Primkerstraße 5 (Lemgo): Unterschied zwischen den Versionen
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Ein zweigeschossiger Putzbau aus dem Jahr 1911. Eintragung in die Denkmalakte der Stadt Lemgo im Jahr 2012. | |||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Das am Wall liegende Grundstück wird westlich und nordöstlich eingefriedet durch den Mauerverlauf, vermutlich des ehemaligen Gumerinkhofes (Wulfenhof an der Mittelstraße). | |||
Dieses Bauwerk wurde im Jahre 1911 vom Stadtbaumeister Müller auf dem Areal des ehemaligen Gumerinkhofes im Nordwesten des Stadtkerns als Oberschule für Mädchen errichtet. | |||
Zunächst hieß die Schule ab 1913 "Höhere Mädchenschule", nachdem sie 1923 in städtische Verwaltung kam wurde sie in "Städtisches Lyzeum" umbenannt. | |||
Bis 1961 wurde es als „Marianne-Weber-Gymnasium“ geführt mit einer Interimsnutzung als Lazarett und Krankenhaus von 1944-46. | |||
Von 1963 bis 1978 befand sich in diesem Gebäude das Amtsgericht, seit 1983 fungiert es als Jugendzentrum „Haus am Wall“ . | |||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
Es handelt sich um einen zurückgesetzten, traufenständigen zweigeschossigen Putzbau auf Werksteinquadersockel mit Sandstein-Wasserschlag unter mit Ziegelhohlpfannen gedecktem Satteldach. | |||
Das Bauwerk hat zwei Seitenrisalite mit Fachwerkkonstruktionen oberhalb der Haupttraufzone, davon erhebt sich der südliche über polygonalem Grundriss und hat ein Pyramidendach, der nördliche hat ein Satteldach und einen flachen Erker mit Fachwerkapplikation. Das dazwischenliegende, vorgebaute und mit einem geschweiften Abschluss ausgestattete rundbogige Mittelportal aus Sandstein ist aufwändig gestaltet mit tiefer Hohlkehle, einem in Kämpferhöhe verlaufendem Beschlagwerkfries, alternierenden Applikationen des Sternberger Sterns und der Lippischen Rose und dem Stadtwappen als Bekrönung. | |||
Die dreiflügelige Rahmenfüllungstür mit versprosstem Oberlicht und verglastem Mittelflügel weist eine Architekturgliederung auf und zeigt in den unteren Bereichen der drei Flügel plastisches Faltenwerk. Die seitlichen, feststehenden Flügel zeigen in den Füllungen Reliefs mit symbolhaften Darstellungen der Lehrinhalte. Über dem Eingangsvorbau befindet sich ein Balkon mit geschmiedetem Eisengitter, davor liegt eine breite, sich nach oben verjüngende Treppe mit geschweiften Wangen, mit Kugelbesatz und schweren Ketten dazwischen. Der ursprünglich mittig vorhandene Dachreiter wurde entfernt. | |||
Die dreibahnigen Fenster der Schauseite (Ostfassade) haben aufwändige Sandsteineinfassungen mit Beschlagwerk. Der nördliche Giebelschild weist geschweifte Abschlüsse auf, der südliche wurde im Zusammenhang mit dem Erweiterungsanbau (nicht Bestandteil des Baudenkmals) verändert. Die Gebäuderückseite ist schlicht verputzt mit profiliertem Traufgesims und weist ebenfalls dreibahnige Fenster mit Oberlicht auf, deren Öffnungen hier rahmenlos in die Wandfläche eingeschnitten sind. | |||
Der rückwärtige Ausgang, dessen Türflügel und die davorliegende Treppe sind bei einer späteren Umnutzung hinzugefügt worden. Die Rückseite weist zwei große, seitlich aufgesetzte, Zwerchhäuser unter Satteldächern mit jeweils fünf schmalen, hochrechteckigen Fenstern und liegend ovalen Fensteröffnungen in den Giebelfeldern darüber auf. Im Gebäudeinneren ist die bauzeitliche Erschließung mit der Treppe und die Aula im Dachgeschoß mit dem bauzeitlichen Scheingewölbe erhalten, die Strukturen des Erdgeschosses und des Kellers wurden in den Jahren 1980/81 nutzungsbedingt verändert. | |||
==Inschriften== | ==Inschriften== | ||
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ||
1911, Oberschule für Mädchen. (ab 1913 "Höhere Mädchenschule", heute "Marianne-Weber Gymnasium") | |||
1926, Besitz der Stadt Lemgo, Städtisches Lyzeum. Bewohner: Fuhlhage, Ernst, Schuldiener.<ref>{{LippeAdressbuch1926}}, S 333.</ref> | |||
1963, Amtsgericht Lemgo. | |||
1983, Jugendzentrum "Haus am Wall". | |||
==Literatur== | ==Literatur== | ||
==Quellen== | ==Quellen== | ||
Denkmalliste der Stadt Lemgo, Nr. A 426. | |||
==Weblinks== | ==Weblinks== | ||
Aktuelle Version vom 8. Mai 2026, 13:21 Uhr
| Primkerstraße 5 (Lemgo) | |
|---|---|
| Ortsteil | Lemgo (Kernstadt) |
| Straße | Primkerstraße (Lemgo) |
| Hausnummer | 5 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Nein |
Ein zweigeschossiger Putzbau aus dem Jahr 1911. Eintragung in die Denkmalakte der Stadt Lemgo im Jahr 2012.
