In der Ecke 10 (Lieme): Unterschied zwischen den Versionen

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}}In der Ecke 10 ist die heutige Adresse des früheren Hofs Steinmeier, auch Steinhof genannt, der sich seit 1854 im Besitz der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Lieme befindet. Als Pfarrhof hatte das Anwesen bis zur Einführung der Straßennamen in Lieme keine Hausnummer. Der Steinhof war im frühen 18. Jahrhundert Wohnsitz des bekannten Arztes und Asienreisenden Engelbert Kaempfer.
}}In der Ecke 10 ist die heutige Adresse des früheren Hofs Steinmeier, auch Steinhof genannt, der sich seit 1854 im Besitz der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Lieme befindet. Als Pfarrhof hatte das Anwesen bis zur Einführung der Straßennamen in Lieme keine Hausnummer. Der Steinhof war im frühen 18. Jahrhundert Wohnsitz des bekannten Arztes und Asienreisenden Engelbert Kaempfer. Er liegt südlich des Dorfkerns von [[Lieme]] nahe der Mündung der Ilse in die Bega.


==Geschichte==
==Geschichte==


[[Datei:Steinhof-Lieme-Aquarell.jpg|thumb|Der Steinhof in Lieme. Aquarell von Carl Dewitz, 1882, Lippische Landesbibliothek Detmold, Bild-DB Lippe 5 L 6.]]
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Die Geschichte des Hofes hat zuletzt Heinrich Stiewe ausführlich behandelt:<ref>{{StieweSteinhof2018}}.</ref> Ursprünglich ein amtsfreier Meierhof im Amt Heerse, einer Villikation der Paderborner Bischöfe, 1036 Tafelgut des Bischofs Meinwerk. Seit 1306 übten die lippischen Edelherren hier Vogteirechte aus, ab 1618 war das Amt dann in lippischem Besitz.<ref>{{LindeAmtsmeierhof2002}}, S. 15 ff. u. 23.</ref> Der Hof erstmals 1439 als "Steynmeyer" erwähnt.<ref>Lippische Regesten N. F., 1439.10.25.</ref> 1580 ging der hochverschuldete Hof von den Vormündern des minderjährigen Anerben für 2.100 Taler an den gräflich-lippischen Rat Dr. Tilemann Erp-Brockhausen und errichtete im Jahr darauf das 1898 abgerissene Wohnhaus. Zwar erhielt Tilmann 1582 eine Konzession zum Bau und Betrieb einer Wassermühle (Mahl- und Ölmühle) auf dem Steinhof, konnte dies jedoch nicht mehr realisieren, da er bereits 1582 verstarb.<ref>LAV NRW OWL, L 92 N / Lippische Rentkammer - Gewerbeabgaben, Nr. 1074: Konzession für Tilman Erpbrokhausen, auf seinem Steinhof bei Lieme eine Wassermahl- und -Ölmühle errichten zu dürfen, 1582.</ref> Seine Erben verkauften den Steinhof 1587 für 5.500 Taler an Graf Simon VI. zur Lippe, der ihn 1607 seinem Rat Dr. Johann Erp-Brockhausen in Lemgo, einem der Söhne Tilmanns, als Anerkennung für getreue Dienste schenkte, frei von Abgaben und Diensten, jedoch mit der "Sattelfreiheit", also der Verpflichtung dem Landesherrn im Kriegsfall ein gesatteltes Pferd zu stellen. Johann verstarb um 1625, seine Witwe Elisabeth Margarethe von Fuhrlohn († 1667) heiratete 1631 den Theologen und Magister [https://lippelex.de/index.php?title=Gisenius,_Johannes_(1577-1658) Johannes Gisenius] (1577–6.5.1658), der allerdings erst ab 1652 dauerhaft auf dem Steinhof wohnte. 