Hörster Bruch 1 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen

Markierungen: Mobile Bearbeitung Mobile Web-Bearbeitung
 
(8 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 10: Zeile 10:
[[Datei:Cafe Hanning jpg.jpg|mini|Café Hanning (ca. 1930 - 2020) in Hörstes Ortskern (Hörste Nr. 39), wohl Ansichtskarte; aus 825 Jahre Hörste - Historische Fotosammlung]]
[[Datei:Cafe Hanning jpg.jpg|mini|Café Hanning (ca. 1930 - 2020) in Hörstes Ortskern (Hörste Nr. 39), wohl Ansichtskarte; aus 825 Jahre Hörste - Historische Fotosammlung]]
==Geschichte==
==Geschichte==
''Acta über die vom Col: Weeken zu Hörste, Brscht. Währentrup erbetene Concession zum Anbau einer Stätte auf seinen Gründen''   - so lautet der Titel eine Akte des Amtes 0erlinghausen.<ref>LAV NRW OWL, L 108 Oerlingh. Nr. 1599</ref> Danach wird Colon Weeke im Mai 1772 auf dem Amt vorstellig und trägt dem Amtmann vor:
''Acta über die vom Col: Weeken zu Hörste, Brscht. Währentrup erbetene Concession zum Anbau einer Stätte auf seinen Gründen'' - so lautet der Titel eine Akte des Amtes 0erlinghausen.<ref>LAV NRW OWL, L 108 Oerlingh. Nr. 1599</ref> Danach wird Colon Weeke im Mai 1772 auf dem Amt vorstellig und trägt dem Amtmann vor:
    
    
. . . ''gestalten mein leibfreier Hof vor einigen Jahren zwar elociret'' (zwangsverwaltet)'', jedoch auf Nachsuchen meiner Creditoren mir vor Kurtzen wieder übertragen worden.''
''...gestalten mein leibfreier Hof vor einigen Jahren zwar elociret'' (zwangsverwaltet)'', jedoch auf Nachsuchen meiner Creditoren mir vor Kurtzen wieder übertragen worden.''
   
   
''Unter meinen Creditoren nun ist der Inquilinus'' (Einlieger) ''Johann Henrich Strate, dermahlen bei Brinkmann zu Hittentrup wohnhaft, welcher ein Darlehn von 40 rthlr an mir zu fordern, und da er seine bisherige Wohnung verlaßen muß; so wäre er wohl willens auf das Meinige eine kleine Kottstette anzulegen, und dafür nicht nur seine bemelte Forderung der 40 thlr: zu quittieren, . . . , übrigens aber auch die Herrschaftl: praestanda in etwas zu verbessern, jedoch mit Extradiensten verschonet zu bleiben, anverlanget.''
''Unter meinen Creditoren nun ist der Inquilinus'' (Einlieger) ''Johann Henrich Strate, dermahlen bei Brinkmann zu Hittentrup wohnhaft, welcher ein Darlehn von 40 rthlr an mir zu fordern, und da er seine bisherige Wohnung verlaßen muß; so wäre er wohl willens auf das Meinige eine kleine Kottstette anzulegen, und dafür nicht nur seine bemelte Forderung der 40 thlr: zu quittieren, (...), übrigens aber auch die Herrschaftl: praestanda in etwas zu verbessern, jedoch mit Extradiensten verschonet zu bleiben, anverlanget.''


''Wann nun ich als Eigenthümer, einen im Dorfe Hörste belegenen Garten habe, welchen ich von meinem Colonate zugleich entbehren kann, auch keinem eintzigen Colono daselbst der geringste Schade dadurch zuwächset, wenn das neü anzulegende Colonat darauf gebauet und errichtet wird, so gelanget  . . . meine unterthänige Bitte . . . damit der neü angehende Colonus noch in diesem Sommer ein Wohnhaus darauf errichten könne.''
''Wann nun ich als Eigenthümer, einen im Dorfe Hörste belegenen Garten habe, welchen ich von meinem Colonate zugleich entbehren kann, auch keinem eintzigen Colono daselbst der geringste Schade dadurch zuwächset, wenn das neü anzulegende Colonat darauf gebauet und errichtet wird, so gelanget  (...) meine unterthänige Bitte (...) damit der neü angehende Colonus noch in diesem Sommer ein Wohnhaus darauf errichten könne.''


