Kolonat 30 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen
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{{Hausstätte info | {{Hausstätte info | ||
|Ortsteil=Hörste | |Ortsteil=Hörste | ||
|Koordinaten=51. | |Straße=- | ||
|Hausnummer=- | |||
|Koordinaten=51.92953, 8.70252 | |||
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|Wohnplatz1901=Schapeler | |Wohnplatz1901=Schapeler | ||
|Hausnummer1901=030 | |Hausnummer1901=030 | ||
}} | }}Der Hof Schapeler (zugleich auch Wohnplatz „auf dem Schapeler“), ehemals [[Hörste]] Nr. 30, war ein Gehöft in extremer Alleinlage zwischen Hörste bzw. Stapelage (ca. 4 bzw. 3 km Luftlinie), Stukenbrock (ca. 4 km Luftlinie) und der heutigen Südstadt Oerlinghausen ( ebenfalls ca. 4 km Luftlinie). Die Entstehung gerade an diesem absolut einsamen Ort ist einer geologischen Besonderheit geschuldet: Mitten in der weiten Sennelandschaft - einem Meer von äußerst unfruchtbarem Sand - ragt um „den Schapeler“ einer Insel gleich schwerer, das Wasser haltender Boden an die Oberfläche, so dass hier - aber nur hier - halbwegs auskömmlicher Ackerbau in der Senne möglich war. | ||
Der Hof Schapeler (zugleich auch Wohnplatz „auf dem Schapeler“) war ein Gehöft in extremer Alleinlage zwischen Hörste bzw. Stapelage (ca. 4 bzw. 3 km Luftlinie), | |||
Als ehemalige Kötterstätte des Gutes Stapelage gehörte die Stätte Schapeler Zeit ihres Bestehens (vor 1600 – 1962) zur Bauerschaft Hörste-Stapelage, während ihr Ort danach (1970) mit der Stapelager Senne nach Augustdorf umgemeindet wurde. Als Hörster Stätte wurde der Sennehof Schapeler ab 1766 unter der Hausnummer 30 geführt. | Als ehemalige Kötterstätte des Gutes Stapelage gehörte die Stätte Schapeler Zeit ihres Bestehens (vor 1600 – 1962) zur Bauerschaft Hörste-Stapelage, während ihr Ort danach (1970) mit der Stapelager Senne nach Augustdorf umgemeindet wurde. Als Hörster Stätte wurde der Sennehof Schapeler ab 1766 unter der Hausnummer 30 geführt. | ||
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Im Juni 1688 heiratet der Anerbe Berend Henrich Schapeler Anna Cath. Heuwinkel aus dem Hey, die 100 Taler und Vieh mit auf die Stätte in der Senne bringt.<ref> LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 135, S. 94 </ref> In den Jahren danach entwickeln sich heftige Streitereien zwischen der jungen Schapelerschen einerseits und ihrer Schwiegermutter mit Töchtern andererseits, die bis zu Tätlichkeiten gehen.<ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 67 u. 148 </ref> Nachdem 1694 die Übergabe der Stätte an die jungen Leute erfolgt ist <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 149 </ref>, werden 1695 auch schwere Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn - dem alten und dem jungen Schapeler - gemeldet.<ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 191 </ref> 1697 zahlt der junge Schapeler Weinkauf für eine Stättenerweiterung; er will mehr Bienen halten (den „Immenstand“ erweitern) und verschiedene Sennestücke beackern.<ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 274 </ref> | Im Juni 1688 heiratet der Anerbe Berend Henrich Schapeler Anna Cath. Heuwinkel aus dem Hey, die 100 Taler und Vieh mit auf die Stätte in der Senne bringt.<ref> LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 135, S. 94 </ref> In den Jahren danach entwickeln sich heftige Streitereien zwischen der jungen Schapelerschen einerseits und ihrer Schwiegermutter mit Töchtern andererseits, die bis zu Tätlichkeiten gehen.<ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 67 u. 148 </ref> Nachdem 1694 die Übergabe der Stätte an die jungen Leute erfolgt ist <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 149 </ref>, werden 1695 auch schwere Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn - dem alten und dem jungen Schapeler - gemeldet.<ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 191 </ref> 1697 zahlt der junge Schapeler Weinkauf für eine Stättenerweiterung; er will mehr Bienen halten (den „Immenstand“ erweitern) und verschiedene Sennestücke beackern.<ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 274 </ref> | ||
