Kolonat 30 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen
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Der Hof Schapeler | Der Hof Schapeler oder Wohnplatz „auf dem Schapeler“, ehemals [[Hörste]] Nr. 30, war ein Gehöft in extremer Alleinlage zwischen Hörste bzw. Stapelage (Entfernung: ca. 4 bzw. 3 km Luftlinie), Stukenbrock (ca. 4 km Luftlinie) und der heutigen Südstadt Oerlinghausen (ebenfalls ca. 4 km Luftlinie). Die Entstehung an diesem einsamen Ort ist einer geologischen Besonderheit geschuldet: Mitten in der weiten Sennelandschaft - einem Meer von äußerst unfruchtbarem Sand - ragt um „den Schapeler“ einer Insel gleich schwerer, das Wasser haltender Boden an die Oberfläche, so dass hier halbwegs auskömmlicher Ackerbau in der Senne möglich war. | ||
Als ehemalige Kötterstätte des Gutes Stapelage gehörte die Stätte Schapeler Zeit ihres Bestehens (vor 1600 – 1962) zur Bauerschaft Hörste-Stapelage, während ihr | Als ehemalige Kötterstätte des Gutes Stapelage gehörte die Stätte Schapeler Zeit ihres Bestehens (vor 1600 – 1962) zur Bauerschaft Hörste-Stapelage, während ihr Standort 1970 mit der Stapelager Senne nach Augustdorf umgemeindet wurde. Als Hörster Stätte wurde der Sennehof Schapeler ab 1766 unter der Hausnummer 30 geführt. | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Im Schatzregister der Vogtei Lage von 1603 findet sich eine Kategorie neuerer, gewissermaßen nachgetragener Stätten unter dem Titel ''Köeterß seins Ao'' (15)''90 vnnd'' (15)''98 gefunden, vf den Schatz gesetzet.''<ref> LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 1424, S. 8 </ref> Darunter sind Stätten in allen Dörfern der Vogtei, besonders aber unter ''Hoerste'' zu finden. Diese sind größtenteils Neuwohner auf der Lagischen Pivitsheide, daneben aber auch einige auf Hörster Gebiet, unter anderem findet sich hier die Angabe ''Seuen achter dem berge --- 10 ½ gr''. Für andere der hier aufgeführten Hörster Stätten lässt sich nachweisen, dass sie bereits mehrere Jahrzehnte bestehen, als sie 1603 erstmals schatzpflichtig werden.<ref> Vgl. Hörste Nr. 25 und Nr. 26 </ref> 1604 wird ein für eine jüngere Stätte relativ großer Viehbestand bei ''Seuwen achterm berg'' angegeben: 5 Kühe, 3 Rinder, 1 Kalb, 2 Schweine, 10 Schafe und 9 Lämmer.<ref> LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 1423, S. 202</ref> Dennoch wird die Stätte ''Seuen hinder dem Berge'' in der Volkszählung 1609 als ''arm'' bezeichnet; zu dieser Zeit leben dort der Kötter mit Frau, die offenbar kinderlos sind, und zwei Einliegerinnen mit zwei Kleinkindern.<ref> LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 1442, S. 138</ref> | Im Schatzregister der Vogtei Lage von 1603 findet sich eine Kategorie neuerer, gewissermaßen nachgetragener Stätten unter dem Titel ''Köeterß seins Ao'' (15)''90 vnnd'' (15)''98 gefunden, vf den Schatz gesetzet.''<ref> LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 1424, S. 8 </ref> Darunter sind Stätten in allen Dörfern der Vogtei, besonders aber unter ''Hoerste'' zu finden. Diese sind größtenteils Neuwohner auf der Lagischen Pivitsheide, daneben aber auch einige auf Hörster Gebiet, unter anderem findet sich hier die Angabe ''Seuen achter dem berge --- 10 ½ gr''. Für andere der hier aufgeführten Hörster Stätten lässt sich nachweisen, dass sie bereits mehrere Jahrzehnte bestehen, als sie 1603 erstmals schatzpflichtig werden.<ref> Vgl. Hörste Nr. 25 und Nr. 26 </ref> 1604 wird ein für eine jüngere Stätte relativ großer Viehbestand bei ''Seuwen achterm berg'' angegeben: 5 Kühe, 3 Rinder, 1 Kalb, 2 Schweine, 10 Schafe und 9 Lämmer.<ref> LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 1423, S. 202</ref> Dennoch wird die Stätte ''Seuen hinder dem Berge'' in der Volkszählung 1609 als ''arm'' bezeichnet; zu dieser Zeit leben dort der Kötter mit Frau, die offenbar kinderlos sind, und zwei Einliegerinnen mit zwei Kleinkindern.<ref> LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 1442, S. 138</ref> | ||
