Kirchweg Kirche (Heiligenkirchen): Unterschied zwischen den Versionen
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{{Kirche info | |||
{{ | |Ortsteil={{AutoOrtsteil}} | ||
|Straße= | |Straße={{AutoStraße}} | ||
|Hausnummer=- | |Hausnummer={{AutoHausnummer}}- | ||
|Koordinaten=51.90976, 8.87204 | |||
|Koordinaten=51. | |Quartiersnummer=- | ||
| | |Adressbuch1901=Nein | ||
| | }} | ||
}} | '''Ev.-ref. Kirche Heiligenkirchen'''<br /> | ||
Die Kirche wurde Ende des 8. Jh. bis Mitte 10. Jh. gegründet und in mehreren Phasen erneuert bzw. erweitert. | |||
==Standort== | ==Standort== | ||
Die Kirche steht exzentrisch nach Norden geschoben innerhalb des ungefähr kreisrunden [[Kirchhof (Heiligenkirchen)|Kirchhofs]], dessen Mauer noch fast vollständig, wenn auch vermutlich nicht in der ursprünglichen Höhe, erhalten ist. Auf dem Kirchhof hatten die einzelnen Bauerschaften des Kirchspiels üblicherweise ihre eigenen Bereiche. Der Kirchhof hatte, wie die Kirche selbst, auch Befestigungscharakter. In der Kirche standen in unruhigen, kriegerischen Zeiten Truhen (Kisten) mit dem wertvollsten Besitz der Bewohner. Die so genannten "Bauernburgen" auf den Höfen [[Denkmalstraße 55 (Heiligenkirchen)| Köllermeier]] und [[Am Rautenberg 15 (Heiligenkirchen)|Meier zu Wantrup]] stammen erst aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. | Die Kirche steht exzentrisch nach Norden geschoben innerhalb des ungefähr kreisrunden [[Kirchhof (Heiligenkirchen)|Kirchhofs]], dessen Mauer noch fast vollständig, wenn auch vermutlich nicht in der ursprünglichen Höhe, erhalten ist. Auf dem Kirchhof hatten die einzelnen Bauerschaften des Kirchspiels üblicherweise ihre eigenen Bereiche. Der Kirchhof hatte, wie die Kirche selbst, auch Befestigungscharakter. In der Kirche standen in unruhigen, kriegerischen Zeiten Truhen (Kisten) mit dem wertvollsten Besitz der Bewohner. Die so genannten "Bauernburgen" auf den Höfen [[Denkmalstraße 55 (Heiligenkirchen)| Köllermeier]] und [[Am Rautenberg 15 (Heiligenkirchen)|Meier zu Wantrup]] stammen erst aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. | ||
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===Bauphasen=== | ===Bauphasen=== | ||
[[Datei: | [[Datei:Hk-Kirche_Baualtersplan 880–1950.jpg|thumb|Kirche Heiligenkirchen, Baualtersplan, Zeichnung: Joachim Kleinmanns]] | ||
[[Datei:DT-Hk KircheaußenJK2017.jpg|thumb|Kirche Heiligenkirche, Ansicht von Südosten, 2017, Foto: Joachim Kleinmanns]] | [[Datei:DT-Hk KircheaußenJK2017.jpg|thumb|Kirche Heiligenkirche, Ansicht von Südosten, 2017, Foto: Joachim Kleinmanns]] | ||
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In der Eversteinischen Fehde (1403–1407) wurde die Kirche beschädigt, <ref>{{WendtAmt1965}}, S. 12.</ref> nicht jedoch 40 Jahre später in der Soester Felde, wie Pustkuchens Bericht über Heiligenkirchen wiedergibt: "Es ist hier schon anno 1447, da die von dem Erzbischof zu Cöln in das Land erlassenen Böhmen und Polacken die Grafschaft verheerten, eine Kirche gewesen, welche wie die zu Meyenberg durch die Fürbitte des Horn’schen Magistrats unbeschädigt geblieben ist." <ref>Lippische Regesten III, 2061.