Uhlenburgstraße 45 (Hiddesen): Unterschied zwischen den Versionen
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}}1768 gegründete Hausstätte, ehem. Hiddesen Nr. 28. | }}1768 gegründete Hausstätte, ehem. Hiddesen Nr. 28. Seit 1908 "Teutoburger-Wald-Sanatorium Grotenburg", abgebrochen nach 1985. | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
[[Datei:HID-Uhlenburgstr45-Kataster.jpg|thumb|Katasterkarte, Flur 11 Gemarkung Hiddesen Nr. 46, 1960, Ausschnitt mit dem Gelände des Sanatoriums (LAV NRW OWL)]] | [[Datei:HID-Uhlenburgstr45-Kataster.jpg|thumb|Katasterkarte, Flur 11 Gemarkung Hiddesen Nr. 46, 1960, Ausschnitt mit dem Gelände des Sanatoriums (unten links; LAV NRW OWL)]] | ||
[[Datei:HID-Uhlenburgstr45_1956_DT BA 4820.jpg|thumb|Uhlenburgstraße 45, Luftbild von Sanatorium und Parkanlage, 1956. Foto: Tjeerd de Jong Posthumus, Detmold (StadtA DT, BA 4820)]] | |||
[[Datei:Sanatorium-Grotenburg-Hiddesen-Fuhrmann.jpg|thumb|Teutoburger-Wald-Sanatorium Grotenburg, aus: Fuhrmann, Teutoburger Wald-Sanatorium, 1997]] | |||
Ein Johann Henrich Rieks ist bereits im Salbuch von 1721 erwähnt, die Gründung einer (neuen?) Hausstätte durch Ausweisung von Land unter der Grotenburg an Rie(c)ks erfolgte 1768.<ref> LAV NRW OWL, L 108 Detmold / Amt Detmold, Nr. Fach 30 Nr. 9 - Band I: Veräußerung von Grundeigentum, Anlegung von Neuwohnerstätten etc. in der Bauerschaft Hiddesen, Band 1, 1748, 1766-1802, Nr. 10.</ref> <ref>LAV NRW OWL, L 93 / Lippische Forstverwaltung und Forstgericht, Nr. A Tit. 37 Nr. 14: Ausweisung eines Platzes zur Hausstätte an Einlieger Günter und Rieks zu Hiddesen, 1768-1769.</ref> Zudem wurde ihm 1768 ein Garten ausgewiesen.<ref>LAV NRW OWL, L 93 / Lippische Forstverwaltung und Forstgericht, Nr. A Tit. 37 Nr. 4: An Holzknecht Rieks Nr. 28 zu Hiddesen angewiesener Garten, 1761-1769.</ref> <ref> LAV NRW OWL, L 108 Detmold / Amt Detmold, Nr. Fach 30 Nr. 9 - Band I: Veräußerung von Grundeigentum, Anlegung von Neuwohnerstätten etc. in der Bauerschaft Hiddesen, Band 1, 1748, 1766-1802, Nr. 9.</ref> | Ein Johann Henrich Rieks ist bereits im Salbuch von 1721 erwähnt, die Gründung einer (neuen?) Hausstätte durch Ausweisung von Land unter der Grotenburg an Rie(c)ks erfolgte 1768.<ref> LAV NRW OWL, L 108 Detmold / Amt Detmold, Nr. Fach 30 Nr. 9 - Band I: Veräußerung von Grundeigentum, Anlegung von Neuwohnerstätten etc. in der Bauerschaft Hiddesen, Band 1, 1748, 1766-1802, Nr. 10.</ref> <ref>LAV NRW OWL, L 93 / Lippische Forstverwaltung und Forstgericht, Nr. A Tit. 37 Nr. 14: Ausweisung eines Platzes zur Hausstätte an Einlieger Günter und Rieks zu Hiddesen, 1768-1769.</ref> Zudem wurde ihm 1768 ein Garten ausgewiesen.<ref>LAV NRW OWL, L 93 / Lippische Forstverwaltung und Forstgericht, Nr. A Tit. 37 Nr. 4: An Holzknecht Rieks Nr. 28 zu Hiddesen angewiesener Garten, 1761-1769.</ref> <ref> LAV NRW OWL, L 108 Detmold / Amt Detmold, Nr. Fach 30 Nr. 9 - Band I: Veräußerung von Grundeigentum, Anlegung von Neuwohnerstätten etc. in der Bauerschaft Hiddesen, Band 1, 1748, 1766-1802, Nr. 9.</ref> | ||
