Hörster Bruch 1 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen
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|Hausnummer1901=039 | |Hausnummer1901=039 | ||
}}Hier befand sich einst die 1772 entstandene Neuwohnerstätte ''Strate vulgo Althof'', aus der 1930/31 das Café Hanning hervorging, dessen bauliche Reste | }}Hier befand sich einst die 1772 entstandene Neuwohnerstätte ''Strate vulgo Althof'', aus der 1930/31 das Café Hanning hervorging, dessen bauliche Reste 2020 abgebrochen wurden. Die historische Hausnummer dieser Stätte ist 39. | ||
[[Datei:Cafe Hanning jpg.jpg|mini|Café Hanning (ca. 1930 - 2020) in Hörstes Ortskern (Hörste Nr. 39), wohl Ansichtskarte; aus 825 Jahre Hörste - Historische Fotosammlung]] | [[Datei:Cafe Hanning jpg.jpg|mini|Café Hanning (ca. 1930 - 2020) in Hörstes Ortskern (Hörste Nr. 39), wohl Ansichtskarte; aus 825 Jahre Hörste - Historische Fotosammlung]] | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
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Nach Genehmigung und Bau des Hauses wird im Folgejahr ein ergänzender Eintrag zu der neuen Stätte mit der Nr. 25 im Salbuch des Amtes Oerlinghausen von 1771, Bauerschaft Währentrup, vorgenommen: <ref>LAV NRW OWL, L 101 C I, Nr. 154</ref> | Nach Genehmigung und Bau des Hauses wird im Folgejahr ein ergänzender Eintrag zu der neuen Stätte mit der Nr. 25 im Salbuch des Amtes Oerlinghausen von 1771, Bauerschaft Währentrup, vorgenommen: <ref>LAV NRW OWL, L 101 C I, Nr. 154</ref> | ||
[[Datei:Blick vom Feuerwehrturm auf Hörste 1 Kopie.jpg|mini|Blick vom Feuerwehrturm auf Hörstes Ortskern: links Schule; in Bildmitte Rückfront von Café Hanning mit zugehörigem Fachwerkhaus rechts davor, genutzt als "Weinstube", Bildrand rechts: Hof Brink, Nr. 8; Ansichtskarte ?; aus 825 Jahre Hörste - Historische Fotosammlung]] | [[Datei:Blick vom Feuerwehrturm auf Hörste 1 Kopie.jpg|mini|Blick vom Feuerwehrturm auf Hörstes Ortskern: links Schule; in Bildmitte Rückfront von Café Hanning mit zugehörigem Fachwerkhaus rechts davor, genutzt als "Weinstube", Bildrand rechts: Hof Brink, Nr. 8; Ansichtskarte ?; aus 825 Jahre Hörste - Historische Fotosammlung]] | ||
[[Datei:HörsterBruch1_290620_1.jpg|thumb|Café Hanning wenige Tage vor dem Abbruch, aufgenommen am 29.6.2020. Auf der Freifläche am linken Bildrand befand sich | [[Datei:HörsterBruch1_290620_1.jpg|thumb|Café Hanning wenige Tage vor dem Abbruch, aufgenommen am 29.6.2020. Auf der Freifläche am linken Bildrand befand sich zuvor das kleine, früher als Weinstube genutzte Fachwerkhaus, Foto: Hella Sander, 2020]] | ||
''Nro 25. Johann Henrich Strate in Hörste hat in anno 1773 nach vorhergegangener Regierungs-Approbation vom 16ten Jul. 1772 neu angebauet, auf des Coloni Weeken in Hörste respve verkauften und angekaufften Garten, der alte Garte genannt.'' | ''Nro 25. Johann Henrich Strate in Hörste hat in anno 1773 nach vorhergegangener Regierungs-Approbation vom 16ten Jul. 1772 neu angebauet, auf des Coloni Weeken in Hörste respve verkauften und angekaufften Garten, der alte Garte genannt.'' | ||
