Schapeler in der Senne: Unterschied zwischen den Versionen

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==Geschichte==
==Geschichte==
Im Schatzregister der Vogtei Lage von 1603 findet sich eine Kategorie neuerer, gewissermaßen nachgetragener Stätten unter dem Titel ''Köeterß seins Ao'' (15)''90 vnnd'' (15)''98 gefunden, vf den Schatz gesetzet.''<ref> LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 1424, S. 8 </ref> Darunter sind Stätten in allen Dörfern der Vogtei, besonders aber unter ''Hoerste'' zu finden. Diese sind größtenteils Neuwohner auf der Lagischen Pivitsheide, daneben aber auch einige auf Hörster Gebiet, unter anderem findet sich hier die Angabe ''Seuen achter dem berge --- 10 ½ gr''. Für andere der hier aufgeführten Hörster Stätten lässt sich nachweisen, dass sie bereits mehrere Jahrzehnte bestehen, als sie 1603 erstmals schatzpflichtig werden.<ref> Vgl. Hörste Nr. 25 und Nr. 26 </ref> 1604 wird ein für eine jüngere Stätte relativ großer Viehbestand bei ''Seuwen achterm berg'' angegeben: 5 Kühe, 3 Rinder, 1 Kalb, 2 Schweine, 10 Schafe und 9 Lämmer.<ref> LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 1423, S. 202</ref> Dennoch wird die Stätte ''Seuen hinder dem Berge'' in der Volkszählung 1609 als ''arm'' bezeichnet; zu dieser Zeit leben dort der Kötter mit Frau, die offenbar kinderlos sind, und zwei Einliegerinnen mit zwei Kleinkindern.<ref> LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 1442, S. 138</ref>
Im Salbuch von 1617 heißt es zu der Stätte: ''Seuwen hinder dem Berge, vff des Mejers zur Staplage gewelde, gehorrt denen von Brincke, die fraw ist freÿ, Dienst kumpt dem Meÿer zur, Landtschatz ---- 5 gl.'' Die Stätte ist also eine Kötterstätte des Meierhofes Stapelage.
Nach unauffälliger Nennung in Schatzregistern 1616, 1618, 1619, 1620 und 1622 dann die einschneidende Veränderung; im Landschatzregister 1625 erscheint erstmals ein Zusatz: ''Sewen achterm berge, abgebrandt vndt nicht weder erbauwedt.''<ref> LAV NRW OWL, L 92 Z, Nr. 1423 u. Nr. 1424</ref> Bis 1646 wird die Stätte mehrfach mit der Anmerkung a''bgebrandt, gantz wegh'' oder i''tzo aber wegh'' gekennzeichnet, danach erscheint der Stättenname ''Se''(u)''wen hinder/achter dem Berge'' nicht mehr in Registern und anderen Archivalien.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die Stätte ''Seuwen achter dem Berge'' im Rahmen einer brutalen Verwüstung der nahen Dorfschaft Oerlinghausen im Juli 1623 niedergebrannt worden. Hierzu liegt ein Beschwerdeschreiben des lippischen Grafen an den kaiserlichen Heerführer Tilly vom 24. Juli 1623 vor, in dem es heißt: <ref> LAV NRW OWL, L 56 Nr. 10 </ref>  .  .  .  ''daß dero Armee meine Graffschafft vorbei paßieren solle, derowegen thue gegen dieselbige Ich mich dienstfreundtlich bedanken, ich mag aber E: Exelz: darbeÿ nicht verhalten, daß unerachtet dero ungezweiffelten ernsten Befehls, gleichwoll viell vnderschiedtliche eintzelichte Trouppen beÿ 10, 20, auff hundert vnndt darüber häuffigs herein geritten vndt sonderlich im Kirspell Orlinghausen die arme Leuthe, die neben anderen biß dahero zu Underhaltung des Lindtloischen gantzer siebenzehn Wochen in dieser Graffschafft einlogierten Regiments alle das Ihrige vndt waß sie müsten darzu entlehnen vndt auffbringen können, gehorsamb vndt willig dargeschoßen vndt also deßwegen  zu Ihr vndt der Ihrigen nottwendiger Alimentation fast nichts behalten, überfallen, Häuser, Mühlen, Höfe, Fenster vndt Thüren mit Gewaldt auß vndt auffgeschlagen, waß noch vbrigs gewesen darauß genommen, alles Haußgeräth, Kisten vndt Kasten in Stücke zerschlagen, auch die Leuthe jämmerlich verwundet vndt beleidigtt, die Kirchen auffgebrochen, ja auch, welches aber doch dießer Örter vnerhört vndt abscheulich, der Todten Gräber nicht geschonet, die Sarke vndt Leichnam herauß genommen vndt alles waß irgendtwo in Kirchen vndt Häusern zu finden, geplündert vndt mitgenommen haben. Vndt ob man woll nicht eigentlich wißen kan(n), wer eines nach dem anderen gethan, ist doch der Obrist Nivenheimb umb Mitternacht in gedachtes Örlinghausen gefallen, vnndt hatt alles waß da vorhanden gewesen, außgeplündert vnndt weggeführt. Was nun aber solcher großer Frevel, Gewaldt, Muthwill vnndt Schade gantz unverantwortl: vnndt erbarmlich,  .  .  .''
