Hiddentruper Straße 2x (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen
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Noch einmal besonders schwierig wird es auf der Stätte Riesenberg in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts. Als eher tragische Figuren erscheinen der Kötter Johann Berend Riesenberg und seine Ehefrau, die die Stätte zwischen 1752 und 1780 bewirtschaften. Dem Ehepaar werden acht Kinder geboren, von denen sieben im Kindesalter versterben - allein der 1758 geborene Anerbe Johann Töns überlebt. Der Vater ist lange Jahre Bauerrichter in Hörste - wird also einen gewissen Überblick gehabt haben. | Noch einmal besonders schwierig wird es auf der Stätte Riesenberg in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts. Als eher tragische Figuren erscheinen der Kötter Johann Berend Riesenberg und seine Ehefrau, die die Stätte zwischen 1752 und 1780 bewirtschaften. Dem Ehepaar werden acht Kinder geboren, von denen sieben im Kindesalter versterben - allein der 1758 geborene Anerbe Johann Töns überlebt. Der Vater ist lange Jahre Bauerrichter in Hörste - wird also einen gewissen Überblick gehabt haben. | ||
Unter dem Sohn, der 1780 heiratet und die Stätte antritt, verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation zusehens. 1795 muss der Vater und Leibzüchter aus Armenmitteln bestattet werden - ein Zeichen großer Not. Anfang 1799 erscheint das Kötterpaar Riesenberg schließlich mit ihrem nächsten Nachbarn, dem Mittelkötter Brink Nr. 8, auf der Amtsstube in Detmold und beantragt eine Genehmigung für den Verkauf ihrer Stätte Nr. 16 an den Nachbarn Brink. Der Kaufpreis besteht in der Übernahme von 650 Talern auf der Stätte lastender Schulden einerseits und einer Leibzucht für sich selbst und ihre vier Kinder andererseits. | Unter dem Sohn, der 1780 heiratet und die Stätte antritt, verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation zusehens. 1795 muss der Vater und Leibzüchter aus Armenmitteln bestattet werden - ein Zeichen großer Not. Anfang 1799 erscheint das Kötterpaar Riesenberg schließlich mit ihrem nächsten Nachbarn, dem Mittelkötter Brink Nr. 8, auf der Amtsstube in Detmold und beantragt eine Genehmigung für den Verkauf ihrer Stätte Nr. 16 an den Nachbarn Brink. Der Kaufpreis besteht in der Übernahme von 650 Talern auf der Stätte lastender Schulden einerseits und einer Leibzucht für sich selbst und ihre vier Kinder andererseits.<ref>LAV NRW OWL, L 92 T 1, Nr. 1239</ref> | ||
In der amtlichen Einschätzung des Vorhabens klingt ein möglicher Grund für die hohe Verschuldung der Stätte an: | In der amtlichen Einschätzung des Vorhabens klingt ein möglicher Grund für die hohe Verschuldung der Stätte an: ''. . . da des Verkäufers Vater dreÿ Jahre ganz zusammen gewachsen bettlägerig gewesen, und dadurch der Colonus zurückgekommen, und in Schulden geraten ist, so wäre der angetragene Verkauf unter den für den Verkäufer vortheilhaften Bedingungen . . . wohl zu genehmigen, denn sonst müßte die Stette ohnehin nächstens öffentlich meistbietend verkauft werden, um die andringenden Creditoren zu befriedigen.'' Alsbald wird der Stättenverkauf genehmigt; Käufer Brink erhält einen Kauf- und Meierbrief, der der Akte im Entwurf beiliegt. | ||
[[Datei:Sterbeeintrag Johann Töns Riesenberg beschnitten.jpg|mini|Kirchenbuch Stapelage, Sterbe- und Begräbniseintrag Johann Töns Riesenberg, 1806]] | [[Datei:Sterbeeintrag Johann Töns Riesenberg beschnitten.jpg|mini|Kirchenbuch Stapelage, Sterbe- und Begräbniseintrag Johann Töns Riesenberg, 1806]] | ||
Gänzlich anders sieht Pastor Jenin in Stapelage die Hintergründe zum Ende der Stätte Riesenberg, und er kann 1806 bei der Beerdigung des Verkäufers Johann Töns Riesenberg nicht umhin, dies mit schwerer Hand in aller Deutlichkeit in dessen Sterbeeintrag hineinzuschreiben: ''den 8ten Junii starb Johann Töns Riesenberg in Hörste an der Auszehrung, nach dem er seine gantze Güther, Hauß, Hoff, Gärtens und Berg versoffen hatte, er wurde abends den 11ten Jun: begraben, sein Alter war 48 Jahre.'' | Gänzlich anders sieht Pastor Jenin in Stapelage die Hintergründe zum Ende der Stätte Riesenberg, und er kann 1806 bei der Beerdigung des Verkäufers Johann Töns Riesenberg nicht umhin, dies mit schwerer Hand in aller Deutlichkeit in dessen Sterbeeintrag hineinzuschreiben: ''den 8ten Junii starb Johann Töns Riesenberg in Hörste an der Auszehrung, nach dem er seine gantze Güther, Hauß, Hoff, Gärtens und Berg versoffen hatte, er wurde abends den 11ten Jun: begraben, sein Alter war 48 Jahre.'' | ||