</ref><ref>{{ButterweckGeschichte1926}}, S. 413.</ref> | In der Eversteinischen Fehde (1403–1407) wurde die Kirche beschädigt, <ref>{{WendtAmt1965}}, S. 12.</ref> nicht jedoch 40 Jahre später in der Soester Felde, wie Pustkuchens Bericht über Heiligenkirchen wiedergibt: "Es ist hier schon anno 1447, da die von dem Erzbischof zu Cöln in das Land erlassenen Böhmen und Polacken die Grafschaft verheerten, eine Kirche gewesen, welche wie die zu Meyenberg durch die Fürbitte des Horn’schen Magistrats unbeschädigt geblieben ist." <ref>Lippische Regesten III, 2061.</ref><ref>{{ButterweckGeschichte1926}}, S. 413.</ref> | ||
Eine weitere Vergrößerung erfolgte | Eine weitere Vergrößerung erfolgte 1420 [d]. Die bis zu einer Renovierung 1863 über dem Südportal eingemauerte Inschrifttafel "A°m°cccc°lvvij[…]a" (Anno 1462) steht damit kaum in Zusammenhang. Die Inschrift ist uns über eine Zeichnung von Emil Zeiß aus dem Jahr 1860, nicht jedoch im Original überliefert. | ||
Der romanische Rechteckchor wurde abgebrochen und durch einen größeren, den heute noch vorhandenen ersetzt. Auch dieser erhielt eine rechtwinklige Grundform, griff aber nach Süden und Osten über die vorherigen Grenzen hinaus. An der Nordseite des Chors ist eine gerahmte Sakramentsnische erhalten, die ursprünglich mit einer Gittertür verschlossen war. Hier wurden in vorreformatorischer Zeit die geweihten, nicht zur Kommunion verwendeten Hostien verwahrt, die u. a. als Sterbe-Sakrament dienen konnten. Der Chor erhielt an allen drei Außenwänden zweibahnige Maßwerkfenster und wurde mit einem Kreuzrippengewölbe gedeckt. Wohl um den Raumeindruck zu vereinheitlichen, wurde zugleich auch das Langhaus mit einem Kreuzrippengewölbe versehen. Nur das erst ein Jahrhundert alte Kreuzgratgewölbe des südlichen Seitenschiffs mochte man nicht abbrechen, sondern behalf sich hier mit aufgemalten Rippen und Schlusssteinen. Im Langhaus zeigt der westliche Schlussstein einen Christuskopf, der östliche wie auch im Chor eine lippische Rose. Linde hat vermutet, dass die lippischen Rosen sich auf Bernhard VII. zur Lippe (gest. 1511) als Patronatsherren und seinen Bruder, den Paderborner Bischof Simon zur Lippe (gest. 1498), beziehen könnten.<ref> {{LindeKirche2015}}, S. 9</ref> Dann wäre die Einwölbung erst nach Simons Amtseinführung, welche 1463 erfolgte, zu vermuten. | Der romanische Rechteckchor wurde abgebrochen und durch einen größeren, den heute noch vorhandenen ersetzt. Auch dieser erhielt eine rechtwinklige Grundform, griff aber nach Süden und Osten über die vorherigen Grenzen hinaus. An der Nordseite des Chors ist eine gerahmte Sakramentsnische erhalten, die ursprünglich mit einer Gittertür verschlossen war. Hier wurden in vorreformatorischer Zeit die geweihten, nicht zur Kommunion verwendeten Hostien verwahrt, die u. a. als Sterbe-Sakrament dienen konnten. Der Chor erhielt an allen drei Außenwänden zweibahnige Maßwerkfenster und wurde mit einem Kreuzrippengewölbe gedeckt. Wohl um den Raumeindruck zu vereinheitlichen, wurde zugleich auch das Langhaus mit einem Kreuzrippengewölbe versehen. Nur das erst ein Jahrhundert alte Kreuzgratgewölbe des südlichen Seitenschiffs mochte man nicht abbrechen, sondern behalf sich hier mit aufgemalten Rippen und Schlusssteinen. Im Langhaus zeigt der westliche Schlussstein einen Christuskopf, der östliche wie auch im Chor eine lippische Rose. Linde hat vermutet, dass die lippischen Rosen sich auf Bernhard VII. zur Lippe (gest. 1511) als Patronatsherren und seinen Bruder, den Paderborner Bischof Simon zur Lippe (gest. 1498), beziehen könnten.