Kirchplatz 8 (Heiden): Unterschied zwischen den Versionen
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In der Friemelschen Karte von 1728 ist der zum Pfarrhaus in Heiden gehörenden Grundbesitz als eine von 29 Hofstellen im Dorf unter dem Begriff „Pfarre“ verzeichnet. Zur Pfarre gehörten zu dieser Zeit außer dem Hofgrundstück östlich der Kirche, auf dem Pfarrhaus und Pfarrscheune standen, weitere Flächen beiderseits der heutigen Kantorstraße, schmale Grundstücksstreifen auf dem Dorfhang, der gesamte Haarkamp, der westliche Teil der Kassebrede, weite Bereiche östlich der Trophagener Straße und eine Fläche östlich gegenüber dem Bentehof.<ref>{{HülsHeiden1974}} S. 123 und Abb.38 und 39.</ref> Bis 1881 haben sich die Eigentumsverhältnisse teilweise verändert. Auf dem Dorfhang wurden Grundflächen der Pfarre um- bzw. zusammengelegt. Die Flächen auf dem Haarkamp sind parzelliert und veräußert worden und für den neuen Friedhof an der Trophagener Straße wurde um 1840 eine Teilfläche abgetreten.<ref>Hüls 1974 S. 140, Abb. 53 und 54 </ref> | In der Friemelschen Karte von 1728 ist der zum Pfarrhaus in Heiden gehörenden Grundbesitz als eine von 29 Hofstellen im Dorf unter dem Begriff „Pfarre“ verzeichnet. Zur Pfarre gehörten zu dieser Zeit außer dem Hofgrundstück östlich der Kirche, auf dem Pfarrhaus und Pfarrscheune standen, weitere Flächen beiderseits der heutigen Kantorstraße, schmale Grundstücksstreifen auf dem Dorfhang, der gesamte Haarkamp, der westliche Teil der Kassebrede, weite Bereiche östlich der Trophagener Straße und eine Fläche östlich gegenüber dem Bentehof.<ref>{{HülsHeiden1974}} S. 123 und Abb.38 und 39.</ref> Bis 1881 haben sich die Eigentumsverhältnisse teilweise verändert. Auf dem Dorfhang wurden Grundflächen der Pfarre um- bzw. zusammengelegt. Die Flächen auf dem Haarkamp sind parzelliert und veräußert worden und für den neuen Friedhof an der Trophagener Straße wurde um 1840 eine Teilfläche abgetreten.<ref>Hüls 1974 S. 140, Abb. 53 und 54 </ref> | ||
Eine weitere "Charte | Eine weitere ''"Charte der zum Grundbesitz von den zur Heidenschen Kirche, Pfarre, Küster- und Schulstelle gehörigen Grundstücken"'' erstellte der Geometer L. Reineke 1828.<ref>Meier, Dorfkirche Heiden, S. 36.</ref> | ||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
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Bei Wilhelm Butterweck 1926 wird das Heidener Pfarrhaus wie folgt beschrieben: "Das Pfarrhaus ist zwar ein sehr geräumiger, aber kein einheitlicher Bau. Der westliche Teil ist der älteste, der östliche Teil wahrscheinlich 1809 angebaut worden, die Dehle mit Stallung stammt aus dem Jahre 1813. Es ist größtenteils Fachwerkbau. Die angebaute Veranda rührt aus dem Jahre 1916 her. Der 6–7 Scheffelsaat große Baumhof und die der Gemeinde gehörige tausendjährige Linde gereichen der Pfarre zur Zierde."<ref>{{ButterweckGeschichte1926}}, S. 409.</ref> | Bei Wilhelm Butterweck 1926 wird das Heidener Pfarrhaus wie folgt beschrieben: "Das Pfarrhaus ist zwar ein sehr geräumiger, aber kein einheitlicher Bau. Der westliche Teil ist der älteste, der östliche Teil wahrscheinlich 1809 angebaut worden, die Dehle mit Stallung stammt aus dem Jahre 1813. Es ist größtenteils Fachwerkbau. Die angebaute Veranda rührt aus dem Jahre 1916 her. Der 6–7 Scheffelsaat große Baumhof und die der Gemeinde gehörige tausendjährige Linde gereichen der Pfarre zur Zierde."<ref>{{ButterweckGeschichte1926}}, S. 409.</ref> | ||