Nach Genehmigung und Bau des Hauses wird im Folgejahr ein ergänzender Eintrag zu der neuen Stätte mit der Nr. 25 im Salbuch des Amtes Oerlinghausen von 1771, Bauerschaft Währentrup, vorgenommen: <ref>LAV NRW OWL, L 101 C I, Nr. 154</ref>
Nach Genehmigung und Bau des Hauses wird im Folgejahr ein ergänzender Eintrag zu der neuen Stätte mit der Nr. 25 im Salbuch des Amtes Oerlinghausen von 1771, Bauerschaft Währentrup, vorgenommen: <ref>LAV NRW OWL, L 101 C I, Nr. 154</ref>
[[Datei:Blick vom Feuerwehrturm auf Hörste 1 Kopie.jpg|mini|Blick vom Feuerwehrturm auf Hörstes Ortskern: links Schule; in Bildmitte Rückfront von Café Hanning mit zugehörigem Fachwerkhaus rechts davor, genutzt als "Weinstube", Bildrand rechts: Hof Brink, Nr. 8; Ansichtskarte ?; aus 825 Jahre Hörste - Historische Fotosammlung]]   
[[Datei:Blick vom Feuerwehrturm auf Hörste 1 Kopie.jpg|mini|Blick vom Feuerwehrturm auf Hörstes Ortskern: links Schule; in Bildmitte Rückfront von Café Hanning mit zugehörigem Fachwerkhaus rechts davor, genutzt als "Weinstube", Bildrand rechts: Hof Brink, Nr. 8. Ansichtskarte, aus: 825 Jahre Hörste - Historische Fotosammlung]]   
[[Datei:HörsterBruch1_290620_1.jpg|thumb|Café Hanning wenige Tage vor dem Abbruch, aufgenommen am 29.6.2020. Auf der Freifläche am linken Bildrand befand sich zuvor das kleine, früher als Weinstube genutzte Fachwerkhaus, Foto: Hella Sander, 2020]]
[[Datei:HörsterBruch1_290620_1.jpg|thumb|Café Hanning wenige Tage vor dem Abbruch, aufgenommen am 29.6.2020. Auf der Freifläche am linken Bildrand befand sich zuvor das kleine, früher als Weinstube genutzte Fachwerkhaus. Foto: Hella Sander, 2020]]
''Nro 25.   Johann Henrich Strate in Hörste hat in anno 1773 nach vorhergegangener Regierungs-Approbation vom 16ten Jul. 1772 neu angebauet, auf des Coloni Weeken in Hörste respve verkauften und angekaufften Garten, der alte Garte genannt.''
''Nro 25. Johann Henrich Strate in Hörste hat in anno 1773 nach vorhergegangener Regierungs-Approbation vom 16ten Jul. 1772 neu angebauet, auf des Coloni Weeken in Hörste respve verkauften und angekaufften Garten, der alte Garte genannt.''


''dieser hält 1 Schfl. 3 ¾ Metzen''
''dieser hält 1 Schfl. 3 ¾ Metzen''


''ist taxiert zu 35 gl.   1 ½ d.''
''ist taxieret zu 35 gl. 1 ½ d.''
''
''das Hauß pro Taxato   4 thl.  18 gl.''


''2 Kuhe in der Gemeinheit a 24 gl   1 ½ thl.''
''das Hauß pro Taxato 4 thl. 18 gl.''
 
''2 Kuhe in der Gemeinheit a 24 gl   1 ½ thl.''
   
   
      ''6 thl. 29 gl. 1 ½ d.''
''6 thl. 29 gl. 1 ½ d.''
   