Im Salbuch von 1617 heißt es zu der Stätte: ''Seuwen hinder dem Berge, vff des Mejers zur Staplage gewelde, gehorrt denen von Brincke, die fraw ist freÿ, Dienst kumpt dem Meÿer zur, Landtschatz | Im Salbuch von 1617 heißt es zu der Stätte: ''Seuwen hinder dem Berge, vff des Mejers zur Staplage gewelde, gehorrt denen von Brincke, die fraw ist freÿ, Dienst kumpt dem Meÿer zur, Landtschatz - 5 gl.'' Die Stätte ist also eine Kötterstätte des Meierhofes zu Stapelage. | ||
Nach unauffälliger Nennung in Schatzregistern 1616, 1618, 1619, 1620 und 1622 dann die einschneidende Veränderung; im Landschatzregister 1625 erscheint erstmals ein Zusatz: ''Sewen achterm berge, abgebrandt vndt nicht weder erbauwedt.''<ref> LAV NRW OWL, L 92 Z, Nr. 1423 u. Nr. 1424</ref> Bis 1646 wird die Stätte mehrfach mit der Anmerkung a''bgebrandt, gantz wegh'' oder i''tzo aber wegh'' gekennzeichnet, danach erscheint der Stättenname ''Se''(u)''wen hinder/achter dem Berge'' nicht mehr in Registern und anderen Archivalien. | Nach unauffälliger Nennung in Schatzregistern 1616, 1618, 1619, 1620 und 1622 dann die einschneidende Veränderung; im Landschatzregister 1625 erscheint erstmals ein Zusatz: ''Sewen achterm berge, abgebrandt vndt nicht weder erbauwedt.''<ref> LAV NRW OWL, L 92 Z, Nr. 1423 u. Nr. 1424</ref> Bis 1646 wird die Stätte mehrfach mit der Anmerkung a''bgebrandt, gantz wegh'' oder i''tzo aber wegh'' gekennzeichnet, danach erscheint der Stättenname ''Se''(u)''wen hinder/achter dem Berge'' nicht mehr in Registern und anderen Archivalien. | ||
Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die Stätte ''Seuwen achter dem Berge'' im Sommer 1623 bei großen Truppendurchzügen von Ost nach West (zuerst Armee des Christian von Braunschweig, dann verfolgend eine kaiserliche Armee unter Tilly) niedergebrannt worden. In diesem Rahmen kam es im Juli 1623 auch zu einer brutalen Verwüstung der nahen Dorfschaft Oerlinghausen. Hierzu liegt ein Beschwerdeschreiben des lippischen Grafen an den kaiserlichen Heerführer Tilly vom 24. Juli 1623 vor, in dem es heißt: <ref> LAV NRW OWL, L 56 Nr. 10 </ref> | Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die Stätte ''Seuwen achter dem Berge'' im Sommer 1623 bei großen Truppendurchzügen von Ost nach West (zuerst Armee des Christian von Braunschweig, dann verfolgend eine kaiserliche Armee unter Tilly) niedergebrannt worden. In diesem Rahmen kam es im Juli 1623 auch zu einer brutalen Verwüstung der nahen Dorfschaft Oerlinghausen. Hierzu liegt ein Beschwerdeschreiben des lippischen Grafen an den kaiserlichen Heerführer Tilly vom 24. Juli 1623 vor, in dem es heißt: <ref> LAV NRW OWL, L 56 Nr. 10 </ref> "''...daß dero Armee meine Graffschafft vorbei paßieren solle, derowegen thue gegen dieselbige Ich mich dienstfreundtlich bedanken, ich mag aber E: Exelz: darbeÿ nicht verhalten, daß unerachtet dero ungezweiffelten ernsten Befehls, gleichwoll viell vnderschiedtliche eintzelichte Trouppen beÿ 10, 20, auff hundert vnndt darüber häuffigs herein geritten vndt sonderlich im Kirspell Orlinghausen die arme Leuthe, die neben anderen biß dahero zu Underhaltung des Lindtloischen gantzer siebenzehn Wochen in dieser Graffschafft einlogierten Regiments alle das Ihrige