Kirchplatz Kirche (Heiden): Unterschied zwischen den Versionen
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|Koordinaten=51.979728, 8.847768 | |Koordinaten=51.979728, 8.847768 | ||
}}Kirchenbau des 12. | }}Kirchenbau des 12. bis 14. Jahrhunderts mit älterem Turm, gotischem Chor und gotischen Seitenschiffen über älterem, vorromanischen Saalbau mit halbrunder Apsis des 9. oder 10. Jahrhunderts. | ||
Nachdem er am 22. Oktober 1846 in Heiden eine Visitation abgehalten hatte, schrieb der lippische Generalsuperintendent Georg Althaus erkennbar beeindruckt, die Kirche sei "in ihrer Größe und Bauart nach eine der ansehnlichsten und schönsten im Lande".<ref Name="Meier">{{MeierLippischeKirchen2004}}, S. 11.</ref> | |||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
[[Datei: Kirche Heiden von Süden.jpg | thumb | | [[Datei: Kirche Heiden von Süden.jpg | thumb | Heiden, Ansicht von Süden. Foto Hans-M. Kaup 2017]] | ||
Die Kirche in Heiden wurde oberhalb des Oetternbaches auf einem Felssporn aus mergeligem Kalkgestein errichtet. Der Standort lag nahe einer Furt am Oetternbach. Die Kirche ist seit vielen Jahrhunderten von einer Natursteinmauer umgeben, die mutmaßlich ehemals höher war und eine Schutzfunktion für die Dorfbewohner hatte. An der Ost- und Südseite ist die Kirchplatzmauer noch gut erhalten bzw. sie wurde vor einigen Jahren teilweise erneuert. An der Nordseite sind auf der Kirchenmauer ab ca. 1600 kleine Wohnstätten entstanden, die als Kirchplatzbebauung mit der Kirche ein in Westfalen fast einmaliges Ensemble historischer Bausubstanz bilden. | Die Kirche in Heiden wurde oberhalb des Oetternbaches auf einem Felssporn aus mergeligem Kalkgestein errichtet. Der Standort lag nahe einer Furt am Oetternbach. Die Kirche ist seit vielen Jahrhunderten von einer Natursteinmauer umgeben, die mutmaßlich ehemals höher war und eine Schutzfunktion für die Dorfbewohner hatte. An der Ost- und Südseite ist die Kirchplatzmauer noch gut erhalten bzw. sie wurde vor einigen Jahren teilweise erneuert. An der Nordseite sind auf der Kirchenmauer ab ca. 1600 kleine Wohnstätten entstanden, die als Kirchplatzbebauung mit der Kirche ein in Westfalen fast einmaliges Ensemble historischer Bausubstanz bilden. | ||
[[Datei: Kirchplatz Heiden, Zeichnung von Reineke 1828.jpg | thumb | Kirchplatz Heiden, | [[Datei: Kirchplatz Heiden, Zeichnung von Reineke 1828.jpg | thumb | Kirchplatz Heiden, Karte von L. Reineke 1828, Ausschnitt. Archiv der Lippischen Landeskirche]] | ||
Schriftliche Quellen zur Gründung der Kirche liegen nicht vor. Eine erste schriftliche Erwähnung der Kirche in Heiden findet sich in einem Verzeichnis des Herforder Stiftes vom Berge aus dem Jahr 1151 unter der Ortsbezeichnung „Hethe“.<ref>{{HülsHeiden1974}} S.114</ref> Der lateinische Name Hethe (später auch Hethis oder Hethem), als „Haus in der Heide“ für den Standort der Kirche nimmt offenbar Bezug auf den ca. 400 m westlich der Kirche damals schon bestehenden Meierhof zu Heiden, der später als Hof Meier Nr. 3 in Heiden bezeichnet wurde. | Schriftliche Quellen zur Gründung der Kirche liegen nicht vor. Eine erste schriftliche Erwähnung der Kirche in Heiden findet sich in einem Verzeichnis des Herforder Stiftes vom Berge aus dem Jahr 1151 unter der Ortsbezeichnung „Hethe“.<ref>{{HülsHeiden1974}} S.114</ref> Der lateinische Name Hethe (später auch Hethis oder Hethem), als „Haus in der Heide“ für den Standort der Kirche nimmt offenbar Bezug auf den ca. 400 m westlich der Kirche damals schon bestehenden Meierhof zu Heiden, der später als Hof Meier Nr. 3 in Heiden bezeichnet wurde. | ||
