Hiddentruper Straße 6x (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen
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Im Herbst 1902 steht der nächste Generationswechsel auf dem Hof an. Der alte Kötter Christoph Brokmann ist seit einem Jahr verwitwet, sein Sohn, der Anerbe August Brokmann (1871 – 1939), hat zwei Jahre zuvor geheiratet und soll nun den Hof übernehmen. Dies bedeutet erhebliche Verpflichtungen: 3000 Mark will der abtretende Kötter selbst statt einer Leibzucht haben, mehrere jüngere, noch unverheiratete Schwestern sollen mit je 500 Mark abgefunden werden. Zugleich bekundet der alte Brokmann selbst, dass sein Kolonat sehr verschuldet sei. Der Anerbe versucht zunächst, beim Amtsgericht eine Minderung der Brautschätze zu erreichen und lehnt schließlich die Übernahme der Stätte ab.<ref>LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold) Nr. 300190</ref> Zu dieser Übernahme kommt es erst Mitte 1913, als der alte Vater nach einem Sturz verletzt ist. Jetzt ist der Hof mit 22 950 Mark Hypotheken belastet. | Im Herbst 1902 steht der nächste Generationswechsel auf dem Hof an. Der alte Kötter Christoph Brokmann ist seit einem Jahr verwitwet, sein Sohn, der Anerbe August Brokmann (1871 – 1939), hat zwei Jahre zuvor geheiratet und soll nun den Hof übernehmen. Dies bedeutet erhebliche Verpflichtungen: 3000 Mark will der abtretende Kötter selbst statt einer Leibzucht haben, mehrere jüngere, noch unverheiratete Schwestern sollen mit je 500 Mark abgefunden werden. Zugleich bekundet der alte Brokmann selbst, dass sein Kolonat sehr verschuldet sei. Der Anerbe versucht zunächst, beim Amtsgericht eine Minderung der Brautschätze zu erreichen und lehnt schließlich die Übernahme der Stätte ab.<ref>LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold) Nr. 300190</ref> Zu dieser Übernahme kommt es erst Mitte 1913, als der alte Vater nach einem Sturz verletzt ist. Jetzt ist der Hof mit 22 950 Mark Hypotheken belastet. | ||
Großes Geschick in schwierigen Zeiten beweist das Ehepaar Brokmann, indem es am Vorabend der großen Inflation 1918/19 die Nachbarstätte Nr. 6 und | Großes Geschick in schwierigen Zeiten beweist das Ehepaar Brokmann, indem es am Vorabend der großen Inflation 1918/19 die Nachbarstätte Nr. 6 und 1920 die Nachbarstätte Nr. 72 kauft. Das führt zu noch mehr Schulden, die aber bald (mit entwertetem Geld) getilgt werden können. Auch der Wohnsitz der Familie wird auf Stätte Nr. 6, später auf Nr. 72 verlegt. | ||
Nach dem Zweiten Weltkrieg endet die Bewirtschaftung der knapp 20 ha großen Stätte Brokmann; Grundstücke werden sukzessive verkauft - unter anderem das Areal für den Bau der Hörster Schule (1950; ca. 1500 qm), Ackerland auf dem Hörsterbruch, das der Stätte bei der Teilung um 1840 zugefallen ist, zur Ansiedlung des Industriebetriebes Slendor ( 1965; mehrere Hektar) sowie zwei Baugrundstücke, wo zuvor das alte Haus Nr. 6 gestanden hat (1981). | Nach dem Zweiten Weltkrieg endet die Bewirtschaftung der knapp 20 ha großen Stätte Brokmann; Grundstücke werden sukzessive verkauft - unter anderem das Areal für den Bau der Hörster Schule (1950; ca. 1500 qm), Ackerland auf dem Hörsterbruch, das der Stätte bei der Teilung um 1840 zugefallen ist, zur Ansiedlung des Industriebetriebes Slendor ( 1965; mehrere Hektar) sowie zwei Baugrundstücke, wo zuvor das alte Haus Nr. 6 gestanden hat (1981). | ||