Heidensche Straße 294 (Heiden): Unterschied zwischen den Versionen
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Die Hausstätte Heidensche Straße 294 / (bis 1970) Lagesche Straße 13 / Heiden Nr. 21, der Hof Gruttmann, früher Moritz in Heiden liegt südlich der Heidenschen Straße auf einem geneigten Gelände und hat außer der Zuwegung von der Heidenschen Straße an der Südseite auch eine Zufahrt vom Niedernkamp. Ein kleines namenloses Gewässer verläuft direkt an den Gebäuden der Hofstelle vorbei weiter in Richtung Mühlengraben. | |||
Der Hof Johann Cord Moritz in Heiden Nr. 21 gehört zu der Gruppe von 11 Höfen und Stätten, die in Heiden in der Ausbauphase bis ca. 1475, in der spätmittelterlichen Ausbauperiode entstanden.<ref>{{HülsHeiden1974}} S.126 ff</ref> (Hüls, Heiden in Lippe, S. 123 ff) Der Hof lag damals am westlichen Rand der kleinen dörflichen Siedlung. Das Landschatzregister von 1568 weist in der Liste der 29 Hofstellen in Heiden einen Slinck Hannß aus, der gemäß Hüls auf dem Hof ansässig ist, welcher im Jahre 1728 nach Friemel dem Johann Cord Moritz Nr. 21 gehört. Im Jahre 1647 gegen Ende des 30-jährigen Krieges wird in Heiden nur der Hof von Schlinkmann (Moritz Nr. 21) als wüst liegend angezeigt. | |||
Zu Beginn des 19. Jahrhundert gehört zum Hof Moritz Nr. 21 noch ein Huderecht auf der Sülterheide. Bei der 1828 vereinbarten Teilung der Hude erhalten die beteiligten sieben Hudegenossen jeweils einen Anteil der Hude als Privateigentum, so auch Moritz Nr. 21. Weitere Ackerflächen erwirbt Moritz 1861 aus der Aufteilung der Flächen der ehemaligen Hofstelle Brüning Nr. 5 (ab 1861 Kolonat Walter, Heiden Nr. 5). | |||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
Das Haupthaus ist ein Vierständer-Fachwerkbau von 1840 mit Satteldach und einem Deelentor nach Süden zur Hofseite. Die Torständer sind mit Schmuckelementen verziert und der Torbogen trägt unter der Haus-Nr. 21 eine umfangreiche Inschrift sowie das Baudatum des 27. Juni 1840. Aus einer weitern Inschrift in der Schwelle der Giebelfront wird ersichtlich, dass das Gebäude im Frühjahr 1848 abgebrannt ist und im Juni des gleichen Jahres wieder aufgebaut wurde. Der Text lautet: „Abgebrannt am 19ten April und wieder aufgebaut am 17ten Juni 1848“ | |||
Der Giebel sowie auch die Deele im Inneren sind 2020 umfassend renoviert und mit neuem Anstrich versehen worden. | |||
An beiden Traufseiten bestehen zweigeschossige Anbauten aus Ziegelsteinmauerwerk mit Satteldach, der An bau an der Ostseite wurde zur Erweiterung der Wohnfläche im Haus etwa Ende des 19. Jahrhundert errichtet. Hier schließt sich ein schmaler Anbau nach Süden an bis zum früheren Leibzuchtgebäude. An der Westseite der Hofstelle besteht neben der Scheunenüberdachung, mit der ein vierseitig umschlossener innerer Hofplatz entstand. Der landwirtschaftliche Betrieb des ehemaligen Hofes Heiden Nr. 21 wurde 2015 eingestellt. | |||