1675 erwarb [https://lippelex.de/index.php?title=Kemper,_Johannes_(1610-1682) Johannes Kemper] (1610–1682) den Steinhof zur Nutzung als Alterssitz. 1694 kaufte sein Sohn, der Lemgoer Arzt und Asienforscher [https://lippelex.de/index.php?title=Kaempfer,_Engelbert_(1651-1716) Engelbert Kaempfer] (1651–1716) den Hof im Zuge der Erbauseinandersetzung mit der zweiten Frau seines Vaters, Adelheid Pöppelmann (1637–1721, oo 1658) aus Herford und seinem Halbbruder Johann Daniel.<ref>LAV NRW OWL, L 27 / Amt Brake, Nr. 112: Persönliche Angelegenheiten der Besitzer des Guts Steinhof zu Lieme / Kämper (Kaempfer), 1698–1743.</ref> 1716 durch Erbschaft an seinen Neffen Johann Hermann Kaempfer, der den Steinhof 1724 wegen Überschuldung in einer Zwangsversteigerung an den Detmolder Hofrat Theodor Fuchs verlor. 1733 ließ dieser eine Steinbrücke über die Ilse als repräsentative Hofzufahrt erbauen. Sein Sohn, der Landleutnant Simon Henrich Adolph Joseph Maria Johannes Fuchs, ließ mit seiner Frau Dorothea Elisabeth Strohe 1748 das zweite, heute noch erhaltene Wohnhaus errichten, konnte das Anwesen aber nicht lange halten. 1752 Verkauf für 6.400 Taler an Superintendent [https://lippelex.de/index.php?title=Hildebrand,_Henrich_Philipp_(1682-1762) Henrich Philipp Hildebrand] aus Lüdenhausen. 1759 konnte Fuchs zwar den größten Teil des Anwesens zurückkaufen, doch kam es nach seinem Tod 1763 erneut zur Zahlungsunfähigkeit, ohne dass Zwangsversteigerungstermine Erfolg hatten. Erst 1777 trat mit Stiftsdechant Friedrich Wilhelm Consbruch aus Herford ein neuer Eigentümer auf. Von den Erben der Witwe erwarb nach 1824 Johann Christoph Rhenius den Hof. Rhenius war Rentmeister auf dem Kerßenbrock’schen [[Mönchshof 3 (Barntrup)|Gut Mönchshof]] bei Barntrup. 1857 Kauf durch die ev.-ref. Kirchengemeinde Lieme (1726 von der Lemgoer Landgemeinde St. Johann abgepfarrt), seitdem Pfarrhof.
==Gebäude==
==Gebäude==
===Hauptgebäude===
[[Datei:LIE-Steinhof-CDewitz1880_5_L_9.png|thumb|Nördl. Portal, Torbogen von 1581 und Kamin (um 1675) im ehem. Haupthaus, Skizze Carl Dewitz, 1880 (LLB, 5 L 9)]]
[[Datei:LIE-Steinhof-CDewitz1882_5_L_8.png|thumb|Kamin im ehem. Haupthaus, perspekt. Ansicht, Skizze Carl Dewitz, 1882 (LLB, 5 L 8)]]
1581 erbaut, 1898 abgebrochen. Längsdeelenhaus, ursprünglich ein Dreiständerbau, durch Umbau zum Vierständerbau verbreitert (linke Außenwand neu errichtet). Deelenwandständer seitlich des Torbogens beidseitigen mit Kopfbändern ausgesteift. Auf der Giebelschwelle eine Reihe von Brüstungsbohlen mit geschnitzten Fächerrosetten. Innen Lehmdeele, links zuletzt Wohnräume, rechts Stallungen, am Ende der Deele offener Kamin mit volutenförmigen Kragsteinen am Rauchfang, links Fletttür zum Baumhof, rechts Treppe zum Saal.<br>Nach einer Skizze auf einer Flurkarte um 1700 bildete das Haupthaus mit zwei Nebengebäuden eine U-förmige Anlage (Dreiseithof).<ref>{{StieweSteinhof2018}}, S. 4 f.</ref>


