Breite Straße 41 (Lemgo): Unterschied zwischen den Versionen
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}}Ursprünglich als Teil der Marien-Bauerschaft (Abkürzung: M.B.) Nr. 7 geführt, seit 1890 Breite Straße 41. Massives Giebelhaus, bislang ältestes bekanntes Bürgerhaus an der Breiten Straße, errichtet 1507 oder kurz darauf (dendrodatiert) auf der mittelalterlichen Großparzelle | }}Ursprünglich als Teil der Marien-Bauerschaft (Abkürzung: M.B.) Nr. 7 geführt, seit 1890 Breite Straße 41. Massives Giebelhaus, bislang ältestes bekanntes Bürgerhaus an der Breiten Straße, errichtet 1507 oder kurz darauf (dendrodatiert) auf der mittelalterlichen Großparzelle [[Breite Straße 39 (Lemgo)|Breite Straße 39/41]], 1817 und 1912 (Jugendstilfassade) umgebaut. 1978–2019 bildeten beide Gebäude die Einkaufs-Passage „Hanse Center“, 2023 wurden sie denkmalgerecht saniert. Eintragung in die Denkmalakte der Stadt Lemgo am 15.5.2018. | ||
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[[Datei:Lemgo-Kernstadt_Breite-Str-39-41_2023_Kramp-und-Kramp.jpg|thumb|Die Häuser Breite Straße 39 (links) und 41 (rechts) nach der Sanierung, 2026, Foto: Kramp & Kramp]] | [[Datei:Lemgo-Kernstadt_Breite-Str-39-41_2023_Kramp-und-Kramp.jpg|thumb|Die Häuser Breite Straße 39 (links) und 41 (rechts) nach der Sanierung, 2026, Foto: Kramp & Kramp]] | ||
[[Datei:Lemgo-Kernstadt_Breite-Str-39-41_2023a_Kramp-und-Kramp.jpg|thumb|Die Häuser Breite Straße 39 (links) und 41 (rechts) vor der Sanierung, 2023, Foto: Kramp & Kramp]] | [[Datei:Lemgo-Kernstadt_Breite-Str-39-41_2023a_Kramp-und-Kramp.jpg|thumb|Die Häuser Breite Straße 39 (links) und 41 (rechts) vor der Sanierung, 2023, Foto: Kramp & Kramp]] | ||
[[Datei:Lemgo-Kernstadt_Breite-Str-39-47_um-1912_Stadtarchiv-Lemgo.jpg|thumb|Die Häuser Breite Straße 39 und 41 (2. und 3. v. links) vor 1912, Foto: Stadtarchiv Lemgo]] | |||
„Ältester Bestandteil des Hauses ist ein massiver Bruchsteinbau auf einer längsrechteckigen Grundfläche von knapp 24 m Länge und 12 m Breite, der mit der Schmalseite zur Breiten Straße ausgerichtet ist. Grundlage zur Datierung dieses Kernbaus ist die dendrochronologische Altersbestimmung dreier bei späteren Umbauten wiederverwendeter Bauhölzer aus Dachwerk und Deckenbalken, deren letzter gemessener Jahrring bei 1507 liegt und bei unklarer Waldkante (letzter gewachsener Jahrring vor der Fällung) eine Datierung auf 1507 oder kurz danach ermöglicht. Damit konnte das bisher älteste bekannt gewordene Bürgerhaus an der Breiten Straße identifiziert werden. (…) Die (…) Bauspuren belegen eine Bebauung des Grundstücks seit dem beginnenden 16. Jahrhundert mit einem großbürgerlichen Bruchsteinbau, der vermutlich einen älteren Vorgängerbau in der im 13. Jahrhundert gegründeten Lemgoer Neustadt ersetzt hat.“<ref>Michael Sprenger: Bauhistorische Dokumentation Lemgo, Breite Straße 41, Dörentrup-Schwelentrup 2024</ref> | „Ältester Bestandteil des Hauses ist ein massiver Bruchsteinbau auf einer längsrechteckigen Grundfläche von knapp 24 m Länge und 12 m Breite, der mit der Schmalseite zur Breiten Straße ausgerichtet ist. Grundlage zur Datierung dieses Kernbaus ist die dendrochronologische Altersbestimmung dreier bei späteren Umbauten wiederverwendeter Bauhölzer aus Dachwerk und Deckenbalken, deren letzter gemessener Jahrring bei 1507 liegt und bei unklarer Waldkante (letzter gewachsener Jahrring vor der Fällung) eine Datierung auf 1507 oder kurz danach ermöglicht. Damit konnte das bisher älteste bekannt gewordene Bürgerhaus an der Breiten Straße identifiziert werden. (…) Die (…) Bauspuren belegen eine Bebauung des Grundstücks seit dem beginnenden 16. Jahrhundert mit einem großbürgerlichen Bruchsteinbau, der vermutlich einen älteren Vorgängerbau in der im 13. Jahrhundert gegründeten Lemgoer Neustadt ersetzt hat.