Zur Gründung der Kirche in Heiden gibt es unterschiedliche Annahmen. Eine Hypothese bezieht sich auf den Paderborner Bischof Meinwerk, der in seiner Zeit als Bischof (1009-1036) die neu gegründeten Kirchen im Bistum unter dem Patronat Peter und Paul errichten ließ. Ausführliche Überlegungen dazu finden sich bei Hüls. <ref>Hüls 1974 S. 112 ff</ref> Recht neu ist die These von | Zur Gründung der Kirche in Heiden gibt es unterschiedliche Annahmen. Eine Hypothese bezieht sich auf den Paderborner Bischof Meinwerk, der in seiner Zeit als Bischof (1009-1036) die neu gegründeten Kirchen im Bistum unter dem Patronat Peter und Paul errichten ließ. Ausführliche Überlegungen dazu finden sich bei Hüls.<ref>Hüls 1974 S. 112 ff</ref> Recht neu ist die These von Birgit Meineke zu einer deutlich früheren Gründung eines Klosters in Heiden, die von ihr 2021 erstmalig veröffentlicht wurde. Meineke war in Münster für viele Jahre mit der Erforschung von Ortsnamen in Westfalen und Lippe befasst. Folgt man ihrer These, und Vieles spricht dafür, dann wären die erste Klosterbauten in Heiden bereits im Jahre 815 errichtet worden. | ||
Es ist bekannt, dass im Jahre 815 die Mönche aus Corbie in Nordfrankreich nach Sachsen zogen. Sie hatten sich dort in einem Ort namens Hethis niedergelassen, um ein neues Kloster zur Missionierung der Sachsen zu gründen. Die Lage dieses Ortes Hethis (ein Ort mit mehreren Quellen) ist bisher unbekannt, denn Ortsbezeichnungen mit Hethis gab es in Norddeutschland mehrfach. Die örtlichen Verhältnisse in Hethis haben sich in den Anfangsjahren der Klostergründung nach 815 wohl als nicht ausreichend geeignet dargestellt für den großen Zuzug von Menschen in das neue Kloster, so dass ein alternativer Standort gesucht und mit der Weseraue in Corvey bei Höxter gefunden wurde. Der Umzug nach Corvey fand im Jahre 822 statt, und zwar (so ist überliefert) mit einem Wegemarsch von zwei Tagen. Für | Es ist bekannt, dass im Jahre 815 die Mönche aus Corbie in Nordfrankreich nach Sachsen zogen. Sie hatten sich dort in einem Ort namens Hethis niedergelassen, um ein neues Kloster zur Missionierung der Sachsen zu gründen. Die Lage dieses Ortes Hethis (ein Ort mit mehreren Quellen) ist bisher unbekannt, denn Ortsbezeichnungen mit Hethis gab es in Norddeutschland mehrfach. Die örtlichen Verhältnisse in Hethis haben sich in den Anfangsjahren der Klostergründung nach 815 wohl als nicht ausreichend geeignet dargestellt für den großen Zuzug von Menschen in das neue Kloster, so dass ein alternativer Standort gesucht und mit der Weseraue in Corvey bei Höxter gefunden wurde. Der Umzug nach Corvey fand im Jahre 822 statt, und zwar (so ist überliefert) mit einem Wegemarsch von zwei Tagen. Für Meineke erscheint es plausibel, dass das Dorf Heiden bei Lage dieser bisher unbekannte Ort namens Hethis ist, an dem von den Mönchen aus Corbie für sieben Jahre ein Kloster in der Aufbauphase betrieben wurde, bevor diese nach Corvey bei Höxter umzogen.<ref>Birgit Meineke, Historisches Jahrbuch Lage, 2023.</ref> | ||
