Kolonat 30 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen
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Der neue Besitzer der Schapelerstätte verliert noch im selben Jahr seine Frau, heiratet 1872 erneut – Justine Amalie (genannt Auguste) Ostmann aus dem Hörster Krug, eine Nichte seiner verstorbenen ersten Ehefrau. Mitte 1887 verstirbt Wilhelm Sölter selbst an der auf dem Schapeler häufiger auftretenden Schwindsucht. Vor der nächsten Ehe der Witwe wird im April 1888 einen ''Schichtung'' (Erbteilsfestlegung für die Kinder erster Ehe) protokolliert, für die der Wert der Stätte bestimmt werden muss. Dabei wird die damalige Situation auf dem Schapeler trefflich beschrieben: <ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 47 </ref> | Der neue Besitzer der Schapelerstätte verliert noch im selben Jahr seine Frau, heiratet 1872 erneut – Justine Amalie (genannt Auguste) Ostmann aus dem Hörster Krug, eine Nichte seiner verstorbenen ersten Ehefrau. Mitte 1887 verstirbt Wilhelm Sölter selbst an der auf dem Schapeler häufiger auftretenden Schwindsucht. Vor der nächsten Ehe der Witwe wird im April 1888 einen ''Schichtung'' (Erbteilsfestlegung für die Kinder erster Ehe) protokolliert, für die der Wert der Stätte bestimmt werden muss. Dabei wird die damalige Situation auf dem Schapeler trefflich beschrieben: <ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 47 </ref> | ||
''Aus den im heutigen Protokoll angegebenen Gründen, namentlich deshalb, weil ein mitten in der Senne, | ''"Aus den im heutigen Protokoll angegebenen Gründen, namentlich deshalb, weil ein mitten in der Senne, von anderen Orten weit entfernt liegendes Colonat, zu dem nur Sandländereien gehören, schwer zu bewirthschaften ist, überhaupt nur einen geringen Ertrag an Früchten liefert und die Ernte hier ganz besonders von Witterungsverhältnissen abhängig ist, die Häuser noch theilweise mit Strohdächern versehen und deshalb die höchste Abgabe davon bezahlt werden muß, während für die vermietheten Räume hier mitten in der Senne nur ein geringes Mietgeld erzielt werden kann und wie dem Gerichte bekannt, der verstorbene Ehemann der Witwe Sölter, ein fleißiger, solider, sparsamer Mann nur mit Mühe auf dem Colonate hat existieren können."'' Der Hof wird mit allem Inventar und Vieh auf knapp 30 000 Mark geschätzt, nach Abzug von etwa 10000 Mark Schulden die Hälfte der verbleibenden Differenz den sechs hinterbliebenen Kindern erster Ehe als späteres Erbe zugesprochen und als Hypothek auf den Hof eingetragen. Nach dieser Schichtung heiratet Gustav Gronemeier von Uebbentrup Nr. 4 die Witwe auf dem Schapeler und wird neuer Colon. | ||
Im März 1895 erteilt der Meier zu Stapelage, der 1870/71 noch mehrfach anwaltlichen Protest gegen die Versteigerung der Schapeler-Stätte ohne seine ausdrückliche Genehmigung zu Protokoll gegeben hatte, allen Eigentümern seiner ehemaligen Kötterstätten die grundbuchliche Löschungsbewilligung für deren frühere Verpflichtungen gegenüber ihm als einstigen Grundherrn.<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 33</ref> Aus dem Mittelalter überkommene Lehnsstrukturen enden damit auch in Stapelage. | Im März 1895 erteilt der Meier zu Stapelage, der 1870/71 noch mehrfach anwaltlichen Protest gegen die Versteigerung der Schapeler-Stätte ohne seine ausdrückliche Genehmigung zu Protokoll gegeben hatte, allen Eigentümern seiner ehemaligen Kötterstätten die grundbuchliche Löschungsbewilligung für deren frühere Verpflichtungen gegenüber ihm als einstigen Grundherrn.<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 33</ref> Aus dem Mittelalter überkommene Lehnsstrukturen enden damit auch in Stapelage. | ||