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1853 gehörte die Stätte dem Witwer Tötemeier, der sie in diesem Jahr an den ältesten Sohn Anton Tötemeier abtrat, der die jüngeren Geschwister abfinden musste.<ref>LAV NRW OWL, L 108 Detmold / Amt Detmold, Nr. Fach 30 Nr. 9 - Band: VI: Veräußerung von Grundeigentum, Anlegung von Neuwohnerstätten etc. in der Bauerschaft Hiddesen, Band 6, 1851-1864, Nr. 118.</ref> Anton war Gestütswärter in Lopshorn. Er hatte dem Vater nach und nach 400 Taler vorgestreckt, davon war z. T. das Kaufgeld der Stätte bezahlt worden. Die älteste Tochter [Wilhelmine] sei etwas geistesschwach, sie könne sich nie verheiraten und auch nur unter Aufsicht arbeiten. Die zweite und vierte Tochter Dorothea und Henriette waren verheiratet, erstere an Kolon Ebert Nr. 43 zu [[Berlebeck]], die zweite an den Einlieger Heinrich Tegeler zu [[Augustdorf]]. Jede hatte statt eines Brautschatzes 25 Taler bar bekommen. Die jüngste Tochter Florentine, 22 Jahre alt, diente bei dem Vater. Bei der Abtretung an Anton behielt sich der Vater das halbe Wohnhaus, rechts vom Eingang, als Leibzucht vor, auch die Benutzung des Nebenhäuschens, die Hälfte von Garten, Ackerland und Wiese sowie sämtlichen Inventars. Seine älteste Schwester Wilhelmine musste Anton anstandsmäßig lebenslang alimentieren, wofür er deren Vermögensansprüche erhielt. Die Schwestern hatten erhalten bzw. erhielten noch 125 Reichstaler. | 1853 gehörte die Stätte dem Witwer Tötemeier, der sie in diesem Jahr an den ältesten Sohn Anton Tötemeier abtrat, der die jüngeren Geschwister abfinden musste.<ref>LAV NRW OWL, L 108 Detmold / Amt Detmold, Nr. Fach 30 Nr. 9 - Band: VI: Veräußerung von Grundeigentum, Anlegung von Neuwohnerstätten etc. in der Bauerschaft Hiddesen, Band 6, 1851-1864, Nr. 118.</ref> Anton war Gestütswärter in Lopshorn. Er hatte dem Vater nach und nach 400 Taler vorgestreckt, davon war z. T. das Kaufgeld der Stätte bezahlt worden. Die älteste Tochter [Wilhelmine] sei etwas geistesschwach, sie könne sich nie verheiraten und auch nur unter Aufsicht arbeiten. Die zweite und vierte Tochter Dorothea und Henriette waren verheiratet, erstere an Kolon Ebert Nr. 43 zu [[Berlebeck]], die zweite an den Einlieger Heinrich Tegeler zu [[Augustdorf]]. Jede hatte statt eines Brautschatzes 25 Taler bar bekommen. Die jüngste Tochter Florentine, 22 Jahre alt, diente bei dem Vater. Bei der Abtretung an Anton behielt sich der Vater das halbe Wohnhaus, rechts vom Eingang, als Leibzucht vor, auch die Benutzung des Nebenhäuschens, die Hälfte von Garten, Ackerland und Wiese sowie sämtlichen Inventars. Seine älteste Schwester Wilhelmine musste Anton anstandsmäßig lebenslang alimentieren, wofür er deren Vermögensansprüche erhielt. Die Schwestern hatten erhalten bzw. erhielten noch 125 Reichstaler. | ||
1907/08 erbautes "Teutoburger Wald-Sanatorium Grotenburg", zuvor "ein paar armselige, verräucherte Kotten".<ref>{{FuhrmannSanatorium2006}}.</ref> Bauherr war Dr. med. Manfred Fuhrmann (* 2.4.1877, † 5.8.1939). 2.4.1907 Grundsteinlegung, Entwurf Architekt Dietrich Bollmann/Detmold. | 1907/08 erbautes "Teutoburger Wald-Sanatorium Grotenburg", zuvor "ein paar armselige, verräucherte Kotten".<ref>{{FuhrmannSanatorium2006}}.</ref> Bauherr war der Nervenarzt Dr. med. Manfred Fuhrmann (* 2.4.1877, † 5.8.1939). 2.4.1907 Grundsteinlegung, Entwurf Architekt Dietrich Bollmann/Detmold, 1906. | ||