[[Datei:1839 Bienen Warnung OWL L77A 00227 0042.jpg|mini|Warnung vor den Bienen auf dem Schapeler in der Senne, 1839, LAV NRW OWL, L 77 A Nr. 227]] | |||
Die Haltung von „Immen“ (Bienenvölkern) war vor Jahrhunderten ein wichtiger Wirtschaftszweig auf dem Lande, da Honig, besonders aber Wachs (für Kerzen/Beleuchtung) ein begehrtes Handelsgut war. In frühesten Viehschatzregistern (Besteuerungsgrundlage) werden neben Pferden, Kühen, Rindern, Schafen und Schweinen „Immen“ gezählt – nicht aber das Federvieh. Auf dem Schapelerhof wurden Zeit seines Bestehens zahlreiche Bienenvölker gehalten, weil die dortige Flora (allerlei früh blühende Wiesenkräuter, danach die lange Blüte der großen Heideflächen im August) dies begünstigte. | Die Haltung von „Immen“ (Bienenvölkern) war vor Jahrhunderten ein wichtiger Wirtschaftszweig auf dem Lande, da Honig, besonders aber Wachs (für Kerzen/Beleuchtung) ein begehrtes Handelsgut war. In frühesten Viehschatzregistern (Besteuerungsgrundlage) werden neben Pferden, Kühen, Rindern, Schafen und Schweinen „Immen“ gezählt – nicht aber das Federvieh. Auf dem Schapelerhof wurden Zeit seines Bestehens zahlreiche Bienenvölker gehalten, weil die dortige Flora (allerlei früh blühende Wiesenkräuter, danach die lange Blüte der großen Heideflächen im August) dies begünstigte. | ||
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Der neue Besitzer der Schapelerstätte verliert noch im selben Jahr seine Frau, heiratet 1872 erneut – Justine Amalie (genannt Auguste) Ostmann aus dem Hörster Krug, eine Nichte seiner verstorbenen ersten Ehefrau. Mitte 1887 verstirbt Wilhelm Sölter selbst an der auf dem Schapeler häufiger auftretenden Schwindsucht. Vor der nächsten Ehe der Witwe wird im April 1888 einen ''Schichtung'' (Erbteilsfestlegung für die Kinder erster Ehe) protokolliert, für die der Wert der Stätte bestimmt werden muss. Dabei wird die damalige Situation auf dem Schapeler trefflich beschrieben: <ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 47 </ref> | Der neue Besitzer der Schapelerstätte verliert noch im selben Jahr seine Frau, heiratet 1872 erneut – Justine Amalie (genannt Auguste) Ostmann aus dem Hörster Krug, eine Nichte seiner verstorbenen ersten Ehefrau. Mitte 1887 verstirbt Wilhelm Sölter selbst an der auf dem Schapeler häufiger auftretenden Schwindsucht. Vor der nächsten Ehe der Witwe wird im April 1888 einen ''Schichtung'' (Erbteilsfestlegung für die Kinder erster Ehe) protokolliert, für die der Wert der Stätte bestimmt werden muss. Dabei wird die damalige Situation auf dem Schapeler trefflich beschrieben: <ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 47 </ref> | ||