Der Landesherr steht dem voranschreitenden dreißigjährigen Krieg mehr oder weniger hilflos gegenüber; so wird in den 1640er Jahren zu einer ganzen Gruppe von mehreren Hörster Stätten vermerkt: ''gantz wegh.''
Als Familienname und/oder als Ortsbezeichnung („auf´m Schapeler“) taucht Schapeler in Hörste ebenfalls ab 1603/04 auf  -  dies allerdings zunächst nicht in einem erkennbaren Zusammenhang mit Seuwen hinter dem Berge. Uneheliche Schwangerschaften wurden als Unpflicht in Gogerichten mit Bußgeld geahndet: ''Engelke uffm Schapeler vnd Berend vfm Bockel'' (1603/04) <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 226 </ref> , ''Bartoldt Rykehoff primo vnd Anna Ihm Schapeler primo'' (1607/08) <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 287 </ref>  , ''Boker Cordt 2do vnnd Anneke Ihm Schapeler 2do'' (1609) <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 172, S. 116 </ref> , ''Johan Jobst Schaffer von Bauensen primo vnd Anna Ihm Schapeler 2do'' (1613) <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 306 </ref>.
1630 wird ein wohl in oder nahe der Senne ansässiges Ehepaar namens Schapeler in einem Raub- und Mordprozess angeklagt  -  dies allerdings ohne einen direkten Hinweis auf „den Schapeler“ als Wohnsitz.<ref> LAV NRW OWL, L 86 Nr. 586 </ref> So wird dort beispielsweise beschrieben, wie der gemeinsam mit ''Curdt im Schapler'' zum Tode durch das Schwert verurteilte Kumpan Johan Sauer aus Lage einen ahnungslosen und ortsunkundigen jungen Mann aus Kassel angeblich von Lage nach Bielefeld hatte begleiten wollen, ihn durch die Senne geführt, dort an einsamer Stelle hinterrücks erschlagen und entkleidet habe. Danach sei er dann mit den Kleidern in das Haus von Cord Schapeler gegangen. Alsbald hätten die beiden die Leiche auf dem Tönsberg verscharrt (S. 22/23, Ziffern 5 . . . 13).
1656/57 stirbt ''Ilsche Schapelers, eine ledige Persohn, beÿ dem alten Müller zu Stapelage.'' . . . Sie hinterlässt etwas Geld, dass sie den Armen zu Stapelage vermacht.<ref>LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 176, S. 347</ref>
Erstmals im Viehschatzregister von 1662 wird dann ''Gercke im Schapeler''  (1628 - 1724) genannt, dessen Abstammung/Herkunft unklar bleibt, der und dessen Nachfahren aber die Stätte Schapeler im weiteren besitzen und bewirtschaften.
