Langer Steinweg 20 (Blomberg): Unterschied zwischen den Versionen
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}}Mittelalterliche Hausstätte mit seitlicher Hofzufahrt rechts. Das erhaltene Fachwerkhaus entstand 1452 (d, Vorderhaus) und 1455 (d, Hinterhaus, Kellerdecke) während des Wiederaufbaus nach der Zerstörung in der Soester Fehde am 14. Juni 1447. Ältestes erhaltenes Fachwerkhaus in Blomberg und in ganz Lippe. Alte Hausnummer 263. | }}Mittelalterliche Hausstätte mit seitlicher Hofzufahrt rechts. Das erhaltene Fachwerkhaus entstand 1452 (d, Vorderhaus) und um 1455 (d, Hinterhaus, Kellerdecke) während des Wiederaufbaus nach der Zerstörung in der Soester Fehde am 14. Juni 1447. Ältestes erhaltenes Fachwerkhaus in Blomberg und in ganz Lippe. Alte Hausnummer 263. | ||
[[Datei:Blomberg, Langer Steinweg 20 Stiewe 2015 ShiftN.jpg|mini|Blomberg, Langer Steinweg 20. Foto: Stiewe 2015]] | [[Datei:Blomberg, Langer Steinweg 20 Stiewe 2015 ShiftN.jpg|mini|Blomberg, Langer Steinweg 20. Foto: Stiewe 2015]] | ||
[[Datei:Langer Steinweg 20, Iso, Rek Stiewe 1995.jpg|mini|Langer Steinweg 20, Vorderhaus von | [[Datei:Langer Steinweg 20, Iso, Rek Stiewe 1995.jpg|mini|Langer Steinweg 20, Vorderhaus von 1452 (d) und Hinterhaus mit Kellerdecke von um 1455 (d), Isometrie. Zustand zur Bauzeit nach 1452 (d), Rekonstruktion. Zeichnung: Stiewe 1995 (nach Stiewe 1996, 66)]] | ||
[[Datei:Langer Steinweg 20, Kehlbalkenanblattung Stiewe 1994.jpg|mini|Langer Steinweg 20, Kehlbalkenanblattung im Dach mit "Schwalbenschwanz" und vierkantigem Holznagel, 1452 (d). Foto: Stiewe 1994]] | [[Datei:Langer Steinweg 20, Kehlbalkenanblattung Stiewe 1994.jpg|mini|Langer Steinweg 20, Kehlbalkenanblattung im Dach mit "Schwalbenschwanz" und vierkantigem Holznagel, 1452 (d). Foto: Stiewe 1994]] | ||
[[Datei:Langer Steinweg 20, Ansichten Stiewe 1995.jpg|mini|Langer Steinweg 20, Ansichten, Zustand 1995 (nach Stiewe 1996, 300)]] | [[Datei:Langer Steinweg 20, Ansichten Stiewe 1995.jpg|mini|Langer Steinweg 20, Ansichten, Zustand 1995 (nach Stiewe 1996, 300)]] | ||
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Das Haus Langer Steinweg 20 ist das einzige | Das Haus Langer Steinweg 20 ist das einzige erhaltene Fachwerkhaus aus der Zeit des Wiederaufbaus nach der Zerstörung Blombergs in der Soester Fehde am 14. Juni 1447. (Das 1450-54 (d) wiederaufgebaute Haus [[Neue Torstraße 10 (Blomberg)|Neue Torstraße 10]] befindet sich seit 1988 im LWL-Freilichtmuseum Detmold). Der rückwärtige Steinkeller unter dem Hinterhaus reicht möglicherweise sogar noch in die Zeit vor 1447 zurück. Das Gebäude ist das derzeit älteste Fachwerkhaus in Blomberg und darüber hinaus in ganz Lippe. | ||
1662 (d) Anbau eines hausbreiten Saal-Hinterhauses mit reicher Spätrenaissance-Ausstattung (2 Türen, Fenster mit Bleiverglasung und bsschnitzten Pfosten, Aborterker) durch den Pastor Christoph Levinus Theopold, der das Haus in diesem Jahr erwarb (Pfarrer an St. Martini von 1657 bis 1676). Sein Sohn Dr. Heinrich Werner Theopold praktizierte ab 1683 in dem Haus als Arzt und Apotheker; es gab Beschwerden wegen unerlaubten Branntweinbrennens. | |||
Um 1820 Erwerb durch den Blaufärber Johann Friedrich Rohne, 1824 (d) bzw. 1826 (i) wertsteigernder Um- und Durchbau des Dielen-Vorderhauses. 1967 Erwerb und Modernisierung durch den Drogisten Emil Rademacher aus Hannover. | |||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
