Oberschönhagen: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:Oberschönhagen um 1800.jpg|mini|Oberschönhagen um 1800, Kartenausschnitt<br /> Carte vom Fürstenthum Lippe<br />[https://archive.nrw.de Archive NRW] Karten A 11725]] | |||
Oberschönhagen liegt am östlichen Stadtrand von Detmold und grenzt an die Nachbarstädte [[Blomberg]] (Brüntrup) und [[Horn-Bad Meinberg]] (Fissenknick). | Oberschönhagen liegt am östlichen Stadtrand von Detmold und grenzt an die Nachbarstädte [[Blomberg]] (Brüntrup) und [[Horn-Bad Meinberg]] (Fissenknick). | ||
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Die heute noch im östlichen Bereich des Waldgrundstücks des Hofes Bad Meinberger Strasse 170 vorhandenen zwei Hügelgräber und drei im Leistruper Wald lassen darauf schliessen, dass die ersten Besiedlungen des Dorlatales bereits während der Bronzezeit, also ca. 450 bis 700 v.Chr., erfolgten; eine genaue Datierung ist nicht möglich. | Die heute noch im östlichen Bereich des Waldgrundstücks des Hofes Bad Meinberger Strasse 170 vorhandenen zwei Hügelgräber und drei im Leistruper Wald lassen darauf schliessen, dass die ersten Besiedlungen des Dorlatales bereits während der Bronzezeit, also ca. 450 bis 700 v.Chr., erfolgten; eine genaue Datierung ist nicht möglich. | ||
Die Namen der Hofbesitzer wurden erstmals um 1600 Vornamen und Hausnummern genannt. | Die Namen der Hofbesitzer wurden erstmals um 1600 mit Vornamen und Hausnummern genannt. | ||
Während des 30-jährigen Krieges von 1618-1648 erfolgten Plünderungen durch sog. „abgöttische schwedische Reutter“. Es lagen nach dem dreissigjährigen Krieg (1652) 7 Hofstätten wüst: 1 Vollspänner, 5 Hoppenplöcker, sowie 1 weitere kleinere Stätte. | Während des 30-jährigen Krieges von 1618-1648 erfolgten Plünderungen durch sog. „abgöttische schwedische Reutter“. Es lagen nach dem dreissigjährigen Krieg (1652) 7 Hofstätten wüst: 1 Vollspänner, 5 Hoppenplöcker, sowie 1 weitere kleinere Stätte. | ||
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Im Jahr 1943 stürzte in der Wiese Brokamp, Bad Meinberger Strasse 168, ein kleines britisches Militärflugzeug ab. Der Pilot konnte sich mit dem Fallschirm retten. Über seinen Verbleib ist nichts bekannt. Spätere Sondenuntersuchungen des britischen Militärs waren erfolglos. | Im Jahr 1943 stürzte in der Wiese Brokamp, Bad Meinberger Strasse 168, ein kleines britisches Militärflugzeug ab. Der Pilot konnte sich mit dem Fallschirm retten. Über seinen Verbleib ist nichts bekannt. Spätere Sondenuntersuchungen des britischen Militärs waren erfolglos. | ||
Ergänzung dazu: | |||
Es war wohl kein britisches Flugzeug, denn es gibt eine sog. "Creyd-Liste" über US-amerikanische Flugzeugabstürze im Weser- und Leinebergland. Darin steht: Datum: 26.11.1944; Flugzeugtyp: B-17 G; Kenn-Nr 42-97740 MACR 11146; Einheit: 398. BG 600. BS.; Ziel Hannover-Misburg; Absturzort: Oberschönhagen; keine Toten, 10 Überlebende. Eine genaue Ortsangabe fehlt ! | |||
Die Vertiefung wurde bei Schnee von den Kindern als "Skipiste" zum "Slalomfahren" genutzt; seit längerem ist sie eingeebnet. | Die Vertiefung wurde bei Schnee von den Kindern als "Skipiste" zum "Slalomfahren" genutzt; seit längerem ist sie eingeebnet. | ||
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Einen Telefonanschluss hatten bis ca. 1960 nur wenige Gehöfte. Einen öffentlichen Fernsprecher gab es beim damaligen Bürgermeister Wilhelm Meierjohann, Bad Meinberger Str. 160. | Einen Telefonanschluss hatten bis ca. 1960 nur wenige Gehöfte. Einen öffentlichen Fernsprecher gab es beim damaligen Bürgermeister Wilhelm Meierjohann, Bad Meinberger Str. 160. | ||
Eine öffentliche Kanalisation ist bis heute nicht vorhanden. Die Abwässer werden seit ca. | Eine öffentliche Kanalisation ist bis heute nicht vorhanden. Die Abwässer werden seit ca. 1960 in Mehrkammer-Kläranlagen gereinigt und dann in die Dorla abgeleitet. Bis ca. 1980 waren überwiegend Dunggruben vorhanden. Die Gülle wurde auf den Feldern und Gärten untergepflügt/-gegraben. Die anderen Abwässer (Küche usw.) versickerten auf den Grundstücken. | ||