===Fachwerk-Wohnhaus===
[[Datei:LIE-Steinhof_WPecherc1930_BA_LE-29-29.png|thumb|Steinbrücke und Pfarrhaus ("Fuchs-Bau" von 1748), Foto: Wilhelm Pecher, um 1930 (LLB, BA LE-29-29)]]
1748 erbauter zweistöckiger Fachwerkbau mit Viertelwalmdach, 8 Fache lang, 5 Fache breit. Zweiflügelige Eingangstür in der Stirnseite, flankiert von den Steintafeln mit Wappen der Bauherrschaft. Ober- und Dachgeschoss über Stichbalken gering vorkragend, Balkenköpfe und Füllhölzer leicht profiliert.<ref>{{StieweSteinhof2018}}, S. 6 f.</ref> Anbau von 1912,<ref>{{ButterweckGeschichte1926}}, S. 508.</ref> abgebrochen.
===Remise===
1857 erbaute zweigeschossige Fachwerkremise, im Erdgeschoss vier offene Einfahrten.
===Brücke===
Steinerne Bogenbrücke aus Bruchsteinmauerwerk, an der Kopfseite der rechten Brüstungsmauer mit der Datierung 1733. An der Seite zum Hof zwei rund 3 m hohe Sandsteinpfeiler, bekrönt mit Steinkugeln.<ref>{{StieweSteinhof2018}}, S. 6.</ref>
==Inschriften==
==Inschriften==
Ehem. Haupthaus im Torbogen: ANNO 1581
Auf der Brücke: 1733.
[[Datei:LIE-Steinhof-CDewitz1880_5_L_10.png|thumb|Wappen Fuchs/Strohe 1748, Skizze von Carl Dewitz (?), 1880 (LLB, 5 L 10)]]
Zwei Wappen am Haus von 1748 links und rechts der Eingangstür.<br>
Links: S. H. A. J. M. J. FUCHS / D. 1. OCT. 1748.<br>
Rechts: D. E. FUCHS GEBO. STROHE / D. 1. OCT. 1748.


==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
1036 Tafelgut des Bischofs Meinwerk.
1439 erstmals als Hof "Steynmeyer" erwähnt.<ref>Lippische Regesten N. F., 1439.10.25.</ref>
1580 an den gräflich-lippischen Rat Dr. Tilemann Erp-Brockhausen († 1582).
1587 Verkauf an Graf Simon VI. zur Lippe.
1607 Schenkung an den Rat Dr. Johann Erp-Brockhausen († 1625).
1631 Heirat seiner Witwe Elisabeth Margarethe von Fuhrlohn († 1667) mit dem Theologen und Magister Johannes Gisenius († 6.5.1658).
1675 Verkauf an Johannes Kemper (1610–1682).
1694 Verkauf an den Lemgoer Arzt und Asienforscher Engelbert Kaempfer (1651–1716).
1716 durch Erbschaft an dessen Neffen Johann Hermann Kaempfer.
1724 in einer Zwangsversteigerung an den Detmolder Hofrat Theodor Fuchs.
Durch Erbschaft an dessen Sohn, der Landleutnant Simon Henrich Adolph Joseph Maria Johannes Fuchs.
1752 Verkauf an Superintendent Henrich Philipp Hildebrand aus Lüdenhausen.
1759 Rückkauf durch Fuchs.
1777 Verkauf an Stiftsdechant Friedrich Wilhelm Consbruch aus Herford.
1824 von den Erben der Witwe an Johann Christoph Rhenius, Rentmeister auf dem Kerßenbrock’schen Gut Mönchshof bei Barntrup.
1857 Kauf durch die ev.-ref. Kirchengemeinde Lieme. Pastoren ab 1857:<ref>{{ButterweckGeschichte1926}}, S. 510–512.</ref>
* bis 1858 Karl Mörs, 1. oo Johanne Caroline Friederike Wittenstein, 2. oo 1868 Dorothea Wilhelmine Reimerdes aus Belle († Lemgo 22.1.1905).
* 1858–1866 Gustav Schmidt.
* 1866–1871 Hermann Wolff (* Detmold 25.5.1838, † Horn 22.1.1913).
* 1871–1885 Karl Cronemeyer (* Bösingfeld 20.6.1840, † Lieme 15.8.1885), oo Anna Neubourg († Salzuflen 24.6.1924).
* 1886–1889 Georg Friedrich Heinrich Wilhelm Deppe, oo 20.10.1896 Wilhelmine Luise Sophie Charlotte Credé.
* 1889–1901 Johannes Schmidt († 14.3.1901), oo 17.3.1887 Christine Henriette Marie Knoop aus Bremen.
* 1901–nach 1926 Alexander Hoffius, verheiratet mit Meta Friederike Adelheid Smidt aus Weener/Ostfriesland (oo 24.10.1901).
1901 Kirchengemeinde; Alex. Hoffius, Pastor.<ref>{{LippeAdressbuch1901}}, S. 354.</ref>