<ref> {{LindeKirche2015}}, S. 9</ref> Dann wäre die Einwölbung erst nach Simons Amtseinführung, welche 1463 erfolgte, zu vermuten. | ||
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1977 wurden das Kirchturmdach an West- und Nordseite mit Schiefer neu gedeckt.<ref> Westfalen 1984, S. 499.</ref> | 1977 wurden das Kirchturmdach an West- und Nordseite mit Schiefer neu gedeckt.<ref> Westfalen 1984, S. 499.</ref> | ||
==Glocken== | |||
Heute befinden sich im Turm fünf Glocken. Eine unbeschriftete mit dem Ton h1 + 3 kann dem 15. Jahrhundert zugeordnet werden. Sie hat 96 Zentimeter Durchmesser bei 82 Zentimeter Höhe und wiegt 1100 Kilogramm. Am oberen Rand schmückt sie ein umlaufendes schmales Kranzgewinde. Die Gestaltung des Gabelkruzifixes weist auf die Glockengießerwerkstatt Grawick hin, welche mehrere Glocken für lippische Kirchen herstellte (1399 St. Johann, Lemgo; undat. Brake; 1412 Schlangen; 1446 Hohenhausen; 1466 Heiden; 1500 Hillentrup). Wilhelm Pecher verzeichnete 1917 noch eine zweite Glocke von "sehr hohem Alter", jedoch "ohne Jahreszahl / 100 Zentimeter D. 90 Zentimeter H. 12 Ztr. / Ton a […]. Ferner zeigt jede Glocke einen gekreuzigten Christus in erhabener Form [...] in 12 Zentimeter Armspannweite. Beide Glocken haben ein sehr hohes Alter." Diese zweite Grawick-Glocke wurde 1965 wegen eines Sprungs umgegossen. Als drittes erwähnte Pecher die kleine, außen vor dem Turmdach hängende Glocke von 63 Zentimeter Durchmesser und 62 Zentimeter Höhe, 450 Kilogramm Gewicht und dem Ton d. Den lesbaren Teil der Inschrift gab er wie folgt an: "Prediger[...] Meyer [...] Köllermeier [...] Kirchendechen".<ref> {{PecherVerzeichnis1919}}, S. 9, Abb. S. 2.</ref> Diese kleine Toten- und Feuerglocke wurde – wie die Orgelpfeifen – im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen. | Heute befinden sich im Turm fünf Glocken. Eine unbeschriftete mit dem Ton h1 + 3 kann dem 15. Jahrhundert zugeordnet werden. Sie hat 96 Zentimeter Durchmesser bei 82 Zentimeter Höhe und wiegt 1100 Kilogramm. Am oberen Rand schmückt sie ein umlaufendes schmales Kranzgewinde. Die Gestaltung des Gabelkruzifixes weist auf die Glockengießerwerkstatt Grawick hin, welche mehrere Glocken für lippische Kirchen herstellte (1399 St. Johann, Lemgo; undat. Brake; 1412 Schlangen; 1446 Hohenhausen; 1466 Heiden; 1500 Hillentrup). Wilhelm Pecher verzeichnete 1917 noch eine zweite Glocke von "sehr hohem Alter", jedoch "ohne Jahreszahl / 100 Zentimeter D. 90 Zentimeter H. 12 Ztr. / Ton a […]. Ferner zeigt jede Glocke einen gekreuzigten Christus in erhabener Form [...] in 12 Zentimeter Armspannweite. Beide Glocken haben ein sehr hohes Alter." Diese zweite Grawick-Glocke wurde 1965 wegen eines Sprungs umgegossen. Als drittes erwähnte Pecher die kleine, außen vor dem Turmdach hängende Glocke von 63 Zentimeter Durchmesser und 62 Zentimeter Höhe, 450 Kilogramm Gewicht und dem Ton d. Den lesbaren Teil der Inschrift gab er wie folgt an: "Prediger[...] Meyer [...] Köllermeier [...] Kirchendechen".