Hiddentruper Straße 6x (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen
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}}Etwa dort, wo gegenüber den Häusern 11 und 13 die Straße "Hörster Bruch" auf die Hiddentruper Straße einmündet, lag die ursprüngliche Hofstelle des Hofes Brockmann, Hörste Nr. 10. Sie verschwand nach Gebäudekauf auf der gegenüberliegenden Straßenseite und Umzug 1919/20 sukzessive durch Abbruch der Gebäude - letzte Reste erst mit Verlegung der Straße Hörster Bruch auf die heutige Trasse um 1970. | }}Etwa dort, wo gegenüber den Häusern 11 und 13 die Straße "Hörster Bruch" auf die Hiddentruper Straße einmündet, lag die ursprüngliche Hofstelle des Hofes Brockmann, Hörste Nr. 10. Sie verschwand nach Gebäudekauf auf der gegenüberliegenden Straßenseite und Umzug 1919/20 sukzessive durch Abbruch der Gebäude - letzte Reste erst mit Verlegung der Straße Hörster Bruch auf die heutige Trasse um 1970. | ||
[[Datei:1533 Salbuch Brokmann LAV NRW OWL L101CI 00090 0008.jpg|mini|Salbuch der Vogtei Lage: Eintrag zur Stätte Brokmann in Hörste | [[Datei:1533 Salbuch Brokmann LAV NRW OWL L101CI 00090 0008.jpg|mini|Salbuch der Vogtei Lage von 1533: Eintrag zur Stätte Brokmann in Hörste, LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 90, S. 7]] | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Die frühere Stätte Brokmann (ab 1766 Nr. 10) gehört zu den sehr alten, bereits im Salbuch von 1533 aufgeführten Hörster Höfen: ''Bruckman tho Horst. Bruckman dat guet hoert vnsen g. H. de man yß ampt frye, wyff vnd kynder hoeren vnsen g. H. Schuld V Sch Havere, I gr Schatte Dinst vnd Kogelt vnsen g. H., den tigent vom allen dynghe boere de moenecke tho meyrenfelde, hefft XVIII sch havern Landt.'' Übertragen in moderne Sprache etwa: Brokmann zu Hörste. Brokmann, das Gut gehört unserem g.(nädigen) H.(errn), der Mann ist amtsfrei, Weib und Kinder gehören unserem g. H., Schuld(korn) 5 Sch(effel) Hafer, 1 Gr(oschen) Schatz, Dienst und Kuhgeld unserem g. H., der Zehnte von allen Dingen gebührt den Mönchen zu Marienfeld, hat 18 Scheffelsaat (Hafer) Land. | Die frühere Stätte Brokmann (ab 1766 Nr. 10) gehört zu den sehr alten, bereits im Salbuch von 1533 aufgeführten Hörster Höfen: ''Bruckman tho Horst. Bruckman dat guet hoert vnsen g. H. de man yß ampt frye, wyff vnd kynder hoeren vnsen g. H. Schuld V Sch Havere, I gr Schatte Dinst vnd Kogelt vnsen g. H., den tigent vom allen dynghe boere de moenecke tho meyrenfelde, hefft XVIII sch havern Landt.'' Übertragen in moderne Sprache etwa: Brokmann zu Hörste. Brokmann, das Gut gehört unserem g.(nädigen) H.(errn), der Mann ist amtsfrei, Weib und Kinder gehören unserem g. H., Schuld(korn) 5 Sch(effel) Hafer, 1 Gr(oschen) Schatz, Dienst und Kuhgeld unserem g. H., der Zehnte von allen Dingen gebührt den Mönchen zu Marienfeld, hat 18 Scheffelsaat (Hafer) Land. | ||
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Im März 1865 übergibt der abtretende Kötter, Interimswirt Ernst Heinrich Drake, die Stätte an den volljährig gewordenen Anerben, seinen Stiefsohn Christoph Brokmann (1840 – 1914). ''Der Interimswirth Brokmann erhält, nachdem er über die Führung seiner Wirthschaft Nachweise gegeben - in Berücksichtigung, daß diese nicht allenthalben wie sie sein sollten ausgefallen, nur folgendes zur Leibzucht: 1) das neu erbaute Leibzuchtshaus als Wohnung, 2) .'' . . <ref>LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26, Bd. XX</ref> Der Anerbe übernimmt den Hof mit 1350 Taler Schulden. | Im März 1865 übergibt der abtretende Kötter, Interimswirt Ernst Heinrich Drake, die Stätte an den volljährig gewordenen Anerben, seinen Stiefsohn Christoph Brokmann (1840 – 1914). ''Der Interimswirth Brokmann erhält, nachdem er über die Führung seiner Wirthschaft Nachweise gegeben - in Berücksichtigung, daß diese nicht allenthalben wie sie sein sollten ausgefallen, nur folgendes zur Leibzucht: 1) das neu erbaute Leibzuchtshaus als Wohnung, 2) .'' . . <ref>LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26, Bd. XX</ref> Der Anerbe übernimmt den Hof mit 1350 Taler Schulden. | ||
