Istruper Straße 74-76 (Wellentrup): Unterschied zwischen den Versionen
Markierungen: Mobile Bearbeitung Mobile Web-Bearbeitung |
→Gebäude: Bildunterschrift ergänzt Markierungen: Mobile Bearbeitung Mobile Web-Bearbeitung |
||
| (10 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 16: | Zeile 16: | ||
[[Datei:Friedrich Ottomeyer.jpg|mini|Friedrich Ottomeyer (1838-1895), Landwirt und Unternehmer]] | [[Datei:Friedrich Ottomeyer.jpg|mini|Friedrich Ottomeyer (1838-1895), Landwirt und Unternehmer]] | ||
[[Datei:Ottomeyer, Anzeige 1870.jpg|mini|Anzeige der Firma Ottomeyer von 1870]] | [[Datei:Ottomeyer, Anzeige 1870.jpg|mini|Anzeige der Firma Ottomeyer von 1870]] | ||
1866 erhielt Friedrich Ottomeyer eine Konzession zu einem Lohndresch- und Sägebetrieb mit zwei englischen Dampflokomobilen, die er ein Jahr zuvor erworben hatte. Die '''Firma F. Ottomeyer''' begann schon bald mit dem Handel sowie der Reparatur und dem Bau von Lokomobilen und Dreschmaschinen in der hofeigenen Schmiede und Maschinenfabrik - als eine der ersten in Westfalen. 1877 verlegte Ottomeyer die Maschinenfabrik nach Steinheim, wo | 1866 erhielt Friedrich Ottomeyer eine Konzession zu einem Lohndresch- und Sägebetrieb mit zwei englischen Dampflokomobilen, die er ein Jahr zuvor für 6.000 Taler erworben hatte. Die '''Firma F. Ottomeyer''' begann schon bald mit dem Handel sowie der Reparatur und dem Bau von Lokomobilen und Dreschmaschinen in der hofeigenen Schmiede und Maschinenfabrik - als eine der ersten in Westfalen. 1877 verlegte Ottomeyer die Maschinenfabrik nach Steinheim, wo es einen Eisenbahnanschluss gab. Die Firma F. Ottomeyer, Steinheim bestand als Landmaschinenhandel und Autohaus noch bis 2010.<ref>Heinrich Stiewe, Vom Meierhof zur Maschinenfabrik. Die Anfänge der Firma Ottomeyer in Wellentrup und Steinheim, in: {{StieweWellentrup2002}}, S. 195-205 sowie https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ottomeyer_(Unternehmen) (letzter Zugriff: 21.12.2024).</ref> | ||
1903 wurde der Hof Ottomeyer in Wellentrup an die Landwirtswitwe Hagedorn aus Großenmarpe verkauft, seitdem Hof Hagedorn, Wellentrup Nr. 1. | |||
[[Datei:Wellentrup Nr. 1, Molkerei 1938.jpg|mini|Im Gebäude der früheren Maschinenfabrik Ottomeyer (Istruper Str. 74) befand sich von 1888 bis 1949 die Molkerei Wellentrup (abgebrochen 2014). Foto von 1938]] | [[Datei:Wellentrup Nr. 1, Molkerei 1938.jpg|mini|Im Gebäude der früheren Maschinenfabrik Ottomeyer (Istruper Str. 74) befand sich von 1888 bis 1949 die Molkerei Wellentrup (abgebrochen 2014). Foto von 1938]] | ||
1888 gründeten einige Bauern aus Wellentrup und benachbarten Dörfern die '''Molkerei Wellentrup''', die älteste bäuerliche Genossenschaftsmolkerei in Lippe. Sie befand sich bis 1949 auf dem Hof Nr. 1 im Gebäude der früheren Maschinenfabrik Ottomeyer, Istruper Str. 74 ("Alte Molkerei", abgebrochen 2014), 1947-49 wurde ein Neubau am Ortseingang errichtet (Istruper Straße 83). Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten schloss sich die Molkerei Wellentrup 1956 mit der Molkereigenossenschaft Detmold zusammen.<ref>Heinrich Stiewe, Cheruskia-Tafelbutter und honny-ponny. Die Molkerei Wellentrup (1888-1956), in: {{StieweWellentrup2002}}, S. 206-216.</ref> | 1888 gründeten einige Bauern aus Wellentrup und benachbarten Dörfern die '''Molkerei Wellentrup''', die älteste bäuerliche Genossenschaftsmolkerei in Lippe. Sie befand sich bis 1949 auf dem Hof Hagedorn Nr. 1 im Gebäude der früheren Maschinenfabrik Ottomeyer, Istruper Str. 74 ("Alte Molkerei", abgebrochen 2014), 1947-49 wurde ein Neubau am Ortseingang errichtet (Istruper Straße 83). Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten schloss sich die Molkerei Wellentrup 1956 mit der Molkereigenossenschaft Detmold zusammen.<ref>Heinrich Stiewe, Cheruskia-Tafelbutter und honny-ponny. Die Molkerei Wellentrup (1888-1956), in: {{StieweWellentrup2002}}, S. 206-216.</ref> | ||
