Gartenstraße 6 (Detmold): Unterschied zwischen den Versionen

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}}1878 erbaut, ehem. Quartier-Nr. B 175.
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Reihenhaus, erbaut 1878, ehem. Quartier-Nr. B 175.
 
Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Detmold am 14.3.1989, Nr. 296.


==Geschichte==
==Geschichte==
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Gartenstraße 6 und 8 war zunächst als Doppelhaus erbaut, dessen Teilung erst 1892 erfolgte. Erster Eigentümer war der Bauherr und Entwerfer Hofzimmermeister Wilhelm Schmidt.<ref>{{BuddeHolz2005}}</ref> Nr. 6 ging nach der Teilung an den Korvettenkapitän Alfred Vehmeier, 1917 an Hofbuchdruckereibesitzer Otto Liesegang und schon im Jahr darauf an den Kaufmann Julius Rothenstein. Bewohnerin war damals Selma Lefmann, die ab etwa 1935 auch Eigentümerin der Hauses Gartenstraße 6 war.<ref>https://www.gedenkbuch-detmold.de/index.php/gedenkbuch/111-die-opfer-in-alphabetischer-reihenfolge/biographien/l-biographien/346-leffmann-selma-geb-rottenstein</ref>
Gartenstraße 6 und 8 war zunächst als Doppelhaus erbaut, dessen Teilung erst 1892 erfolgte. Erster Eigentümer war der Bauherr und Entwerfer Hofzimmermeister Wilhelm Schmidt.<ref>{{BuddeHolz2005}}</ref> Nr. 6 ging nach der Teilung an den Korvettenkapitän Alfred Vehmeier, 1917 an Hofbuchdruckereibesitzer Otto Liesegang und schon im Jahr darauf an den Kaufmann Julius Rothenstein. Bewohnerin war damals Selma Lefmann, die ab etwa 1935 auch Eigentümerin der Hauses Gartenstraße 6 war.<ref>https://www.gedenkbuch-detmold.de/index.php/gedenkbuch/111-die-opfer-in-alphabetischer-reihenfolge/biographien/l-biographien/346-leffmann-selma-geb-rottenstein</ref>


1937 zog Selma Leffmann zum Vater nach Nieheim, der Sohn Kurt emigrierte nach England. Nach zerstörung der Detmolder Synagoge zog hier 1938 der Synagogendiener Louis Flatow mit Frau Frieda ein, 1939 auch Sohn Max und die Schwiegertochter Alma. Nutzung des Hauses als Synagoge. Louis Flatow war zeitweise im Konzentrationslager Buchenwald und wurde Ende 1938 entlassen. Zum 1. Oktober 1939 wurde eine jüdische Schule im Haus eingerichtet, bis 30. März 1942. Die Lehrkräfte Hedwig Block, Ludwig Alexander und Louis Flatow wurden damals in das Warschauer Ghetto verschleppt, noch vor dem Schulverbot vom 7. Juli 1942.
'''Vorübergehende Nutzung als Synagoge und jüdische Schule 1938-1942'''
 
1937 zog Selma Leffmann zum Vater nach Nieheim, der Sohn Kurt emigrierte nach England. Nach zerstörung der Detmolder Synagoge zog hier 1938 der Synagogendiener Louis Flatow mit Frau Frieda ein, 1939 auch Sohn Max und die Schwiegertochter Alma. Louis Flatow war zeitweise im Konzentrationslager Buchenwald und wurde Ende 1938 entlassen. Nutzung des Hauses als Synagoge, vom 1. Oktober 1939 bis 30. März 1942 bestand hier auch eine jüdische Schule.<ref>Wolfgang Müller, Gartenstraße 6. Geschichte eines Detmolder "Judenhauses" und seiner Bewohner. 2. Auflage Detmold 1992.</ref> Die Lehrkräfte Hedwig Block, Ludwig Alexander und Louis Flatow wurden noch vor dem Schulverbot vom 7. Juli 1942 in das Warschauer Ghetto verschleppt.


Ab Februar 1942 Nutzung als jüdisches Altersheim für einen Mann und 13 Frauen (Leiterinnen: Auguste und Bernhardine Michaelis-Jena). Ende Juli 1942 Deportation der Bewohner*innen nach Theresienstadt, Ausnahme waren die drei Ehrmann-Kinder Hans, Karl und Ruth, da sie aus einer sog. Mischehe stammten.<ref>{{MüllerGartenstraße1992}}.</ref> Am 28.7.1942 Transport in Bussen nach Bielefeld, Abfahrt Bielefeld 31.7., Ankunft in Theresienstadt am 1.8.1942. Einige sind bereits dort gestorben, andere in Treblinka oder Auschwitz ermordet worden. Auch Julius Rottenstein und Selma Leffmann kamen nach Theresienstadt und sind nicht zurückgekehrt.
Ab Februar 1942 Nutzung als jüdisches Altersheim für einen Mann und 13 Frauen unter der Leitung von Auguste und Bernhardine Michaelis-Jena. Ende Juli 1942 Deportation der Bewohner*innen nach Theresienstadt, Ausnahme waren die drei Kinder Hans, Karl und Ruth Ehrmann, da sie aus einer sog. Mischehe stammten.<ref>{{MüllerGartenstraße1992}}.</ref> Am 28.7.1942 Transport in Bussen nach Bielefeld, Abfahrt Bielefeld 31.7., Ankunft in Theresienstadt am 1.8.1942. Einige sind bereits dort gestorben, andere in Treblinka oder Auschwitz ermordet worden. Auch Julius Rottenstein und Selma Leffmann kamen nach Theresienstadt und sind nicht zurückgekehrt.