Aus den im heutigen Protokoll angegebenen Gründen, namentlich deshalb, weil ein mitten in der Senne, ''von anderen Orten weit entfernt liegendes Colonat, zu dem nur Sandländereien gehören, schwer zu bewirthschaften ist, überhaupt nur einen geringen Ertrag an Früchten liefert und die Ernte hier ganz besonders von Witterungsverhältnissen abhängig ist, die Häuser noch theilweise mit Strohdächern versehen | ''Aus den im heutigen Protokoll angegebenen Gründen, namentlich deshalb, weil ein mitten in der Senne,'' ''von anderen Orten weit entfernt liegendes Colonat, zu dem nur Sandländereien gehören, schwer zu bewirthschaften ist, überhaupt nur einen geringen Ertrag an Früchten liefert und die Ernte hier ganz besonders von Witterungsverhältnissen abhängig ist, die Häuser noch theilweise mit Strohdächern versehen und deshalb die höchste Abgabe davon bezahlt werden muß, während für die vermietheten Räume hier mitten in der Senne nur ein geringes Mietgeld erzielt werden kann und wie dem Gerichte bekannt, der verstorbene Ehemann der Witwe Sölter, ein fleißiger, solider, sparsamer Mann nur mit Mühe auf dem Colonate hat existieren können . .'' . Der Hof wird mit allem Inventar und Vieh auf knapp 30 000 Mark geschätzt, nach Abzug von etwa 10000 Mark Schulden die Hälfte der verbleibenden Differenz den sechs hinterbliebenen Kindern erster Ehe als späteres Erbe zugesprochen und als Hypothek auf den Hof eingetragen. Nach dieser Schichtung heiratet Gustav Gronemeier von Uebbentrup Nr. 4 die Witwe auf dem Schapeler und wird neuer Colon. | ||
Im März 1895 erteilt der Meier zu Stapelage, der 1870/71 noch mehrfach anwaltlichen Protest gegen die Versteigerung der Schapeler-Stätte ohne seine ausdrückliche Genehmigung zu Protokoll gegeben hatte, allen Eigentümern seiner ehemaligen Kötterstätten die grundbuchliche Löschungsbewilligung für deren frühere Verpflichtungen gegenüber ihm als einstigen Grundherrn.<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 33</ref> Aus dem Mittelalter überkommene Lehnsstrukturen enden damit auch in Stapelage. | Im März 1895 erteilt der Meier zu Stapelage, der 1870/71 noch mehrfach anwaltlichen Protest gegen die Versteigerung der Schapeler-Stätte ohne seine ausdrückliche Genehmigung zu Protokoll gegeben hatte, allen Eigentümern seiner ehemaligen Kötterstätten die grundbuchliche Löschungsbewilligung für deren frühere Verpflichtungen gegenüber ihm als einstigen Grundherrn.<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 33</ref> Aus dem Mittelalter überkommene Lehnsstrukturen enden damit auch in Stapelage. | ||
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Offenbar sehr kurzfristig verkauft Friedrich Sölter am 27. Sept. 1907 seinen Sennehof Nr. 30 incl. Inventar und gesamter gerade eingebrachter Ernte für 44000 Mark (zum 1. Okt. 1907 !) an den Landwirt Karl Krecke (1868 - 1954), der seine Kindheit als Sohn des dortigen Pastors im nahen Augustdorf erlebt hat. | Offenbar sehr kurzfristig verkauft Friedrich Sölter am 27. Sept. 1907 seinen Sennehof Nr. 30 incl. Inventar und gesamter gerade eingebrachter Ernte für 44000 Mark (zum 1. Okt. 1907 !) an den Landwirt Karl Krecke (1868 - 1954), der seine Kindheit als Sohn des dortigen Pastors im nahen Augustdorf erlebt hat. | ||
[[File:Am Schapeler Hof01.jpg|thumb|Am Schapeler Hof, 2004, Wikimedia Commons]] | |||
Krecke bewirtschaftet den Hof vier Jahrzehnte mit Erfolg, erneuert anfangs einiges baulich und kauft 1926 weitere 3,6 ha Senne von dem Stuckenbroker Papierfabrikanten Steneberg hinzu. Der Hof durchläuft im 20. Jahrhundert die typischen Stationen aller mittleren oder größeren Höfe (1934 „Erbhof“, 1948 „Hof nach der Höfeordnung“), erst nach Kreckes Tod wendet sich sein Schicksal. | Krecke bewirtschaftet den Hof vier Jahrzehnte mit Erfolg, erneuert anfangs einiges baulich und kauft 1926 weitere 3,6 ha Senne von dem Stuckenbroker Papierfabrikanten Steneberg hinzu. Der Hof durchläuft im 20. Jahrhundert die typischen Stationen aller mittleren oder größeren Höfe (1934 „Erbhof“, 1948 „Hof nach der Höfeordnung“), erst nach Kreckes Tod wendet sich sein Schicksal. | ||