Werner Schapeler <ref> Werner Schapeler (1933 - 2015) in Hörste hat allerlei Kopien von Archivalien zur Familiengeschichte Schapeler hinterlassen  -  dies allerdings ohne Quellenangaben, was die Überprüfung erschwert.</ref> hat nachgewiesen, dass die von nun an in allen Registern präsente Hörster Stätte Schapeler in der Senne (später Nr. 30)  die wieder aufgebaute und wieder besiedelte ehemalige Stätte des Se(u)ven (Severin) hinter dem Berge ist. Dies geht aus zwei eher versteckten Belegen mit folgenden Aussagen hervor: a) ''Severing an Iggenhausen Eigen hatt sich von da freÿ kaufen und sich der Herrschafft müßen eigen geben auff Schapeler.'' <ref> LAV NRW OWL, L 21 Nr. 181, Bl. 119. In der ersten Hälfte des 18. Jh.s entwickelt sich ein fundamentaler und lang anhaltender Streit zwischen dem Meier zu Stapelage und seinem Kötter Massiek über Abgaben und Dienste. Belästigt von fortwährenden Suppliken und Eingaben der Kontrahenten ernennt die lippische Regierung in den 1740er Jahren den Reg.rat Simon Henrich Blome zu einer Art Sonderbeauftragten zur Klärung der Rechtslage in diesem Streit. Blome recherchiert auch auf anderen Stapelager Kötterstätten; über obiger Aussage steht geschrieben: ''Notatu den 5ten Julÿ 1746.  auffm Schapeler in der Senke.'' </ref> und b) ''Seven im Schapeler ist eigen mit der Fr.''(au) ''Ihro Gnad.''(en).<ref> Die Signatur der Quelle dieser Aussage ist noch nicht geklärt. Es liegt aus dem Nachlass von Werner Schapeler die Kopie des Blattes „49“ einer Archivalie vor, die vermutlich im 18. Jahrhundert ähnlich oben beschriebener Situation ältere Rechtsverhältnisse zur Stätte Schapeler zusammenstellt  -  vor obiger Aussage steht: ''Extract aus dem Verzeichnis der Unterthanen des Kirchspiels Lage und Stapelage, welche freÿ oder eigenbehörige seÿen de Ao 1620.'' Solche Eigenbehörigen-Verzeichnisse aus dieser Zeit sind von wenigen Vogteien erhalten, von der Vogtei Lage leider nicht (freundl. Hinweis Roland Linde).</ref>
Das Salbuch von 1680 stützt die These „Schapeler bedeutet Schäfer“: <ref> LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 96, S. 140 </ref> ''Tÿes Henrich, Henrich Geers und Gerken Scheper, so noch abgebrandt sind, seindt vorgesetzten kleinen'' (Stätten) ''in allem gleich.'' 1685 hingegen findet sich unter ''Des Meÿers zu Stapela Kotters'' der Eintrag: ''Schapeler  daß Haus vnndt 6 sch.; die Scheffel Saat 6 gr.''<ref> LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 97, S. 215 </ref>
 
Im Juni 1688 heiratet der Anerbe Berend Henrich Schapeler Anna Cath. Heuwinkel aus dem Hey, die 100 Taler und Vieh mit auf die Stätte in der Senne bringt.<ref> LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 135, S. 94 </ref> In den Jahren danach entwickeln sich heftige Streitereien zwischen der jungen Schapelerschen einerseits und ihrer Schwiegermutter mit Töchtern andererseits, die bis zu Tätlichkeiten gehen.<ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 67 u. 148 </ref> Nachdem 1694 die Übergabe der Stätte an die jungen Leute erfolgt ist <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 149 </ref>, werden 1695 auch schwere Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn  -  dem alten und dem jungen Schapeler  -  gemeldet.<ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 191 </ref> 1697 zahlt der junge Schapeler Weinkauf für eine Stättenerweiterung; er will mehr Bienen halten (den „Immenstand“ erweitern) und verschiedene Sennestücke beackern.<ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 180, S. 274 </ref>
Wiederkehrende Streitereien mit dem Meier zu Stapelage als Grundherrn begleiten die Entwicklung auf der Stätte Schapeler ebenso wie auf den anderen Kötterstätten des Meierhofes.<ref> LAV NRW OWL, L 84 Nr. II, FP Nr. 42</ref> 1710 geht es u. a. um Eichen, die Berend Henrich Schapeler für den Bau eines neuen Hauses eingeschlagen und verwendet hat, was mit der Witwe den vorigen Meiers abgestimmt gewesen sei, was der aktive Meier jedoch bestreitet.
Dem nächsten Anerben/Kötter Johann Christoph Schapeler (1689 - 1722) ist nur ein kurzes Leben beschieden. Seine junge, aus Ehrentrup stammende Witwe Triene Elisabeth Lütgebrune heiratet nach dem Trauerjahr Johann Jost Ehlebracht aus Hillegossen. Diese beiden bewirtschaften die Schapeler-Stätte 37 Jahre. Mit dem frühen Tod der einzigen Tochter aus erster Ehe der Colona geht 1739 auch die Erbfolge der Stätte auf ihre gemeinsamen Kinder über.