==Literatur==
==Literatur==
{{StieweSteinhof2018}}.
{{LindeAmtsmeierhof2002}}.
{{StiewePfarrhausbau2000}}.
{{SauerländerSteinhof1954}}.
{{ButterweckGeschichte1926}}.


==Quellen==
==Quellen==
LAV NRW OWL, L 27 / Amt Brake, Nr. 109: Kauf und Verkauf des Guts Steinhof zu Lieme, Besitzrechte, Obligationen, 1580-1614, 1653, o. D., enthält u. a. Verzeichnis der zum Steinhof gehörigen Güter und Ästimation des Kaemfperschen Nachlasses, o. D.
LAV NRW OWL, L 27 / Amt Brake, Nr. 110: Freiheit und Rechte sowie Lasten des Guts Steinhof zu Lieme, 1646, 1679, 1717-1724
LAV NRW OWL, L 27 / Amt Brake, Nr. 111: Liegenschaften des Guts Steinhof zu Lieme / Otterkamp, 1698-1724.
LAV NRW OWL, L 27 / Amt Brake, Nr. 112: Persönliche Angelegenheiten der Besitzer des Guts Steinhof zu Lieme / Kämper (Kaempfer), 1698–1743, enthält u. a. Auseinandersetzung zwischen Dr. Engelbert Kämper (Kaempfer) und dessen Halbbruder Johann Daniel.


==Weblinks==
==Weblinks==
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Aktuelle Version vom 14. September 2026, 08:24 Uhr

In der Ecke 10 (Lieme)
OrtsteilLieme
StraßeIn der Ecke (Lieme)
Hausnummer10
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeLieme
Hausnummer-

In der Ecke 10 ist die heutige Adresse des früheren Hofs Steinmeier, auch Steinhof genannt, der sich seit 1854 im Besitz der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Lieme befindet. Als Pfarrhof hatte das Anwesen bis zur Einführung der Straßennamen in Lieme keine Hausnummer. Der Steinhof war im frühen 18. Jahrhundert Wohnsitz des bekannten Arztes und Asienreisenden Engelbert Kaempfer. Er liegt südlich des Dorfkerns von Lieme nahe der Mündung der Ilse in die Bega.

Geschichte

Der Steinhof in Lieme. Aquarell von Carl Dewitz, 1882, Lippische Landesbibliothek Detmold, Bild-DB Lippe 5 L 6.
Der Steinhof in Lieme 2016, Foto Falko Sieker