   
''Ist gnädigster Landesherrschaft leibeigen''
''Ist gnädigster Landesherrschaft leibeigen''
Zeile 49: Zeile 49:
Auf diesem neu der Stätte Nr. 39 zugeschlagenen Land baut der Colon Wilhelm Strate, ein geborener Hanning von Hörste Nr. 55, der die Stätte Nr. 39 1855 gekauft und danach die Schwester der Verkäuferin geheiratet hat, ab 1869 einen Kotten.<ref>LAV NRW OWL, L 108 Lage, Fach 2 Nr. 26 - Band: XXII</ref>  Möglicherweise übernimmt er sich dabei finanziell. 1874 kommt es zur Dismembration (Zerstückelung) der Stätte Nr. 39 wegen Überschuldung.<ref>LAV NRW OWL, L 108 Lage, Fach 2 Nr. 26 - Band: XXIV</ref>  Das Ehepaar Strate zieht auf den neuen Kotten, der zur Neuwohnerstätte Hörste Nr. 70 wird, und verkauft seine (restliche) alte Stätte Nr. 39 an Colon und Schuhmachermeister Wilhelm Hanning, Besitzer der Stätte Hörste Nr. 48, der sie für seinen Sohn, den Schuhmacher und jungen Familienvater Friedrich Wilhelm Hanning erwirbt; ''Kaufsumme 2100 Thaler, Übergabe 1. April 1875''.
Auf diesem neu der Stätte Nr. 39 zugeschlagenen Land baut der Colon Wilhelm Strate, ein geborener Hanning von Hörste Nr. 55, der die Stätte Nr. 39 1855 gekauft und danach die Schwester der Verkäuferin geheiratet hat, ab 1869 einen Kotten.<ref>LAV NRW OWL, L 108 Lage, Fach 2 Nr. 26 - Band: XXII</ref>  Möglicherweise übernimmt er sich dabei finanziell. 1874 kommt es zur Dismembration (Zerstückelung) der Stätte Nr. 39 wegen Überschuldung.<ref>LAV NRW OWL, L 108 Lage, Fach 2 Nr. 26 - Band: XXIV</ref>  Das Ehepaar Strate zieht auf den neuen Kotten, der zur Neuwohnerstätte Hörste Nr. 70 wird, und verkauft seine (restliche) alte Stätte Nr. 39 an Colon und Schuhmachermeister Wilhelm Hanning, Besitzer der Stätte Hörste Nr. 48, der sie für seinen Sohn, den Schuhmacher und jungen Familienvater Friedrich Wilhelm Hanning erwirbt; ''Kaufsumme 2100 Thaler, Übergabe 1. April 1875''.


Da das Namensrecht zehn Jahre zuvor in Lippe geändert worden ist, wird die Stätte Strate Nr. 39 jetzt zur Stätte Hanning Nr. 39 - ein Name, der insbesondere wegen des später aus dieser Stätte entstandenen „Café Hanning“ älteren Hörstern geläufig ist.
Da das Namensrecht zehn Jahre zuvor in Lippe geändert worden ist, wird die Stätte Strate Nr. 39 jetzt zur Stätte Hanning Nr. 39 - ein Name, der insbesondere wegen des später aus dieser Stätte entstandenen „Café Hanning“ älteren Hörstern geläufig ist.