Seit dem Jahr 2010 müssen die Abwässer in mechanischen Mehrkammer-Kläranlagen gereinigt und das gereinigte Wasser in die Dorla geleitet werden. | Seit dem Jahr 2010 müssen die Abwässer in mechanischen Mehrkammer-Kläranlagen gereinigt und das gereinigte Wasser in die Dorla geleitet werden. | ||
Ab dem Jahr 1964 gehörte Oberschönhagen zur Verwaltungsgemeinschaft „Amt Detmold Land“. | Ab dem Jahr 1964 gehörte Oberschönhagen zur Verwaltungsgemeinschaft „Amt Detmold Land“. | ||
Eine Gaststätte, Einkaufsmöglichkeit oder Gemeinschaftsräume waren bzw. sind bis heute nicht vorhanden. Nur in Fissenknick war bis Ende der 1960er Jahre ein Kolonialwarenladen mitten im Dorf. | Eine Gaststätte, Einkaufsmöglichkeit oder Gemeinschaftsräume waren bzw. sind bis heute nicht vorhanden. Nur in Fissenknick war bis Ende der 1960er Jahre ein Kolonialwarenladen (sog. Tante-Emma-Laden) mitten im Dorf. | ||
Zwischen den Jahren 1950 bis ca. 1955 kamen der Bäcker Buschmann aus Bad Meinberg und Beermann aus Diestelbruch mit Pferd und Wagen ins Dorf und verkaufte Brote und andere Backwaren. Danach noch einige Jahre mit einem Verkaufswagen. | Zwischen den Jahren 1950 bis ca. 1955 kamen der Bäcker Buschmann aus Bad Meinberg und Beermann aus Diestelbruch mit Pferd und Wagen ins Dorf und verkaufte Brote und andere Backwaren. Danach noch einige Jahre mit einem Verkaufswagen. | ||
Eine Schule gab es nicht, die Kinder mussten bis ca. 1940 die Schule in der heutigen "Neue Reihe Nr. 6" in Diestelbruch/Grenze zu Hülsen besuchen. [[Datei:Alte Diestelbrucher Schule.jpeg|mini]] | Eine Schule gab es nicht, die Kinder mussten bis ca. 1940 die Schule in der heutigen "Neue Reihe Nr. 6" in Diestelbruch/Grenze zu Hülsen besuchen. [[Datei:Alte Diestelbrucher Schule.jpeg|mini]] | ||
Die in Fissenknick stehende Windmühle wurde im Jahr 1847 vom ortsansässigen Bauern Jochen Bernd Dickewied erbaut. Die Windmühle brannte im Jahre 1901 vollständig ab. 1925 erwarben Mitglieder des Kur- und Verkehrsvereins die Ruine, restaurierten sie und richteten einen Aussichtsturm sowie ein Restaurant der gehobenen Preiskategorie ein. Die wiedererrichtete Mühle wurde dem Bad geschenkt. Das Foto rechts ist aus den 1970er Jahren. | |||
Nach Angabe der heutigen Geschäftsführerin des Reitvereins Bad Meinberg an den Autor fanden 30 Veranstaltungen in den Jahren 1928 bis 1939 und nach Neugründung von 1948 bis 1967 neben der Windmühle in Fisseknick auf den zum Hof Bad Meiberger Str. 170 gehörenden Grasflächen überregionale Reitturniere (Springen, Dressur und Fahrprüfungen) des Zucht,- Reit- und Fahrvereins Bad Meinberg statt. Viele Pferde und Reiter waren dazu vorübergehend auf den Höfen in Oberschönhagen, Fissenknick usw. untergebracht. | Nach Angabe der heutigen Geschäftsführerin des Reitvereins Bad Meinberg an den Autor fanden 30 Veranstaltungen in den Jahren 1928 bis 1939 und nach Neugründung von 1948 bis 1967 neben der Windmühle in Fisseknick auf den zum Hof Bad Meiberger Str. 170 gehörenden Grasflächen überregionale Reitturniere (Springen, Dressur und Fahrprüfungen) des Zucht,- Reit- und Fahrvereins Bad Meinberg statt. Viele Pferde und Reiter waren dazu vorübergehend auf den Höfen in Oberschönhagen, Fissenknick usw. untergebracht. | ||
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==Siedlungscharakteristik== | ==Siedlungscharakteristik== | ||
Oberschönhagen ist ein | Oberschönhagen ist ein Hagenhufendorf, eine Siedlungsform aus dem 13. Jahrhundert. Es entstand nach Waldrodungen, daher auch die Bezeichnung: Waldhufensiedlung; die Höfe liegen zwischen Straßen und Bächen/Flüssen, Grundstücke handtuchförmig. Ein Hagenrecht bedeutete, Besitzer durften ihren Grund und Boden einhegen, es entstanden Bauerngärten und Kleintierhaltung; als Hufe wurden die Hofgrundstücke, die Breiten und die Hoflagen bezeichnet. | ||