Wiederum zunächst eine kurze, zweijährige Ehe erlebt die Anerbin in nächster Generation, Anne Cath. Elis. Schapeler.  Zum frühen Tod ihres ersten Ehemannes berichtet das Kirchenbuch Stapelage: (1762) ''den 4ten Merz; Simon Henrich Meljes bürtig aus Hörste, gewesener Schapeler i. d. Senne, welcher durch einen von den Bühnen gethanen Fall, nachdem er noch 10 Stunden gelebet, das Zeitliche mit dem Ewigen verwechselt, seines Alters 33 Jahre und 10 Monate.'' Knapp drei Monate später heiratet dann der von einer anderen Stapelager Kötterstätte stammende Berend Henrich Schmiedeskamp die junge Witwe und wird der nächste (Colon) Schapeler.
Der beiden jüngerer Sohn Johann Hermann Adolph muss die elterliche Stätte schon vor seiner Eheschließung 1797 antreten, denn seine Eltern versterben 1793 und 1794. Seine Frau Anne Cath. Ilsabein Kopp aus Evenhausen schenkt ihm sieben Kinder, dann stirbt er 1810. Sie überlebt ihn fast fünf Jahrzehnte und auch ihren zweiten Ehemann Johann Christoph Lange aus Währentrup, der die Stätte 15 Jahre interimsmäßig bewirtschaftet, bis der nächste Anerbe volljährig ist.
Dieser nächste Anerbe  -  ab 1825 Kötter  -  auf der Stätte, Johann Berend Christoph Schapeler, legt bei seinem Abtritt 1857 möglicherweise den Grundstein für den späteren Konkurs des Colonates. Sein Sohn und Nachfolger Wilhelm Schapeler geht laut der ''Acta, die Abtretung der Schapelerschen Stätte Nr. 30 zu Hörste an den Anerben Wilh. Schapeler betreffend'' <ref> LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. XX</ref>  mit hohen Belastungen an den Start: Seine abtretenden Eltern sollen 900 Taler erhalten, die noch unverheiratete Schwester Johanne bei Eheschließung 600 Taler Brautschatz. 100 Taler Brautschatz-Rückstand stehen der verheirateten Schwester im Hörster Krug noch zu, und schließlich lebt die Großmutter des aufziehenden Kötters noch mit ihrem jüngsten Sohn Hermann und dessen Familie auf der Leibzucht. Für ihren Auszug sollen auch diese 100 Taler Abfindung erhalten.
Ende 1862 heiratet Johanne Schapeler, die Schwester des jungen Colons, Wilhelm Sölter, den Sohn eines Krug-Pächters aus Detmold. Zu dieser Zeit ist wohl schon klar, dass der junge Colon Wilhelm Schapeler aus nicht genannten Gründen mit der Bewirtschaftung seiner Stätte überfordert ist. Sein Schwager Sölter lebt ab Eheschließung als ''Einlieger und Landwirt'' (Kirchenbuch) mit auf dem Schapeler. Bei den Taufen seiner Kinder wird er 1864 als ''Verwalter'', 1866 und 1868 dann als ''Pächter'' (der Stätte Schapeler Nr. 30) bezeichnet.
1870 stehen dem eigentlichen Colon Wilhelm Schapeler zwei Kuratoren zur Seite (u.a. Colon Brink, Hörste Nr. 8 - sein Schwager), die in Abstimmung mit dem Amt in Lage versuchen, die auf 7500 Taler taxierte Stätte Schapeler Nr. 30 öffentlich meistbietend zu verkaufen, um hohe aufgelaufene Schulden begleichen zu können.<ref> LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. XXII </ref> Dabei kommt es zu keinem ausreichenden Gebot, woraufhin das Amt im Frühjahr 1871 den Konkurs des Colons Wilhelm Schapeler erklärt und eine Zwangsversteigerung seiner Stätte anordnet. Verschiedene Gläubiger bieten jetzt mit, schließlich wird das Schapelersche Colonat dem Höchstbietenden Wilhelm Sölter  -  bisher Pächter der versteigerten Stätte und zudem Schwager des vorigen Besitzers  - für 6100 Taler zugeschlagen.


==Gebäude==
==Gebäude==