Die Geschichte des Hofes hat zuletzt Heinrich Stiewe ausführlich behandelt:[1] Ursprünglich ein amtsfreier Meierhof im Amt Heerse, einer Villikation der Paderborner Bischöfe, 1036 Tafelgut des Bischofs Meinwerk. Seit 1306 übten die lippischen Edelherren hier Vogteirechte aus, ab 1618 war das Amt dann in lippischem Besitz.[2] Der Hof erstmals 1439 als "Steynmeyer" erwähnt.[3] 1580 ging der hochverschuldete Hof von den Vormündern des minderjährigen Anerben für 2.100 Taler an den gräflich-lippischen Rat Dr. Tilemann Erp-Brockhausen und errichtete im Jahr darauf das 1898 abgerissene Wohnhaus. Zwar erhielt Tilmann 1582 eine Konzession zum Bau und Betrieb einer Wassermühle (Mahl- und Ölmühle) auf dem Steinhof, konnte dies jedoch nicht mehr realisieren, da er bereits 1582 verstarb.[4] Seine Erben verkauften den Steinhof 1587 für 5.500 Taler an Graf Simon VI. zur Lippe, der ihn 1607 seinem Rat Dr. Johann Erp-Brockhausen in Lemgo, einem der Söhne Tilmanns, als Anerkennung für getreue Dienste schenkte, frei von Abgaben und Diensten, jedoch mit der "Sattelfreiheit", also der Verpflichtung dem Landesherrn im Kriegsfall ein gesatteltes Pferd zu stellen. Johann verstarb um 1625, seine Witwe Elisabeth Margarethe von Fuhrlohn († 1667) heiratete 1631 den Theologen und Magister Johannes Gisenius (1577–6.5.1658), der allerdings erst ab 1652 dauerhaft auf dem Steinhof wohnte. 1675 erwarb Johannes Kemper (1610–1682) den Steinhof zur Nutzung als Alterssitz. 1694 kaufte sein Sohn, der Lemgoer Arzt und Asienforscher Engelbert Kaempfer (1651–1716) den Hof im Zuge der Erbauseinandersetzung mit der zweiten Frau seines Vaters, Adelheid Pöppelmann (1637–1721, oo 1658) aus Herford und seinem Halbbruder Johann Daniel.[5] 1716 durch Erbschaft an seinen Neffen Johann Hermann Kaempfer, der den Steinhof 1724 wegen Überschuldung in einer Zwangsversteigerung an den Detmolder Hofrat Theodor Fuchs verlor. 1733 ließ dieser eine Steinbrücke über die Ilse als repräsentative Hofzufahrt erbauen. Sein Sohn, der Landleutnant Simon Henrich Adolph Joseph Maria Johannes Fuchs, ließ mit seiner Frau Dorothea Elisabeth Strohe 1748 das zweite, heute noch erhaltene Wohnhaus errichten, konnte das Anwesen aber nicht lange halten. 1752 Verkauf für 6.400 Taler an Superintendent Henrich Philipp Hildebrand aus Lüdenhausen. 1759 konnte Fuchs zwar den größten Teil des Anwesens zurückkaufen, doch kam es nach seinem Tod 1763 erneut zur Zahlungsunfähigkeit, ohne dass Zwangsversteigerungstermine Erfolg hatten. Erst 1777 trat mit Stiftsdechant Friedrich Wilhelm Consbruch aus Herford ein neuer Eigentümer auf. Von den Erben der Witwe erwarb nach 1824 Johann Christoph Rhenius den Hof. Rhenius war Rentmeister auf dem Kerßenbrock’schen Gut Mönchshof bei Barntrup. 1857 Kauf durch die ev.-ref. Kirchengemeinde Lieme (1726 von der Lemgoer Landgemeinde St. Johann abgepfarrt), seitdem Pfarrhof.

Gebäude

Hauptgebäude

Nördl. Portal, Torbogen von 1581 und Kamin (um 1675) im ehem. Haupthaus, Skizze Carl Dewitz, 1880 (LLB, 5 L 9)
Kamin im ehem. Haupthaus, perspekt. Ansicht, Skizze Carl Dewitz, 1882 (LLB, 5 L 8)

1581 erbaut, 1898 abgebrochen. Längsdeelenhaus, ursprünglich ein Dreiständerbau, durch Umbau zum Vierständerbau verbreitert (linke Außenwand neu errichtet). Deelenwandständer seitlich des Torbogens beidseitigen mit Kopfbändern ausgesteift. Auf der Giebelschwelle eine Reihe von Brüstungsbohlen mit geschnitzten Fächerrosetten. Innen Lehmdeele, links zuletzt Wohnräume, rechts Stallungen, am Ende der Deele offener Kamin mit volutenförmigen Kragsteinen am Rauchfang, links Fletttür zum Baumhof, rechts Treppe zum Saal.
Nach einer Skizze auf einer Flurkarte um 1700 bildete das Haupthaus mit zwei Nebengebäuden eine U-förmige Anlage (Dreiseithof).[6]

Fachwerk-Wohnhaus

Steinbrücke und Pfarrhaus ("Fuchs-Bau" von 1748), Foto: Wilhelm Pecher, um 1930 (LLB, BA LE-29-29)

1748 erbauter zweistöckiger Fachwerkbau mit Viertelwalmdach, 8 Fache lang, 5 Fache breit. Zweiflügelige Eingangstür in der Stirnseite, flankiert von den Steintafeln mit Wappen der Bauherrschaft. Ober- und Dachgeschoss über Stichbalken gering vorkragend, Balkenköpfe und Füllhölzer leicht profiliert.[7] Anbau von 1912,[8] abgebrochen.