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==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
[[Datei:Schapeler 1821 beschnitten.jpg|mini|Hof Schapeler in der Senne; Skizze des Friedrich C. D. von und zu Brenken, 1821, LWL-Archivamt, Archiv [https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Erpernburg Erpernburg] HS 143]] | |||
Über die frühen, 1623 niedergebrannten Gebäude ist nichts bekannt. Zwischen 1660 und 1685 entstanden neue Gebäude, die aber offenbar so unzulänglich waren, dass bereits eine Generation später ein neues großes Haus her musste. Hierüber wurde 1710 derart (über das Bauholz und anderes) gestritten, dass Beschreibung und (vorgeblicher ?) Verwendungszweck des neuen Hauses gerichtlich protokolliert sind: <ref> LAV NRW OWL, L 84 Nr. II, FP Nr. 42 </ref> . . . ''daß errichtete Häußgen von 15 biß 16 Fuß in der Breite, in der Länge aber 40 fuß ohngefehr . . . , die geringen 10 Speren'' (Sparren) ''sind dem Augenmaß nach von 10 fuß hoch, der Vordertheil desselben ist zur Ein- und Ausfahrt, quer durch das Hintertheil aber zur Wohnung apliciret und . . . wozu das Haus ? . . . einen Einlieger darin setzen und den Rest zur Stallung einiger Schaafe gebrauchen wolte'' . . . 1710 wurde also ein typisches Längsdielenhaus auf dem Schapeler errichtet. | |||
Im Messbuch von 1730 erfasst Feldmesser Friemel a) ''Schapelers Hoff mit 4 gebäu'' und b) ''der Immenstandt''. In den Salbüchern 1752/53 und 1781 wird aufgeschlüsselt: 1. das Wohnhaus, 2. die Leibzucht, 3. ein Schoppe, 4. ein Backhaus. | |||
Noch etwas näher an den tatsächlichen Gebäudebestand vor 200 Jahren führt möglicherweise eine 1821 gefertigte Skizze der Hofanlage Schapeler mit erläuternder Legende (vgl. Abbildung).<ref> LWL-Archivamt,Archiv Erpenburg, HS 143. Das historische (Reise-)Tagebuch des Friedrich C. D. von und zu Brenken (1790 - 1867) über eine . . . Reise durch . . . Westphalen . . . und benachbarte Gebiete gibt den Eindruck des Autors von seinem Besuch auf dem Schapelerhof am 13. Mai 1821 wieder. </ref> Danach waren damals vorhanden: das (1807 errichtete ?) Wohnhaus des Hofbesitzers, zwei kleine Einliegerhäuser, ggfs. auch als Leibzucht nutzbar (eines davon 1813 erbaut), dazu jeweils ein Schweinestall, außerdem ein Backhaus und eine Hütte für den Bienenwärter. | |||
Aus den Anfangsjahren der Ära Krecke sind kleinere Baumaßnahmen belegt: Umbau Schuppen zur Scheune (1911), Stallanbau an Wohnhaus (1914), Neubau Schweinestall (1916).<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83 </ref> Die Leibzucht des Hofes wurde 1957 abgebrochen.<ref> LAV NRW OWL, L 107 C Nr. 112, S. 118 </ref> | |||
==Inschriften== | ==Inschriften== | ||
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• Hermann Henrich, * 1811, ∞ 1843 (a. d. Schapeler) Friederike Katharine Sophie Tiemann (1812 - 1879) aus Kohlstedt, † 1866 in Senne II (Blfd); seine Witwe und seine drei a. d. Schapeler geborenen Söhne wandern 1867 in die USA (Bates County/Missouri) aus | • Hermann Henrich, * 1811, ∞ 1843 (a. d. Schapeler) Friederike Katharine Sophie Tiemann (1812 - 1879) aus Kohlstedt, † 1866 in Senne II (Blfd); seine Witwe und seine drei a. d. Schapeler geborenen Söhne wandern 1867 in die USA (Bates County/Missouri) aus | ||
[[Datei:Grabstein Schapeler USA 99086353 135075042051.jpg|mini|Grab- bzw. Gedenkstein für die Eheleute Friederike Tiemann (1812 - 1879) und Hermann Schapeler (1811 - 1866) in Missouri/USA, www.findagrave.com]] | |||
1811 - 1825 Johann Christoph Lange (1783 - 1850), Interimsverwalter (vgl. oben) | 1811 - 1825 Johann Christoph Lange (1783 - 1850), Interimsverwalter (vgl. oben) | ||