vndt waß sie müsten darzu entlehnen vndt auffbringen können, gehorsamb vndt willig dargeschoßen vndt also deßwegen zu Ihr vndt der Ihrigen nottwendiger Alimentation fast nichts behalten, überfallen, Häuser, Mühlen, Höfe, Fenster vndt Thüren mit Gewaldt auß vndt auffgeschlagen, waß noch vbrigs gewesen darauß genommen, alles Haußgeräth, Kisten vndt Kasten in Stücke zerschlagen, auch die Leuthe jämmerlich verwundet vndt beleidigtt, die Kirchen auffgebrochen, ja auch, welches aber doch dießer Örter vnerhört vndt abscheulich, der Todten Gräber nicht geschonet, die Sarke vndt Leichnam herauß genommen vndt alles waß irgendtwo in Kirchen vndt Häusern zu finden, geplündert vndt mitgenommen haben. Vndt ob man woll nicht eigentlich wißen kan(n), wer eines nach dem anderen gethan, ist doch der Obrist Nivenheimb umb Mitternacht in gedachtes Örlinghausen gefallen, vnndt hatt alles waß da vorhanden gewesen, außgeplündert vnndt weggeführt. Was nun aber solcher großer Frevel, Gewaldt, Muthwill vnndt Schade gantz unverantwortl: vnndt erbarmlich..."'' Der Landesherr stand dem voranschreitenden dreißigjährigen Krieg mehr oder weniger hilflos gegenüber; so wird in den 1640er Jahren zu einer ganzen Gruppe von mehreren Hörster Stätten vermerkt: ''gantz wegh.'' | ||
Als Familienname und/oder als Orts- bzw. Wohnplatzbezeichnung ( | Als Familienname und/oder als Orts- bzw. Wohnplatzbezeichnung („auf'm Schapeler“) taucht ''Schapeler'' in Hörste ebenfalls ab 1603/04 auf - dies allerdings zunächst nicht in einem erkennbaren Zusammenhang mit ''Seuwen hinter dem Berge''. Uneheliche Schwangerschaften wurden als "Unpflicht" vor dem Gogericht mit Bußgeld geahndet; in den Registern finden sich: ''Engelke uffm Schapeler vnd Berend vfm Bockel'' (1603/04) <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 226 </ref> , ''Bartoldt Rykehoff primo vnd Anna Ihm Schapeler primo'' (1607/08) <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 287 </ref> , ''Boker Cordt 2do vnnd Anneke Ihm Schapeler 2do'' (1609) <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 172, S. 116 </ref> , ''Johan Jobst Schaffer von Bauensen primo vnd Anna Ihm Schapeler 2do'' (1613).<ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 306 </ref> | ||
1630 wird ein wohl in oder nahe der Senne ansässiges Ehepaar namens Schapeler in einem Raub- und Mordprozess angeklagt - dies allerdings ohne einen direkten Hinweis auf „den Schapeler“ als Wohnsitz.<ref> LAV NRW OWL, L 86 Nr. 586 </ref> So wird dort beispielsweise beschrieben, wie der gemeinsam mit ''Curdt im Schapler'' zum Tode durch das Schwert verurteilte Kumpan Johan Sauer aus Lage einen ahnungslosen und ortsunkundigen jungen Mann aus Kassel angeblich von Lage nach Bielefeld hatte begleiten wollen, ihn durch die Senne geführt, dort an einsamer Stelle hinterrücks erschlagen und entkleidet habe. Danach sei er dann mit den Kleidern in das Haus von Cord Schapeler gegangen. Alsbald hätten die beiden die Leiche auf dem Tönsberg verscharrt (S. 22/23, Ziffern 5 . . . 13). | 1630 wird ein wohl in oder nahe der Senne ansässiges Ehepaar namens Schapeler in einem Raub- und Mordprozess angeklagt - dies allerdings ohne einen direkten Hinweis auf „den Schapeler“ als Wohnsitz.<ref> LAV NRW OWL, L 86 Nr. 586 </ref> So wird dort beispielsweise beschrieben, wie der gemeinsam mit ''Curdt im Schapler'' zum Tode durch das Schwert verurteilte Kumpan Johan Sauer aus Lage einen ahnungslosen und ortsunkundigen jungen Mann aus Kassel angeblich von Lage nach Bielefeld hatte begleiten wollen, ihn durch die Senne geführt, dort an einsamer Stelle hinterrücks erschlagen und entkleidet habe. Danach sei er dann mit den Kleidern in das Haus von Cord Schapeler gegangen. Alsbald hätten die beiden die Leiche auf dem Tönsberg verscharrt (S. 22/23, Ziffern 5 ... 13). | ||