Zweischiffiges Dielen-Vorderhaus von 6 Fachen (7 Gebinden), im Dachwerk datiert 1452 (d). Aufgelegte Dachbalken, einige Ständer der rechten | Zweischiffiges Dielen-Vorderhaus von 6 Fachen (7 Gebinden), im Dachwerk datiert 1452 (d). Aufgelegte Dachbalken, einige Ständer der rechten Traufwand erhalten. Ca. 60 Grad steiles Sparrendach mit zwei angeblatteten Kehlbalkenlagen, datiert 1452 (d), weiter Gebindeabstand von ca. 2 Metern. Die Gebinde sind vom Rückgiebel beginnend mit Beilkerben von I bis IIIIII (6) nummeriert; die Gebinde IIII und IIIII sind noch unverändert erhalten und in situ. Fassade und Teile der Traufwände erneuert 1824 (d), lt. eingeritzter Jahreszahl an einem oberen Riegel der linken Traufwand 1826. Schmaleres Steinkeller-Hinterhaus, Kellerdeckenbalken datiert 1455 +/- 1 (d).<ref>Dendrochronologisches Gutachten von Hans Tisje, Neu-Isenburg, vom 14.2.1988 im Auftrag der Stadt Blomberg; Kellerdecke: Gutachten von Hans Tisje vom 29.12.1994 im Auftrag des Westf. Freilichtmuseums Detmold.</ref> Das Kellermauerwerk ist vermutlich sogar älter, es dürfte die Zerstörung von 1447 überstanden haben und bis ins 13. oder 14. Jahrhundert zurückreichen. Die Balken der Kellerdecke liegen links ohne Mauerlatte auf Kragsteinen auf; der Kellerfußboden ist mit mittelalterlichen quadratischen Backsteinplatten belegt. | ||
Hausbreiter Saalbau von 3 Fachen 1662 (d) angefügt (unter Einbeziehung des Kellers von 1455 +/- 1 d), Dachwerk aus 5 Sparrengebinden auf Sparrenschwellen, Hochständerdachwerk mit Stuhlrähm in Längsrichtung. Dachboden über dem Saal mit Lehmestrich. Fachwerkgeschoss des Saalbaus abwechselnd mit Kopfbändern und Fußstreben an den Eckständern vertrebt. Große, ehemals bleiverglaste Fensteröffnungen des Saales erkennbar, ein Teil eines geschnitzten Fensterpfostens aus der Bauzeit wurde auf dem Dachboden gefunden. Außerdem fanden sich zwei Spätrenaissance-Türen mit Arkadenfüllungen, die zur repräsentativen Erstausstattung dieses Saales zu rechnen sind. Spuren eines Aborterkers am Rückgiebel. | Hausbreiter Saalbau von 3 Fachen 1662 (d) angefügt (unter Einbeziehung des Kellers von 1455 +/- 1 d), Dachwerk aus 5 Sparrengebinden auf Sparrenschwellen, Hochständerdachwerk mit Stuhlrähm in Längsrichtung. Dachboden über dem Saal mit Lehmestrich. Fachwerkgeschoss des Saalbaus abwechselnd mit Kopfbändern und Fußstreben an den Eckständern vertrebt. Große, ehemals bleiverglaste Fensteröffnungen des Saales erkennbar, ein Teil eines geschnitzten Fensterpfostens aus der Bauzeit wurde auf dem Dachboden gefunden. Außerdem fanden sich zwei Spätrenaissance-Türen mit Arkadenfüllungen, die zur repräsentativen Erstausstattung dieses Saales zu rechnen sind. Spuren eines Aborterkers am Rückgiebel rechts. | ||
1824 (d) und 1826 (i) Erneuerung der Fassade und der Trauwfwände des spätmittelalterlichen Vorderhauses durch Färber Friedrich Rohne; Einbau eines zweiten Dielenseitenschiffes links (vgl. Taxation von 1829). Gefüge der erneuerten Traufwände dreifach verriegelt mit Zwischenständern; Ausfachung mit Lehmsteinen. Erhaltenes Schiebefenster mit Bleiverglasung an der linken Traufwand, Reste eines Fensterstockes über dem rechten Seiteneingang. Relativ steiler, zweifach vorkragender Vordergiebel mit Backsteinausfachung anstelle eines anzunehmenden mittelalterlichen Brettergiebels, der auf Knaggen weit vorgekragt war. Fassade im 19. Jahrhundert verputzt; 1967 freigelegt und modernisiert. | 1824 (d) und 1826 (i) Erneuerung der Fassade und der Trauwfwände des spätmittelalterlichen Vorderhauses durch Färber Friedrich Rohne; Einbau eines zweiten Dielenseitenschiffes links (vgl. Taxation von 1829). Gefüge der erneuerten Traufwände dreifach verriegelt mit Zwischenständern; Ausfachung mit Lehmsteinen. Erhaltenes Schiebefenster mit Bleiverglasung an der linken Traufwand, Reste eines Fensterstockes über dem rechten Seiteneingang. Relativ steiler, zweifach vorkragender Vordergiebel mit Backsteinausfachung anstelle eines anzunehmenden mittelalterlichen Brettergiebels, der auf Knaggen weit vorgekragt war. Fassade im 19. Jahrhundert verputzt; 1967 freigelegt und modernisiert. | ||