Der Pfarrbezirk umfasste außer Heiden noch Bentrup, Dehlentrup, Hardissen, Heßloh, Hedderhagen, Loßbruch, Nienhagen, Niewald, Oettern-Bremke, Pivitsheide V. H. und bis 1915 auch Klüt, Jerxen und Orbke. Eine ehemalige Filialkapelle befand sich in Bentrup. Früheste urkundliche Erwähnung 1315.<ref>Lippische Regesten, Nr. 618.</ref> Die Kirche war reich dotiert und hatte so hohe Einkünfte, dass außer dem Pfarrer auch ein Kaplan gehalten werden konnte. Einführung des lutherischen Gottesdienstes 1537, des reformierten 1608. | Der Pfarrbezirk umfasste außer Heiden noch Bentrup, Dehlentrup, Hardissen, Heßloh, Hedderhagen, Loßbruch, Nienhagen, Niewald, Oettern-Bremke, Pivitsheide V. H. und bis 1915 auch Klüt, Jerxen und Orbke. Eine ehemalige Filialkapelle befand sich in Bentrup. Früheste urkundliche Erwähnung 1315.<ref>Lippische Regesten, Nr. 618.</ref> Die Kirche war reich dotiert und hatte so hohe Einkünfte, dass außer dem Pfarrer auch ein Kaplan gehalten werden konnte. Einführung des lutherischen Gottesdienstes 1537, des reformierten Bekenntnisses 1608. | ||
[[Datei: Lage - 07 - Kirche Heiden.jpg|thumb| | [[Datei: Lage - 07 - Kirche Heiden.jpg|thumb|Heiden, Kirchturm von Westen, 2012. Foto: Tsungam]] | ||
Im Jahre 1970 wurden in der Heidener Kirche im Zuge von Bauarbeiten archäologischen Grabungen durchgeführt. Dabei fanden | Im Jahre 1970 wurden in der Heidener Kirche im Zuge von Bauarbeiten archäologischen Grabungen durchgeführt. Dabei fanden Uwe Lobbedey und Friedrich Hohenschwert im Chorraum der Kirche Fundamentreste eines vorromanischen Apsidensaales, den sie in die Zeit zwischen 950 und 1025 einordnen. Dieser erste Bau hatte eine Länge von 26,80 m und eine Breite von 7,80 m und ähnelte anderen frühen Kirchengrundrissen in Lippe (Schlangen, Heiligenkirchen), jedoch der Kirchenraum in Heiden war auffällig länger. Den nachfolgenden romanischen Gewölbebau datierte Lobbedey in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts. | ||
Umbau zur gotischen Hallenkirche | |||
Umbau zur gotischen Hallenkirche von der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts bis in die Zeit um 1500, begonnen mit dem Anbau des gotischen Chors (um 1380) und des Nordseitenschiffes, dann Neuwölbung des Mittelschiffes und der Anbau von Südseitenschiff und Nebenchor sowie Erhöhung des Turmes um ein Geschoss (jetziges Glockengeschoss).<ref>Stadtarchiv Lemgo, 14 L 9983: Bau- und Kunstdenkmäler des Landkreises Detmold, unveröff. Typoskript, 2. Fassung [https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/title-info/10093449 Digitalisat].</ref> | |||
Vor dem ältesten Kirchenbau gab es nach Lobbedey bereits eine profane Besiedlung des Platzes, vermutlich einen größeren Hof.<ref>{{LobbedeyHeiden1971}}.</ref> | Vor dem ältesten Kirchenbau gab es nach Lobbedey bereits eine profane Besiedlung des Platzes, vermutlich einen größeren Hof.<ref>{{LobbedeyHeiden1971}}.</ref> | ||
Als möglicher Gründer der Kirche | Als möglicher Gründer der Kirche wird der Paderborner Bischof Meinwerk (Amtszeit 1009–1039) vermutet, der 1016 das ebenfalls den Schutzheiligen Petrus und Paulus geweihte Abdinghof-Kloster in Paderborn gründete. | ||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
[[Datei: Kirchplatz Heiden 01..jpg | thumb | Kirchplatz Heiden | [[Datei: Kirchplatz Heiden 01..jpg | thumb | Kirchplatz mit Kirche in Heiden. Foto Mika Weiser, 2025]] | ||
[[Datei:LA-Heiden_GrundrissKirche.jpg|thumb|Heiden, Grundriss der Kirche mit Grabungsbefunden | [[Datei:LA-Heiden_GrundrissKirche.jpg|thumb|Heiden, Grundriss der Kirche mit Grabungsbefunden. Aus: Lobbedey 1971]] | ||
[[Datei:LA-Heiden_KircheRekonstr.jpg|thumb|Heiden, Grundriss der Kirche mit Grabungsbefunden | [[Datei:LA-Heiden_KircheRekonstr.jpg|thumb|Heiden, Grundriss der Kirche mit Grabungsbefunden. Aus: Lobbedey 1971]] | ||
