Kirchhofstraße 3 (Blomberg): Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Kirchhofstraße 3, Traufwand Stiewe 1996, 273.jpg|mini|Kirchhofstraße 3, rechte Traufwand, Zustand 1987. Nach Stiewe 1996, 273.]]
[[Datei:Kirchhofstraße 3, Traufwand Stiewe 1996, 273.jpg|mini|Kirchhofstraße 3, rechte Traufwand, Zustand 1987. Nach Stiewe 1996, 273.]]
[[Datei:Kirchhofstraße 3, Grundrisse und LS Stiewe 1996, 274.jpg|mini|Kirchhofstraße 3, oben: Grundriss EG, Zustand 1987; Mitte: Grundriss, Zustand zur Bauzeit 1652-1663, Rekonstruktion; unten: Längsschnitt, Rekonstruktion. Nach Stiewe 1996, 274.]]
[[Datei:Kirchhofstraße 3, Grundrisse und LS Stiewe 1996, 274.jpg|mini|Kirchhofstraße 3, oben: Grundriss EG, Zustand 1987; Mitte: Grundriss, Zustand zur Bauzeit 1652-1663, Rekonstruktion; unten: Längsschnitt, Rekonstruktion. Nach Stiewe 1996, 274.]]
[[Datei:Kirchhofstraße 3, Fenster im Giebel Stiewe 1996, 274.jpg|mini|Kirchhofstraße 3, Fenster oben im Giebel. Links und Mitte: Schiebefenster mit Bleiverglasung, Umbau des 18. oder 19. Jh. (Außenansicht, Innenansicht, Schnitt); rechts: Speicherfenster mit Laden und Lüftungsgitter, Zustand zur Bauzeit 1652-1663, Rekonstruktion. Nach Stiewe 1996, 274.]]


==Geschichte==
==Geschichte==
Der Erbauer Paul Lesemann hatte 1652 mit einem Freibrief das Blomberger Bürgerrecht erworben; er starb 1663, am 11. September "tot gefunden im Holze".  
Der Erbauer Paul Lesemann hatte 1652 mit einem Freibrief das Blomberger Bürgerrecht erworben; er starb 1663, am 11. September "tot gefunden im Holze". Damit muss das Haus zwischen 1652 und 1663 erbaut worden sein.


==Gebäude==
==Gebäude==
Fachwerk-Giebelhaus, zweischiffiges Dielenhaus von sieben Fachen (8 Gebinden) mit ehemaliger Diele links, erbaut zwischen 1652 und 1663. Diele im 19. Jahrhundert zweigeschossig durchgebaut, zweiflügelige Haustür mit Oberlicht, Torsturz mit Inschrift und Erbauernamen entfernt. Zweifach vorkragender Giebel, Spätrenaissance-Dekor: Stockwerkschwellen mit Schuppenmuster, Beschlagwerk und Fasen an den Kanten zwischen den Balkenköpfen; Füllhölzer mit gereihten Akanthusblättern, Ranken und paarweise angeordneten Rankenmotiven. Stubenfenster mit kräftiem Sturzriegel, ehemals breites, bleiverglastes Fensterband. Oben im Giebel ehemaliges Speicherfenster mit Holzladen und Lüftungsgitter, später durch vertikales Schiebefenster mit Bleiverglasung ersetzt (bei Sanierung 1988 beseitigt). Fachwerk der Traufwände mit Kopfbändern und langen, gekrümmten Fußstreben an Eck- und Mittelständern.
Fachwerk-Giebelhaus, zweischiffiges Dielenhaus von sieben Fachen (8 Gebinden) mit ehemaliger Diele links, erbaut zwischen 1652 und 1663. Diele im 19. Jahrhundert zweigeschossig durchgebaut, zweiflügelige Haustür mit Oberlicht, Torsturz mit Inschrift und Erbauernamen entfernt. Zweifach vorkragender Giebel, Spätrenaissance-Dekor: Stockwerkschwellen mit Schuppenmuster, Beschlagwerk und Fasen an den Kanten zwischen den Balkenköpfen; Füllhölzer mit gereihten Akanthusblättern, Ranken und paarweise angeordneten Rankenmotiven. Stubenfenster mit kräftiem Sturzriegel, ehemals breites, bleiverglastes Fensterband. Oben im Giebel ehemaliges Speicherfenster mit Holzladen und Lüftungsgitter, später durch vertikales Schiebefenster mit Bleiverglasung ersetzt (bei Sanierung 1988 beseitigt). Fachwerk der Traufwände mit Kopfbändern und langen, gekrümmten Fußstreben an Eck- und Mittelständern.