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Ende 1948 überträgt Krecke den Schapelerhof an seine Tochter Elisabeth, die die Bewirtschaftung mit ihrem Ehemann, dem Landwirt Volkwien Herbst, übernimmt. Ein Sohn, der Landwirt Gustav Krecke, war im August 1945 in russischer Kriegsgefangenschaft verstorben. Die alten Kreckes werden Leibzüchter auf dem Schapeler.<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 79/80</ref> | Ende 1948 überträgt Krecke den Schapelerhof an seine Tochter Elisabeth, die die Bewirtschaftung mit ihrem Ehemann, dem Landwirt Volkwien Herbst, übernimmt. Ein Sohn, der Landwirt Gustav Krecke, war im August 1945 in russischer Kriegsgefangenschaft verstorben. Die alten Kreckes werden Leibzüchter auf dem Schapeler.<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 79/80</ref> | ||
Im März 1957 kauft die | Im März 1957 kauft die Bundesrepublik Deutschland (vertreten durch die Oberfinanzdirektion Münster) 45 ha Senneland des zuvor 75 ha umfassenden Schapelerhofes von dem Ehepaar Herbst, "die als Panzerübungsgelände für die britischen Streitkräfte in Anspruch genommen worden sind." <ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 101 - 103</ref> | ||
Die restliche Stätte Schapeler in der Senne wird im Februar 1961 | Die restliche Stätte Schapeler in der Senne wird im Februar 1961 "mit aufstehenden Gebäuden und Aufwuchs" für 300.000 Mark "für Zwecke der Stationierungsstreitkräfte und Bundeswehr, und zwar für Übungsgelände" verkauft.<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83, S. 118 - 120 </ref> | ||
In der Folgezeit verlässt Familie Herbst, die sich ein Wohnrecht bis Ende 1963 ausbedungen hat, den Schapeler. Die Hofgebäude werden bald durch Vandalismus und militärischen Übungsbetrieb beschädigt, verfallen schließlich zu Ruinen und sind 50 Jahre später vollends verschwunden. | In der Folgezeit verlässt Familie Herbst, die sich ein Wohnrecht bis Ende 1963 ausbedungen hat, den Hof Schapeler. Die Hofgebäude werden bald durch Vandalismus und militärischen Übungsbetrieb beschädigt, verfallen schließlich zu Ruinen und sind 50 Jahre später vollends verschwunden. Der "Schapelerhof“ ist heute nur noch eine Ortsmarkierung auf Landkarten. | ||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
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[[Datei:Schapeler Traufseite.jpg|mini|Schapeler in der Senne: Traufseite des Haupthauses, 19xx, Sammlung Olaf Biere]] | [[Datei:Schapeler Traufseite.jpg|mini|Schapeler in der Senne: Traufseite des Haupthauses, 19xx, Sammlung Olaf Biere]] | ||
[[Datei:Schapeler Kötterhaus oder LZ.jpg|mini|Schapeler in der Senne: Leibzucht oder Kötterhaus ?, 19xx, Sammlung Olaf Biere]] | [[Datei:Schapeler Kötterhaus oder LZ.jpg|mini|Schapeler in der Senne: Leibzucht oder Kötterhaus ?, 19xx, Sammlung Olaf Biere]] | ||