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==Inschriften== | ==Inschriften== | ||
'''Auf dem Torbogen:<br>''' | |||
N 21<br> | |||
WOHL DEM DER DEN HERRN FURCHTET DER GROSZE LUST HAT ZU SEINEN GEBO<br> | |||
TEN DES SAAME WIRD GEWALTIG SEIN AUF ERDEN DAS GESCHLECHT DER<br> | |||
FROMMEN WIRD GESEGNET SEIN REICHTHUM UND DIE FÜLLE WIRD IN IHREM HAU<br> | |||
SE SEIN UND IHRE GERECHTIGKEIT BLEIBET EWIGLICH DEN FROMMEN GEHET DAS LICHT<br> | |||
AUF IN FINSTERNIS VON DEN GNÄDIGEN BARMHERZIGEN UND GERECHTEN<br> | |||
GEBAUT DEN 27TEN JUNIUS 1840 MEISTER JOHAN FRIEDRICH NEDERMAN<br> | |||
JOHAN BARTOLD MORITZ IN HEIDEN UND LUISE HAVERGOH AUS DER MÜSSEN<br> | |||
'''Auf dem Rähm der nördlichen Giebelwand:<br>''' | |||
DER HERR BEHUTE DIESES HAUS FUR FEUER UND FUR WASSERSNOTH FUR HAGEL UND GROS UNGEWITTER. DAS ES DA DURCH NICHT FALLE NIEDER. GOTT SEGNE DIESES HAUS UND DIE DA GEHEN EIN UND AUS.<br> | |||
'''Auf der nördlichen Giebelwand:<br>''' | |||
MIT GOTT IN EINER JEDEN SACH DEN ANFANG UND DAS ENDE MACH MIT GOTT GERATH DER ANFANG WOHL FURS ENDE MAN GOTT DANKEN SOLL. | |||
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Aktuelle Version vom 28. Januar 2026, 14:50 Uhr
| Heidensche Straße 294 (Heiden) | |
|---|---|
| Ortsteil | Heiden |
| Straße | Heidensche Straße (Heiden) |
| Hausnummer | 294 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Gemeinde | Heiden |
| Hausnummer | 021 |
Die Hofstelle früher Moritz, heute Gruttmann in Heiden hatte ehemals die Nr. 21.
Geschichte
Die Hausstätte Heidensche Straße 294 / (bis 1970) Lagesche Straße 13 / Heiden Nr. 21, der Hof Gruttmann, früher Moritz in Heiden liegt südlich der Heidenschen Straße auf einem geneigten Gelände und hat außer der Zuwegung von der Heidenschen Straße an der Südseite auch eine Zufahrt vom Niedernkamp. Ein kleines namenloses Gewässer verläuft direkt an den Gebäuden der Hofstelle vorbei weiter in Richtung Mühlengraben.
Der Hof Johann Cord Moritz in Heiden Nr. 21 gehört zu der Gruppe von 11 Höfen und Stätten, die in Heiden in der Ausbauphase bis ca. 1475, in der spätmittelterlichen Ausbauperiode entstanden.[1] (Hüls, Heiden in Lippe, S. 123 ff) Der Hof lag damals am westlichen Rand der kleinen dörflichen Siedlung. Das Landschatzregister von 1568 weist in der Liste der 29 Hofstellen in Heiden einen Slinck Hannß aus, der gemäß Hüls auf dem Hof ansässig ist, welcher im Jahre 1728 nach Friemel dem Johann Cord Moritz Nr. 21 gehört. Im Jahre 1647 gegen Ende des 30-jährigen Krieges wird in Heiden nur der Hof von Schlinkmann (Moritz Nr. 21) als wüst liegend angezeigt.
Zu Beginn des 19. Jahrhundert gehört zum Hof Moritz Nr. 21 noch ein Huderecht auf der Sülterheide. Bei der 1828 vereinbarten Teilung der Hude erhalten die beteiligten sieben Hudegenossen jeweils einen Anteil der Hude als Privateigentum, so auch Moritz Nr. 21. Weitere Ackerflächen erwirbt Moritz 1861 aus der Aufteilung der Flächen der ehemaligen Hofstelle Brüning Nr. 5 (ab 1861 Kolonat Walter, Heiden Nr. 5).