1656/57 stirbt ''Ilsche Schapelers, eine ledige Persohn, beÿ dem alten Müller zu Stapelage.'' | 1656/57 stirbt ''Ilsche Schapelers, eine ledige Persohn, beÿ dem alten Müller zu Stapelage.''Sie hinterlässt etwas Geld, dass sie den Armen zu Stapelage vermacht.<ref>LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 176, S. 347</ref> | ||
Erstmals im Viehschatzregister von 1662 wird dann ''Gercke im Schapeler'' | Erstmals im Viehschatzregister von 1662 wird dann ''Gercke im Schapeler'' (1628 - 1724) genannt, dessen Abstammung/Herkunft unklar bleibt, der und dessen Nachfahren aber die Stätte Schapeler im weiteren besitzen und bewirtschaften. | ||
Werner Schapeler <ref> Werner Schapeler (1933 - 2015) in Hörste hat allerlei Kopien von Archivalien zur Familiengeschichte Schapeler hinterlassen | Werner Schapeler<ref> Werner Schapeler (1933 - 2015) in Hörste hat allerlei Kopien von Archivalien zur Familiengeschichte Schapeler hinterlassen, allerdings ohne Quellenangaben, was die Überprüfung erschwert.</ref> hat nachgewiesen, dass die von nun an in allen Registern präsente Hörster Stätte Schapeler in der Senne (später Nr. 30) die wieder aufgebaute und wieder besiedelte ehemalige Stätte des Se(u)ven (Severin) hinter dem Berge ist. Dies geht aus zwei eher versteckten Belegen mit folgenden Aussagen hervor: a) ''Severing an Iggenhausen Eigen hatt sich von da freÿ kaufen und sich der Herrschafft müßen eigen geben auff Schapeler.'' <ref> LAV NRW OWL, L 21 Nr. 181, Bl. 119. In der ersten Hälfte des 18. Jh.s entwickelt sich ein fundamentaler und lang anhaltender Streit zwischen dem Meier zu Stapelage und seinem Kötter Massiek über Abgaben und Dienste. Belästigt von fortwährenden Schriftsätzen und Eingaben der Kontrahenten ernennt die lippische Regierung in den 1740er Jahren den Reg.rat Simon Henrich Blome zu einer Art Sonderbeauftragten zur Klärung der Rechtslage in diesem Streit. Blome recherchiert auch auf anderen Stapelager Kötterstätten; über obiger Aussage steht geschrieben: ''Notatu den 5ten Julÿ 1746. auffm Schapeler in der Senke.'' </ref> und b) ''Seven im Schapeler ist eigen mit der Fr.''(au) ''Ihro Gnad.''(en).<ref> Die Signatur der Quelle dieser Aussage ist noch nicht geklärt. Es liegt aus dem Nachlass von Werner Schapeler die Kopie eines mit dem Seitenstempel „49“ versehenen Blattes einer Archivalie vor, die vermutlich im 18. Jahrhundert ähnlich oben beschriebener Situation ältere Rechtsverhältnisse zur Stätte Schapeler zusammenstellt - vor obiger Aussage steht: ''Extract aus dem Verzeichnis der Unterthanen des Kirchspiels Lage und Stapelage, welche freÿ oder eigenbehörige seÿen de Ao 1620.'' Solche Eigenbehörigen-Verzeichnisse aus dieser Zeit sind von wenigen Vogteien erhalten, von der Vogtei Lage leider nicht (freundl. Hinweis Roland Linde).</ref> | ||
Das Salbuch von 1680 stützt die These „Schapeler bedeutet Schäfer“: <ref> LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 96, S. 140 </ref> ''Tÿes Henrich, Henrich Geers und Gerken Scheper, so noch abgebrandt sind, seindt vorgesetzten kleinen'' (Stätten) ''in allem gleich.'' 1685 hingegen findet sich unter ''Des Meÿers zu Stapela Kotters'' der Eintrag: ''Schapeler daß Haus vnndt 6 sch.; die Scheffel Saat 6 gr.''<ref> LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 97, S. 215 </ref> | Das Salbuch von 1680 stützt die These „Schapeler bedeutet Schäfer“: <ref> LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 96, S. 140 </ref> ''Tÿes Henrich, Henrich Geers und Gerken Scheper, so noch abgebrandt sind, seindt vorgesetzten kleinen'' (Stätten) ''in allem gleich.'' 1685 hingegen findet sich unter ''Des Meÿers zu Stapela Kotters'' der Eintrag: ''Schapeler daß Haus vnndt 6 sch.; die Scheffel Saat 6 gr.''<ref> LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 97, S. 215 </ref> | ||
