Neue Straße 62 (Lemgo): Unterschied zwischen den Versionen
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Ein Fachwerk-Giebelhaus aus dem 17. Jahrhundert. Ursprünglich als Teil der Nikolai-Bauerschaft (Abkürzung: N.B.) Nr. 124 geführt, später als Neue Straße Nr. 62. Eintragung in die Denkmalakte der Stadt Lemgo im Jahr 1999. | |||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Das kleine Giebelhaus wurde nach einer Inschrift an der Giebelschwelle 1665 für den durch die Hexenprozesse bekannten Scharfrichter David Clauss erbaut. Das infolge des Dreißigjährigen Krieges wüst gewordene Grundstück hatte er bereits 1649 für den Preis von drei Talern erworben. | |||
Nach dem Tode des Scharfrichters Clauss im Jahr 1696 wurde das Haus von C. Meyer bewohnt, der als Diener, Stadtdiener und Holzförster bezeichnet wird. Für die Jahre 1726-28 ist eine Witwe Hagemann als zusätzliche Mieterin nachzuweisen. Auch bei dem nachfolgenden Besitzer Rump (1737-1760) gab es verschiedentlich Untermieter, insbesondere Witwen. Im Jahr 1776 wohnte hier die Witwe Westhoff mit drei Töchtern, die ihr Brot mit Spinnen verdiente. 1790 hat sich hier ein Soldat eingemietet. Im 19. Jahrhundert war das Haus im Besitz des Schuhmachers Stahl. | |||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
Bei dem Gebäude handelt es sich um ein kleines Fachwerk-Giebelhaus von fünf Gebinden breite. Das vordere Giebeldreieck kragt über Stichbalken und abgefaster Schwelle leicht vor. Die Dachbalken sind eingehälst, dazwischen befinden sich Kopfriegel mit aufgelegter Sparrenschwelle. An den Traufwänden sind drei der Eckständer mit geraden Fußstreben gesichert, die Zwischenständer, nicht mit dem Gefüge vernagelt, scheinen erst bei einem Umbau im 18. Jahrhundert eingesetzt worden zu sein. | |||
Das Haus ist verschiedentlich umgebaut worden. Ursprünglich gab es wohl nur rechts eine Stube von drei Fach Tiefe und ca. 16 qm Grundfläche sowie eine darüber befindliche Kammer. Dahinter, in dem letzten Fach, ist eine hohe, nicht von der Diele im linken Teil des Hauses abgetrennte Küche anzunehmen, von der aus auch der Stubenofen befeuert wurde. | |||
Wahrscheinlich ist erst im späten 18. Jahrhundert bei einem Umbau rechts ein bis zum rückwärtigen Giebel durchgehender zweigeschossiger Einbau entstanden, der vorne eine Stube, dahinter eine Schlafkammer enthielt und mit einem Keller versehen wurde. Die noch 1807 verzeichnete einzige Feuerstelle im Haus war offen und befand sich in der linken hohen Diele an der Einbauwand, damit der Stubenofen von dort befeuert werden konnte. Der Rauch zog frei durch die Diele ins Dach ab. | |||
Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist eine Zwischendecke in der Diele eingezogen worden, wodurch das Haus heute als durchgehend zweigeschossig erbaut erscheint. | |||
==Inschriften== | ==Inschriften== | ||
Am Schwellbalken ist die Inschrift zu finden: "M . DAVID . CLAVS VND ANGENESA BRÖKERS ANNO 1665 . MEIN GAST AVS VND EIN LAS DIR O GOTT BEFOLEN SEIN" | |||
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ||
1665, David Clauss, Scharfrichter. | |||
1696, C. Meyer, Diener, Stadtdiener, Holzförster. | |||
1726-28, Witwe Hagemann, Untermieterin. | |||
1737-176, Rump. | |||
1776, Witwe Westhoff & drei Töchter, Spinnerin. | |||
1901, Stahl, Eduard, Schuhmacher. | |||
==Literatur== | ==Literatur== | ||
==Quellen== | ==Quellen== | ||
"Straßenverzeichnis mit Hausnummern. Neue und alte Hausnummern -vor 1890- ermittelt aus B 2601", Lemgo 1972, S. 20. | |||
Denkmalliste der Stadt Lemgo, Nr. A 376. | |||
==Weblinks== | ==Weblinks== | ||