Nach Norden niedriger Fachwerk-Wirtschaftsteil, Vierständerbau mit Mitteldiele von 1813 an Stelle eines älteren Vorgängerbaues. Südlicher Wohnteil mit höherem Krüppelwalmdach, | Nach Norden niedriger Fachwerk-Wirtschaftsteil, Vierständerbau mit Mitteldiele von 1813 an Stelle eines älteren Vorgängerbaues. Südlicher Wohnteil mit höherem Krüppelwalmdach, Steinhinterhaus (Steinkammer, ''camera lapidea'') der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Im Erdgeschoss je ein dreibahniges Fenster mit Werksteingewänden, der Keller mit zwei Segmentbogentonnen gewölbt. An der Ostseite zweistöckiger Fachwerkanbau mit "zwei Stubens" 1753 hinzugefügt.<ref>Stiewe, Pfarrhausbau, S. 228, 240, 244. und 274f.</ref> | ||
Nach Hans Hüls soll östlich vom Pfarrhaus eine Pfarrscheune von 1566 gestanden haben, abgebrochen 1962.<ref>Hüls 1974, S. 132.</ref> | |||
Otto Gaul beobachtete Mitte der 1930er Jahre außen an der Südseite ein erhaltenes "Relief einer männlichen Halbfigur, spätgotisch, 15. Jh. Sandstein, mit Ölfarbe überstrichen, derbe handwerkliche Arbeit. H. 0,60 m, T. 9 cm. Die Halbfigur, auf rechteckigem Sockel, hat die Arme vor die Brust gelegt; Attribute zerstört, in der Rechten ehemals vermutlich ein Schlüssel, zumal die Haartracht - trotz Bartlosigkeit - an Petrus denken lässt. Wahrscheinlich hat die Figur des Titelheiligen, ebenso wie in Lage und Talle, auf einer Giebelspitze gestanden."<ref>StadtA Lemgo, 14 L 9987: Otto Gaul, Landkreis Detmold, Typoskript, um 1935/ergänzt um 1960, S. 167 [https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/titleinfo/10093449 Digitalisat].</ref> | Otto Gaul beobachtete Mitte der 1930er Jahre außen an der Südseite ein erhaltenes "Relief einer männlichen Halbfigur, spätgotisch, 15. Jh. Sandstein, mit Ölfarbe überstrichen, derbe handwerkliche Arbeit. H. 0,60 m, T. 9 cm. Die Halbfigur, auf rechteckigem Sockel, hat die Arme vor die Brust gelegt; Attribute zerstört, in der Rechten ehemals vermutlich ein Schlüssel, zumal die Haartracht - trotz Bartlosigkeit - an Petrus denken lässt. Wahrscheinlich hat die Figur des Titelheiligen, ebenso wie in Lage und Talle, auf einer Giebelspitze gestanden."<ref>StadtA Lemgo, 14 L 9987: Otto Gaul, Landkreis Detmold, Typoskript, um 1935/ergänzt um 1960, S. 167 [https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/titleinfo/10093449 Digitalisat].</ref> | ||
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* Alter und Proportionen bewahrt: Pfarrhof in Heiden saniert, in: Bauhandwerk, 1985, S. 69-76. | * Alter und Proportionen bewahrt: Pfarrhof in Heiden saniert, in: Bauhandwerk, 1985, S. 69-76. | ||
* Franz Flaskamp, Pfarrer Hermann von Heiden. Ein Beitrag zum lippischen Urkundenwesen, in: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, 37 (1968), S. 235-241. | * Franz Flaskamp, Pfarrer Hermann von Heiden. Ein Beitrag zum lippischen Urkundenwesen, in: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, 37 (1968), S. 235-241. | ||
* Hans Hüls, Heiden in Lippe. Genese und Struktur eines dörflichen Lebensraumes. Detmold/Münster 1974. | |||
* Burkhard Meier, Dorfkirche Heiden. Ein Streifzug durch ihre Geschichte. Lage 1995. | |||
* Heinrich Stiewe, Pfarrhausbau in Lippe, in: Thomas Spohn (Hg.), Pfarrhäuser in Nordwestdeutschland (Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland, 100), Münster/New York 2001, S. 227-308. | * Heinrich Stiewe, Pfarrhausbau in Lippe, in: Thomas Spohn (Hg.), Pfarrhäuser in Nordwestdeutschland (Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland, 100), Münster/New York 2001, S. 227-308. | ||
* Heinrich Stiewe, Alte Pfarrhäuser im Raum Lage, in: Zeitlupe 2001. Historisches Jahrbuch für Lage, (2001), S. 18-35. | * Heinrich Stiewe, Alte Pfarrhäuser im Raum Lage, in: Zeitlupe 2001. Historisches Jahrbuch für Lage, (2001), S. 18-35. | ||