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Dieser nächste Anerbe - ab 1825 Kötter - auf der Stätte, Johann Berend Christoph Schapeler, legt bei seinem Abtritt 1857 möglicherweise den Grundstein für den späteren Konkurs des Colonates. Sein Sohn und Nachfolger Wilhelm Schapeler geht laut der ''Acta, die Abtretung der Schapelerschen Stätte Nr. 30 zu Hörste an den Anerben Wilh. Schapeler betreffend'' <ref> LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. XX</ref> mit hohen Belastungen an den Start: Seine abtretenden Eltern sollen 900 Taler erhalten, die noch unverheiratete Schwester Johanne bei Eheschließung 600 Taler Brautschatz. 100 Taler Brautschatz-Rückstand stehen der verheirateten Schwester im Hörster Krug noch zu, und schließlich lebt die Großmutter des aufziehenden Kötters noch mit ihrem jüngsten Sohn Hermann und dessen Familie auf der Leibzucht. Für ihren Auszug sollen auch diese 100 Taler Abfindung erhalten. | Dieser nächste Anerbe - ab 1825 Kötter - auf der Stätte, Johann Berend Christoph Schapeler, legt bei seinem Abtritt 1857 möglicherweise den Grundstein für den späteren Konkurs des Colonates. Sein Sohn und Nachfolger Wilhelm Schapeler geht laut der ''Acta, die Abtretung der Schapelerschen Stätte Nr. 30 zu Hörste an den Anerben Wilh. Schapeler betreffend'' <ref> LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. XX</ref> mit hohen Belastungen an den Start: Seine abtretenden Eltern sollen 900 Taler erhalten, die noch unverheiratete Schwester Johanne bei Eheschließung 600 Taler Brautschatz. 100 Taler Brautschatz-Rückstand stehen der verheirateten Schwester im Hörster Krug noch zu, und schließlich lebt die Großmutter des aufziehenden Kötters noch mit ihrem jüngsten Sohn Hermann und dessen Familie auf der Leibzucht. Für ihren Auszug sollen auch diese 100 Taler Abfindung erhalten. | ||
Ende 1862 heiratet Johanne Schapeler, die Schwester des jungen Colons, Wilhelm Sölter, den Sohn eines Krug-Pächters aus Detmold. Zu dieser Zeit ist | [[Datei:1864 Curatel Wilhelm Schapeler beschnitten2.jpg|mini|Curatel-Anordnung Wilhelm Schapeler, Fürstl.-Lipp. Reg.- u. Amtsblatt v. 5.11.1864]] | ||
Ende 1862 heiratet Johanne Schapeler, die Schwester des jungen Colons, Wilhelm Sölter, den Sohn eines Krug-Pächters aus Detmold. Zu dieser Zeit ist offenbar schon klar, dass der junge Colon Wilhelm Schapeler mit der Bewirtschaftung seiner Stätte überfordert ist. Er wird 1864 wegen schlechter Wirtschaftsführung unter Kuratel gestellt. Sein Schwager Sölter lebt ab Eheschließung als ''Einlieger und Landwirt'' (Kirchenbuch) mit auf dem Schapeler. Bei den Taufen seiner Kinder wird er 1864 als ''Verwalter'', 1866 und 1868 dann als ''Pächter'' (der Stätte Schapeler Nr. 30) bezeichnet. | |||
[[Datei:LAVNRWOWL D72 Hunke Heinrich Nr 217 01.jpg|mini|Der Schapelerhof vor dem Teutoburger Wald, um 1935, LAV NRW OWL, D 72 Hunke Nr. 217]] | |||
[[Datei:LAVNRWOWL D72 Hunke Heinrich Nr 217 02.jpg|mini|Vor dem Schapelerhof, um 1935, LAV NRW OWL, D 72 Hunke Nr. 217]] | |||
