paderborn dieser Kirche in Theotmalli einen prächtigen Altarstein. "So kam das Kirchspiel (Pfarrbezirk) zu dem Namen Heiligenkirchen. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass Papst Leo III. selbst in Heiligenkirchen war", schreibt Adolf Schüttler 2001. 1022 musste der Altarstein jedoch an das Kloster Abdinghof in Paderborn abgeben werden, wo er in der Krypta der neuen Klosterkirche seinen Platz fand. Als Grundherr konnte der Bischof dies verfügen.

Durch Teilungen und Rodungen nahm die Zahl der Hofstellen vor allem im 12. Jahrhundert zu. Im ältesten lippischen Schatzregister um 1390 gab es im Kirchspiel Heiligenkirchen neben den vier Meierhöfen bereits dreizehn weitere steuerpflichtige "Kolonate": "In deme dorpe de Soneke, de Kolmeyger (Köllermeier), de Swolner (Wellner), Sysenop (Siesenop), Dammeyger (Dammeier), de grote Goschalk (Grote), Cord de Herde, Bolte, de Lange, Henne Hopen, Wemere, Hermann Stryke, Hermann tor Molen (Mühle), de Meyger ouer dem Watere (Watermeier), de Meyger to Wamelynchtorpe (Meier zu Wantrup). In dem Toyte Waremeyger (Teutmeyer), Nolte."

Die Hofstellen Dammeier, de Soneke (später: Timmerhans) und Grote wurden mit jeweils rund 20 Hektar vom Hof Watermeier abgespalten. Das kann erst nach 1036 geschehen sein, denn als in diesem Jahr das Zehntrecht an das neu gegründete Paderborner Busdorf-Stift übertragen wurde, war der Hof noch eine "curtis dominicalis". Wahrscheinlich fand der Teilungsvorgang im 12. Jahrhundert statt. Während Grote inmitten seines geschlossenen Besitzes rechts der Berlebecke baute, siedelten die beiden anderen nahe dem Kirchhof, trotzdem sie vorwiegend rechts der Berlebecke, am Königsberg, Streubesitz erhielten. Auch der Hof Wellner ist aus dem ursprünglichen Königshof herausgelöst und baute links der Berlebecke, obwohl sein Land auf dem rechten Ufer lag. Erst 1852 versetzte er sein Haus vom Krugplatz auch dorthin (Schauinsland 27). Vom Hof Köllermeier wurde das Kolonat Siesenop abgespalten. Lediglich der Meier zu Wantrup konnte seinen Landbesitz zusammenhalten und wurde dadurch zum größten Hof der Bauerschaft.

Bis um 1900 ist Heiligenkirchen eine landwirtschaftlich geprägte Streusiedlung, die auf vier großen Höfen gründet und durch Höfeteilungen zu einer größeren Zahl an Stätten oder Kolonaten kam. Im 19. Jahrhundert führte das Bevölkerungswachstum zur Bildung zahlreicher Binnenkotten und Neuwohnerstätten, meist als Straßenkötter. Der Schwerpunkt verschob sich durch den Chausseebau zur Paderborner Straße.

Mit dem Umzug des Wellnerschen Kolonats Nr. 9 auf den Wellnerberg und der Errichtung eines großen Bruchsteinhauses als Gasthaus auf dem ehemaligen Wellnerschen Hofraum begann an der heutigen Denkmalstraße ab 1852 eine Siedlungsverdichtung in einer dorf-untypischen Massivbauweise, welche der Straße den Namen "Neustadt" einbrachte. 1894 begann auch die Aufsiedlung des Hohlen Wegs von der Denkmalstraße ausgehend nach Süden. Ab 1903 erschloss der "Gemeinnützige Bauverein GmbH" die Simonshöhe und es entstanden private Neubauten Am Krugplatz.

Ab 1900 kam es zu einer mehr oder weniger planmäßigen Anlage einer dem Dorf fremden und ebenso dorffern an der nördlichen Peripherie gelegenen Villenkolonie durch die Investoren Rentner Friedrich Pieper und Holzhändler Conrad Urhahn.[3] Nach Pieper wurde die Siedlung Friedrichshöhe benannt und später auch die dort gelegene Friedrich-Pieper-Straße.