Remise

1857 erbaute zweigeschossige Fachwerkremise, im Erdgeschoss vier offene Einfahrten.

Brücke

Steinerne Bogenbrücke aus Bruchsteinmauerwerk, an der Kopfseite der rechten Brüstungsmauer mit der Datierung 1733. An der Seite zum Hof zwei rund 3 m hohe Sandsteinpfeiler, bekrönt mit Steinkugeln.[9]

Inschriften

Ehem. Haupthaus im Torbogen: ANNO 1581

Auf der Brücke: 1733.

Wappen Fuchs/Strohe 1748, Skizze von Carl Dewitz (?), 1880 (LLB, 5 L 10)

Zwei Wappen am Haus von 1748 links und rechts der Eingangstür.
Links: S. H. A. J. M. J. FUCHS / D. 1. OCT. 1748.
Rechts: D. E. FUCHS GEBO. STROHE / D. 1. OCT. 1748.

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

1036 Tafelgut des Bischofs Meinwerk.

1439 erstmals als Hof "Steynmeyer" erwähnt.[10]

1580 an den gräflich-lippischen Rat Dr. Tilemann Erp-Brockhausen († 1582).

1587 Verkauf an Graf Simon VI. zur Lippe.

1607 Schenkung an den Rat Dr. Johann Erp-Brockhausen († 1625).

1631 Heirat seiner Witwe Elisabeth Margarethe von Fuhrlohn († 1667) mit dem Theologen und Magister Johannes Gisenius († 6.5.1658).

1675 Verkauf an Johannes Kemper (1610–1682).

1694 Verkauf an den Lemgoer Arzt und Asienforscher Engelbert Kaempfer (1651–1716).

1716 durch Erbschaft an dessen Neffen Johann Hermann Kaempfer.

1724 in einer Zwangsversteigerung an den Detmolder Hofrat Theodor Fuchs.

Durch Erbschaft an dessen Sohn, der Landleutnant Simon Henrich Adolph Joseph Maria Johannes Fuchs.

1752 Verkauf an Superintendent Henrich Philipp Hildebrand aus Lüdenhausen.

1759 Rückkauf durch Fuchs.

1777 Verkauf an Stiftsdechant Friedrich Wilhelm Consbruch aus Herford.

1824 von den Erben der Witwe an Johann Christoph Rhenius, Rentmeister auf dem Kerßenbrock’schen Gut Mönchshof bei Barntrup.

1857 Kauf durch die ev.-ref. Kirchengemeinde Lieme. Pastoren ab 1857:[11]

  • bis 1858 Karl Mörs, 1. oo Johanne Caroline Friederike Wittenstein, 2. oo 1868 Dorothea Wilhelmine Reimerdes aus Belle († Lemgo 22.1.1905).
  • 1858–1866 Gustav Schmidt.
  • 1866–1871 Hermann Wolff (* Detmold 25.5.1838, † Horn 22.1.1913).
  • 1871–1885 Karl Cronemeyer (* Bösingfeld 20.6.1840, † Lieme 15.8.1885), oo Anna Neubourg († Salzuflen 24.6.1924).
  • 1886–1889 Georg Friedrich Heinrich Wilhelm Deppe, oo 20.10.1896 Wilhelmine Luise Sophie Charlotte Credé.
  • 1889–1901 Johannes Schmidt († 14.3.1901), oo 17.3.1887 Christine Henriette Marie Knoop aus Bremen.
  • 1901–nach 1926 Alexander Hoffius, verheiratet mit Meta Friederike Adelheid Smidt aus Weener/Ostfriesland (oo 24.10.1901).