Ende August 1939 Beschlagnahmung des Sanatoriums durch die Deutsche Wehrmacht als Reservelazarett. | Ende August 1939 Beschlagnahmung des Sanatoriums durch die Deutsche Wehrmacht als Reservelazarett. | ||
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1962 Erholungsheim der Hamburger Gaswerke. (Heimatverein Hiddesen (Hg.), Hiddesen Gestern und Heute, Detmold 2016, S. 27) | 1962 Erholungsheim der Hamburger Gaswerke. (Heimatverein Hiddesen (Hg.), Hiddesen Gestern und Heute, Detmold 2016, S. 27) | ||
1976 wurde das Sanatorium geschlossen, | 1976 wurde das Sanatorium geschlossen, nachfolgend Verfall, nach 1985 Abriss und Neubebauung. | ||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
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Laut Salbuch 1827 gab es auf der Straßenkötterstätte nur ein Wohnhaus.<ref>LAV NRW OWL, L 101 C I, Lippische Salbücher und Katasterbücher, Nr. 41: Salbuch der Vogtei Detmold, 1827.</ref> 1853 ist auch von einem Nebenhäuschen die Rede.<ref>LAV NRW OWL, L 108 Detmold / Amt Detmold, Nr. Fach 30 Nr. 9 - Band: VI: Veräußerung von Grundeigentum, Anlegung von Neuwohnerstätten etc. in der Bauerschaft Hiddesen, Band 6, 1851-1864, Nr. 118.</ref> | Laut Salbuch 1827 gab es auf der Straßenkötterstätte nur ein Wohnhaus.<ref>LAV NRW OWL, L 101 C I, Lippische Salbücher und Katasterbücher, Nr. 41: Salbuch der Vogtei Detmold, 1827.</ref> 1853 ist auch von einem Nebenhäuschen die Rede.<ref>LAV NRW OWL, L 108 Detmold / Amt Detmold, Nr. Fach 30 Nr. 9 - Band: VI: Veräußerung von Grundeigentum, Anlegung von Neuwohnerstätten etc. in der Bauerschaft Hiddesen, Band 6, 1851-1864, Nr. 118.</ref> | ||
Kötterhaus von 1839, später als Wohnhaus ("Doktorhaus") im Park des Sanatoriums (s. unten) genutzt, abgebrochen nach 1985. | |||
'''"Teutoburger Wald-Sanatorium Grotenburg", 1906-1908''' Am oberen Ende des Grundstücks errichtete der Nervenarzt Dr. Manfred Fuhrmann 1907-1908 eine dreiflügelige neubarocke Anlage mit Jugendstilelementen und Mansarddächern nach einem Entwurf von Architekt Dietrich Bollmann, Detmold, 1906. Hangabwärts terrassierte, ebenfalls neubarocke Parkanlage, an deren Entwurf angeblich Paul Schultze-Naumburg, der Gründer des Deutschen Bundes Heimatschutz, beteiligt gewesen sein soll.<ref>{{FuhrmannSanatorium1997}}.</ref> | |||
Die im Nutzgarten stehenden Gebäude wurden in die Anlage integriert, so diente ein Haus von 1839 als Wohnhaus der Familie Fuhrmann (sog. Doktorhaus) und Küche für die Patienten, zwei Fachwerkhäuser, eine Scheune, ein Stall, ein Maschinenhaus und zwei Gewächshäuser wurden ebenfalls weitergenutzt oder einer neuen Verwendung zugeführt. | |||
Nach längerem Leerstand wurde das frühere Sanatorium nach 1985 abgebrochen, an seiner Stelle entstand neue Wohnbebauung. Die terrassierte Parkanlage mit einer Kastanienallee an der Ostseite blieb in Teilen erhalten und steht unter Denkmalschutz.<ref>https://de.wikipedia.org/wiki/Sanatorium_Grotenburg</ref> | |||
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