1870 stehen dem eigentlichen Colon Wilhelm Schapeler zwei Kuratoren zur Seite (u.a. Colon Brink, Hörste Nr. 8 - sein Schwager), die in Abstimmung mit dem Amt in Lage versuchen, die auf 7500 Taler taxierte Stätte Schapeler Nr. 30 öffentlich meistbietend zu verkaufen, um hohe aufgelaufene Schulden begleichen zu können.<ref> LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. XXII </ref> Dabei kommt es zu keinem ausreichenden Gebot, woraufhin das Amt im Frühjahr 1871 den Konkurs des Colons Wilhelm Schapeler erklärt und eine Zwangsversteigerung seiner Stätte anordnet. Verschiedene Gläubiger bieten jetzt mit, schließlich wird das Schapelersche Colonat dem Höchstbietenden Wilhelm Sölter - bisher Pächter der versteigerten Stätte und zudem Schwager des vorigen Besitzers - für 6100 Taler zugeschlagen. | 1870 stehen dem eigentlichen Colon Wilhelm Schapeler zwei Kuratoren zur Seite (u.a. Colon Brink, Hörste Nr. 8 - sein Schwager), die in Abstimmung mit dem Amt in Lage versuchen, die auf 7500 Taler taxierte Stätte Schapeler Nr. 30 öffentlich meistbietend zu verkaufen, um hohe aufgelaufene Schulden begleichen zu können.<ref> LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. XXII </ref> Dabei kommt es zu keinem ausreichenden Gebot, woraufhin das Amt im Frühjahr 1871 den Konkurs des Colons Wilhelm Schapeler erklärt und eine Zwangsversteigerung seiner Stätte anordnet. Verschiedene Gläubiger bieten jetzt mit, schließlich wird das Schapelersche Colonat dem Höchstbietenden Wilhelm Sölter - bisher Pächter der versteigerten Stätte und zudem Schwager des vorigen Besitzers - für 6100 Taler zugeschlagen. | ||
Der neue Besitzer der Schapelerstätte verliert noch im selben Jahr seine Frau, heiratet 1872 erneut – Justine Amalie (genannt Auguste) Ostmann aus dem Hörster Krug, eine Nichte seiner verstorbenen ersten Ehefrau. Mitte 1887 verstirbt Wilhelm Sölter selbst an der auf dem Schapeler häufiger auftretenden Schwindsucht. Vor der nächsten Ehe der Witwe wird im April 1888 einen ''Schichtung'' (Erbteilsfestlegung für die Kinder erster Ehe) protokolliert, für die der Wert der Stätte bestimmt werden muss. Dabei wird die damalige Situation auf dem Schapeler trefflich beschrieben: <ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 47 </ref> | Der neue Besitzer der Schapelerstätte verliert noch im selben Jahr seine Frau, heiratet 1872 erneut – Justine Amalie (genannt Auguste) Ostmann aus dem Hörster Krug, eine Nichte seiner verstorbenen ersten Ehefrau. Mitte 1887 verstirbt Wilhelm Sölter selbst an der auf dem Schapeler häufiger auftretenden Schwindsucht. Vor der nächsten Ehe der Witwe wird im April 1888 einen ''Schichtung'' (Erbteilsfestlegung für die Kinder erster Ehe) protokolliert, für die der Wert der Stätte bestimmt werden muss. Dabei wird die damalige Situation auf dem Schapeler trefflich beschrieben: <ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 47 </ref> | ||
''Aus den im heutigen Protokoll angegebenen Gründen, namentlich deshalb, weil ein mitten in der Senne, | ''"Aus den im heutigen Protokoll angegebenen Gründen, namentlich deshalb, weil ein mitten in der Senne, von anderen Orten weit entfernt liegendes Colonat, zu dem nur Sandländereien gehören, schwer zu bewirthschaften ist, überhaupt nur einen geringen Ertrag an Früchten liefert und die Ernte hier ganz besonders von Witterungsverhältnissen abhängig ist, die Häuser noch theilweise mit Strohdächern versehen und deshalb die höchste Abgabe davon bezahlt werden muß, während für die vermietheten Räume hier mitten in der Senne nur ein geringes Mietgeld erzielt werden kann und wie dem Gerichte bekannt, der verstorbene Ehemann der Witwe Sölter, ein fleißiger, solider, sparsamer Mann nur mit Mühe auf dem Colonate hat existieren können."'' Der Hof wird mit allem Inventar und Vieh auf knapp 30 000 Mark geschätzt, nach Abzug von etwa 10000 Mark Schulden die Hälfte der verbleibenden Differenz den sechs hinterbliebenen Kindern erster Ehe als späteres Erbe zugesprochen und als Hypothek auf den Hof eingetragen. Nach dieser Schichtung heiratet Gustav Gronemeier von Uebbentrup Nr. 4 die Witwe auf dem Schapeler und wird neuer Colon. | ||