1901 Kirchengemeinde; Alex. Hoffius, Pastor.[12]

Literatur

Heinrich Stiewe/Gisela Wilbertz/Jürgen Scheffler/Karl-Rochus Kintscher, Der Steinhof in Lieme und Engelbert Kaempfer (Lippische Kulturlandschaften; 40), Detmold 2018.

Roland Linde, Der Amtsmeierhof Asemissen und das Amt Barkhausen (Höfe und Familien in Lippe; 1), Norderstedt 2002.

Heinrich Stiewe, Pfarrhausbau in Lippe, in: Thomas Spohn (Hg.), Pfarrhäuser in Nordwestdeutschland (Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland; 100), Münster 2000.

Friedrich Sauerländer, Der Steinhof in Lieme und seine Besitzer, in: Mitteilungen aus der lippischen Geschichte und Landeskunde, 23 (1954), S. 138–158.

Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926.

Quellen

LAV NRW OWL, L 27 / Amt Brake, Nr. 109: Kauf und Verkauf des Guts Steinhof zu Lieme, Besitzrechte, Obligationen, 1580-1614, 1653, o. D., enthält u. a. Verzeichnis der zum Steinhof gehörigen Güter und Ästimation des Kaemfperschen Nachlasses, o. D.

LAV NRW OWL, L 27 / Amt Brake, Nr. 110: Freiheit und Rechte sowie Lasten des Guts Steinhof zu Lieme, 1646, 1679, 1717-1724

LAV NRW OWL, L 27 / Amt Brake, Nr. 111: Liegenschaften des Guts Steinhof zu Lieme / Otterkamp, 1698-1724.

LAV NRW OWL, L 27 / Amt Brake, Nr. 112: Persönliche Angelegenheiten der Besitzer des Guts Steinhof zu Lieme / Kämper (Kaempfer), 1698–1743, enthält u. a. Auseinandersetzung zwischen Dr. Engelbert Kämper (Kaempfer) und dessen Halbbruder Johann Daniel.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Heinrich Stiewe/Gisela Wilbertz/Jürgen Scheffler/Karl-Rochus Kintscher, Der Steinhof in Lieme und Engelbert Kaempfer (Lippische Kulturlandschaften; 40), Detmold 2018.
  2. Roland Linde, Der Amtsmeierhof Asemissen und das Amt Barkhausen (Höfe und Familien in Lippe; 1), Norderstedt 2002, S. 15 ff. u. 23.
  3. Lippische Regesten N. F., 1439.10.25.
  4. LAV NRW OWL, L 92 N / Lippische Rentkammer - Gewerbeabgaben, Nr. 1074: Konzession für Tilman Erpbrokhausen, auf seinem Steinhof bei Lieme eine Wassermahl- und -Ölmühle errichten zu dürfen, 1582.
  5. LAV NRW OWL, L 27 / Amt Brake, Nr. 112: Persönliche Angelegenheiten der Besitzer des Guts Steinhof zu Lieme / Kämper (Kaempfer), 1698–1743.
  6. Heinrich Stiewe/Gisela Wilbertz/Jürgen Scheffler/Karl-Rochus Kintscher, Der Steinhof in Lieme und Engelbert Kaempfer (Lippische Kulturlandschaften; 40), Detmold 2018, S. 4 f.
  7. Heinrich Stiewe/Gisela Wilbertz/Jürgen Scheffler/Karl-Rochus Kintscher, Der Steinhof in Lieme und Engelbert Kaempfer (Lippische Kulturlandschaften; 40), Detmold 2018, S. 6 f.
  8. Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, S. 508.
  9. Heinrich Stiewe/Gisela Wilbertz/Jürgen Scheffler/Karl-Rochus Kintscher, Der Steinhof in Lieme und Engelbert Kaempfer (Lippische Kulturlandschaften; 40), Detmold 2018, S. 6.
  10. Lippische Regesten N. F., 1439.10.25.
  11. Wilhelm Butterweck, Die Geschichte der Lippischen Landeskirche, Schötmar 1926, S. 510–512.
  12. Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat, S. 354.

Autor*innen

Joachim Kleinmanns, Roland Linde

Seitenhistorie

Seite erstellt am 10.06.2024 von Roland Linde

Letzte Änderung am: 14.09.2026 von Joachim Kleinmanns