Die Dorla entspringt im Moerholz im Süden Oberschönhagens und fließt von dort aus in nördliche Richtung durch das Tal in Ober- und Niederschönhagen. In Mosebeck fliesst sie mit der Mosebecke zusammen und heisst dann Passade. Das Quellgebiet der Dorla umfasst eine Fläche von ca. 10,6 ha. Nach wenigen Kilometern mündet ein namenloser Bach von links und danach die Homberg-, Hagen- und Sassenbäche in die Dorla. Auf der gesamten Fließstrecke ist die Dorla in die Gewässergüteklasse II (Wasserschaftsschutzgebiet) eingeordnet, d.h. sie ist mässig verschmutzt. | Die Dorla entspringt im Moerholz im Süden Oberschönhagens und fließt von dort aus in nördliche Richtung durch das Tal in Ober- und Niederschönhagen. In Mosebeck fliesst sie mit der Mosebecke zusammen und heisst dann Passade. Das Quellgebiet der Dorla umfasst eine Fläche von ca. 10,6 ha. Nach wenigen Kilometern mündet ein namenloser Bach von links und danach die Homberg-, Hagen- und Sassenbäche in die Dorla. Auf der gesamten Fließstrecke ist die Dorla in die Gewässergüteklasse II (Wasserschaftsschutzgebiet) eingeordnet, d.h. sie ist mässig verschmutzt. | ||
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* Krähenbruch (14) | * Krähenbruch (14) | ||
* Oberschönhagen (159). | * Oberschönhagen (159). | ||
Der Ortsteil Krähenbruch gehört seit 1926 | Der Ortsteil Krähenbruch gehört seit 1926 zu Fissenknick.<ref>{{LippeAdressbuch1926}}</ref> | ||
Zum Stichtag 23. Nov. 2025 hat Oberschönhagen folgende Einwohner: | Zum Stichtag 23. Nov. 2025 hat Oberschönhagen folgende Einwohner: | ||
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Nur der Hof Bad Meinberger Str. 140 wird bis heute im Vollerwerb bewirtschaftet, alle anderen Höfe und Ländereien/Wälder sind verkauft und/bzw. verpachtet. | Nur der Hof Bad Meinberger Str. 140 wird bis heute im Vollerwerb bewirtschaftet, alle anderen Höfe und Ländereien/Wälder sind verkauft und/bzw. verpachtet. | ||
Ein Ereignis hat für die Dorfbewohner bis heute eine besondere Tradition. Es gibt keinen Verein, keine Geschäfte, öffentliche Einrichtungen oder ein Dorfgemeinschaftshaus. Dafür aber das Dorffest. Zu verdanken haben die Oberschönhagener das dem WDR. Der kam 1998 ins Dorf, um es für die Sendung „Dorfplatz Schlag 10“ vorzustellen. Da wurden damals Dörfer mit weniger als 500 Einwohnern gezeigt. Zufällig wurde auch Oberschönhagen ausgewählt. | |||
Für die Einwohner bedeutete das, sie mussten sich zusammensetzen und planen, was sie dem Fernsehteam denn zeigen möchten. Diese Gemeinschaft hatte allen gut gefallen. Seitdem feiert Oberschönhagen jedes Jahr am letzten Schulferien-Sonntag auf dem damaligen Hof Meierjohann, Bad Meinberger Str. 160, sein Dorffest, also erstmals 1998. Auch wurde an dem Tag das 666-jährige Bestehen des Dorfes in vertrauter Runde gemeinsam gefeiert. | |||
== | Inzwischen findet auch an einem Sonntag im Dezember, häufig der 3. Advent, eine Weihnachtsfeier auf der Deele des Hofes Bad Meinberger Str. 170 statt. | ||
==Hausstätten== | |||
* Oberschönhagen Nr. 1 | [[Bad Meinberger Straße 120 (Oberschönhagen)]] | * Oberschönhagen Nr. 1 | [[Bad Meinberger Straße 120 (Oberschönhagen)]] | ||
* Oberschönhagen Nr. 2 | [[Bad Meinberger Straße 170 (Oberschönhagen)]] | * Oberschönhagen Nr. 2 | [[Bad Meinberger Straße 170 (Oberschönhagen)]] | ||
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==Quellen== | ==Quellen== | ||
Aufzeichnungen des Herrn Herbert Stöwer vom 1. Oktober 2024 und der darin aufgeführten Literatur. | * [https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/haupt.php Internetportal "Westfälische Geschichte"] | ||
* Aufzeichnungen des Herrn Herbert Stöwer vom 1. Oktober 2024 und der darin aufgeführten Literatur. | |||
==Weblinks== | ==Weblinks== | ||
* Historische Karte: [https://dfg-viewer.de/show/?tx_dlf[id]=https://www.landesarchiv-nrw.de/digitalisate/Abt_Westfalen/Kartensammlung_A/~117/11725/mets.xml Lippe 1806] im DFG Viewer | |||
== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||
<references /> | <references /> | ||