[[Datei:Heiden-Kirche_Chorsanierung.JPG|thumb|Heiden, Kirche, Sanierung der Setzungsschäden am Chor, 2021 | [[Datei:Heiden-Kirche_Chorsanierung.JPG|thumb|Heiden, Kirche, Sanierung der Setzungsschäden am Chor, 2021. Foto: Joachim Kleinmanns]] | ||
===Äußeres=== | ===Äußeres=== | ||
Dreischiffige Hallenkirche mit polygonalem | Dreischiffige Hallenkirche mit älterem Westturm und polygonalem Chor mit 5/8-Schluss. Quersatteldächer mit Sollingplattendeckung über den Seitenschiffen, gedrehter Turmhelm mit Schieferdeckung. Verputzter Mauerwerksbau aus Bruchstein mit Werksteingliederungen aus hellem Sandstein ohne Steinmetzzeichen. Gewölbe aus Bruchstein. | ||
Nachfolgende Beschreibung nach Manuskript von Otto Gaul, um 1960:<ref>Stadtarchiv Lemgo, 14 L 9983: Bau- und Kunstdenkmäler des Landkreises Detmold, unveröff. Typoskript, 2. Fassung [https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/title-info/10093449 Digitalisat].</ref> | |||
* Gesamtlänge der Kirche 39,50 m. | |||
* Chor. Umlaufende Sockelbank, die nur an der Stirnseite der Strebe pfeiler unterbrochen ist. Steinernes Dachgesims aus Platte und Kehle. Regelmäßige Gliederung durch Strebepfeiler mit einem Wasser- schlag und oberer, mit Höxterplatten abgedeckter Schräge. In jedem Joch ein spitzbogiges, 2-teiliges Maßwerkfenster mit schrägem Gewände, abgeschrägten Pfosten und spitzbogigem Vierpass. | * Chor. Umlaufende Sockelbank, die nur an der Stirnseite der Strebe pfeiler unterbrochen ist. Steinernes Dachgesims aus Platte und Kehle. Regelmäßige Gliederung durch Strebepfeiler mit einem Wasser- schlag und oberer, mit Höxterplatten abgedeckter Schräge. In jedem Joch ein spitzbogiges, 2-teiliges Maßwerkfenster mit schrägem Gewände, abgeschrägten Pfosten und spitzbogigem Vierpass. | ||
* Langhaus. Die Sockelbank des Chors setzt sich am Nordschiff bis zur Tür im Ostjoch fort. Ein Dachgesims nur an der Westseite des Südschiffs. Gliederung durch Strebepfeiler (außer an der Südost- Ecke) von entsprechender Form wie am Chor. - Die Fenster sämtlich spitzbogig. Nordschiff: An der Nordseite in jedem Joch ein 3-teiliges Maßwerkfenster mit schrägem Gewände, abgeschrägten Pfosten und im Maßwerk 2 Vierpässen und kleinem Dreipass. An der West- und Ostseite je ein 2-teiliges Maßwerkfenster, bündig mit der Außenwand. - Südschiff: An der Südseite des Ost- und Mitteljoches je ein 2- teiliges Maßwerkfenster, das aus der Mitte der Mauer erheblich nach außen gerückt ist; das Gewände gekehlt, die Pfosten abgeschrägt, als Maßwerk ein spitzbogiger Dreipass. An der Südseite des Westjoches ein 3-teiliges, an der Westseite ein 2-teiliges Maßwerkfenster mit schrägem Gewände, gekehlten Pfosten und Fischblasen- Maßwerk. Das Ostfenster nur noch von innen zu erkennen. - Die jetzigen einfachen Türen aus dem 19.Jh. An der Nordseite des Ostjoches ist das Gewände einer ehem. segmentbogigen Tür z. T. sichtbar. Über den 3 Jochen Quersatteldächer mit steinernen Dreieckgiebeln. Zwischen den Giebeln an der Nordseite 2 Wasserspeier in Röhrenform mit Tierköpfen. An der Südseite 2 spätere einfache Röhren- Wasserspeier, unter dem einen noch ein älterer Tierkopf. - An der Nordost-Ecke unter dem Giebelansatz ein menschlicher Kopf, entsprechend an der Nordwest-Ecke ein Tierkopf. | * Langhaus. Die Sockelbank des Chors setzt sich am Nordschiff bis zur Tür im Ostjoch fort. Ein Dachgesims nur an der Westseite des Südschiffs. Gliederung durch Strebepfeiler (außer an der Südost- Ecke) von entsprechender Form