1883 kauft W. Hanning mehr als 1 Hektar Land von Hochfeld, dem Interimsbesitzer des in Auflösung befindlichen Hofes Hörste Nr. 6, hinzu.
1883 kauft W. Hanning mehr als 1 Hektar Land von Hochfeld, dem Interimsbesitzer des in Auflösung befindlichen Hofes Hörste Nr. 6, hinzu.
Zeile 57: Zeile 57:
Vorausgegangen ist offenbar der Abbruch eines alten Leibzuchtshauses und der Bau einer repräsentativen Pension/Gaststätte direkt gegenüber dem Saalbau des Hörster Kruges in den Jahren 1930/31 (vgl. zu Eigentümern/Bewohnern). Eine zuvor den Schwestern/Töchtern Toni und Elisabeth Hanning erteilte Schankerlaubnis wird mit der Beschwerde beschränkt auf den Zeitraum 15. April bis 15. Oktober jeden Jahres, da nur in diesen Zeiten Sommergäste in Hörste seien. In den übrigen Zeiten würden die vorhandenen Gaststätten Ostmann und Windmann im Ortskern Hörste sowie der Stapelager Krug den örtlichen Bedarf voll abdecken.
Vorausgegangen ist offenbar der Abbruch eines alten Leibzuchtshauses und der Bau einer repräsentativen Pension/Gaststätte direkt gegenüber dem Saalbau des Hörster Kruges in den Jahren 1930/31 (vgl. zu Eigentümern/Bewohnern). Eine zuvor den Schwestern/Töchtern Toni und Elisabeth Hanning erteilte Schankerlaubnis wird mit der Beschwerde beschränkt auf den Zeitraum 15. April bis 15. Oktober jeden Jahres, da nur in diesen Zeiten Sommergäste in Hörste seien. In den übrigen Zeiten würden die vorhandenen Gaststätten Ostmann und Windmann im Ortskern Hörste sowie der Stapelager Krug den örtlichen Bedarf voll abdecken.
[[Datei:1967 Briefbogen Cafe Hanning.jpg|mini|Briefbogen Café Hanning, 1967; LAV NRW OWL, D 23 B Detmold. Lage, Blatt 75 I, S. 378]]
[[Datei:1967 Briefbogen Cafe Hanning.jpg|mini|Briefbogen Café Hanning, 1967; LAV NRW OWL, D 23 B Detmold. Lage, Blatt 75 I, S. 378]]
Der nach bescheidenen Anfängen in 1928 bereits auf etwa 1000 Sommergäste im Jahre 1931 angewachsene Fremdenverkehr in Hörste wird wegen der Weltwirtschaftskrise in den Folgejahren zurückgegangen sein; bestehen bleiben aber sehr hohe Schulden aus dem ambitionierten Neubau: ''Ich, der Schuhmachermeister Friedrich Hanning, Hörste Nr. 39, bekenne hiermit . . . ein Darlehn von Goldmark 16.389,15 . . . erhalten zu haben . . . ab 1. August 1931 mit monatlich mindestens 85,-- Gm zu tilgen.''<ref>LAV NRW OWL, D 23 B Detmold. Lage, Blatt 75 I, S. 77</ref>  Das ist offenbar nicht zu leisten; im Mai 1936 wird erstmals die (anzuberaumende) Zwangsversteigerung des Grundbesitzes im Grundbuch eingetragen, die Versteigerung dann aber durch (Teil-)Zahlung im letzten Moment abgewendet. Derlei gerät zur Routine und wiederholt sich in den 1950er und 1960er Jahren noch fünf mal.<ref>LAV NRW OWL, D 23 B Detmold. Lage, Blatt 75 II</ref>  Betreibende Gläubiger sind Brauereien in Detmold, Herford und Dortmund, auswärtige Kaffee- und Weinlieferanten, das Finanzamt, die AOK und andere.<ref>LAV NRW OWL, D 23 B Detmold. Lage, Blatt 75 I - IV</ref> Jenseits all dessen pflegt man stets eine recht mondäne Außendarstellung im Hause Hanning.
Der nach bescheidenen Anfängen in 1928 bereits auf etwa 1000 Sommergäste im Jahre 1931 angewachsene Fremdenverkehr in Hörste wird wegen der Weltwirtschaftskrise in den Folgejahren zurückgegangen sein; bestehen bleiben aber sehr hohe Schulden aus dem ambitionierten Neubau: ''Ich, der Schuhmachermeister Friedrich Hanning, Hörste Nr. 39, bekenne hiermit (...) ein Darlehn von Goldmark 16.389,15 (...)erhalten zu haben (...) ab 1. August 1931 mit monatlich mindestens 85,-- Gm zu tilgen.''<ref>LAV NRW OWL, D 23 B Detmold. Lage, Blatt 75 I, S. 77</ref>  Das ist offenbar nicht zu leisten; im Mai 1936 wird erstmals die (anzuberaumende) Zwangsversteigerung des Grundbesitzes im Grundbuch eingetragen, die Versteigerung dann aber durch (Teil-)Zahlung im letzten Moment abgewendet. Derlei gerät zur Routine und wiederholt sich in den 1950er und 1960er Jahren noch fünf mal.<ref>LAV NRW OWL, D 23 B Detmold. Lage, Blatt 75 II</ref>  Betreibende Gläubiger sind Brauereien in Detmold, Herford und Dortmund, auswärtige Kaffee- und Weinlieferanten, das Finanzamt, die AOK und andere.<ref>LAV NRW OWL, D 23 B Detmold. Lage, Blatt 75 I - IV</ref> Jenseits all dessen pflegt man stets eine recht mondäne Außendarstellung im Hause Hanning.


