Kirchweg Kirche (Heiligenkirchen): Unterschied zwischen den Versionen

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}}Ev.-ref. Kirche, Ende des 8. Jh. bis Mitte 10. Jh. gegründet und in mehreren Phasen erneuert bzw. erweitert.  
'''Ev.-ref. Kirche Heiligenkirchen'''<br />
Die Kirche wurde Ende des 8. Jh. bis Mitte 10. Jh. gegründet und in mehreren Phasen erneuert bzw. erweitert.  
==Standort==
==Standort==
Die Kirche steht exzentrisch nach Norden geschoben innerhalb des ungefähr kreisrunden [[Kirchhof (Heiligenkirchen)|Kirchhofs]], dessen Mauer noch fast vollständig, wenn auch vermutlich nicht in der ursprünglichen Höhe, erhalten ist. Auf dem Kirchhof hatten die einzelnen Bauerschaften des Kirchspiels üblicherweise ihre eigenen Bereiche. Ein befestigter Kirchhof ist in Heiligenkirchen nicht belegbar. In der Kirche standen in unruhigen, kriegerischen Zeiten Truhen (Kisten) mit dem wertvollsten Besitz der Bewohner.  
Die Kirche steht exzentrisch nach Norden geschoben innerhalb des ungefähr kreisrunden [[Kirchhof (Heiligenkirchen)|Kirchhofs]], dessen Mauer noch fast vollständig, wenn auch vermutlich nicht in der ursprünglichen Höhe, erhalten ist. Auf dem Kirchhof hatten die einzelnen Bauerschaften des Kirchspiels üblicherweise ihre eigenen Bereiche. Ein befestigter Kirchhof ist in Heiligenkirchen nicht belegbar. In der Kirche standen in unruhigen, kriegerischen Zeiten Truhen (Kisten) mit dem wertvollsten Besitz der Bewohner.  
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Der Detmolder Künstler [https://lippelex.de/index.php?title=Ehlers,_Karl_(1904-1973) Karl Ehlers] (1904–1973) schuf eine neue schlichte Ausstattung mit Altar, Ambo und Taufbecken aus Sandstein, die noch heute in Gebrauch ist.  
Der Detmolder Künstler [https://lippelex.de/index.php?title=Ehlers,_Karl_(1904-1973) Karl Ehlers] (1904–1973) schuf eine neue schlichte Ausstattung mit Altar, Ambo und Taufbecken aus Sandstein, die noch heute in Gebrauch ist.  


Die entfernte Heeren-Orgel von 1791, deren Pfeifen im Ersten Weltkrieg abgeliefert werden mussten und eingeschmolzen wurden, konnte schon 1919 ersetzt werden.<ref> {{ButterweckGeschichte1926}}, S. 414. </ref> Die Gemeinde brachte dazu 1918 innerhalb weniger Tage 5000 Mark an Spenden auf. Diese auf der Westempore stehende Orgel wurde 1973 durch eine Orgel auf der Chorempore ersetzt. Der laut Inschrift 1700 gebaute barocke Orgelprospekt stammt aus der Herforder Werkstatt von Hinrich Klausing. Bis 1894 stand er in der Kirche von [[Bösingfeld]], wurde dann ausgebaut und zuletzt im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold (jetzt: LWL-Freilichtmuseum) eingelagert. Die Firma Tombusch aus Ascheberg restaurierte ihn, ergänzte abgängige Teile und stellte das Orgelgehäuse am neuen Standort auf. Das neue Orgelwerk baute die Saarbrücker Firma Walcker. Das Instrument hat 15 Register (Pfeifenreihen gleicher Klangfarbe), zwei Manuale (Klaviaturen) und ein Pedal.<ref>Westfalen 53, 1975, S. 477.</ref> "Der 1972 in den Kirchenraum übertragene und ergänzte Orgelprospekt von 1700 wurde 1974 nach historischen Vorbildern farbig gefaßt."<ref>Westfalen 1978, S. 458.</ref> Schon nach 13 Jahren, 1986, war eine Erneuerung der Orgel notwendig, welche die Firma Steinmann aus Vlotho ausführte.
1977 wurden das Kirchturmdach an West- und Nordseite mit Schiefer neu gedeckt.<!--Referenz unverständlich! <ref> Westfalen 1984, S. 499.</ref>-->


1977 wurden das Kirchturmdach an West- und Nordseite mit Schiefer neu gedeckt.<ref> Westfalen 1984, S. 499.</ref>
==Gebäude==