Noch einmal Aufmerksamkeit erfährt die Stätte Riesenberg Nr. 16, als sie in der Realität längst verschwunden ist. 1886 werden bei Anlage des Hörster Grundbuches nicht nur Angaben aus dem letzten Salbuch von 1855 übernommen, sondern alle Grundbesitzer befragt, wie sie an ihren Besitz gekommen seien. Hermann Brink, der sich wie seine Vorgänger teils als ''Colon Nr. 8 und Nr. 16'' bezeichnen lässt, gibt zu Protokoll, dass Stätte Nr. 16 vor etwa 100 Jahren von einem seiner Vorgänger käuflich erworben sei, die Felder der einfacheren Bewirtschaftung wegen bald danach zusammengelegt worden seien. . . . ''"Die Gebäude des Colonats Nr. 16 habe ich im Jahre 1868 schleifen lassen und hernach dieses Colonat mit dem Colonat Nr. 8, unter Beibehaltung der letzteren Nummer vereinigt."'' Dass ein Colonat ohne jeden Verwaltungsvorgang einfach so verschwinden kann, löst bei den Amtspersonen Verwunderung, ja Befremden aus. Brink wird aufgefordert, schleunigst eine nachträgliche Genehmigung der Stättenauflösung bzw. –zusammenlegung zu beantragen. Er ist gut vernetzt im Dorf und kann alsbald eine positive Stellungnahme der Bauerschaft Hörste einreichen, die von gewichtigen Personen wie M. z. Stapelage, Krawinkel, Weeke etc. unterzeichnet ist: | Noch einmal Aufmerksamkeit erfährt die Stätte Riesenberg Nr. 16, als sie in der Realität längst verschwunden ist. 1886 werden bei Anlage des Hörster Grundbuches nicht nur Angaben aus dem letzten Salbuch von 1855 übernommen, sondern alle Grundbesitzer befragt, wie sie an ihren Besitz gekommen seien. Hermann Brink, der sich wie seine Vorgänger teils als ''Colon Nr. 8 und Nr. 16'' bezeichnen lässt, gibt zu Protokoll, dass Stätte Nr. 16 vor etwa 100 Jahren von einem seiner Vorgänger käuflich erworben sei, die Felder der einfacheren Bewirtschaftung wegen bald danach zusammengelegt worden seien. . . . ''"Die Gebäude des Colonats Nr. 16 habe ich im Jahre 1868 schleifen lassen und hernach dieses Colonat mit dem Colonat Nr. 8, unter Beibehaltung der letzteren Nummer vereinigt."'' <ref>LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold) Bl. 2568 I</ref> Dass ein Colonat ohne jeden Verwaltungsvorgang einfach so verschwinden kann, löst bei den Amtspersonen Verwunderung, ja Befremden aus. Brink wird aufgefordert, schleunigst eine nachträgliche Genehmigung der Stättenauflösung bzw. –zusammenlegung zu beantragen. Er ist gut vernetzt im Dorf und kann alsbald eine positive Stellungnahme der Bauerschaft Hörste einreichen, die von gewichtigen Personen wie M. z. Stapelage, Krawinkel, Weeke etc. unterzeichnet ist: | ||
''Das vor etwa 110 Jahren von dem Colon Brink angekaufte Colonat Nr. 16 hatte zwei Wohngebäude, diese waren aber so baufällig, daß an eine Reperatur nicht gedacht werden konnte. Auch standen diese auf einem so nassen und sumpfigen Boden, daß gesunde Wohnungen nicht herzustellen wahren, auch war die Lage eine derartige, daß bei jedem auch nur etwas starken Gewitter beide Häuser im Wasser standen. Die Länderei vom Colonate Nr. 16 lag größtenteils zwischen den Ländereien des Colonats Nr. 8, es ist letzteres durch diese Zusammenlegung bedeutend verbessert worden, dieses wird den Käufer bewogen haben. Der sumpfige Hofraum ist in eine gute Wiese verwandelt worden. Unserer Überzeugung nach ist von großem Vortheil, daß das Colonat Nr. 16 zu dem Colonate Nr. 8 zugelegt worden ist.'' | ''Das vor etwa 110 Jahren von dem Colon Brink angekaufte Colonat Nr. 16 hatte zwei Wohngebäude, diese waren aber so baufällig, daß an eine Reperatur nicht gedacht werden konnte. Auch standen diese auf einem so nassen und sumpfigen Boden, daß gesunde Wohnungen nicht herzustellen wahren, auch war die Lage eine derartige, daß bei jedem auch nur etwas starken Gewitter beide Häuser im Wasser standen. Die Länderei vom Colonate Nr. 16 lag größtenteils zwischen den Ländereien des Colonats Nr. 8, es ist letzteres durch diese Zusammenlegung bedeutend verbessert worden, dieses wird den Käufer bewogen haben. Der sumpfige Hofraum ist in eine gute Wiese verwandelt worden. Unserer Überzeugung nach ist von großem Vortheil, daß das Colonat Nr. 16 zu dem Colonate Nr. 8 zugelegt worden ist.'' | ||
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==Inschriften== | ==Inschriften== | ||
(nicht bekannt) <ref>Ein Sohn dieser Stätte (Cord Friederich Riesenberg 1698 - 1738) hinterlässt jedoch eine Inschrift andernorts. Er heiratet 1726 auf die Stätte Busse, | (nicht bekannt) <ref>Ein Sohn dieser Stätte (Cord Friederich Riesenberg, 1698-1738) hinterlässt jedoch eine Inschrift andernorts. Er heiratet 1726 auf die Stätte Busse, Pivitsheide VL Nr. 41, und lässt mit seiner Ehefrau dort ein Haus errichten, das heute im Ziegeleimuseum Lage steht und dort als "Haus Riesenberg" bezeichnet wird, obwohl es zum Gebäudebestand der Stätte Busse gehört.</ref> | ||
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ||