Kirchplatz 8 (Heiden): Unterschied zwischen den Versionen
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|Koordinaten=51. | |Koordinaten=51.97974, 8.84887 | ||
|Adressbuch1901=Ja | |Adressbuch1901=Ja | ||
|Ortsteil1901=Heiden | |||
|Hausnummer1901=- | |Hausnummer1901=- | ||
}}Pfarrhaus der | |ErgänzteNummer1901=146 | ||
}} | |||
Ehemaliges Pfarrhaus der ev.-ref. Kichengemeinde Heiden. | |||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Das ehemalige Pfarrhaus in Heiden, Kirchplatz 8 (vor 1970 Kirchplatz 6), war kein steuerpflichtiges Kolonat und hatte daher keine Kolonatsnummer. In Heiden wird es heute als „Altes Pfarrhaus“ bezeichnet. | |||
In der Friemelschen Karte von 1728 ist der zum Pfarrhaus in Heiden gehörenden Grundbesitz als eine von 29 Hofstellen im Dorf unter dem Begriff „Pfarre“ verzeichnet. Zur Pfarre gehörten zu dieser Zeit außer dem Hofgrundstück östlich der Kirche, auf dem Pfarrhaus und Pfarrscheune standen, weitere Flächen beiderseits der heutigen Kantorstraße, schmale Grundstücksstreifen auf dem Dorfhang, der gesamte Haarkamp, der westliche Teil der Kassebrede, weite Bereiche östlich der Trophagener Straße und eine Fläche östlich gegenüber dem Bentehof.<ref>{{HülsHeiden1974}} S. 123 und Abb.38 und 39.</ref> Bis 1881 haben sich die Eigentumsverhältnisse teilweise verändert. Auf dem Dorfhang wurden Grundflächen der Pfarre um- bzw. zusammengelegt. Die Flächen auf dem Haarkamp sind parzelliert und veräußert worden und für den neuen Friedhof an der Trophagener Straße wurde um 1840 eine Teilfläche abgetreten.<ref>Hüls 1974 S. 140, Abb. 53 und 54 </ref> | |||
Eine weitere ''"Charte der zum Grundbesitz von den zur Heidenschen Kirche, Pfarre, Küster- und Schulstelle gehörigen Grundstücken"'' erstellte der Geometer L. Reineke 1828.<ref>Meier, Dorfkirche Heiden, S. 36.</ref> | |||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
[[Datei:Kirchplatz8_160809_1.jpg|thumb|Pfarrhaus, Ansicht von Norden | [[Datei:Heiden, Kirchhof und Pfarrhof Reineke 1828.jpg|mini|Heiden, Kirchhof und Pfarrhof, Flurkarte von Geometer Reineke, 1828. Landesarchiv NRW OWL, Detmold]] | ||
[[Datei:Kirchplatz8_160809_4.jpg|thumb|Pfarrhaus, Ansicht von Westen | [[Datei: Kirchplatz 8, Heiden.jpg | thumb | Heiden, Kirchplatz 8, Altes Pfarrhaus. Foto Lothar Kaup 2026]] | ||
[[Datei:Kirchplatz8_160809_5.jpg|thumb|Pfarrhaus, Ansicht von Süden | [[Datei:Kirchplatz8_160809_1.jpg|thumb|Pfarrhaus, Wirtschaftsgiebel von 1813, Ansicht von Norden. Foto: Hans-Christian Schall, 2009]] | ||
[[Datei:Kirchplatz8_160809_2.jpg|thumb|Torbogen | [[Datei:Kirchplatz8_160809_4.jpg|thumb|Pfarrhaus, Wohnteil mit Steinkammer, Ansicht von Westen. Foto: Hans-Christian Schall, 2009]] | ||
[[Datei:Kirchplatz8_160809_5.jpg|thumb|Pfarrhaus, Wohnteil mit Steinkammer, Ansicht von Süden. Foto: Hans-Christian Schall, 2009]] | |||
[[Datei:Kirchplatz8_160809_2.jpg|thumb|Pfarrhaus, Torbogen mit Inschrift von 1812. Foto: Hans-Christian Schall, 2009]] | |||
[[Datei: Heiden, Pfarrhaus, Wirtschaftsteil Willig 1774.jpg|mini|Pfarrhaus, Grundriss des Wirtschaftsteiles von Landbaumeister Willig, 1774, unausgeführt. Landesarchiv NRW OWL, Detmold]] | |||
[[Datei:Heiden, Pfarrhaus, Grundriss Stiewe 2001.jpg|mini|Pfarrhaus, Grundriss. Nach Stiewe 2001, S. 240]] | |||
"Das Pfarrhaus ist zwar ein sehr geräumiger, aber kein einheitlicher Bau. Der westliche Teil ist der älteste, der östliche Teil wahrscheinlich 1809 angebaut worden, die Dehle mit Stallung stammt aus dem Jahre 1813. Es ist größtenteils Fachwerkbau. Die angebaute Veranda rührt aus dem Jahre 1916 her. Der 6–7 Scheffelsaat große Baumhof und die der Gemeinde gehörige tausendjährige Linde gereichen der Pfarre zur Zierde."<ref>{{ButterweckGeschichte1926}}, S. 409.</ref> | Bei Wilhelm Butterweck 1926 wird das Heidener Pfarrhaus wie folgt beschrieben: "Das Pfarrhaus ist zwar ein sehr geräumiger, aber kein einheitlicher Bau. Der westliche Teil ist der älteste, der östliche Teil wahrscheinlich 1809 angebaut worden, die Dehle mit Stallung stammt aus dem Jahre 1813. Es ist größtenteils Fachwerkbau. Die angebaute Veranda rührt aus dem Jahre 1916 her. Der 6–7 Scheffelsaat große Baumhof und die der Gemeinde gehörige tausendjährige Linde gereichen der Pfarre zur Zierde."<ref>{{ButterweckGeschichte1926}}, S. 409.</ref> | ||
==Inschrift<ref>[https://www.nhv-ahnenforschung.de/Torbogen/lippe.htm Hausinschriftensammlung des Genealogischen Arbeitskreises im NHV]</ref> | Nach Norden niedriger Fachwerk-Wirtschaftsteil, Vierständerbau mit Mitteldiele von 1813 an Stelle eines älteren Vorgängerbaues. Südlicher Wohnteil mit höherem Krüppelwalmdach, Steinhinterhaus (Steinkammer, ''camera lapidea'') der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Im Erdgeschoss je ein dreibahniges Fenster mit Werksteingewänden, der Keller mit zwei Segmentbogentonnen gewölbt. An der Ostseite zweistöckiger Fachwerkanbau mit "zwei Stubens" 1753 hinzugefügt.<ref>Stiewe, Pfarrhausbau, S. 228, 240, 244. und 274f.</ref> | ||
Nach Hans Hüls soll östlich vom Pfarrhaus eine Pfarrscheune von 1566 gestanden haben, abgebrochen 1962.<ref>Hüls 1974, S. 132.</ref> | |||
Otto Gaul beobachtete Mitte der 1930er Jahre außen an der Südseite ein erhaltenes "Relief einer männlichen Halbfigur, spätgotisch, 15. Jh. Sandstein, mit Ölfarbe überstrichen, derbe handwerkliche Arbeit. H. 0,60 m, T. 9 cm. Die Halbfigur, auf rechteckigem Sockel, hat die Arme vor die Brust gelegt; Attribute zerstört, in der Rechten ehemals vermutlich ein Schlüssel, zumal die Haartracht - trotz Bartlosigkeit - an Petrus denken lässt. Wahrscheinlich hat die Figur des Titelheiligen, ebenso wie in Lage und Talle, auf einer Giebelspitze gestanden."<ref>StadtA Lemgo, 14 L 9987: Otto Gaul, Landkreis Detmold, Typoskript, um 1935/ergänzt um 1960, S. 167 [https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/titleinfo/10093449 Digitalisat].</ref> | |||
Das ehemalige Pfarrhaus wurde 1979-81 zum Gemeindehaus der Kirchengemeinde mit Gemeindebüro umgebaut, im südlichen Bauteil entstanden drei Wohnungen. 1984 wurde es als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Lage eingetragen. | |||
==Inschrift== | |||
