Wilbaser Straße 5 (Blomberg): Unterschied zwischen den Versionen

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Meierhof Stork (später Tippenhauer) zu [[Wilbasen]], alter Vollspännerhof in Siebenhöfen Nr. 10 (heute: Wilbaser Straße 5).  
Meierhof Stork (seit 1909 Tippenhauer) zu [[Wilbasen, Wohnplatz in Siebenhöfen|Wilbasen]], alter Vollspännerhof in Siebenhöfen Nr. 10 (heute: Wilbaser Straße 5).  
[[Datei:Meyer Storckes Hoff und Siechenhaus Friemel 1750.jpg|mini|"Meyer Storckes Hoff" mit Ruine der Kapelle zu Wilbasen. Flurkarte der Blomberger Feldmark von Johann Christoph Friemel, 1750, Ausschnitt. Niedersächsisches Landesarchiv, Bückeburg.]]
[[Datei:Meyer Storckes Hoff und Siechenhaus Friemel 1750.jpg|mini|"Meyer Storckes Hoff" mit Ruine der Kapelle zu Wilbasen. Flurkarte der Blomberger Feldmark von Johann Christoph Friemel, 1750, Ausschnitt. Niedersächsisches Landesarchiv, Bückeburg.]]
[[Datei:Wilbasen, Hof Stork, Meierhaus 1705 Nadine Behrmann 2013.jpg|mini|Wilbasen, ehem. Hof Stork, Meierhaus von 1705. Foto: Nadine Behrmann 2013]]
[[Datei:Wilbasen, Hof Stork, Meierhaus 1705 Nadine Behrmann 2013.jpg|mini|Wilbasen, ehem. Hof Stork, Meierhaus von 1705. Foto: Nadine Behrmann 2013]]
[[Datei:Siebenhöfen Nr. 10, Hof Stork, Torinschrift Pahmeier 1970 LLB BA TB-7-37.jpg|mini|Wilbasen, ehem. Hof Stork, Torbogeninschrift von 1705. Foto: Pahmeier 1970, LLB DT]]
[[Datei:Siebenhöfen Nr. 10, Hof Stork, Torinschrift Pahmeier 1970 LLB BA TB-7-37.jpg|mini|Wilbasen, ehem. Hof Stork, Torbogeninschrift von 1705. Foto: Pahmeier 1970, LLB DT]]
[[Datei:Wilbasen, Hof Stork, Meierhaus von NW-neu Stiewe 2013.jpg|mini|Wilbasen, ehem. Hof Stork, Meierhaus und Scheune von Nordwesten. Foto: Stiewe 2013]]
[[Datei:Wilbasen, Hof Stork, Meierhaus von NW-neu Stiewe 2013.jpg|mini|Wilbasen, ehem. Hof Stork, Meierhaus von 1705 mit angebauten Wirtschaftsgebäuden von Nordwesten. Foto: Stiewe 2013]]
[[Datei:Wilbasen, Schlussstein auf Hof Stork, um 1960 LLB BA BL-7-10.jpg|mini|Wilbasen, ehem. Hof Stork, Schlusstein mit Lamm Gottes und Gewölberippen der früheren Kapelle zu Wilbasen, um 1960. LLB DT]]
[[Datei:Wilbasen, Schlussstein auf Hof Stork, um 1960 LLB BA BL-7-10.jpg|mini|Wilbasen, ehem. Hof Stork, Schlusstein mit Lamm Gottes und Gewölberippen der früheren Kapelle zu Wilbasen, um 1960. LLB DT]]
[[Datei:Wilbasen, Hof Stork, Erbbegräbnis Tippenhauer Nadine Behrmann 2013.jpg|mini|Wilbasen, ehem. Hof Stork, Erbbegräbnis der Familie Tippenhauer (um 1910) am Standort der früheren Kapelle. Foto: Stiewe 2013]]
[[Datei:Wilbasen, Hof Stork, Erbbegräbnis Tippenhauer Nadine Behrmann 2013.jpg|mini|Wilbasen, ehem. Hof Stork, Erbbegräbnis der Familie Tippenhauer (nach 1909) am Standort der früheren Kapelle. Foto: Stiewe 2013]]