Geschichte
Das am Wall liegende Grundstück wird westlich und nordöstlich eingefriedet durch den Mauerverlauf, vermutlich des ehemaligen Gumerinkhofes (Wulfenhof an der Mittelstraße).
Dieses Bauwerk wurde im Jahre 1911 vom Stadtbaumeister Müller auf dem Areal des ehemaligen Gumerinkhofes im Nordwesten des Stadtkerns als Oberschule für Mädchen errichtet.
Zunächst hieß die Schule ab 1913 "Höhere Mädchenschule", nachdem sie 1923 in städtische Verwaltung kam wurde sie in "Städtisches Lyzeum" umbenannt.
Bis 1961 wurde es als „Marianne-Weber-Gymnasium“ geführt mit einer Interimsnutzung als Lazarett und Krankenhaus von 1944-46.
Von 1963 bis 1978 befand sich in diesem Gebäude das Amtsgericht, seit 1983 fungiert es als Jugendzentrum „Haus am Wall“ .
Gebäude
Es handelt sich um einen zurückgesetzten, traufenständigen zweigeschossigen Putzbau auf Werksteinquadersockel mit Sandstein-Wasserschlag unter mit Ziegelhohlpfannen gedecktem Satteldach.
Das Bauwerk hat zwei Seitenrisalite mit Fachwerkkonstruktionen oberhalb der Haupttraufzone, davon erhebt sich der südliche über polygonalem Grundriss und hat ein Pyramidendach, der nördliche hat ein Satteldach und einen flachen Erker mit Fachwerkapplikation. Das dazwischenliegende, vorgebaute und mit einem geschweiften Abschluss ausgestattete rundbogige Mittelportal aus Sandstein ist aufwändig gestaltet mit tiefer Hohlkehle, einem in Kämpferhöhe verlaufendem Beschlagwerkfries, alternierenden Applikationen des Sternberger Sterns und der Lippischen Rose und dem Stadtwappen als Bekrönung.
Die dreiflügelige Rahmenfüllungstür mit versprosstem Oberlicht und verglastem Mittelflügel weist eine Architekturgliederung auf und zeigt in den unteren Bereichen der drei Flügel plastisches Faltenwerk. Die seitlichen, feststehenden Flügel zeigen in den Füllungen Reliefs mit symbolhaften Darstellungen der Lehrinhalte. Über dem Eingangsvorbau befindet sich ein Balkon mit geschmiedetem Eisengitter, davor liegt eine breite, sich nach oben verjüngende Treppe mit geschweiften Wangen, mit Kugelbesatz und schweren Ketten dazwischen. Der ursprünglich mittig vorhandene Dachreiter wurde entfernt.
Die dreibahnigen Fenster der Schauseite (Ostfassade) haben aufwändige Sandsteineinfassungen mit Beschlagwerk. Der nördliche Giebelschild weist geschweifte Abschlüsse auf, der südliche wurde im Zusammenhang mit dem Erweiterungsanbau (nicht Bestandteil des Baudenkmals) verändert. Die Gebäuderückseite ist schlicht verputzt mit profiliertem Traufgesims und weist ebenfalls dreibahnige Fenster mit Oberlicht auf, deren Öffnungen hier rahmenlos in die Wandfläche eingeschnitten sind.
Der rückwärtige Ausgang, dessen Türflügel und die davorliegende Treppe sind bei einer späteren Umnutzung hinzugefügt worden. Die Rückseite weist zwei große, seitlich aufgesetzte, Zwerchhäuser unter Satteldächern mit jeweils fünf schmalen, hochrechteckigen Fenstern und liegend ovalen Fensteröffnungen in den Giebelfeldern darüber auf. Im Gebäudeinneren ist die bauzeitliche Erschließung mit der Treppe und die Aula im Dachgeschoß mit dem bauzeitlichen Scheingewölbe erhalten, die Strukturen des Erdgeschosses und des Kellers wurden in den Jahren 1980/81 nutzungsbedingt verändert.
Inschriften
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
1911, Oberschule für Mädchen. (ab 1913 "Höhere Mädchenschule", heute "Marianne-Weber Gymnasium")
1926, Besitz der Stadt Lemgo, Städtisches Lyzeum. Bewohner: Fuhlhage, Ernst, Schuldiener.[1]
1963, Amtsgericht Lemgo.
1983, Jugendzentrum "Haus am Wall".
Literatur
Quellen
Denkmalliste der Stadt Lemgo, Nr. A 426.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat, S 333.
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 08.05.2026 von Nils Lienenlüke
Letzte Änderung am: 08.05.2026 von Nils Lienenlüke