==Glocken==
Zweischiffige Hallenkirche mit Rechteckchor und quadratischem Westturm. Putzbau aus Bruchstein, Werksteingewände aus Sandstein, der Turm aus wuchtigen Sandsteinquadern mit schiefergedecktem Zeltdach, darin nach Süden eine überdeckte Glockenöffnung, nach Osten eine flache Gaube. Das südliche Kirchenschiff wird von zwei Querhäusern mit hohen Giebeln überdacht, dieses ist wie das Satteldach über Nordschiff und Chor mit Hohlpfannen gedeckt. In den Giebelwänden je ein hohes dreibahniges Spitzbogenfenster mit Rautenverglasung, unter dem westlichen Fenster der Haupteingang. Gegenüberliegende Fenster im Norden. Im Chor alle drei Seiten mit hohem Spitzbogenfenster, im Osten darunter eine Tür. An der Ostseite des Südschiffs eine Außentreppe mit Zugang zur Empore. Schräg gestellte gestufte Stützpfeiler an den Ecken.
 
Turm mit gestuftem Rundbogenportal an der Südseite. In den beiden oberen Geschossen an der Ostseite je zwei Biforien, an der Süd- und Nordseite je eine.


Heute befinden sich im Turm fünf Glocken. Eine unbeschriftete mit dem Ton h1 + 3 kann dem 15. Jahrhundert zugeordnet werden. Sie hat 96 Zentimeter Durchmesser bei 82 Zentimeter Höhe und wiegt 1100 Kilogramm. Am oberen Rand schmückt sie ein umlaufendes schmales Kranzgewinde. Die Gestaltung des Gabelkruzifixes weist auf die Glockengießerwerkstatt Grawick hin, welche mehrere Glocken für lippische Kirchen herstellte (1399 St. Johann, Lemgo; undat. Brake; 1412 Schlangen; 1446 Hohenhausen; 1466 Heiden; 1500 Hillentrup). Wilhelm Pecher verzeichnete 1917 noch eine zweite Glocke von "sehr hohem Alter", jedoch "ohne Jahreszahl / 100 Zentimeter D. 90 Zentimeter H. 12 Ztr. / Ton a […]. Ferner zeigt jede Glocke einen gekreuzigten Christus in erhabener Form [...] in 12 Zentimeter Armspannweite. Beide Glocken haben ein sehr hohes Alter." Diese zweite Grawick-Glocke wurde 1965 wegen eines Sprungs umgegossen. Als drittes erwähnte Pecher die kleine, außen vor dem Turmdach hängende Glocke von 63 Zentimeter Durchmesser und 62 Zentimeter Höhe, 450 Kilogramm Gewicht und dem Ton d. Den lesbaren Teil der Inschrift gab er wie folgt an: "Prediger[...] Meyer [...] Köllermeier [...] Kirchendechen".<ref> {{PecherVerzeichnis1919}}, S. 9, Abb. S. 2.</ref> Diese kleine Toten- und Feuerglocke wurde – wie die Orgelpfeifen – im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen.  
Innen Turmhalle mit Namenstafeln der Gefallenen beider Weltkriege, vom Schiff durch eine Holztür getrennt. In der Turmmauer verläuft eine Treppe zum Obergeschoss, von dort sind die Glockengeschosse über Holzstiegen erreichbar.


Das Geläut erhielt 1965 mit dem Umschmelzen der beschädigten Glocke zwei weitere neue, welche mit der verbliebenen des 15. Jahrhunderts die Tonfolge e – g – a – h erklingen lassen – den Beginn des Adventlieds "Oh Heiland, reiß die Himmel auf". Auch am Turmhelm ist wieder eine kleine Glocke aufgehängt worden. Das Geläut wird inzwischen elektronisch gesteuert. Eine Erneuerung dieser Steuerung erfolgte 2022.  
Hauptschiff mit Kreuzgratgewölben und aufgemalten Rippen, Südschiff und Chor mit Kreuzrippen. Weitere Ausstattung s. o.