==Geschichte==
==Geschichte==
Der frühere Meierhof Stork liegt als Einzelhof an der heutigen Bundesstraße 1, der früheren "Cöllnischen Landstraße", etwa 2 km westlich der Stadt Blomberg. Östlich verläuft das "Talsystem des Königsbaches" (auch: Hainbach, früher "Wilbaser Beke"), westlich führt ein alter Hohlweg in nord-südlicher Richtung an der Hofstelle vorbei. Nordöstlich des heutigen Hofes hat Willy Gerking mithilfe von aufgelesenen Keramikscherben des 9. bis 14. Jahrhunderts eine Wüstung lokalisiert.<ref>Willy Gerking, Die Wüstungen des Kreises Lippe. Eine historisch-archäologische und geographische Studie zum spätmittelalterlichen Wüstungsgeschehen in Lippe (Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen, 10), Münster 1995, S. 58f., 77, 125ff., 167.</ref>
Der frühere Meierhof Stork liegt als Einzelhof an der heutigen Bundesstraße 1, der früheren "Cöllnischen Landstraße", etwa 2 km westlich der Stadt Blomberg. Östlich verläuft der Hainbach, früher "Wilbaser Beke", ein nördlicher Zufluss des Königsbaches. Westlich führt ein alter Hohlweg in nord-südlicher Richtung an der Hofstelle vorbei. Nordöstlich des heutigen Hofes hat Willy Gerking mithilfe von aufgelesenen Keramikscherben des 9. bis 14. Jahrhunderts eine Wüstung lokalisiert.<ref>Willy Gerking, Die Wüstungen des Kreises Lippe. Eine historisch-archäologische und geographische Studie zum spätmittelalterlichen Wüstungsgeschehen in Lippe (Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen, 10), Münster 1995, S. 58f., 77, 125ff., 167.</ref>


Auf dem Meierhof Storck in Wilbasen tagte unter einer Eiche der Freistuhl oder das Freigericht zu Wilbasen; Ende des 16. Jahrhunderts wurde es in den "Wilbasensaal" im Blomberger Rathaus verlegt. Außerdem befand sich auf dem Hof die 1398 erstmals erwähnte Marien-Wallfahrtskapelle zu Wilbasen, die von etwa 1400 bis um 1495 auch Grablege der Edelherren zur Lippe war. Nach 1495 wurde die Kapelle dem Blomberger Augustinerchorherrenstift "Zum Heiligen Leichtnam" inkorporiert.
Auf dem Meierhof Storck in Wilbasen tagte unter einer Eiche der Freistuhl oder das Freigericht zu Wilbasen; Ende des 16. Jahrhunderts wurde es in den "Wilbasensaal" im Blomberger Rathaus verlegt. Außerdem befand sich auf dem Hof die 1398 erstmals erwähnte Marien-Wallfahrtskapelle zu Wilbasen, die von etwa 1400 bis um 1495 auch Grablege der Edelherren zur Lippe war. Nach 1495 wurde die Kapelle dem Blomberger Augustinerchorherrenstift "Zum Heiligen Leichtnam" inkorporiert.
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1458 wurden die Leibeigenen Henne und Gertrude Husemann von Edelherr Bernhard VII. zur Lippe und seinem Bruder Simon der Kapelle zu Wilbasen geschenkt und als erbliche Meier auf dem zugehörigen Meierhof eingesetzt, den sie und ihre Erben bewirtschaften sollten.
1458 wurden die Leibeigenen Henne und Gertrude Husemann von Edelherr Bernhard VII. zur Lippe und seinem Bruder Simon der Kapelle zu Wilbasen geschenkt und als erbliche Meier auf dem zugehörigen Meierhof eingesetzt, den sie und ihre Erben bewirtschaften sollten.