Im März 1895 erteilt der Meier zu Stapelage, der 1870/71 noch mehrfach anwaltlichen Protest gegen die Versteigerung der Schapeler-Stätte ohne seine ausdrückliche Genehmigung zu Protokoll gegeben hatte, allen Eigentümern seiner ehemaligen Kötterstätten die grundbuchliche Löschungsbewilligung für deren frühere Verpflichtungen gegenüber ihm als einstigen Grundherrn.<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 33</ref> Aus dem Mittelalter überkommene Lehnsstrukturen enden damit auch in Stapelage. | Im März 1895 erteilt der Meier zu Stapelage, der 1870/71 noch mehrfach anwaltlichen Protest gegen die Versteigerung der Schapeler-Stätte ohne seine ausdrückliche Genehmigung zu Protokoll gegeben hatte, allen Eigentümern seiner ehemaligen Kötterstätten die grundbuchliche Löschungsbewilligung für deren frühere Verpflichtungen gegenüber ihm als einstigen Grundherrn.<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 33</ref> Aus dem Mittelalter überkommene Lehnsstrukturen enden damit auch in Stapelage. | ||
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Ende 1948 überträgt Krecke den Schapelerhof an seine Tochter Elisabeth, die die Bewirtschaftung mit ihrem Ehemann, dem Landwirt Volkwien Herbst, übernimmt. Ein Sohn, der Landwirt Gustav Krecke, war im August 1945 in russischer Kriegsgefangenschaft verstorben. Die alten Kreckes werden Leibzüchter auf dem Schapeler.<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 79/80</ref> | Ende 1948 überträgt Krecke den Schapelerhof an seine Tochter Elisabeth, die die Bewirtschaftung mit ihrem Ehemann, dem Landwirt Volkwien Herbst, übernimmt. Ein Sohn, der Landwirt Gustav Krecke, war im August 1945 in russischer Kriegsgefangenschaft verstorben. Die alten Kreckes werden Leibzüchter auf dem Schapeler.<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 79/80</ref> | ||
Im März 1957 kauft die | Im März 1957 kauft die Bundesrepublik Deutschland (vertreten durch die Oberfinanzdirektion Münster) 45 ha Senneland des zuvor 75 ha umfassenden Schapelerhofes von dem Ehepaar Herbst, "die als Panzerübungsgelände für die britischen Streitkräfte in Anspruch genommen worden sind." <ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 101 - 103</ref> | ||
Die restliche Stätte Schapeler in der Senne wird im Februar 1961 | Die restliche Stätte Schapeler in der Senne wird im Februar 1961 "mit aufstehenden Gebäuden und Aufwuchs" für 300.000 Mark "für Zwecke der Stationierungsstreitkräfte und Bundeswehr, und zwar für Übungsgelände" verkauft.<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 118 - 120 </ref> | ||
In der Folgezeit verlässt Familie Herbst, die sich ein Wohnrecht bis Ende 1963 ausbedungen hat, den Hof Schapeler. Die Hofgebäude werden bald durch Vandalismus und militärischen Übungsbetrieb beschädigt, verfallen schließlich zu Ruinen und sind 50 Jahre später vollends verschwunden. Der "Schapelerhof“ ist heute nur noch eine Ortsmarkierung auf Landkarten. | |||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
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[[Datei:Schapeler Traufseite.jpg|mini|Schapeler in der Senne: Traufseite des Haupthauses, 19xx, Sammlung Olaf Biere]] | [[Datei:Schapeler Traufseite.jpg|mini|Schapeler in der Senne: Traufseite des Haupthauses, 19xx, Sammlung Olaf Biere]] | ||