Fünf Fache langes Dielen-Vorderhaus, dahinter zwei Fache langes Hinterhaus mit Stall im Erdgeschoss und Saal (Hinterkammer) im Obergeschoss. Rechts zweigeschossiger Stubeneinbau von 3 1/2 Fachen mit Stube, Kammer und Treppe zum Zwischengeschoss, unter der Stube Bruchsteinkeller mit Segmentbogen-Tonnengewölbe. Im Anschluss an Stube und Kammer eineinhalb Fach lange, hohe Lucht am Ende der Diele, vermutlich der ursprüngliche Herdraum.
Fünf Fache langes Dielen-Vorderhaus, dahinter zwei Fache langes Hinterhaus mit Stall im Erdgeschoss und Saal (Hinterkammer) im Obergeschoss. Rechts zweigeschossiger Stubeneinbau von 3 1/2 Fachen mit Stube, Kammer und Treppe zum Zwischengeschoss. Unter der Stube Bruchsteinkeller mit Segmentbogen-Tonnengewölbe. Im Anschluss an Stube und Kammer eineinhalb Fach lange, hohe Lucht am Ende der Diele, vermutlich der ursprüngliche Herdraum.


Diele im 19. Jahrhundert zweigeschossig durchgebaut und zweites, schmaleres Seitenschiff links eingebaut. Von der früheren Diele blieb ein schmaler Mittelflur mit Trappe zum Obergeschoss und einem schmalen Gang zum Hof. Am Rückgiebel rechts ein einhüftiger, etwa quadratischer Anbau aus Fachwerk angefügt.
Diele im 19. Jahrhundert zweigeschossig durchgebaut und zweites, schmaleres Seitenschiff links eingebaut. Von der früheren Diele blieb ein schmaler Mittelflur mit Trappe zum Obergeschoss und einem schmalen Gang zum Hof. Am Rückgiebel rechts ein einhüftiger, etwa quadratischer Anbau aus Fachwerk angefügt.
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1841 (VZ): Tischlerwitwe Friederike Schmidt mit 2 Söhnen, einem Gesellen und einer Magd.
1841 (VZ): Tischlerwitwe Friederike Schmidt mit 2 Söhnen, einem Gesellen und einer Magd.


1873 oder kurz danach Erwerb durch Gärtner Carl Gronemann aus Katlenburg bei Northeim, der 1875 die Gärtnerei auf der Niederburg pachtete ("Gronemanns Nelkengarten").
1873 oder kurz danach: Erwerb durch Gärtner Carl Gronemann aus Katlenburg bei Northeim, der 1875 die Gärtnerei auf der Niederburg pachtete ("Gronemanns Nelkengarten").


1901 (AB, S. 164): Hinter dem Kirchhof 3 Schmiedeskamp, Wilh., Schneidermstr. Neumann, Friedrich, Tagelöhner.
1901 (AB, S. 164): Hinter dem Kirchhof 3, Schmiedeskamp, Wilh., Schneidermstr. Neumann, Friedrich, Tagelöhner.


1926 (AB, S. 564): Schmiedeskamp, Wilh., Schneidermeister.
1926 (AB, S. 564): Schmiedeskamp, Wilh., Schneidermeister.

Version vom 7. August 2026, 03:29 Uhr

Kirchhofstraße 3 (Blomberg)
OrtsteilBlomberg (Kernstadt)
StraßeKirchhofstraße (Blomberg)
Hausnummer3
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeBlomberg
StraßeHinter dem Kirchhof
Hausnummer3

Alte Hausnummer 34. Das bestehende Haus wurde zwischen 1652 und 1663 von Paul Lesemann erbaut, vermutlich Erstbebauung der Hausstätte.

Blomberg, Kirchhofstraße 3, erbaut zwischen 1652 und 1663. Foto: Stiewe 2014.
Kirchhofstraße 3, Fassade, Zustand 1987. Aus: Stiewe 1996, 273.
Kirchhofstraße 3, Fassade, Zustand zur Bauzeit um 1652-1663, Rekonstruktion. Nach Stiewe 1996, 273.
Kirchhofstraße 3, Rückgiebel, Zustand zur Bauzeit 1652-1663, Rekonstruktion. Nach Stiewe 1996, 273.
Kirchhofstraße 3, Querschnitt mit Keller, Zustand zur Bauzeit 1652-1664, Rekonstruktion. Nach Stiewe 1996, 273.
Kirchhofstraße 3, rechte Traufwand, Zustand 1987. Nach Stiewe 1996, 273.
Kirchhofstraße 3, oben: Grundriss EG, Zustand 1987; Mitte: Grundriss, Zustand zur Bauzeit 1652-1663, Rekonstruktion; unten: Längsschnitt, Rekonstruktion. Nach Stiewe 1996, 274.
Kirchhofstraße 3, Fenster oben im Giebel. Links und Mitte: Schiebefenster mit Bleiverglasung, Umbau des 18. oder 19. Jh. (Außenansicht, Innenansicht, Schnitt); rechts: Speicherfenster mit Laden und Lüftungsgitter, Zustand zur Bauzeit 1652-1663, Rekonstruktion. Nach Stiewe 1996, 274.