“<ref>Michael Sprenger: Bauhistorische Dokumentation Lemgo, Breite Straße 41, Dörentrup-Schwelentrup 2024</ref> | ||
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Vom "Kernbau von 1507 hat sich nicht viel mehr als das bruchsteinerne Untergeschoss der rechten nördlichen Traufwand sowie Teile des wiederverwendeten Dachwerks erhalten, so dass Aussagen zur Bau- und Raumstruktur sehr vage bleiben müssen. (…) In der nördlichen Bruchsteintraufwand haben sich vier ältere, heute vermauerte Fensteröffnungen erhalten, die noch ins 16. Jahrhundert zu datieren sind. Es sind sandsteingerahmte Fenster, die durch einen gekehlten Mittelpfosten in jeweils zwei hochrechteckige Bahnen aufgeteilt und mit Eisengittern und Schlagläden nach außen geschlossen waren. In der südlichen Traufwand des Hinterhausobergeschosses sind zwei Fensternischen erhalten, die nach oben rundbogig abschließen und mit Backsteinentlastungsbögen ausgestattet sind. Die Fenster wurden später verändert, indem die Mittelpfosten beseitigt und die Fensteröffnungen offenbar verkleinert wurden. (...) | Vom "Kernbau von 1507 hat sich nicht viel mehr als das bruchsteinerne Untergeschoss der rechten nördlichen Traufwand sowie Teile des wiederverwendeten Dachwerks erhalten, so dass Aussagen zur Bau- und Raumstruktur sehr vage bleiben müssen. (…) In der nördlichen Bruchsteintraufwand haben sich vier ältere, heute vermauerte Fensteröffnungen erhalten, die noch ins 16. Jahrhundert zu datieren sind. Es sind sandsteingerahmte Fenster, die durch einen gekehlten Mittelpfosten in jeweils zwei hochrechteckige Bahnen aufgeteilt und mit Eisengittern und Schlagläden nach außen geschlossen waren. In der südlichen Traufwand des Hinterhausobergeschosses sind zwei Fensternischen erhalten, die nach oben rundbogig abschließen und mit Backsteinentlastungsbögen ausgestattet sind. Die Fenster wurden später verändert, indem die Mittelpfosten beseitigt und die Fensteröffnungen offenbar verkleinert wurden. (...) | ||
Die Anordnung der Fenster mit einem unteren und drei oberen lässt auf eine zweigeschossige Aufteilung des Innenraumes vermutlich durch ein von der hohen Diele abgetrenntes Seitenschiff schließen. Zwei weitere ebenfalls zugemauerte Fenster im unteren Bereich des Hinterhauses stammen möglicherweise aus der Zeit um 1817, als das gesamte Gebäude grundlegend umgebaut wurde. (…) Das auf 1507 oder kurz danach datierte Dachwerk bestand vermutlich aus einem Sparrendach mit dreifacher, gezapfter Kehlbalkenlage, von der die untere von einem gefasten und mit Kopfbändern verstrebten stehenden Stuhl gestützt wurde. (…)“ | Die Anordnung der Fenster mit einem unteren und drei oberen lässt auf eine zweigeschossige Aufteilung des Innenraumes vermutlich durch ein von der hohen Diele abgetrenntes Seitenschiff schließen. Zwei weitere ebenfalls zugemauerte Fenster im unteren Bereich des Hinterhauses stammen möglicherweise aus der Zeit um 1817, als das gesamte Gebäude grundlegend umgebaut wurde. (…) Das auf 1507 oder kurz danach datierte Dachwerk bestand vermutlich aus einem Sparrendach mit dreifacher, gezapfter Kehlbalkenlage, von der die untere von einem gefasten und mit Kopfbändern verstrebten stehenden Stuhl gestützt wurde. (…)“ | ||