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• Kleines Haus (die im Salbuch 1781 nachgetragene Leibzucht ??, also erbaut 1781 . . . 1829) - abgerissen vor 1931; an dessen Stelle Bau der Pension/des Gasthauses „Café Hanning“ (1930/31) - nach dessen Abriss 2020 heute dort modern gestaltete Wohnbebauung | • Kleines Haus (die im Salbuch 1781 nachgetragene Leibzucht ??, also erbaut 1781 . . . 1829) - abgerissen vor 1931; an dessen Stelle Bau der Pension/des Gasthauses „Café Hanning“ (1930/31) - nach dessen Abriss 2020 heute dort modern gestaltete Wohnbebauung | ||
[[Datei:HörsterBruch1_050410_1.jpg|thumb|das zuletzt als Weinstube genutzte und 2020 abgebrochene kleine Fachwerkhaus, Foto: Hans-Christian Schall, 2010]] | [[Datei:HörsterBruch1_050410_1.jpg|thumb|das zuletzt als Weinstube genutzte und 2020 abgebrochene kleine Fachwerkhaus, Foto: Hans-Christian Schall, 2010]] | ||
==Inschriften== | |||
[[Datei:HörsterBruch1_050410_2.jpg|thumb|Torbogen-Inschrift von 1772 an dem zuletzt als Weinstube genutzten Fachwerkhaus , Foto: Hans-Christian Schall 2010]] | [[Datei:HörsterBruch1_050410_2.jpg|thumb|Torbogen-Inschrift von 1772 an dem zuletzt als Weinstube genutzten Fachwerkhaus , Foto: Hans-Christian Schall 2010]] | ||
• Das Erbauer-Ehepaar des ersten Hauses auf der Stätte - Johann Henrich Strate und Anna Catrine Hilgenstöhler - hat nach der Eheschließung 1754 zunächst lange Jahre als Einlieger auf dem Hof Brinkmann in Hiddentrup gelebt. Dort hat es damals einen Krug gegeben - zur Beköstigung und Übernachtung reisender Kaufleute und ihrer Gespanne, aber auch für durstige einheimische Kehlen. So werden die Strates im Kruge zu Hiddentrup gedient/gearbeitet/geholfen und so ihre Erfahrungen mit ''„Säufern und Schlemmern“'' gemacht haben. Hat der einstige Krug auf dem Hof Brinkmann bereits die Inschrift mit dem bemerkenswerten Säufer-und-Schlemmer-Vers getragen? War er Vorbild für die Inschrift des 1772 neu erbauten Hauses der Strates? | • Das Erbauer-Ehepaar des ersten Hauses auf der Stätte - Johann Henrich Strate und Anna Catrine Hilgenstöhler - hat nach der Eheschließung 1754 zunächst lange Jahre als Einlieger auf dem Hof Brinkmann in Hiddentrup gelebt. Dort hat es damals einen Krug gegeben - zur Beköstigung und Übernachtung reisender Kaufleute und ihrer Gespanne, aber auch für durstige einheimische Kehlen. So werden die Strates im Kruge zu Hiddentrup gedient/gearbeitet/geholfen und so ihre Erfahrungen mit ''„Säufern und Schlemmern“'' gemacht haben. Hat der einstige Krug auf dem Hof Brinkmann bereits die Inschrift mit dem bemerkenswerten Säufer-und-Schlemmer-Vers getragen? War er Vorbild für die Inschrift des 1772 neu erbauten Hauses der Strates? | ||
'''Inschrift von 1772 an dem zuletzt als Weinstube genutzten Fachwerkhaus: <ref> | '''Inschrift von 1772 an dem zuletzt als Weinstube genutzten Fachwerkhaus: <ref> | ||
[https://www.nhv-ahnenforschung.de/Torbogen/lippe.htm | [https://www.nhv-ahnenforschung.de/Torbogen/lippe.htm Hausinschriftensammlung des Genealogischen Arbeitskreises im NHV] </ref><br>''' | ||