Im Herbst 1902 steht der nächste Generationswechsel auf dem Hof an. Der alte Kötter Christoph Brokmann ist seit einem Jahr verwitwet, sein Sohn, der Anerbe August Brokmann (1871 – 1939), hat zwei Jahre zuvor geheiratet und soll nun den Hof übernehmen. Dies bedeutet erhebliche Verpflichtungen: 3000 Mark will der abtretende Kötter selbst statt einer Leibzucht haben, mehrere jüngere, noch unverheiratete Schwestern sollen mit je 500 Mark abgefunden werden. Zugleich bekundet der alte Brokmann selbst, dass sein Kolonat sehr verschuldet sei. Der Anerbe versucht zunächst, beim Amtsgericht eine Minderung der Brautschätze zu erreichen und lehnt schließlich die Übernahme der Stätte ab.<ref>LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold) Nr. 300190 | Im Herbst 1902 steht der nächste Generationswechsel auf dem Hof an. Der alte Kötter Christoph Brokmann ist seit einem Jahr verwitwet, sein Sohn, der Anerbe August Brokmann (1871 – 1939), hat zwei Jahre zuvor geheiratet und soll nun den Hof übernehmen. Dies bedeutet erhebliche Verpflichtungen: 3000 Mark will der abtretende Kötter selbst statt einer Leibzucht haben, mehrere jüngere, noch unverheiratete Schwestern sollen mit je 500 Mark abgefunden werden. Zugleich bekundet der alte Brokmann selbst, dass sein Kolonat sehr verschuldet sei. Der Anerbe versucht zunächst, beim Amtsgericht eine Minderung der Brautschätze zu erreichen und lehnt schließlich die Übernahme der Stätte ab.<ref>LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold) Nr. 300190</ref> Zu dieser Übernahme kommt es erst Mitte 1913, als der alte Vater nach einem Sturz verletzt ist. Jetzt ist der Hof mit 22 950 Mark Hypotheken belastet. | ||
Großes Geschick in schwierigen Zeiten beweist das Ehepaar Brokmann, indem es am Vorabend der großen Inflation 1918/19 die Nachbarstätte Nr. 6 und | Großes Geschick in schwierigen Zeiten beweist das Ehepaar Brokmann, indem es am Vorabend der großen Inflation 1918/19 die Nachbarstätte Nr. 6 und 1920 die Nachbarstätte Nr. 72 kauft. Das führt zu noch mehr Schulden, die aber bald (mit entwertetem Geld) getilgt werden können. Auch der Wohnsitz der Familie wird auf Stätte Nr. 6, später auf Nr. 72 verlegt. | ||
Nach dem Zweiten Weltkrieg endet die Bewirtschaftung der knapp 20 ha großen Stätte Brokmann; Grundstücke werden sukzessive verkauft - unter anderem das Areal für den Bau der Hörster Schule (1950; ca. 1500 qm), Ackerland auf dem Hörsterbruch, das der Stätte bei der Teilung um 1840 zugefallen ist, zur Ansiedlung des Industriebetriebes Slendor ( 1965; mehrere Hektar) sowie zwei Baugrundstücke, wo zuvor das alte Haus Nr. 6 gestanden hat (1981). | Nach dem Zweiten Weltkrieg endet die Bewirtschaftung der knapp 20 ha großen Stätte Brokmann; Grundstücke werden sukzessive verkauft - unter anderem das Areal für den Bau der Hörster Schule (1950; ca. 1500 qm), Ackerland auf dem Hörsterbruch, das der Stätte bei der Teilung um 1840 zugefallen ist, zur Ansiedlung des Industriebetriebes Slendor ( 1965; mehrere Hektar) sowie zwei Baugrundstücke, wo zuvor das alte Haus Nr. 6 gestanden hat (1981). | ||
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Bewohner des Hofes Hörste Nr. 10 in Volkszählungen (VZ) und Adressbüchern | Bewohner des Hofes Hörste Nr. 10 in Volkszählungen (VZ) und Adressbüchern: | ||