Nordgiebel, Inschrift am Torbogen des Wirtschaftsteiles: | |||
ANNO . 1813 . DEN . 8 MEI . M S M <ref>[https://www.nhv-ahnenforschung.de/Torbogen/lippe.htm Hausinschriftensammlung des Genealogischen Arbeitskreises im NHV]</ref> | |||
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ||
* Am 31. Mai 1315 war Heinrich von Ickenhausen Pfarrer in Heden.<ref> Die folgende | * Am 31. Mai 1315 war Heinrich von Ickenhausen Pfarrer in Heden.<ref>Die folgende Liste nach {{DrevesGeschichte1881}}, S. 67–71; ab 1881 nach {{ButterweckGeschichte1926}}, S. 410–413.</ref> | ||
* Am 21. März 1334 erscheint Alexander, Presbyter in Hedhe, als Zeuge. (Lipp. Reg. II, 618, 765.) | * Am 21. März 1334 erscheint Alexander, Presbyter in Hedhe, als Zeuge. (Lipp. Reg. II, 618, 765.) | ||
* 1349 Hermann (Lipp. Reg. 857). | * 1349 Hermann (Lipp. Reg. 857). | ||
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* 1518 Amelung Röhrendorf Vice-Curatus. Ihm folgte | * 1518 Amelung Röhrendorf Vice-Curatus. Ihm folgte | ||
* Johann Cothmann als Pastor und | * Johann Cothmann als Pastor und | ||
* 1538 Bernhard von der Lippe, | * 1538 Bernhard von der Lippe, unehelicher Sohn Bernhards, des jüngeren Sohnes des E. H. Bernhard VIl. und der Margaretha von Reden, seiner Verlobten. Er war Priester zu Heiden, Detmold, Willbasen und an der Burgkapelle zu Horn, wurde später Kanzler, verheiratete sich mit einer gewissen Agnes, nachdem er zum Luthertum übergetreten war und starb 1558 (Lipp. Reg. IV, 3014). | ||
* 1538 Henrich Schlüter († nach 1541). | * 1538 Henrich Schlüter († nach 1541). | ||
* Ab 1567–1602 Simon Finke († 1609). | * Ab 1567–1602 Simon Finke († 1609). | ||
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==Literatur== | ==Literatur== | ||
* {{DrevesGeschichte1881}}. | |||
{{DrevesGeschichte1881}}. | * {{ButterweckGeschichte1926}}. | ||
* Alter und Proportionen bewahrt: Pfarrhof in Heiden saniert, in: Bauhandwerk, 1985, S. 69-76. | |||
{{ButterweckGeschichte1926}}. | * Franz Flaskamp, Pfarrer Hermann von Heiden. Ein Beitrag zum lippischen Urkundenwesen, in: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, 37 (1968), S. 235-241. | ||
* Hans Hüls, Heiden in Lippe. Genese und Struktur eines dörflichen Lebensraumes. Detmold/Münster 1974. | |||
Alter und Proportionen bewahrt: Pfarrhof in Heiden saniert, in: Bauhandwerk, 1985, S. 69-76. | * Burkhard Meier, Dorfkirche Heiden. Ein Streifzug durch ihre Geschichte. Lage 1995. | ||
* Heinrich Stiewe, Pfarrhausbau in Lippe, in: Thomas Spohn (Hg.), Pfarrhäuser in Nordwestdeutschland (Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland, 100), Münster/New York 2001, S. 227-308. | |||
Franz Flaskamp, Pfarrer Hermann von Heiden. Ein Beitrag zum lippischen Urkundenwesen, in: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, 37 (1968), S. 235-241. | * Heinrich Stiewe, Alte Pfarrhäuser im Raum Lage, in: Zeitlupe 2001. Historisches Jahrbuch für Lage, (2001), S. 18-35. | ||
Heinrich Stiewe, Alte Pfarrhäuser im Raum Lage, in: Zeitlupe 2001. Historisches Jahrbuch für Lage, (2001), S. 18-35. | |||
==Quellen== | ==Quellen== | ||