Über die frühen, 1623 niedergebrannten Gebäude ist nichts bekannt. Zwischen 1660 und 1685 entstanden neue Gebäude, die aber offenbar so unzulänglich waren, dass bereits eine Generation später ein neues großes Haus her musste. Hierüber wurde 1710 derart (über das Bauholz und anderes) gestritten, dass Beschreibung und (vorgeblicher ?) Verwendungszweck des neuen Hauses gerichtlich protokolliert sind: <ref> LAV NRW OWL, L 84 Nr. II, FP Nr. 42 </ref> . | Über die frühen, 1623 niedergebrannten Gebäude ist nichts bekannt. Zwischen 1660 und 1685 entstanden neue Gebäude, die aber offenbar so unzulänglich waren, dass bereits eine Generation später ein neues großes Haus her musste. Hierüber wurde 1710 derart (über das Bauholz und anderes) gestritten, dass Beschreibung und (vorgeblicher ?) Verwendungszweck des neuen Hauses gerichtlich protokolliert sind: <ref> LAV NRW OWL, L 84 Nr. II, FP Nr. 42 </ref> ''"...daß errichtete Häußgen von 15 biß 16 Fuß in der Breite, in der Länge aber 40 fuß ohngefehr ..., die geringen 10 Speren'' (Sparren) ''sind dem Augenmaß nach von 10 fuß hoch, der Vordertheil desselben ist zur Ein- und Ausfahrt, quer durch das Hintertheil aber zur Wohnung apliciret und ... wozu das Haus ? ... einen Einlieger darin setzen und den Rest zur Stallung einiger Schaafe gebrauchen wolte." '' 1710 wurde also ein typisches Längsdielenhaus auf dem Hof Schapeler errichtet. | ||
Im Messbuch von 1730 erfasst Feldmesser Friemel a) ''Schapelers Hoff mit 4 gebäu'' und b) ''der Immenstandt''. In den Salbüchern 1752/53 und 1781 wird aufgeschlüsselt: 1. das Wohnhaus, 2. die Leibzucht, 3. ein Schoppe, 4. ein Backhaus. | Im Messbuch von 1730 erfasst Feldmesser Friemel a) ''Schapelers Hoff mit 4 gebäu'' und b) ''der Immenstandt''. In den Salbüchern 1752/53 und 1781 wird aufgeschlüsselt: 1. das Wohnhaus, 2. die Leibzucht, 3. ein Schoppe, 4. ein Backhaus. | ||
Eine Vorstellung vom Gebäudebestand des Hofes vermittelt die 1821 gezeichnete Skizze der Hofanlage Schapeler mit erläuternder Legende von Friedrich C. D. Brenken (vgl. Abbildung).<ref> LWL-Archivamt,Archiv Erpenburg, HS 143. Das historische Reisetagebuch des Friedrich C. D. von und zu Brenken (1790 - 1867) über eine ''"Reise durch Westphalen und benachbarte Gebiete"'' gibt den Eindruck des Autors von seinem Besuch auf dem Schapelerhof am 13. Mai 1821 wieder. </ref> Danach waren damals vorhanden: das Wohnhaus des Hofbesitzers von 1807(?), ein Fettdielenhaus mit Kammerfach, und zwei kleine Einliegerhäuser, ggf. auch als Leibzucht nutzbar, eines davon 1813 erbaut, dazu jeweils ein Schweinestall, außerdem ein Backhaus und eine Hütte für den Bienenwärter. | |||
Aus den Anfangsjahren der Ära Krecke sind kleinere Baumaßnahmen belegt: Umbau Schuppen zur Scheune (1911), Stallanbau an Wohnhaus (1914), Neubau Schweinestall (1916).<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83 </ref> Die Leibzucht des Hofes wurde 1957 abgebrochen.<ref> LAV NRW OWL, L 107 C Nr. 112, S. 118 </ref> | Aus den Anfangsjahren der Ära Krecke sind kleinere Baumaßnahmen belegt: Umbau Schuppen zur Scheune (1911), Stallanbau an Wohnhaus (1914), Neubau Schweinestall (1916).<ref> LAV NRW OWL, D 23 B (Detmold), Hörste Bd. 3 Bl. 23 bzw. 83 </ref> Die Leibzucht des Hofes wurde 1957 abgebrochen.<ref> LAV NRW OWL, L 107 C Nr. 112, S. 118 </ref> | ||