Café Hanning überdauert noch den Niedergang des Fremdenverkehrs in Hörste, und letztlich findet sich eine Lösung für die finanziellen Probleme, als Anfang der 1990er Jahre ein zur Stätte gehörender größerer Acker zu Bauland wird, dessen Verkauf die Schulden abdeckt. Das „Café Hanning“ wird geschlossen, das Haus verkauft. Es lebt in anderen Händen noch einmal einige Jahre als Bierlokal „Eicheneck“ auf, bis es zur endgültigen Schließung kommt. Einem weiteren Verkauf des Gebäudes folgt ein langer Leerstand, schließlich 2020 der Abriss.  
Café Hanning überdauert noch den Niedergang des Fremdenverkehrs in Hörste, und letztlich findet sich eine Lösung für die finanziellen Probleme, als Anfang der 1990er Jahre ein zur Stätte gehörender größerer Acker zu Bauland wird, dessen Verkauf die Schulden abdeckt. Das „Café Hanning“ wird geschlossen, das Haus verkauft. Es lebt in anderen Händen noch einmal einige Jahre als Bierlokal „Eicheneck“ auf, bis es zur endgültigen Schließung kommt. Einem weiteren Verkauf des Gebäudes folgt ein langer Leerstand, schließlich 2020 der Abriss.  


Auf dem Grundstück in zentraler Lage entstehen danach moderne Wohnbauten ohne erkennbaren Bezug zur baulichen Bestandsstruktur.
Auf dem Grundstück in zentraler Lage entstehen danach moderne Wohnbauten ohne erkennbaren Bezug zum baulichen Bestands des Ortskerns von Hörste.
[[Datei:1913 Hörste Ausbaulanung Hiddentrupper Str.jpg|mini|Gebäudegrundrisse 1913 der Stätte Hanning (links Saalbau des Hörster Kruges) (aus Ausbauplanung Hiddentrupper Str. / LAV NRW OWL, L 80.22 Nr. 453)]]
[[Datei:1913 Hörste Ausbaulanung Hiddentrupper Str.jpg|mini|Gebäudegrundrisse 1913 der Stätte Hanning (links Saalbau des Hörster Kruges) (aus Ausbauplanung Hiddentrupper Str. / LAV NRW OWL, L 80.22 Nr. 453)]]
<span></span>
<span></span>
==Gebäude==
==Gebäude==
• Kleines (Fachwerk-)Wohnhaus mit atypischen Fachwerkgiebeln und Torbogen von 1772; 1905 als Leibzucht bezeichnet bei Genehmigung eines Anbaus daran, dieser Anbau vor 1931 abgerissen. In den 1950er Jahren (?) Umbau des Hauses zu „Hannings Weinstube“, um 2018 Abriss nach langem Leerstand.
• Kleines (Fachwerk-)Wohnhaus mit atypischen Fachwerkgiebeln und Torbogen von 1772; 1905 als Leibzucht bezeichnet bei Genehmigung eines Anbaus daran, dieser Anbau vor 1931 abgerissen. In den 1950er Jahren (?) Umbau des Hauses zu „Hannings Weinstube“, um 2018 Abriss nach langem Leerstand.


• Kleines Haus (die im Salbuch 1781 nachgetragene Leibzucht?, also erbaut 1781 - 1829), abgerissen vor 1931. An dessen Stelle Bau des Gast- und Pensionshauses „Café Hanning“ (1930/31), nach dessen Abriss 2020 heute dort moderne Wohnbebauung
• Kleines Haus (die im Salbuch 1781 nachgetragene Leibzucht?, also erbaut 1781 - 1829), abgerissen vor 1931. An dessen Stelle Bau des Gast- und Pensionshauses „Café Hanning“ (1930/31), nach dessen Abriss 2020 entstand dort moderne Wohnbebauung.
[[Datei:Café Hanning in Hörste-AK Uwe Standera 2020.jpg|mini|Hörste, Café Hanning, Weinstube, Fachwerkbau von 1772. Kolorierte Ansichtskarte, um 1950. Sammlung Uwe Standera]]
[[Datei:HörsterBruch1_050410_1.jpg|thumb|Das zuletzt als Weinstube genutzte kleine Fachwerkhaus von 1772, abgebrochen 2020. Foto: Hans-Christian Schall, 2010]]
[[Datei:HörsterBruch1_050410_1.jpg|thumb|Das zuletzt als Weinstube genutzte kleine Fachwerkhaus von 1772, abgebrochen 2020. Foto: Hans-Christian Schall, 2010]]