Nach dem 1817 archivalisch bezeugten Umbau „gab es im darauffolgenden Jahr eine Steuererhöhung von 300 auf 1500 Reichstaler, die bereits auf den Umfang der Baumaßnahme hinweist. Diese bestand aus einer fast vollständigen Abtragung der alten Bausubstanz mit Außnahme der bruchsteinernen Außenwände, insbesondere der nördlichen Traufwand. Das Haus wurde mit einer neuen Fachwerkfassade zur Straße und einem ebenfalls in Fachwerk abgezimmerten Speicherstock versehen und im Inneren räumlich neu gegliedert. Die Straßenfassade wurde mit einem mittigen Dielentor und zusammengerückten Doppelständern gestaltet, die bis ins Giebeldreieck verliefen und zur Einfassung von hochrechteckigen Fenstern dienten. Entsprechend den Gefügemerkmalen des 19. Jahrhunderts wurde auf Geschossvorkragungen in den Brüstungszonen verzichtet. Ständer, Riegel und Fußstreben der Außenwände des Speichergeschosses bestehen aus Eichenholz, während für Deckenbalken und Dachwerk Nadelholz verwendet wurde. Die Balken sind mit Schwellen und Rähmen verkämmt und an den Gebäudeecken mit Gratstichbalken versehen. Zwischen die Dachbalken sind strohumwickelte Wellerhölzer eingeschoben. (...) | Nach dem 1817 archivalisch bezeugten Umbau „gab es im darauffolgenden Jahr eine Steuererhöhung von 300 auf 1500 Reichstaler, die bereits auf den Umfang der Baumaßnahme hinweist. Diese bestand aus einer fast vollständigen Abtragung der alten Bausubstanz mit Außnahme der bruchsteinernen Außenwände, insbesondere der nördlichen Traufwand. Das Haus wurde mit einer neuen Fachwerkfassade zur Straße und einem ebenfalls in Fachwerk abgezimmerten Speicherstock versehen und im Inneren räumlich neu gegliedert. Die Straßenfassade wurde mit einem mittigen Dielentor und zusammengerückten Doppelständern gestaltet, die bis ins Giebeldreieck verliefen und zur Einfassung von hochrechteckigen Fenstern dienten. Entsprechend den Gefügemerkmalen des 19. Jahrhunderts wurde auf Geschossvorkragungen in den Brüstungszonen verzichtet. Ständer, Riegel und Fußstreben der Außenwände des Speichergeschosses bestehen aus Eichenholz, während für Deckenbalken und Dachwerk Nadelholz verwendet wurde. Die Balken sind mit Schwellen und Rähmen verkämmt und an den Gebäudeecken mit Gratstichbalken versehen. Zwischen die Dachbalken sind strohumwickelte Wellerhölzer eingeschoben. (...) | ||
1912 erwarb Kaufmann Wilhelm Hempelmann vom Nachbarhaus Breite Straße 39 das Gebäude und „stellte einen Bauantrag zum Umbau als Wohn- und Geschäftshaus. Die nun erfolgten baulichen Veränderungen sind in der Bauregistratur der Stadt Lemgo mit Grundrissen, Schnitten und Ansichten archiviert und bedeuten einen ebenso umfangreichen Eingriff in die Bau- und Raumstruktur wie der von 1817. So wird die Fachwerkfassade abgebrochen und durch eine Jugendstilfassade aus verputztem Backstein und ornamentalem Dekor ersetzt. Für eine durch die Baubestimmungen vorgeschriebene Raumhöhe von drei Metern bei Wohnräumen wird die 1817 über dem Bruchsteinerdgeschoss des Vorderhauses entfernt und durch eine abgesenkte Stahlträgerkonstruktion ausgetauscht, die im oberen Bereich der Traufwände mit verschraubten Mauerankern gesichert wird. Hinter der Fassade wird ein hohes Ladenlokal geschaffen, dessen neue Decke zwei firstparallele, säulengestützte Stahlträger abfangen. Der Eingang zu den Räumen im Obergeschoss wird an die südliche Traufwand verlegt, für den die Bruchsteinwand des Kernbaus aufgebrochen und ein Treppenhaus bis ins Dachgeschoss geführt wird (...)