Pläne, Ortsansichten

  • Flurkarte Heiligenkirchen/Berlebeck 1776 (LAV NRW OWL, D 73 Nr. 4/6395)
  • Besitzstand um 1880 der Bauerschaft Heiligenkirchen, bearb. nach Unterlagen des Katasteramtes Detmold von Architekt Richard Schluckebier, Gohfeld, M = 1: 5.000 (LAV NRW OWL, D 73 Tit. 5 Nr. 1492)
  • Ausschnitt der Karte von Berlebeck-Schling 1879, bearb. von Architekt Richard Schluckebier, Gohfeld, M = 1: 5.000 (LAV NRW OWL, D 73 Tit. 5 Nr. 1495/1496)
  • Flurkarte Gemarkung Heiligenkirchen Nr. 41 Kreis Detmold, Flur 1 bis 6, 1954, M = 1: 2.000 (LAV NRW OWL, D 73 Kat. Lippe 1 Nr. 2082/02/011 bis 2082/02/061)
  • Ansicht von Norden, Aquarell, Carl Dewitz, 1883 (LLB: BADT-53-12)
  • Ansicht von Nordosten, Zeichnung, Carl Dewitz, um 1880 (LLB: BADT-53-13)
  • Ansicht von Nordosten, Fotografie, um 1900 (LLB: ME-PK-24-121)
  • Ansichten von Nordosten, Fotografien, um 1909 (LLB: HSA 129 und 130)
  • Ansicht von Süden, Fotografie, um 1935 (LLB: ME-PK-24-134)
  • Luftbild von Südosten, Fotografie, um 1950 (LLB: ME-PK-24-125)
  • Luftbild von Südosten, Fotografie, um 1955 (LLB: ME-PK-24-157)
  • Ansicht von Osten, Fotografie, um 1960 (StA DT: DT BA 1131)

Ortsname

Der Name beruht auf dem frühen Bau der Kirche, die als Eigenkirche auf dem Haupthof Watermeier Ende des 8. oder Anfang des 9. Jahrhunderts erbaut wurde. Anfang des 11. Jahrhunderts wird der Name Heiligenkirchen erstmals urkundlich in der Schreibweise "Halugokircan", "Halogokircan" bzw. "Helagankyrcan" dokumentiert, und zwar in der Vita Meinwerci, der um 1160 verfassten Lebensbeschreibung des Paderborner Bischofs Meinwerk, dessen Amtszeit von 1009 bis 1036 währte. Die beiden Erwähnungen sind nicht datiert, aber eingrenzbar auf den Zeitraum zwischen der Weihe des wiederaufgebauten Paderborner Doms 1015 und dem Tod Meinwerks 1036. Wahrscheinlich ist eine zeitliche Nähe zum Jahr 1015.

Wie die Sprachwissenschaftlerin Birgit Meineke zeigte, bedeutet der Name "(bei der) Kirche der Heiligen".[4] Diese Heiligen waren der heilige Stephanus, dessen Reliquien "mit denen vieler anderer Heiliger" in der Kirche ruhten, und Cosmas und Damian, syrische Zwillingen, die sich zum Christentum bekannt hatten, als Ärzte unentgeltlich Kranke behandelten und später – dazu gibt es widersprüchliche Überlieferungen – vielleicht als Märtyrer starben.

Hausnummern

Die Höfe erhielten erst 1766 mit der "Verordnung wegen Numerirung der Häuser" eine Nummer zur Unterscheidung. Bis dahin orientierte man sich am Hofnamen. Die Zahl der Hausstellen in Heiligenkirchen war zu dieser Zeit mit 25 Kolonaten noch sehr überschaubar. Üblicherweise behielt ein Hof auch bei Besitzerwechsel, etwa Einheirat eines Mannes bei weiblicher Hoferbin, den bekannten Hofnamen, den der Mann als Familiennamen annahm. Gleiches galt auch für einen Pächter. Diese Hofnamensitte bestand in Lippe ohne rechtliche Einschränkung bis 1864.

Die Nummerierung folgte der Hofgröße. Die Fortschreibung der Hausnummern bei neu entstehenden Kolonaten erfolgte dann aber notgedrungen chronologisch. Diese Regelung der Nummernvergabe war bis zur Kommunalreform 1970 in Kraft, als die Einführung einer straßenweisen Zählung mit ungeraden Nummern auf der rechten und geraden Nummern auf der linken Straßenseite erfolgte. Um 1960 hatten die Straßen überhaupt erst eine amtliche Bezeichnung erhalten. Diese Umstellung der Hausnummern wurde im 20. Jahrhundert durch die enorme Zunahme an Wohnhäusern notwendig. Heiligenkirchen hatte 1648 erst 15 Kolonate, 200 Jahre später waren es 50 und 1910 schon 145 Wohnhäuser. Die vermutlich letzte fortlaufende Hausnummer war 1964 die 523 (heute: Friedrich-Pieper-Straße 2).

Konkordanz der alten Hausnummern zu den aktuellen Adressen:

  • Heiligenkirchen Nr. 89 = 1932 nach Hiddesen Nr. 295 übertragen.