HÖRE MEIN SOHN SEI WEISE UND SEI NICHT UNTER DEN SÄUFFERN UND SCHLÄMMERN DEN(N)<br> | HÖRE MEIN SOHN SEI WEISE UND SEI NICHT UNTER DEN SÄUFFERN UND SCHLÄMMERN DEN(N)<br> | ||
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19 Jahre später, Ende 1874, haben die Strates erhebliche Schulden auf der Stätte Nr. 39, die möglicherweise in Zusammenhang mit dem Kottenbau auf neu zugeteiltem Land entstanden sind. Sie verkaufen ihre Stätte Nr. 39 mit Ausnahme es neuen Kottens für 2100 Taler an den Schuhmacher Wilhelm Hanning von Nr. 48. Dabei bleibt die Leibzucht für des Verkäufers Schwiegermutter bestehen, während die 1855 festgelegten Rechte der immer noch ledigen, jetzt 46-jährigen Wilhelmine Strate (Wohnung im Leibzuchtshause, 1/3 Gartennutzung) abgelöst werden. Familie Strate zieht auf ihren Kotten, der jetzt zur Neuwohnerstätte Nr. 70 wird. | 19 Jahre später, Ende 1874, haben die Strates erhebliche Schulden auf der Stätte Nr. 39, die möglicherweise in Zusammenhang mit dem Kottenbau auf neu zugeteiltem Land entstanden sind. Sie verkaufen ihre Stätte Nr. 39 mit Ausnahme es neuen Kottens für 2100 Taler an den Schuhmacher Wilhelm Hanning von Nr. 48. Dabei bleibt die Leibzucht für des Verkäufers Schwiegermutter bestehen, während die 1855 festgelegten Rechte der immer noch ledigen, jetzt 46-jährigen Wilhelmine Strate (Wohnung im Leibzuchtshause, 1/3 Gartennutzung) abgelöst werden. Familie Strate zieht auf ihren Kotten, der jetzt zur Neuwohnerstätte Nr. 70 wird. | ||
[[Datei:Hanning Prospekt 1931 1.jpg|mini|Werbeprospekt Pension GESCHW. HANNING, um 1931 (LAV NRW OWL, L 80.10 Nr. 29)]] | [[Datei:Hanning Prospekt 1931 1.jpg|mini|Werbeprospekt Pension GESCHW. HANNING, um 1931 (LAV NRW OWL, L 80.10 Nr. 29)]] | ||
Der Käufer bzw. Sohn des Käufers Friedrich Wilhelm Hanning (1845 – 1922) hat ein halbes Jahr vor dem Stättenkauf seine erste Frau Juliana Franziska Weeke (1845 – 1878) geheiratet und am gleichen Tag - dem 1. Mai - auch das erste gemeinsame Kind taufen lassen. Vier Jahre später verstirbt | Der Käufer bzw. Sohn des Käufers Friedrich Wilhelm Hanning (1845 – 1922) hat ein halbes Jahr vor dem Stättenkauf seine erste Frau Juliana Franziska Weeke (1845 – 1878) geheiratet und am gleichen Tag - dem 1. Mai - auch das erste gemeinsame Kind taufen lassen. Die junge Ehefrau hat das für den Stättenkauf und weiteren Landkauf nötige Geld mit in die Ehe gebracht; laut Abtretungsvertrag ihres elterlichen Hofes Weeke Nr. 36 von Mai 1878 hat sie von dort die hohe Summe von 6000 Goldmark erhalten.<ref>LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. 25</ref> Vier Jahre später verstirbt diese erste Ehefrau, der Witwer heiratet 1879 Johanne Auguste Schulte (1853 – 1932) von Hörste Nr. 11, mit der er weitere fünf Kinder hat und schließlich alt wird. Die Kinder dieser Generation auf der Stätte Nr. 39 sind: | ||
* 1874 Heinrich Christoph († 1874) | * 1874 Heinrich Christoph († 1874) | ||