“<ref>Michael Sprenger: Bauhistorische Dokumentation Lemgo, Breite Straße 41, Dörentrup-Schwelentrup 2024</ref> | 1912 erwarb Kaufmann Wilhelm Hempelmann vom Nachbarhaus Breite Straße 39 das Gebäude und „stellte einen Bauantrag zum Umbau als Wohn- und Geschäftshaus. Die nun erfolgten baulichen Veränderungen sind in der Bauregistratur der Stadt Lemgo mit Grundrissen, Schnitten und Ansichten archiviert und bedeuten einen ebenso umfangreichen Eingriff in die Bau- und Raumstruktur wie der von 1817. So wird die Fachwerkfassade abgebrochen und durch eine Jugendstilfassade aus verputztem Backstein und ornamentalem Dekor ersetzt. Für eine durch die Baubestimmungen vorgeschriebene Raumhöhe von drei Metern bei Wohnräumen wird die 1817 über dem Bruchsteinerdgeschoss des Vorderhauses entfernt und durch eine abgesenkte Stahlträgerkonstruktion ausgetauscht, die im oberen Bereich der Traufwände mit verschraubten Mauerankern gesichert wird. Hinter der Fassade wird ein hohes Ladenlokal geschaffen, dessen neue Decke zwei firstparallele, säulengestützte Stahlträger abfangen. Der Eingang zu den Räumen im Obergeschoss wird an die südliche Traufwand verlegt, für den die Bruchsteinwand des Kernbaus aufgebrochen und ein Treppenhaus bis ins Dachgeschoss geführt wird (...)“<ref>Michael Sprenger: Bauhistorische Dokumentation Lemgo, Breite Straße 41, Dörentrup-Schwelentrup 2024</ref> | ||
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Michael Sprenger: Bauhistorische Dokumentation Lemgo, Breite Straße 41, Dörentrup-Schwelentrup 2024 | Michael Sprenger: Bauhistorische Dokumentation Lemgo, Breite Straße 41, Dörentrup-Schwelentrup 2024 | ||
Eigentümergemeinschaft Andreas Kramp und Guido Kramp: | |||
Eigentümergemeinschaft Andreas Kramp und Guido Kramp: Dokumentation Revitalisierung des historischen Gebäude-Ensembles „Hanse Hof“. | |||
„Straßenverzeichnis mit Hausnummern. Neue und alte Hausnummern -vor 1890- ermittelt aus B 2601“, Lemgo 1972, S. 3. | „Straßenverzeichnis mit Hausnummern. Neue und alte Hausnummern -vor 1890- ermittelt aus B 2601“, Lemgo 1972, S. 3. | ||
Denkmalliste der Stadt Lemgo, Nr. A 437. | Denkmalliste der Stadt Lemgo, Nr. A 437. | ||
Aktuelle Version vom 21. September 2026, 12:52 Uhr
| Breite Straße 41 (Lemgo) | |
|---|---|
| Ortsteil | Lemgo (Kernstadt) |
| Straße | Breite Straße (Lemgo) |
| Hausnummer | 41 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Gemeinde | Lemgo |
| Straße | Breite Straße |
| Hausnummer | MB 007 |
Ursprünglich als Teil der Marien-Bauerschaft (Abkürzung: M.B.) Nr. 7 geführt, seit 1890 Breite Straße 41. Massives Giebelhaus, bislang ältestes bekanntes Bürgerhaus an der Breiten Straße, errichtet 1507 oder kurz darauf (dendrodatiert) auf der mittelalterlichen Großparzelle Breite Straße 39/41, 1817 und 1912 (Jugendstilfassade) umgebaut. 1978–2019 bildeten beide Gebäude die Einkaufs-Passage „Hanse Center“, 2023 wurden sie denkmalgerecht saniert. Eintragung in die Denkmalakte der Stadt Lemgo am 15.5.2018.