[[Datei:Wellentrup, Molkerei, Anzeige 1933.jpg|mini|Anzeige der Molkerei Wellentrup von 1933]] | [[Datei:Wellentrup, Molkerei, Anzeige 1933.jpg|mini|Anzeige der Molkerei Wellentrup von 1933]] | ||
[[Datei:1734725691867.jpg|mini|Molkerei Wellentrup, Betriebsräume und Buttertrommel (unten). Foto von 1938]] | [[Datei:1734725691867.jpg|mini|Molkerei Wellentrup, Betriebsräume und Buttertrommel (unten). Foto von 1938]] | ||
| Zeile 26: | Zeile 27: | ||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
[[Datei:Hof Ottomeyer, Grundrissskizze Karoline Schüerhoff, geb. Ottomeyer.jpg|mini|Wellentrup, Hof Ottomeyer vor 1893, Grundrissskizze (Norden links). Von oben nach unten: Maschinenfabrik, Wohnhaus mit Kuhstallanbau und Ziergarten (abgebrannt 1893), Hofraum mit Pferdestall (rechts) und Leibzucht (unten, 1914 nach Norden verlängert, erhalten). Gedächtnisskizze von Karoline Schüerhoff, geb. Ottomeyer, Soest, ca. 1956]] | |||
''' | [[Datei:Hof Ottomeyer, Wohnhaus und Garten, Skizze Karoline Schüerhoff, geb. Ottomeyer.jpg|mini|Hof Ottomeyer, Wohnhaus, Südansicht mit Saalanbau (links) und Ziergarten, Zustand vor dem Brand von 1893. Gedächtnisskizze von Karoline Schüerhoff, geb. Ottomeyer, Soest, ca. 1956]] | ||
'''Haupthaus, erbaut nach Brand 1743''' (abgebrannt 1893): Großes Fachwerk-Dielenhaus (Vierständerbau) mit späterem Kuhstallanbau, Wohnteil mit Flur und Kammerfach sowie einem später seitlich angebauten Saal. Ziergarten mit Grotte vor dem Südgiebel (nach Skizze von Karoline Schüerhoff, geb. Ottomeyer, Soest). | |||
'''Leibzucht (heutiges Wohnhaus, Istruper Str. 76):''' Fachwerk-Dielenhaus (Vierständerbau) des 19. Jh., Wohnteil mit Flur und Kammerfach, nach Brand des Haupthauses 1893 zum Pächterwohnhaus umgebaut. 1914 um 4,5 m nach Norden erweitert (Bauakte). | |||
'''Kornspeicher von 1819''' (abgebrochen ca. 2014): Zweistöckiger Fachwerkbau mit Backsteinausfachung (Datierung auf Inschriftziegel). Um 1865 als Hintergebäude mit der Maschinenfabrik verbunden. | |||
[[Datei:Wellentrup, Istruper Str. 74, Rückseite 2008.jpg|mini|Wellentrup, ehem. Hof Ottomeyer Nr. 1. Als ältestes Gebäude des Hofes war noch bis 2014 ein früherer Kornspeicher von 1819 erhalten. Er lag versteckt an der Rückseite der "alten Molkerei" und wurde mit dieser 2014 abgerissen. Foto: Heinrich Stiewe 2008]] | [[Datei:Wellentrup, Istruper Str. 74, Rückseite 2008.jpg|mini|Wellentrup, ehem. Hof Ottomeyer Nr. 1. Als ältestes Gebäude des Hofes war noch bis 2014 ein früherer Kornspeicher von 1819 erhalten. Er lag versteckt an der Rückseite der "alten Molkerei" und wurde mit dieser 2014 abgerissen. Foto: Heinrich Stiewe 2008]] | ||
[[Datei:Wellentrup, Istruper Str. 74, Ziegel mit Jahreszahl 2008.jpg|mini|Der frühere Kornspeicher besaß in einem Gefach des Giebels einen Backstein mit der eingeritzten Datierung "ANNO 1819". Foto: Stiewe 2008]] | [[Datei:Wellentrup, Istruper Str. 74, Ziegel mit Jahreszahl 2008.jpg|mini|Der frühere Kornspeicher besaß in einem Gefach des Giebels einen Backstein mit der eingeritzten Datierung "ANNO 1819". Foto: Stiewe 2008]] | ||
'''Ehem. Maschinenfabrik, ab 1888 Molkerei (Istruper Str. 74)''' (abgebrochen ca. 2014): Untergeschoß massiv, Obergeschoß Fachwerk mit Brettverschalung, erbaut um 1865. 1922 neue Kesselanlage und Aufstockung der Wohnung über dem Pferdestall (Anbau rechts; Bauakte). | '''Ehem. Maschinenfabrik, ab 1888 Molkerei (Istruper Str. 74)''' (abgebrochen ca. 2014): Untergeschoß massiv, Obergeschoß Fachwerk mit Brettverschalung, erbaut um 1865. 1922 neue Kesselanlage und Aufstockung der Wohnung über dem Pferdestall (Anbau rechts; Bauakte). | ||
| Zeile 120: | Zeile 124: | ||
{{Koordinaten}} | {{Koordinaten}} | ||
{{AutorKategorie}} | {{AutorKategorie}} | ||
{{Hausstättenkategorien}} | |||