[[Datei:Schapeler Kötterhaus oder LZ.jpg|mini|Schapeler in der Senne: Leibzucht oder Kötterhaus ?, 19xx, Sammlung Olaf Biere]] | [[Datei:Schapeler Kötterhaus oder LZ.jpg|mini|Schapeler in der Senne: Leibzucht oder Kötterhaus ?, 19xx, Sammlung Olaf Biere]] | ||
Über die frühen, 1623 niedergebrannten Gebäude ist nichts bekannt. Zwischen 1660 und 1685 entstanden neue Gebäude, die aber offenbar so unzulänglich waren, dass bereits eine Generation später ein neues großes Haus her musste. Hierüber wurde 1710 derart (über das Bauholz und anderes) gestritten, dass Beschreibung und (vorgeblicher ?) Verwendungszweck des neuen Hauses gerichtlich protokolliert sind: <ref> LAV NRW OWL, L 84 Nr. II, FP Nr. 42 </ref> . | Über die frühen, 1623 niedergebrannten Gebäude ist nichts bekannt. Zwischen 1660 und 1685 entstanden neue Gebäude, die aber offenbar so unzulänglich waren, dass bereits eine Generation später ein neues großes Haus her musste. Hierüber wurde 1710 derart (über das Bauholz und anderes) gestritten, dass Beschreibung und (vorgeblicher ?) Verwendungszweck des neuen Hauses gerichtlich protokolliert sind: <ref> LAV NRW OWL, L 84 Nr. II, FP Nr. 42 </ref> ''"...daß errichtete Häußgen von 15 biß 16 Fuß in der Breite, in der Länge aber 40 fuß ohngefehr ..., die geringen 10 Speren'' (Sparren) ''sind dem Augenmaß nach von 10 fuß hoch, der Vordertheil desselben ist zur Ein- und Ausfahrt, quer durch das Hintertheil aber zur Wohnung apliciret und ... wozu das Haus ? ... einen Einlieger darin setzen und den Rest zur Stallung einiger Schaafe gebrauchen wolte." '' 1710 wurde also ein typisches Längsdielenhaus auf dem Hof Schapeler errichtet. | ||
Im Messbuch von 1730 erfasst Feldmesser Friemel a) ''Schapelers Hoff mit 4 gebäu'' und b) ''der Immenstandt''. In den Salbüchern 1752/53 und 1781 wird aufgeschlüsselt: 1. das Wohnhaus, 2. die Leibzucht, 3. ein Schoppe, 4. ein Backhaus. | Im Messbuch von 1730 erfasst Feldmesser Friemel a) ''Schapelers Hoff mit 4 gebäu'' und b) ''der Immenstandt''. In den Salbüchern 1752/53 und 1781 wird aufgeschlüsselt: 1. das Wohnhaus, 2. die Leibzucht, 3. ein Schoppe, 4. ein Backhaus. | ||
Eine Vorstellung vom Gebäudebestand des Hofes vermittelt die 1821 gezeichnete Skizze der Hofanlage Schapeler mit erläuternder Legende von Friedrich C. D. Brenken (vgl. Abbildung).<ref> LWL-Archivamt,Archiv Erpenburg, HS 143. Das historische Reisetagebuch des Friedrich C. D. von und zu Brenken (1790 - 1867) über eine ''"Reise durch Westphalen und benachbarte Gebiete"'' gibt den Eindruck des Autors von seinem Besuch auf dem Schapelerhof am 13. Mai 1821 wieder. </ref> Danach waren damals vorhanden: das Wohnhaus des Hofbesitzers von 1807(?), ein Fettdielenhaus mit Kammerfach, und zwei kleine Einliegerhäuser, ggf. auch als Leibzucht nutzbar, eines davon 1813 erbaut, dazu jeweils ein Schweinestall, außerdem ein Backhaus und eine Hütte für den Bienenwärter. | |||
Aus den Anfangsjahren der Ära Krecke sind kleinere Baumaßnahmen belegt: Umbau Schuppen zur Scheune (1911), Stallanbau an Wohnhaus (1914), Neubau Schweinestall (1916).<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83 </ref> Die Leibzucht des Hofes wurde 1957 abgebrochen.<ref> LAV NRW OWL, L 107 C Nr. 112, S. 118 </ref> | Aus den Anfangsjahren der Ära Krecke sind kleinere Baumaßnahmen belegt: Umbau Schuppen zur Scheune (1911), Stallanbau an Wohnhaus (1914), Neubau Schweinestall (1916).<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83 </ref> Die Leibzucht des Hofes wurde 1957 abgebrochen.<ref> LAV NRW OWL, L 107 C Nr. 112, S. 118 </ref> | ||