Gebäude
Das Haupthaus ist ein Vierständer-Fachwerkbau von 1840 mit Satteldach und einem Deelentor nach Süden zur Hofseite. Die Torständer sind mit Schmuckelementen verziert und der Torbogen trägt unter der Haus-Nr. 21 eine umfangreiche Inschrift sowie das Baudatum des 27. Juni 1840. Aus einer weitern Inschrift in der Schwelle der Giebelfront wird ersichtlich, dass das Gebäude im Frühjahr 1848 abgebrannt ist und im Juni des gleichen Jahres wieder aufgebaut wurde. Der Text lautet: „Abgebrannt am 19ten April und wieder aufgebaut am 17ten Juni 1848“
Der Giebel sowie auch die Deele im Inneren sind 2020 umfassend renoviert und mit neuem Anstrich versehen worden.
An beiden Traufseiten bestehen zweigeschossige Anbauten aus Ziegelsteinmauerwerk mit Satteldach, der An bau an der Ostseite wurde zur Erweiterung der Wohnfläche im Haus etwa Ende des 19. Jahrhundert errichtet. Hier schließt sich ein schmaler Anbau nach Süden an bis zum früheren Leibzuchtgebäude. An der Westseite der Hofstelle besteht neben der Scheunenüberdachung, mit der ein vierseitig umschlossener innerer Hofplatz entstand. Der landwirtschaftliche Betrieb des ehemaligen Hofes Heiden Nr. 21 wurde 2015 eingestellt.
Inschriften
Auf dem Torbogen:
N 21
WOHL DEM DER DEN HERRN FURCHTET DER GROSZE LUST HAT ZU SEINEN GEBO
TEN DES SAAME WIRD GEWALTIG SEIN AUF ERDEN DAS GESCHLECHT DER
FROMMEN WIRD GESEGNET SEIN REICHTHUM UND DIE FÜLLE WIRD IN IHREM HAU
SE SEIN UND IHRE GERECHTIGKEIT BLEIBET EWIGLICH DEN FROMMEN GEHET DAS LICHT
AUF IN FINSTERNIS VON DEN GNÄDIGEN BARMHERZIGEN UND GERECHTEN
GEBAUT DEN 27TEN JUNIUS 1840 MEISTER JOHAN FRIEDRICH NEDERMAN
JOHAN BARTOLD MORITZ IN HEIDEN UND LUISE HAVERGOH AUS DER MÜSSEN
Auf dem Rähm der nördlichen Giebelwand:
DER HERR BEHUTE DIESES HAUS FUR FEUER UND FUR WASSERSNOTH FUR HAGEL UND GROS UNGEWITTER. DAS ES DA DURCH NICHT FALLE NIEDER. GOTT SEGNE DIESES HAUS UND DIE DA GEHEN EIN UND AUS.
Auf der nördlichen Giebelwand:
MIT GOTT IN EINER JEDEN SACH DEN ANFANG UND DAS ENDE MACH MIT GOTT GERATH DER ANFANG WOHL FURS ENDE MAN GOTT DANKEN SOLL.
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
1901[2] Moritz, Fritz, Landwirth; Kerkhof, Hermann, Ziegler; Koppsieker, Hermann, Ziegler
1926[3] Moritz, Fritz, Landwirt; Kramer, Wilhelm, Arbeiter; Sieweke, Adolf, Ziegler und Hausschlachter; Obermann, Gottlieb, Ziegler
Literatur
Quellen
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Hans Hüls: Heiden in Lippe, Zur Genese und Struktur eines dörflichen Lebensraumes. Im Auftrag der Stadt Lage herausgegeben vom Naturwissenschaftlichen und Historischen Verein für das Land Lippe. Detmold 1974. Gleichzeitig im Selbstverlag der Geographischen Komission für Westfalen erschienen. Online abrufbar S.126 ff
- ↑ Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat S.258
- ↑ Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat S.732
Autor
Seitenhistorie
Seite erstellt am 11.03.2025 von Hans-Christian Schall
Letzte Änderung am: 28.01.2026 von Lothar Kaup