Geschichte



„Ältester Bestandteil des Hauses ist ein massiver Bruchsteinbau auf einer längsrechteckigen Grundfläche von knapp 24 m Länge und 12 m Breite, der mit der Schmalseite zur Breiten Straße ausgerichtet ist. Grundlage zur Datierung dieses Kernbaus ist die dendrochronologische Altersbestimmung dreier bei späteren Umbauten wiederverwendeter Bauhölzer aus Dachwerk und Deckenbalken, deren letzter gemessener Jahrring bei 1507 liegt und bei unklarer Waldkante (letzter gewachsener Jahrring vor der Fällung) eine Datierung auf 1507 oder kurz danach ermöglicht. Damit konnte das bisher älteste bekannt gewordene Bürgerhaus an der Breiten Straße identifiziert werden. (…) Die (…) Bauspuren belegen eine Bebauung des Grundstücks seit dem beginnenden 16. Jahrhundert mit einem großbürgerlichen Bruchsteinbau, der vermutlich einen älteren Vorgängerbau in der im 13. Jahrhundert gegründeten Lemgoer Neustadt ersetzt hat.“[1]
Zur Kernsanierung der Gebäude Breite Straße 39 und 41 im Jahr 2023 teilen die Eigentümer mit: „Anhand der Erkenntnisse und der Rekonstruktionszeichnungen von Dr. Sprenger wurde die Fachwerkfassade Nr. 39 auf den Stand ab ca. 1828 rekonstruiert. Mit den räumlichen Umgestaltungen des späten 19. Jahrhunderts wurden Ladenlokale im Erdgeschoss eingerichtet, für die die Fachwerkwände durch Stahlträger abgefangen wurden. Bei Start der Kernsanierung im Jahr 2023 waren die Gebäude in einem desolaten Zustand. Waren die Einbauten der Gewerbeflächen für die Ewigkeit gebaut, so marode waren die Geschosse darüber. Die Fachwerkhölzer wiesen außen wie innen große Schäden auf und die Putze fielen aus den Gefachen. Die historischen Fenster boten dem Wetter keinen Widerstand mehr und Feuchtigkeit war allgegenwärtig. Um die Bausünden der Vergangenheit zu beseitigen, erfolgte ein vollständiger, innerer Rückbau bis auf die historische Bausubstanz: Neuzeitlich Zwischenwände wurden abgebrochen, Wand- und Deckenverkleidungen aus Spanplatten und Gipskarton entfernt, Steckdosen, Elektroinstallationen und Heizungsrohre rückgebaut, Tapeten und loser Putz von den Wänden entfernt. Die vorhandene, bis zu 280 mm starke Stahlbetonsohle wurde bis auf das Erdreich abgetragen und die alten Aluminium-Schaufensterfronten, Eingangs- und Außentüren ausgebaut. Aufgrund mehrerer Einbauten aus Stahlbeton und Stahlträgern war der Rückbau auf die Originalsubstanz aus statischer Sicht eine Herausforderung und nahm viel Zeit in Anspruch. Die Statik musste im Laufe der Sanierung mehrfach neu berechnet werden. Abstützungsmaßnahmen im Zuge der Bestandssicherung von Decken und Wänden war unerlässlich.“
Gebäude
Vom "Kernbau von 1507 hat sich nicht viel mehr als das bruchsteinerne Untergeschoss der rechten nördlichen Traufwand sowie Teile des wiederverwendeten Dachwerks erhalten, so dass Aussagen zur Bau- und Raumstruktur sehr vage bleiben müssen. (…) In der nördlichen Bruchsteintraufwand haben sich vier ältere, heute vermauerte Fensteröffnungen erhalten, die noch ins 16. Jahrhundert zu datieren sind. Es sind sandsteingerahmte Fenster, die durch einen gekehlten Mittelpfosten in jeweils zwei hochrechteckige Bahnen aufgeteilt und mit Eisengittern und Schlagläden nach außen geschlossen waren. In der südlichen Traufwand des Hinterhausobergeschosses sind zwei Fensternischen erhalten, die nach oben rundbogig abschließen und mit Backsteinentlastungsbögen ausgestattet sind. Die Fenster wurden später verändert, indem die Mittelpfosten beseitigt und die Fensteröffnungen offenbar verkleinert wurden. (...)