<ref> {{PecherVerzeichnis1919}}, S. 9, Abb. S. 2.</ref> Diese kleine Toten- und Feuerglocke wurde – wie die Orgelpfeifen – im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen. | ||
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Das Geläut erhielt 1965 mit dem Umschmelzen der beschädigten Glocke zwei weitere neue, welche mit der verbliebenen des 15. Jahrhunderts die Tonfolge e – g – a – h erklingen lassen – den Beginn des Adventlieds "Oh Heiland, reiß die Himmel auf". Auch am Turmhelm ist wieder eine kleine Glocke aufgehängt worden. Das Geläut wird inzwischen elektronisch gesteuert. Eine Erneuerung dieser Steuerung erfolgte 2022. | Das Geläut erhielt 1965 mit dem Umschmelzen der beschädigten Glocke zwei weitere neue, welche mit der verbliebenen des 15. Jahrhunderts die Tonfolge e – g – a – h erklingen lassen – den Beginn des Adventlieds "Oh Heiland, reiß die Himmel auf". Auch am Turmhelm ist wieder eine kleine Glocke aufgehängt worden. Das Geläut wird inzwischen elektronisch gesteuert. Eine Erneuerung dieser Steuerung erfolgte 2022. | ||
===Liturgisches Gerät | ==Orgel== | ||
==Liturgisches Gerät== | |||
An liturgischem Gerät ist ein silberner Abendmahlskelch von 1613 erhalten, eine Stiftung des Landesherrn, trägt er doch Namen und Wappen Simons VII. zur Lippe. Eine von Otto Gaul in seiner Bestandserfassung erwähnte Abendmahlskanne von 1766 stammt Roland Linde zufolge aus Schötmar.<ref>{{LindeKirche2015}}, S. 14</ref> Wann und wieso sie nach Heiligenkirchen gelangte, ist ungewiss. | An liturgischem Gerät ist ein silberner Abendmahlskelch von 1613 erhalten, eine Stiftung des Landesherrn, trägt er doch Namen und Wappen Simons VII. zur Lippe. Eine von Otto Gaul in seiner Bestandserfassung erwähnte Abendmahlskanne von 1766 stammt Roland Linde zufolge aus Schötmar.<ref>{{LindeKirche2015}}, S. 14</ref> Wann und wieso sie nach Heiligenkirchen gelangte, ist ungewiss. | ||
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==Literatur== | ==Literatur== | ||
* {{ | * {{KleinmannsKirche2026}} | ||
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* Archiv der Lippischen Landeskirche: [https://www.archive.nrw.de/archivsuche?link=BESTAND-XXX Archivseite] | * Archiv der Lippischen Landeskirche: [https://www.archive.nrw.de/archivsuche?link=BESTAND-XXX Archivseite] | ||
* [https://www.youtube.com/watch?v=nolA3OZORbg Kurzfilm] mit Blick ins Innere bis in die Turmspitze. | * [https://www.youtube.com/watch?v=nolA3OZORbg Kurzfilm] mit Blick ins Innere bis in die Turmspitze. | ||
* Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelisch-reformierte_Kirche_Heiligenkirchen | |||
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[[Kategorie:Kirchweg (Heiligenkirchen)]] [[Kategorie:Ferdinand Merckel]] | [[Kategorie:Kirchweg (Heiligenkirchen)]] [[Kategorie:Ferdinand Merckel]] | ||