Bevölkerung

Durch das Schatzregister von etwa 1390 wissen wir, dass Heiligenkirchen damals aus 17 schatzpflichtigen Höfen und der Wassermühle bestand, mit insgesamt 160 Einwohnern. Bis 1617 veränderte sich das nicht merklich. Erst die Volkszählung von 1769 nennt 50 Haushaltungen in 25 Häusern mit 224 Einwohnern, davon 52 unter zehn Jahren. Mehrere Kolonate (Hofstellen) bestanden aus zwei Wohnhäusern, dem Haupthaus und dem Leibzuchtgebäude. Sieben Jahre später waren es 59 Haushalte in 27 Häusern mit 238 Einwohnern, darunter 15 Leibzüchter, 6 Hollandgänger, 4 Weber, 20 Spinner, 2 Maurer und 3 Bettler. Bis 1828 wuchs die Zahl der Einwohner auf 344. Sie lebten in 71 Haushaltungen in 51 Wohnhäusern auf 34 Kolonaten. Von diesen wurden neun, also fast ein Viertel, als „neue Kolonate“ bezeichnet. Die Einwohnerstruktur schlüsselt sich folgendermaßen auf: 71 Frauen, 67 Männer, 75 Söhne, 71 Töchter, sieben weibliche und fünf männliche Hausgenossen, 26 männliche und 22 weibliche Dienstboten. 111 Einwohner, also ein knappes Drittel, waren jünger als 14 Jahre, keiner über 80 Jahre alt. Hinzu kamen von den zu Heiligenkirchen zählenden fünf alten Hausstellen im Schling neun Haushaltungen mit 43 Einwohnern. Der Anteil der unter 14jährigen darunter war hier mit sieben Jungen und zwölf Mädchen noch höher.

1835 waren es 450 Einwohner, 1852 schon 506, 1875 dann 624, zum Jahrhundertwechsel 826, darunter schon 8 Katholiken, in 111 Wohnhäusern. 1910 zählte man 1.078, darunter 18 Katholiken, in 145 Wohnhäusern. Durch den Ersten Weltkrieg sank die Zahl leicht auf 1.056 im Jahr 1925, wuchs dann aber rasant auf 1.491 im Jahr der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 und 1.627 zu Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939. Die auch nach Heiligenkirchen kommenden Flüchtlinge und Vertriebenen führten nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer erheblichen Zunahme. 1946 waren es 2.186, 1950 bereits 2.352, 1960 dann 2.690 Einwohner und 1987 3.737 Einwohner. Seitdem sinkt die Zahl langsam (2020: 3.185).

Wohnstätten

Was die Zahl der Wohnstätten betrifft, waren im späten 14. Jahrhundert 17 Kolonate vorhanden, deren Zahl kurzzeitig auf 20 stieg, 1617 aber wieder bei 17 gesunken lag. 1769 waren es 25 Wohnhäuser, deren Zahl nun kontinuierlich wuchs und sich bis 1828 auf 51 verdoppelte, zuzüglich der fünf zu Heiligenkirchen zählenden im Schling. 1875 waren es 77 Häuser (ohne Schling). Nun beschleunigte sich das Wachstum auf 111 Wohnhäuser zur Jahrhundertwende und 145 zuzüglich zwölf Wohnhäusern im Schling 1910. 1930 waren es 168 Wohnstätten. 37 Kolonate im Schling wurden 1935 von Berlebeck nach Heiligenkirchen umgemeindet und erhielten neue Kolonat-Nummern (187–224). Bis 1940 stieg die Zahl der Wohnhäuser um weitere 41 auf 246. 1960 waren es doppelt so viele. 1968 schließlich gab es 575 Wohnhäuser mit 1.200 Wohnungen, fast zehn mal so viel wie 100 Jahre zuvor.

Verkehrswege

In Heiligenkirchen kreuzt der Alte Postweg (KönigstraßeAm KrugplatzHohler Weg) auf seinem Verlauf von Detmold nach Paderborn die Berlebecke. Hier entstand neben einer Furt spätestens Ende des 16. Jahrhunderts eine Brücke. Vor dem wenige Meter hinter der Brücke nach Nordwesten zur Kirche abzweigenden Steinweg befand sich der Dorfkrug. Vor der Kirche traf der Steinweg auf den Unteren Weg, welcher als innerörtliche Nord-Süd-Verbindung auf der linken Kante des Hochgestades der Berlebecke die Höfe Teutmeier, Warweg und Wantrup miteinander und mit der Kirche verbindet. Am Ende des Steinwegs trifft von Süden der Kirchweg auf ihn.