==Inschriften==
==Inschriften==
[[Datei:HörsterBruch1_050410_2.jpg|thumb|Torbogen-Inschrift von 1772 an dem zuletzt als Weinstube genutzten Fachwerkhaus , Foto: Hans-Christian Schall 2010]]
[[Datei:HörsterBruch1_050410_2.jpg|thumb|Torbogen mitInschrift von 1772 an dem zuletzt als Weinstube genutzten Fachwerkhaus. Foto: Hans-Christian Schall 2010]]
• Das Erbauer-Ehepaar des ersten Hauses auf der Stätte  -  Johann Henrich Strate und Anna Catrine Hilgenstöhler  -  hat nach der Eheschließung 1754 zunächst lange Jahre als Einlieger auf dem Hof Brinkmann in Hiddentrup gelebt. Dort hat es damals einen Krug gegeben  -  zur Beköstigung und Übernachtung reisender Kaufleute und ihrer Gespanne, aber auch für durstige einheimische Kehlen.  So werden die Strates im Kruge zu Hiddentrup gedient/gearbeitet/geholfen und so ihre Erfahrungen mit ''„Säufern und Schlemmern“'' gemacht haben. Hat der einstige Krug auf dem Hof Brinkmann bereits die Inschrift mit dem bemerkenswerten Säufer-und-Schlemmer-Vers getragen? War er Vorbild für die Inschrift des 1772 neu erbauten Hauses der Strates?


'''Inschrift von 1772 an dem zuletzt als Weinstube genutzten Fachwerkhaus: <ref>
Das Erbauer-Ehepaar des ersten Hauses auf der Stätte, Johann Henrich Strate und Anna Catrine Hilgenstöhler, hat nach der Eheschließung 1754 zunächst lange Jahre als Einlieger auf dem Hof Brinkmann in Hiddentrup gelebt. Dort hat es damals einen Krug gegeben  - zur Beköstigung und Übernachtung reisender Kaufleute und ihrer Gespanne, aber auch für durstige einheimische Kehlen. So werden die Strates im Kruge zu Hiddentrup gedient/gearbeitet/geholfen und so ihre Erfahrungen mit ''Säufern und Schlemmern'' gemacht haben. Möglicherweise hat der einstige Krug auf dem Hof Brinkmann bereits eine ähnliche Inschrift mit dem bemerkenswerten Säufer-und-Schlemmer-Vers getragen, möglicherweise war er Vorbild für die Inschrift des 1772 neu erbauten Hauses der Strates.
[https://www.nhv-ahnenforschung.de/Torbogen/lippe.htm Hausinschriftensammlung des Genealogischen Arbeitskreises im NHV] </ref><br>'''


HÖRE MEIN SOHN SEI WEISE UND SEI NICHT UNTER DEN SÄUFFERN UND SCHLÄMMERN DEN(N)<br>
Inschrift von 1772 an dem zuletzt als Weinstube genutzten Fachwerkhaus: <ref>
DIE SÄUFFER UND SCHLÄMMER VERARMEN UND EIN SCHLÄFFER MUSZ ZERRISSEN KLIDER TRA<br>
[https://www.nhv-ahnenforschung.de/Torbogen/lippe.htm Hausinschriftensammlung des Genealogischen Arbeitskreises im NHV] </ref><br>
GEN SPRÜCHEN SALOMONIS DAS XXIII VERS 19•20•21• IOHAN HENRICH STRATE UND<br>
SEINE EHEFRAUE ANNA CATRINE HELGENSTOHLER HAVS LASEN BAEN<br>
1772 M•I•K• BRINCK   DEN 16 SEPTEMBER<br>


HÖRE MEIN SOHN SEI WEISE UND SEI NICHT UNTER DEN SÄUFFERN UND SCHLÄMMERN DEN(N) / DIE SÄUFFER UND SCHLÄMMER VERARMEN UND EIN SCHLÄFFER MUSZ ZERRISSEN KLIDER TRA / GEN SPRÜCHEN SALOMONIS DAS XXIII VERS 19•20•21• IOHAN HENRICH STRATE UND / SEINE EHEFRAUE ANNA CATRINE HELGENSTOHLER HAVS LASEN BAEN /
1772 M•I•K• BRINCK   DEN 16 SEPTEMBER


Der prägnante, in großen Lettern ausgeführte Schriftzug '''CAFE  HANNING'''  an der Fassade des Pensions-/Gaststättengebäudes der Familie Hanning gehörte fast 90 Jahre zu den markanten Blickpunkten in Hörstes Ortskern.
Der prägnante, in großen Lettern ausgeführte Schriftzug CAFE  HANNING an der Fassade des Pensions- und Gaststättengebäudes der Familie Hanning gehörte fast 90 Jahre zu den markanten Blickpunkten im Hörster Ortskern.


==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==