wie am Chor. - Die Fenster sämtlich spitzbogig. Nordschiff: An der Nordseite in jedem Joch ein 3-teiliges Maßwerkfenster mit schrägem Gewände, abgeschrägten Pfosten und im Maßwerk 2 Vierpässen und kleinem Dreipass. An der West- und Ostseite je ein 2-teiliges Maßwerkfenster, bündig mit der Außenwand. - Südschiff: An der Südseite des Ost- und Mitteljoches je ein 2- teiliges Maßwerkfenster, das aus der Mitte der Mauer erheblich nach außen gerückt ist; das Gewände gekehlt, die Pfosten abgeschrägt, als Maßwerk ein spitzbogiger Dreipass. An der Südseite des Westjoches ein 3-teiliges, an der Westseite ein 2-teiliges Maßwerkfenster mit schrägem Gewände, gekehlten Pfosten und Fischblasen-Maßwerk. Das Ostfenster nur noch von innen zu erkennen. - Die jetzigen einfachen Türen aus dem 19.Jh. An der Nordseite des Ostjoches ist das Gewände einer ehem. segmentbogigen Tür z. T. sichtbar. Über den 3 Jochen Quersatteldächer mit steinernen Dreieckgiebeln. Zwischen den Giebeln an der Nordseite 2 Wasserspeier in Röhrenform mit Tierköpfen. An der Südseite 2 spätere einfache Röhren- Wasserspeier, unter dem einen noch ein älterer Tierkopf. - An der Nordost-Ecke unter dem Giebelansatz ein menschlicher Kopf, entsprechend an der Nordwest-Ecke ein Tierkopf. | ||
* Dach. Die drei Quersatteldächer mit doppelt stehendem Stuhl, verbunden durch ein modernes Längssatteldach in Fortsetzung des Chordaches. Dachdeckung mit Höxterplatten. | * Dach. Die drei Quersatteldächer mit doppelt stehendem Stuhl, verbunden durch ein modernes Längssatteldach in Fortsetzung des Chordaches. Dachdeckung mit Höxterplatten. | ||
* Der romanische Turm an der Westseite ist der älteste noch bestehende Teil der Heidener Kirche und wurde zwischen 1100 und 1150 aus Natursteinmauerwerk erstellt. Die äußeren Abmessungen betragen 8 x 8 m und die Höhe des gemauerten Turmes beträgt 23 m. Viergeschossig, ohne Geschossgliederung. An den westlichen Ecken grobe, später angebaute Strebepfeiler. An der Westseite eine einfache Tür, Inschrift "1700" (vorher ohne Eingang). Im 1. Obergeschoss im Norden ein später eingebrochenes Fenster. Im 2. Obergeschoss (urspr. Glockengeschoss) an der Nord-, West- und Süd-Seite je zwei kleinere rundbogige Öffnungen mit geradem Gewände (die westlichen vermauert). Im 3. 0bergeschoss (jetzige Glockenstube) an der Nord-, West- und Süd-Seite je eine, an der Ostseite zwei spitzbogige Öffnungen, zweiteilig mit Vierpass-Maßwerk; die westliche später zugesetzt, in der südlichen das Maßwerk z. T. zerstört. An der Westseite des Turms ein hölzernes Uhrzifferblatt des 18. Jh. Besonderes Merkmal der Kirche in Heiden ist der hohe, um 90° gedrehte achtseitige Kirchturmhelm. | * Der romanische Turm an der Westseite ist der älteste noch bestehende Teil der Heidener Kirche und wurde zwischen 1100 und 1150 aus Natursteinmauerwerk erstellt. Die äußeren Abmessungen betragen 8 x 8 m und die Höhe des gemauerten Turmes beträgt 23 m. Viergeschossig, ohne Geschossgliederung. An den westlichen Ecken grobe, später angebaute Strebepfeiler. An der Westseite eine einfache Tür, Inschrift "1700" (vorher ohne Eingang). Im 1. Obergeschoss im Norden ein später eingebrochenes Fenster. Im 2. Obergeschoss (urspr. Glockengeschoss) an der Nord-, West- und Süd-Seite je zwei kleinere rundbogige Öffnungen mit geradem Gewände (die westlichen vermauert). Im 3. 0bergeschoss (jetzige Glockenstube) an der Nord-, West- und Süd-Seite je eine, an der Ostseite zwei spitzbogige Öffnungen, zweiteilig mit Vierpass-Maßwerk; die westliche später zugesetzt, in der südlichen das Maßwerk z. T. zerstört. An der Westseite des Turms ein hölzernes Uhrzifferblatt des 18. Jh. Besonderes Merkmal der Kirche in Heiden ist der hohe, um 90° gedrehte achtseitige Kirchturmhelm. | ||