Ein weiterer Weg führte zwischen dem Hof Dammeier und dem Küsterhaus am Silberbach entlang zum Köllerhof und weiter in den Schling. Dieser Weg, der im Osten bis zur Kreuzung mit dem Hohlen Weg und darüber hinaus führte, wurde mit seiner Verlängerung bis zur Baustelle des Hermannsdenkmals im 19. Jahrhundert "Denkmalstraße" genannt.

Erst ab 1799, unter der Regentschaft der Fürstin Pauline, entstanden die Paderborner Straße und in deren weiterem Verlauf der Pass über die Gauseköte als mautpflichtige Chaussee (Kunststraße).

1897 erhielten der Ingenieur Ferdinand Wessel und der Stadtbaumeister Schubert die Konzession für den Bau einer Straßenbahn. 1898 wurde die Kommanditgesellschaft "Lippische Elektrizitätswerke" gegründet und 1900 in eine AG (LEAG) umgewandelt. Eine Straßenbahnlinie verlief von Detmold nach Berlebeck auf der Paderborner Straße durch Heiligenkirchen. 1954 wurde der Straßenbahnbetrieb eingestellt und durch Postbusse ersetzt.

Straßen

Aufgeführt sind vorläufig nur Straßen, in denen 1925 bereits Hausstätten bestanden. Zur Konkordanz der aktuelle zu früheren Straßennamen siehe das Verzeichnis der Straßennamen (Heiligenkirchen).

Literatur

Erich Kittel, Detmold bis zum Ende des 17. Jahrhunderts, in: Geschichte der Stadt Detmold. Im Auftrage der Stadt Detmold hg. vom Naturwissenschaftlichen und Historischen Verein für das Land Lippe, Detmold 1953, S. 48–181

Karl Sundergeld (Hg.), Das älteste lippische Schatzregister aus dem Ende des 14. Jahrhunderts für die Kirchspiele Detmold, Heiligenkirchen, Meinberg und Cappel. Mit einer Einleitung von Erich Kittel, in: Lipp. Mitt. 23 (1954), S. 38-51.

Hermann Wendt, Das ehemalige Amt Falkenberg, Lemgo 1965.

Heiligenkirchen. Ein Streifzug durch die Vergangenheit, hg. vom Heimat- und Verkehrsverein Heiligenkirchen, Horb am Neckar 1989.

Herbert Stöwer, Die frühen Kirchengründungen im Raum Detmold, in: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, 68 (1999), S. 45–64.

Christa Schröder, Die alten Schlinger Hausnummern, in: Bergfreunde Schling (Hg.), Schlinger Mitteilungen aus alter und neuer Zeit, Detmold 1999, S. 33–34.

Herbert Stöwer (Bearb.), Die ältesten Lippischen Landschatzregister von 1467, 1488, 1497 und 1507 (Westfälische Schatzungs- und Steuerregister; 7), Münster 2001.

Roland Linde, Ortsnamen und Grundherrschaft im Frühmittelalter. Das Beispiel des Tafelgutes der Bischöfe von Paderborn, in: Mareike Menn u. Michael Strohmer (Hg.), Total Regional. Studien zur frühneuzeitlichen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Festschrift für Frank Göttmann zum 65. Geburtstag, Regensburg 2011, S. 33–51

1000 Jahre Heiligenkirchen 1015–2015. Festschrift, hg. vom Heimat- und Verkehrsverein Heiligenkirchen, Detmold 2015.

Adolf Schüttler, Theotmalli – Heiligenkirchen – Detmold. Landesnatur und frühe Siedlung, in: Heimatland Lippe 93 (2000), S. 208–212.

Adolf Schüttler, Theotmalli – Heiligenkirchen – Detmold. Landesnatur und fränkische Siedlungskolonisation, in: Geographische Kommission für Westfalen – GeKo Aktuell, 1 (2001), S. 2–6.

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Alphabetisches Verzeichnis der im Fürstentum Lippe vorkommenden Wohnplatz-Bezeichnungen, in: Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1918, S. 199-208.
  2. Roland Linde, Ortsnamen und Grundherrschaft im Frühmittelalter. Das Beispiel des Tafelgutes der Bischöfe von Paderborn, in: Mareike Menn u. Michael Strohmer (Hg.), Total Regional. Studien zur frühneuzeitlichen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Festschrift für Frank Göttmann zum 65. Geburtstag, Regensburg 2011, S. 33–51.
  3. LAV NRW OWL, L 101 C III Nr. 366 Art.-Nr. 125.
  4. Birgit Meineke: Die Ortsnamen des Kreises Lippe, Bielefeld 2010 PDF, S. 212f.

Autor*innen

Joachim Kleinmanns