Geschichte

Der Erbauer Paul Lesemann hatte 1652 mit einem Freibrief das Blomberger Bürgerrecht erworben; er starb 1663, am 11. September "tot gefunden im Holze". Damit muss das Haus zwischen 1652 und 1663 erbaut worden sein.

Gebäude

Fachwerk-Giebelhaus, zweischiffiges Dielenhaus von sieben Fachen (8 Gebinden) mit ehemaliger Diele links, erbaut zwischen 1652 und 1663. Diele im 19. Jahrhundert zweigeschossig durchgebaut, zweiflügelige Haustür mit Oberlicht, Torsturz mit Inschrift und Erbauernamen entfernt. Zweifach vorkragender Giebel, Spätrenaissance-Dekor: Stockwerkschwellen mit Schuppenmuster, Beschlagwerk und Fasen an den Kanten zwischen den Balkenköpfen; Füllhölzer mit gereihten Akanthusblättern, Ranken und paarweise angeordneten Rankenmotiven. Stubenfenster mit kräftiem Sturzriegel, ehemals breites, bleiverglastes Fensterband. Oben im Giebel ehemaliges Speicherfenster mit Holzladen und Lüftungsgitter, später durch vertikales Schiebefenster mit Bleiverglasung ersetzt (bei Sanierung 1988 beseitigt). Fachwerk der Traufwände mit Kopfbändern und langen, gekrümmten Fußstreben an Eck- und Mittelständern.

Fünf Fache langes Dielen-Vorderhaus, dahinter zwei Fache langes Hinterhaus mit Stall im Erdgeschoss und Saal (Hinterkammer) im Obergeschoss. Rechts zweigeschossiger Stubeneinbau von 3 1/2 Fachen mit Stube, Kammer und Treppe zum Zwischengeschoss. Unter der Stube Bruchsteinkeller mit Segmentbogen-Tonnengewölbe. Im Anschluss an Stube und Kammer eineinhalb Fach lange, hohe Lucht am Ende der Diele, vermutlich der ursprüngliche Herdraum.

Diele im 19. Jahrhundert zweigeschossig durchgebaut und zweites, schmaleres Seitenschiff links eingebaut. Von der früheren Diele blieb ein schmaler Mittelflur mit Trappe zum Obergeschoss und einem schmalen Gang zum Hof. Am Rückgiebel rechts ein einhüftiger, etwa quadratischer Anbau aus Fachwerk angefügt.

Inschriften

Torsturz mit Erbauernamen nicht erhalten, auf den Torständern Wappenschilde mit den Initialen PL (Paul Lesemann) und CO (vermutlich Catharina Ohrlich, nach Rolf).

Stockwerkschwelle, modern aufgemalte Inschrift:

WAS DU ERERBT VON DEINEN VÄTERN HAST ERWIRB ES UM ES ZU BESITZEN . ERBAUT ANNO 1650

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

Das Haus wurde zwischen 1652 und 1663 von Paul Lesemann erbaut (Bürgerrecht 1652, "tot gefunden im Holze" 1663).

1702 Henrich Lesemann (Bürgerrecht 1683).

1776 (VZ): Kaufmann Johann Friedrich Witte (Bürgerrecht 1773), 1801 mit Familie, eine Kuh.

1825 (BK) und 1835 (VZ): Witwe Dorothea Witte.

1841 (VZ): Tischlerwitwe Friederike Schmidt mit 2 Söhnen, einem Gesellen und einer Magd.

1873 oder kurz danach: Erwerb durch Gärtner Carl Gronemann aus Katlenburg bei Northeim, der 1875 die Gärtnerei auf der Niederburg pachtete ("Gronemanns Nelkengarten").

1901 (AB, S. 164): Hinter dem Kirchhof 3, Schmiedeskamp, Wilh., Schneidermstr. Neumann, Friedrich, Tagelöhner.

1926 (AB, S. 564): Schmiedeskamp, Wilh., Schneidermeister.

Literatur

Heinz-Walter Rolf, Die Bürger der Stadt Blomberg. Namen - Daten - Berufe - Häuser. 1525–1910, Blomberg 1996

Heinrich Stiewe, Hausbau und Sozialstruktur in einer niederdeutschen Kleinstadt. Blomberg zwischen 1450 und 1870 (Schriften des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold – Landesmuseum für Volkskunde; 13), Detmold 1996

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise


Autor*innen

Heinrich Stiewe

Seitenhistorie

Seite erstellt am 05.08.2026 von Heinrich Stiewe

Letzte Änderung am: 07.08.2026 von Heinrich Stiewe