Die Anordnung der Fenster mit einem unteren und drei oberen lässt auf eine zweigeschossige Aufteilung des Innenraumes vermutlich durch ein von der hohen Diele abgetrenntes Seitenschiff schließen. Zwei weitere ebenfalls zugemauerte Fenster im unteren Bereich des Hinterhauses stammen möglicherweise aus der Zeit um 1817, als das gesamte Gebäude grundlegend umgebaut wurde. (…) Das auf 1507 oder kurz danach datierte Dachwerk bestand vermutlich aus einem Sparrendach mit dreifacher, gezapfter Kehlbalkenlage, von der die untere von einem gefasten und mit Kopfbändern verstrebten stehenden Stuhl gestützt wurde. (…)“
Nach dem 1817 archivalisch bezeugten Umbau „gab es im darauffolgenden Jahr eine Steuererhöhung von 300 auf 1500 Reichstaler, die bereits auf den Umfang der Baumaßnahme hinweist. Diese bestand aus einer fast vollständigen Abtragung der alten Bausubstanz mit Außnahme der bruchsteinernen Außenwände, insbesondere der nördlichen Traufwand. Das Haus wurde mit einer neuen Fachwerkfassade zur Straße und einem ebenfalls in Fachwerk abgezimmerten Speicherstock versehen und im Inneren räumlich neu gegliedert. Die Straßenfassade wurde mit einem mittigen Dielentor und zusammengerückten Doppelständern gestaltet, die bis ins Giebeldreieck verliefen und zur Einfassung von hochrechteckigen Fenstern dienten. Entsprechend den Gefügemerkmalen des 19. Jahrhunderts wurde auf Geschossvorkragungen in den Brüstungszonen verzichtet. Ständer, Riegel und Fußstreben der Außenwände des Speichergeschosses bestehen aus Eichenholz, während für Deckenbalken und Dachwerk Nadelholz verwendet wurde. Die Balken sind mit Schwellen und Rähmen verkämmt und an den Gebäudeecken mit Gratstichbalken versehen. Zwischen die Dachbalken sind strohumwickelte Wellerhölzer eingeschoben. (...)
1912 erwarb Kaufmann Wilhelm Hempelmann vom Nachbarhaus Breite Straße 39 das Gebäude und „stellte einen Bauantrag zum Umbau als Wohn- und Geschäftshaus. Die nun erfolgten baulichen Veränderungen sind in der Bauregistratur der Stadt Lemgo mit Grundrissen, Schnitten und Ansichten archiviert und bedeuten einen ebenso umfangreichen Eingriff in die Bau- und Raumstruktur wie der von 1817. So wird die Fachwerkfassade abgebrochen und durch eine Jugendstilfassade aus verputztem Backstein und ornamentalem Dekor ersetzt. Für eine durch die Baubestimmungen vorgeschriebene Raumhöhe von drei Metern bei Wohnräumen wird die 1817 über dem Bruchsteinerdgeschoss des Vorderhauses entfernt und durch eine abgesenkte Stahlträgerkonstruktion ausgetauscht, die im oberen Bereich der Traufwände mit verschraubten Mauerankern gesichert wird. Hinter der Fassade wird ein hohes Ladenlokal geschaffen, dessen neue Decke zwei firstparallele, säulengestützte Stahlträger abfangen. Der Eingang zu den Räumen im Obergeschoss wird an die südliche Traufwand verlegt, für den die Bruchsteinwand des Kernbaus aufgebrochen und ein Treppenhaus bis ins Dachgeschoss geführt wird (...)“[2]
Inschriften
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
Adressbuch 1901: (Carl Potthoff) Fabrikgebäude [3]
Literatur
Quellen
Michael Sprenger: Bauhistorische Dokumentation Lemgo, Breite Straße 41, Dörentrup-Schwelentrup 2024
Eigentümergemeinschaft Andreas Kramp und Guido Kramp: Dokumentation Revitalisierung des historischen Gebäude-Ensembles „Hanse Hof“.
„Straßenverzeichnis mit Hausnummern. Neue und alte Hausnummern -vor 1890- ermittelt aus B 2601“, Lemgo 1972, S. 3.
Denkmalliste der Stadt Lemgo, Nr. A 437.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Michael Sprenger: Bauhistorische Dokumentation Lemgo, Breite Straße 41, Dörentrup-Schwelentrup 2024
- ↑ Michael Sprenger: Bauhistorische Dokumentation Lemgo, Breite Straße 41, Dörentrup-Schwelentrup 2024
- ↑ Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat, S. 78
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 21.09.2026 von Roland Linde
Letzte Änderung am: 21.09.2026 von Roland Linde