Am 18.10.1942 fiel das Haus an das Deutsche Reich (durch Enteignung infolge Auslandsaufenthalts des Eigentümers Rottenstein lt. XI. Verordnung des Reichsbürgergesetzes vom 25. November 1941).
Am 18.10.1942 fiel das Haus an das Deutsche Reich (durch Enteignung infolge Auslandsaufenthalts des Eigentümers Rottenstein lt. XI. Verordnung des Reichsbürgergesetzes vom 25. November 1941).


1950 restituiert an Kurt Leffmann, 1953 veräußert an die Modistin Else Heine.
1950 restituiert an Kurt Leffmann, 1953 veräußert an die Modistin Else Heine.
 
Eintragung in die Denkmalliste am 14.3.1989, Nr. 296.


==Gebäude==
==Gebäude==
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[[Datei:DT-Gartenstr2-10_2012Tsungam.jpg|thumb|Gartenstraße 2–10, Ansicht von Nordwesten, 2012, Foto: Magnus Titho]]
[[Datei:DT-Gartenstr2-10_2012Tsungam.jpg|thumb|Gartenstraße 2–10, Ansicht von Nordwesten, 2012, Foto: Magnus Titho]]


Teil eines Reihenwohnhauses aus vier (ursprünglich drei) Einheiten, zweigeschossig auf hohem Souterrain, in der Mitte durch einen dreigeschossigen, vierachsigen Risalit mit Dreiecksgiebel betont. Die Mittelteile der seitlichen Flügelbauten sind zurückgesetzt und durch Zwerchhäuser betont. Die beiden äußersten Achsen mit Eingängen wiederum sind leicht vorgezogen. Die Fassaden sind mit spätklassizistischer Stuckzier versehen; der Mittelrisalit ist durch drei Kolossalpilaster gegliedert. Freitreppen und Terrassen vor dem Hochparterre.
Teil eines Reihenwohnhauses aus fünf (ursprünglich vier) Einheiten. Zweigeschossiger Putzbau mit hohem Souterrain, in der Mitte durch einen dreigeschossigen und vierachsigen Risalit mit Dreiecksgiebel betont. Die Mittelteile der seitlichen Flügelbauten sind leicht zurückgesetzt und durch Zwerchhäuser akzentuiert. Die beiden äußersten Achsen mit Eingängen wiederum sind geringfügig vorgezogen. Der Eckbau zum Alten Postweg mit dem auffälligen Erker an der Gebäudeecke wurde wohl etwas später hinzugefügt.  


Einfluss der Baugewerkschule Holzminden.<ref>{{BuddeHolz2005}}.</ref>
Die Fassaden sind mit spätklassizistischer Stuckdekoration versehen; der Mittelrisalit ist durch drei Kolossalpilaster gegliedert. Freitreppen und Terrassen vor dem Hochparterre.
 
Der Entwurf zu dem Gebäude entstand unter dem Einfluss der Baugewerkschule Holzminden.<ref>{{BuddeHolz2005}}.</ref>


==Inschriften==
==Inschriften==
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1897 (Adressbuch) Seminar-Musiklehrer Theodor Vehmeier.
1897 (Adressbuch) Seminar-Musiklehrer Theodor Vehmeier.
1901 (Adressbuch) Seminar-Musiklehrer Theodor Vehmeier; Hermann Boß, Kaufmann.


1904 (Adressbuch) Seminar-Musiklehrer Theodor Vehmeier.
1904 (Adressbuch) Seminar-Musiklehrer Theodor Vehmeier.
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1925 (Adressbuch) Eigentümer Julius Rottenstein, Nieheim. Bewohnerin: Selma Lefmann.
1925 (Adressbuch) Eigentümer Julius Rottenstein, Nieheim. Bewohnerin: Selma Lefmann.


Vor dem Haus erinnert ein Stolperstein an die 22 Kinder und 4 Lehrkräfte der jüdischen Schule, die sich hier 1939 bis 1942 befand, sowie die 17 Frauen und Männer, die hier bis zu ihrer Deportation (1941–1944) im jüdischen Altersheim lebten. Von diesen 43 Menschen wurden 33 nach ihrer Verschleppung in Riga, Warschau, Theresienstadt, Zamosc und Izbica ermordet.
Vor dem Haus erinnert ein '''Stolperstein''' an die 22 Kinder und 4 Lehrkräfte der jüdischen Schule, die sich hier 1939 bis 1942 befand, sowie an die 17 Frauen und Männer, die hier bis zu ihrer Deportation (1941–1944) im jüdischen Altersheim lebten. Von diesen 43 Menschen wurden 33 nach ihrer Verschleppung in Riga, Warschau, Theresienstadt, Zamosc und Izbica ermordet.


==Literatur==
==Literatur==
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https://geoportal.detmold.de/geodetims/htmy/register/geo_register.php?FT=karte&PJ=Denkmal
https://geoportal.detmold.de/geodetims/htmy/register/geo_register.php?FT=karte&PJ=Denkmal
https://www.gedenkbuch-detmold.de/index.php/gedenkbuch/111-die-opfer-in-alphabetischer-reihenfolge/biographien/l-biographien/346-leffmann-selma-geb-rottenstein


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==