Im 18. Jahrhundert war die Kapelle eine Ruine; 1707 wurden ihre Steine zum Wegebau verwendet und nach 1750 wurde sie endgültig abgebrochen. Ein Gewölbeschlussstein mit dem Lamm Gottes und einige Gewölberippen blieben eingemauert in der Scheune des Hofes erhalten. Der Schlussstein mit dem "Agnus Dei" befindet sich heute in der Kirche zu Reelkirchen.
Nachweislich seit 1500 findet auf Ländereien des Hofes alljährlich am ersten Wochenende im September der '''Wilbaser Markt''', eine große Stoppelkirmes vor den Toren der Stadt Blomberg, statt. Heute wird der Jahrmarkt vom Kreis Lippe auf einem eigenen Festplatz an der B 1 veranstaltet.


==Gebäude==
==Gebäude==
Das Meierhaus Stork ist ein großer Vierständerbau von 1705, der stark in Verfall geraten und inzwischen teilweise eingestürzt ist. Zweistöckiger Brettergiebel, auf Stichbalkenköpfen und Füllhölzern vorkragend. Prächtiger Torbogen mit langer Inschrift und Rose und Stern mit Rankenwerk auf den Kopfbändern, links und rechts vom Dielentor gekrümmte Fußstreben.
Das alte '''Meierhaus Stork''' ist ein großer Vierständerbau von 1705, der stark in Verfall geraten und inzwischen teilweise eingestürzt ist. Zweistöckiger Brettergiebel, auf Stichbalkenköpfen und Füllhölzern vorkragend. Prächtiger Torbogen mit langer Inschrift und Rose und Stern mit Rankenwerk auf den Kopfbändern, links und rechts vom Dielentor gekrümmte Fußstreben.
 
Das heutige '''Wohnhaus''' des Hofes ist ein zweigeschossiger Traufenbau mit Krüppelwalmdach und Querdiele aus der Zeit um 1840-50.
 
Die '''Kapelle zu Wilbasen''' war im 18. Jahrhundert bereits eine Ruine; 1707 wurden ihre Steine zum Wegebau verwendet und nach 1750 wurde sie endgültig abgebrochen. Ein Gewölbeschlussstein mit dem Lamm Gottes und einige Gewölberippen blieben eingemauert an der Scheune des Hofes erhalten. Der Schlussstein mit dem "Agnus Dei" befindet sich heute in der Kirche zu Reelkirchen. Am früheren Standort der Kapelle wurde nach 1909 ein '''Erbbegräbnis''' der Besitzerfamilie Tippenhauer errichtet.


==Inschriften==
==Inschriften==
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1692: Heirat von Gerlach Beckmeier von Struchtrup mit der Anerbin Ilsabe Storks zu Wilbasen, das Ehepaar hatte drei Söhne. 1705 ließen die Eheleute das erhaltene Meierhaus errichten.  
1692: Heirat von Gerlach Beckmeier von Struchtrup mit der Anerbin Ilsabe Storks zu Wilbasen, das Ehepaar hatte drei Söhne. 1705 ließen die Eheleute das erhaltene Meierhaus errichten.  
Grabinschriften auf dem Kirchhof Reelkirchen:
"Hier ruhet in Gott Gerlach Beckmeier aus Struchtrup, geboren 1666, als Storksmeier zu Wilbasen begraben 1741, den 5. Januar."
"Hier ruhet in Gott Anna Ilsabein Storks aus Wilbasen, ist begraben 1743, den 11. April, ihr Alter 76 Jahre."
1733: Heirat des Anerben Johann Christoph Stork mit Anna Katharina Spriks von Hörstmar bei Lemgo.
1761: Heirat der Anerbin Sophie Elisabeth Stork mit Dietrich Wilhelm Korf aus Hohenhausen.