==Orgel==
==Glocken==


==Liturgisches Gerät==
Über das Geläut findet sich 1895 ein Leserbrief in der Lippischen Landes-Zeitung: "Heiligenkirchen, 13. Februar. Höflich und in aller Bescheidenheit, wie es einem wohlerzogenen Staatsbürger der hohen Obrigkeit gegenüber frommt, ergeht hierdurch an unseren wohllöblichen Kirchenvorstand die Anfrage, ob unsere Thurmuhr ihr Zifferblatt noch immer länger entbehren soll. Mitte vorigen Sommers ist dasselbe entfernt worden und es muß wohl eine sehr schwierige Arbeit daran zu vollbringen sein, daß der betr. Künstler eine so lange Zeit dazu nöthig hat. Die unseren Ort während der Reisezeit häufig berührenden Touristen sahen wir oft fragend nach der Uhr ohne Zifferblatt blicken – Aehnlich steht die Sache mit der dritten Glocke unseres Geläutes. Zwar waren eine ziemlich lange Zeit Arbeiter an derselben beschäftigt, trotzdem zeigte es sich aber als es zum Läuten kommen sollte, daß (wie es heißt) die Glocke „ungangbar“ ist. So müssen nun alle hohen Festtage der Gemeinde, alle frohen und schmerzlichen Vorgänge in den Familien unseres Dorfes, statt wie sonst mit 3, jetzt nur mit 2 Glocken ein- bezw. ausgeläutet werden, ohne daß die Gebühren für das Geläute folgerichtig auch um 1/3 des Betrages herabgesetzt worden wären. Ist das ganz in der Ordnung? Durch Abstellung verstehend angeführter Mißstände würde wohllöbl. Kirchenvorstand in Heiligenkirchen sich den Dank sämmtlicher Einwohner verdienen."<ref>Lippische Landes-Zeitung (14.2.1895) Nr. 38.</ref>


An liturgischem Gerät ist ein silberner Abendmahlskelch von 1613 erhalten, eine Stiftung des Landesherrn, trägt er doch Namen und Wappen Simons VII. zur Lippe. Eine von Otto Gaul in seiner Bestandserfassung erwähnte Abendmahlskanne von 1766 stammt Roland Linde zufolge aus Schötmar.<ref>{{LindeKirche2015}}, S. 14</ref> Wann und wieso sie nach Heiligenkirchen gelangte, ist ungewiss.
Heute befinden sich im Turm fünf Glocken. Eine unbeschriftete mit dem Ton h<sup>1</sup> + 3 kann dem 15. Jahrhundert zugeordnet werden. Sie hat 96 Zentimeter Durchmesser bei 82 Zentimeter Höhe und wiegt 1100 Kilogramm. Am oberen Rand schmückt sie ein umlaufendes schmales Kranzgewinde. Die Gestaltung des Gabelkruzifixes weist auf die Glockengießerwerkstatt Grawick hin, welche mehrere Glocken für lippische Kirchen herstellte (1399 St. Johann, Lemgo; undat. Brake; 1412 Schlangen; 1446 Hohenhausen; 1466 Heiden; 1500 Hillentrup). Wilhelm Pecher verzeichnete 1917 noch eine zweite Glocke von "sehr hohem Alter", jedoch "ohne Jahreszahl / 100 Zentimeter D. 90 Zentimeter H. 12 Ztr. / Ton a<sup>1</sup>. Ferner zeigt jede Glocke einen gekreuzigten Christus in erhabener Form [...] in 12 Zentimeter Armspannweite. Beide Glocken haben ein sehr hohes Alter." Diese zweite Grawick-Glocke fiel unter die Kriegsabgabe 1942, kam 1947 vom Glockenfriedhof Lünen zurück und wurde 1965 wegen eines Sprungs umgegossen in der Gießerei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher.<ref>{{WiesekopsiekerGlocken1970}}</ref> Als drittes erwähnte Pecher die kleine, außen vor dem Turmdach hängende Glocke von 63 Zentimeter Durchmesser und 62 Zentimeter Höhe, 450 Kilogramm Gewicht und dem Ton d. Den lesbaren Teil der Inschrift gab er wie folgt an: "Prediger[...] Meyer [...] Köllermeier [...] Kirchendechen".<ref> {{PecherVerzeichnis1919}}, S. 9, Abb. S. 2.</ref> Diese kleine Toten- und Feuerglocke fielen – wie die Orgelpfeifen – unter die Kriegsabgabe 1917.  


==Baubeschreibung==
Das Geläut erhielt 1965 mit dem Umschmelzen der beschädigten Glocke zwei weitere neue, welche mit der verbliebenen des 15. Jahrhunderts die Tonfolge e – g – a – h erklingen lassen – den Beginn des Adventlieds "Oh Heiland, reiß die Himmel auf". Auch am Turmhelm ist wieder eine kleine Glocke aufgehängt worden. Das Geläut wird inzwischen elektronisch gesteuert. Eine Erneuerung dieser Steuerung erfolgte 2022.
{| class="wikitable" style="text-align:center;"
| '''Schlagton''' || '''Gussjahr''' || '''&#8960; in mm''' || '''m in kg''' || '''Inschrift'''
|-
| '''e<sup>1</sup> ''' || 1965 || 1240 || 1200 || keine Inschrift, lediglich Jahreszel 1965 <br />Zierstreifen am oberen Rand abwechselnd mit Christus-Monogramm und Fisch
|-
| '''g<sup>1</sup> ''' || 1965 || 1030 || 700 || keine Inschrift, lediglich Jahreszel 1965 <br />Zierstreifen am oberen Rand abwechselnd mit Christus-Monogramm und Fisch
|-
| '''a<sup>1</sup> ''' || 1965 || 920 || 460 || keine Inschrift, lediglich Jahreszel 1965 <br />Zierstreifen am oberen Rand abwechselnd mit Christus-Monogramm und Fisch
|-
| '''h<sup>1</sup> ''' || k.A. || k.A. || k.A. || keine Inschrift <br />umlaufendes Kranzgewinde am oberen Rand
|}