* Der Kirchturm wurde 1594 erbaut, 1633 durch ein "Donnergewitter" zerstört, 1663 teilweise erneuert. 1843 wurde der Turm ein weiteres Mal durch einen Blitzschlag in Brand gesetzt.<ref name="Butterweck">{{ButterweckGeschichte1926}}, Seite 409 ff</ref> Eine Vermessung der Höhe des Kirchturmes ergab 2024, dass die Höhe des Kirchturmes von der Schwelle am Turmeingang bis OK der Kugel eine Höhe von 50,62 m beträgt. | |||
Eine Vermessung der Höhe des Kirchturmes ergab 2024, dass die Höhe des Kirchturmes von der Schwelle am Turmeingang bis OK der Kugel eine Höhe von 50,62 m beträgt. | |||
* Nebenchor und Sakristei: An der Ostseite des Nebenchors ein rundbogiges, zweiteiliges Maßwerkfenster von derselben Forn wie die beiden am Südschiff. Die Tür 1909 angelegt. Die Jahreszahl 1888 über der Sakristei-Tür bezeichnet eine Restauration. Über beiden Anbauten ein Pultdach. | * Nebenchor und Sakristei: An der Ostseite des Nebenchors ein rundbogiges, zweiteiliges Maßwerkfenster von derselben Forn wie die beiden am Südschiff. Die Tür 1909 angelegt. Die Jahreszahl 1888 über der Sakristei-Tür bezeichnet eine Restauration. Über beiden Anbauten ein Pultdach. | ||
===Inneres=== | ===Inneres=== | ||
Gewölbte Hallenkirche mit 3-schiffigem, 3-jochigem Langhaus, 5/8-Chorschluss und Westturm.<ref>Nachfolgende Beschreibung nach Gaul: Stadtarchiv Lemgo, 14 L 9983: Bau- und Kunstdenkmäler des Landkreises Detmold, unveröff. Typoskript, 2. Fassung [https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/title-info/10093449 Digitalisat].</ref> Das Langhaus innen 19 m lang, 21,40 m breit, Höhe 8–8,40 m. Mittelschiff und Chor 7,70 m breit, Seitenschiffe 6 m. Länge des Chors 8 m, Höhe 9,70 m. Nebenchor 2,30 m tief und 2,65 m breit. Die Mittelschiffjoche leicht querrechteckig, die Seitenschiffjoche quadratisch. Chor stark gestreckt. Südliches Seitenschiff mit später angebautem rechteckigem Nebenchor, durch Zwischenwand abgetrennt. Zwischen Haupt- und Nebenchor nachträglich angebaute Sakristei. | Gewölbte Hallenkirche mit 3-schiffigem, 3-jochigem Langhaus, 5/8-Chorschluss und Westturm.<ref>Nachfolgende Beschreibung nach Gaul: Stadtarchiv Lemgo, 14 L 9983: Bau- und Kunstdenkmäler des Landkreises Detmold, unveröff. Typoskript, 2. Fassung [https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/title-info/10093449 Digitalisat].</ref> Das Langhaus innen 19 m lang, 21,40 m breit, Höhe 8–8,40 m. Mittelschiff und Chor 7,70 m breit, Seitenschiffe 6 m. Länge des Chors 8 m, Höhe 9,70 m. Nebenchor 2,30 m tief und 2,65 m breit. Die Mittelschiffjoche leicht querrechteckig, die Seitenschiffjoche quadratisch. Chor stark gestreckt. Südliches Seitenschiff mit später angebautem rechteckigem Nebenchor, durch Zwischenwand abgetrennt. Zwischen Haupt- und Nebenchor nachträglich angebaute Sakristei. | ||
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==Literatur== | ==Literatur== | ||
* Saskia Schöfer, Lage (Krs. Lippe). Evangelisch-Reformierte Kirche [Heiden], in: Westfalen, 94. Jg. (2016), S. 432–435, Münster 2016. | * Saskia Schöfer, Lage (Krs. Lippe). Evangelisch-Reformierte Kirche [Heiden], in: Westfalen, 94. Jg. (2016), S. 432–435, Münster 2016. | ||
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