1776 (VZ): Meier Storch, 41 Jahre; Frau Elisabeth, 36 Jahre; Kinder: Henriette, 12 Jahre; Sophie, 9 Jahre; Amalie Sophie, 7 Jahre; Luise, 5 Jahre; Christoph, 3 Jahre; Leibzüchter: Christoph, 77 Jahre; Frau Catharina, 66 Jahre; Knechte: Christoph aus Detmold; Joh. Bernd Conerding, 14 Jahre; Mägde: Luise Steinkamp, 22 Jahre; Anneliese Reineke, 22 Jahre.
1776 (VZ): Meier Storch, 41 Jahre; Frau Elisabeth, 36 Jahre; Kinder: Henriette, 12 Jahre; Sophie, 9 Jahre; Amalie Sophie, 7 Jahre; Luise, 5 Jahre; Christoph, 3 Jahre; Leibzüchter: Christoph, 77 Jahre; Frau Catharina, 66 Jahre; Knechte: Christoph aus Detmold; Joh. Bernd Conerding, 14 Jahre; Mägde: Luise Steinkamp, 22 Jahre; Anneliese Reineke, 22 Jahre.
1798: Heirat des Anerben Johann Christoph Stork mit Sophia Amalia Albertls aus Maspe.
1830: Heirat des Anerben Johann Friedrich Christoph Stork mit Sophia Caroline Uhmeier aus Herrentrup.
1876: Heirat des Oeconoms Friedrich Wilhelm August Stork mit Louise Dorothee Anna Rüding aus Bückeburg, ihr Vater war Amtsrentmeister auf der Burg zu Blomberg.


1882: Der Oeconom Friedrich Wilhelm August Storch zu Siebenhöfen-Wilbasen will mit seiner Frau und seinem 6-öjährigen Töchterchen nach Amerika auswandern. Der Hof in Wilbasen (54,55 Hektar) wurde für 93.000 Mk. an den Brennereibesitzer und Landwirt Rudolf Theopold in Blomberg verkauft.  
1882: Der Oeconom Friedrich Wilhelm August Storch zu Siebenhöfen-Wilbasen will mit seiner Frau und seinem 6-öjährigen Töchterchen nach Amerika auswandern. Der Hof in Wilbasen (54,55 Hektar) wurde für 93.000 Mk. an den Brennereibesitzer und Landwirt Rudolf Theopold in Blomberg verkauft.  
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==Literatur==
==Literatur==
Willy Gerking, Die Wüstungen des Kreises Lippe. Eine historisch-archäologische und geographische Studie zum spätmittelalterlichen Wüstungsgeschehen in Lippe (Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen, 10), Münster 1995.
Willy Gerking, Die Wüstungen des Kreises Lippe. Eine historisch-archäologische und geographische Studie zum spätmittelalterlichen Wüstungsgeschehen in Lippe (Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen, 10), Münster 1995.
Ernst Klaas, Rund um Wilbasen. Das Blomberger Becken in Geschichte und Legende, Blomberg 1952.


Burkhard Meier, Kirchen, Klöster, Mausoleen. Die Grabstätten der Häuser Lippe und Schaumburg-Lippe (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe, 46), Leopoldshöhe/Bielefeld 1996.
Burkhard Meier, Kirchen, Klöster, Mausoleen. Die Grabstätten der Häuser Lippe und Schaumburg-Lippe (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe, 46), Leopoldshöhe/Bielefeld 1996.
Ulrich Meier/Heinrich Stiewe, Blomberg (Historischer Atlas westfälischer Städte, 13), Münster 2022.
Birgit Meineke, Die Ortsnamen des Kreises Lippe (Westfälisches Ortsnamenbuch, 2), Bielefeld 2010.


Heinrich und Berta Plöger, 16 Hofgeschichten aus dem Kirchspiel Reelkirchen (Beiträge zur Familiengeschichte Theopold), Masch.-schr. Manuskript Reelkirchen 1972.
Heinrich und Berta Plöger, 16 Hofgeschichten aus dem Kirchspiel Reelkirchen (Beiträge zur Familiengeschichte Theopold), Masch.-schr. Manuskript Reelkirchen 1972.