Zweischiffige Hallenkirche mit Rechteckchor und quadratischem Westturm. Putzbau aus Bruchstein, Werksteingewände aus Sandstein, der Turm aus wuchtigen Sandsteinquadern mit schiefergedecktem Zeltdach, darin nach Süden eine überdeckte Glockenöffnung, nach Osten eine flache Gaube. Das südliche Kirchenschiff wird von zwei Querhäusern mit hohen Giebeln überdacht, dieses ist wie das Satteldach über Nordschiff und Chor mit Hohlpfannen gedeckt. In den Giebelwänden je ein hohes dreibahniges Spitzbogenfenster mit Rautenverglasung, unter dem westlichen Fenster der Haupteingang. Gegenüberliegende Fenster im Norden. Im Chor alle drei Seiten mit hohem Spitzbogenfenster, im Osten darunter eine Tür. An der Ostseite des Südschiffs eine Außentreppe mit Zugang zur Empore. Schräg gestellte gestufte Stützpfeiler an den Ecken.
==Orgel==


Turm mit gestuftem Rundbogenportal an der Südseite. In den beiden oberen Geschossen an der Ostseite je zwei Biforien, an der Süd- und Nordseite je eine.
Die entfernte Heeren-Orgel von 1791, deren Pfeifen im Ersten Weltkrieg abgeliefert werden mussten und eingeschmolzen wurden, konnte schon 1919 ersetzt werden.<ref> {{ButterweckGeschichte1926}}, S. 414. </ref> Die Gemeinde brachte dazu 1918 innerhalb weniger Tage 5000 Mark an Spenden auf. Diese auf der Westempore stehende Orgel wurde 1973 durch eine Orgel auf der Chorempore ersetzt. Der laut Inschrift 1700 gebaute barocke Orgelprospekt stammt aus der Herforder Werkstatt von Hinrich Klausing. Bis 1894 stand er in der Kirche von [[Bösingfeld]], wurde dann ausgebaut und zuletzt im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold (jetzt: LWL-Freilichtmuseum) eingelagert. Die Firma Tombusch aus Ascheberg restaurierte ihn, ergänzte abgängige Teile und stellte das Orgelgehäuse am neuen Standort auf. Das neue Orgelwerk baute die Saarbrücker Firma Walcker. Das Instrument hat 15 Register (Pfeifenreihen gleicher Klangfarbe), zwei Manuale (Klaviaturen) und ein Pedal.<ref>Westfalen 53, 1975, S. 477.</ref> "Der 1972 in den Kirchenraum übertragene und ergänzte Orgelprospekt von 1700 wurde 1974 nach historischen Vorbildern farbig gefaßt."<ref>Westfalen 1978, S. 458.</ref> Schon nach 13 Jahren, 1986, war eine Erneuerung der Orgel notwendig, welche die Firma Steinmann aus Vlotho ausführte.  


Innen Turmhalle mit Namenstafeln der Gefallenen beider Weltkriege, vom Schiff durch eine Holztür getrennt. In der Turmmauer verläuft eine Treppe zum Obergeschoss, von dort sind die Glockengeschosse über Holzstiegen erreichbar.
==Liturgisches Gerät==


Hauptschiff mit Kreuzgratgewölben und aufgemalten Rippen, Südschiff und Chor mit Kreuzrippen. Weitere Ausstattung s. o.
An liturgischem Gerät ist ein silberner Abendmahlskelch von 1613 erhalten, eine Stiftung des Landesherrn, trägt er doch Namen und Wappen Simons VII. zur Lippe. Eine von Otto Gaul in seiner Bestandserfassung erwähnte Abendmahlskanne von 1766 stammt Roland Linde zufolge aus Schötmar.<ref>{{LindeKirche2015}}, S. 14</ref> Wann und wieso sie nach Heiligenkirchen gelangte, ist ungewiss.


==Eigentümerin==
==Eigentümerin==