Osterheider Straße 16 (Kachtenhausen): Unterschied zwischen den Versionen
→Eigentümer*innen, Bewohner*innen: Besitzerfolge nach Linde 2004 ergänzt |
Gemeinde 1901 |
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|Koordinaten=51.97664, 8.73447 | |Koordinaten=51.97664, 8.73447 | ||
|Adressbuch1901=Ja | |Adressbuch1901=Ja | ||
|Ortsteil1901= | |Ortsteil1901=Wellentrup | ||
|Hausnummer1901=001 | |Hausnummer1901=001 | ||
}}Hof Erfling, alter | }}Hof Erfling, alter Halbspännerhof in Wellentrup/Kachtenhausen, alte Kolonatsnummer 1. | ||
[[Datei:Osterheider Straße 16 LLB BA_TB-19-1A_001.png|thumb|Hof Erfling, Haupthaus, Zweiständerbau von 1655, abgebrochen um 2010. Foto: Friedrich W. Pahmeier, 1970, Sammlung der LLB Detmold]] | [[Datei:Osterheider Straße 16 LLB BA_TB-19-1A_001.png|thumb|Hof Erfling, Haupthaus, Zweiständerbau von 1655, abgebrochen um 2010. Foto: Friedrich W. Pahmeier, 1970, Sammlung der LLB Detmold]] | ||
[[Datei:Osterheider Straße 16 LLB BA_TB-19-1B_001.png|thumb|Haupthaus von 1655, Torbogen mit Inschrift. Foto: Friedrich W. Pahmeier, 1970, Sammlung der LLB Detmold]] | [[Datei:Osterheider Straße 16 LLB BA_TB-19-1B_001.png|thumb|Haupthaus von 1655, Torbogen mit Inschrift. Foto: Friedrich W. Pahmeier, 1970, Sammlung der LLB Detmold]] | ||
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Der Hof Erfling ist ein alter | Der Hof Erfling ist ein alter Halbspännerhof in Kachtenhausen, seine Entstehung dürfte im frühen Mittelalter liegen. Mit ca. 50,7 ha Grundbesitz (1780) war er der größte Hof im Dorf. Die Kachtenhausener Höfe waren an das Zisterzienserkloster Marienfeld (bei Gütersloh) zehntpflichtig. Der Hof Erfling gehörte auch zur Grundherrschaft dieses Klosters; seine Inhaber gehörten zu den "Monnekeluden", den "Möncheleuten", d. h. der Bauer und seine Frau und Kinder waren dem Kloster Marienfeld leibeigen.<ref>Linde, Kachtenhausen 2004, S. 34f. und 265.</ref> | ||
Der Hof Erfling war zusammen mit den Höfen Brinkmann (Nr. 3), Beckmann (Nr. 5) und Langmann (Nr. 7) dem lippischen Grafen zu Spanndiensten mit jeweils einem halben Gespann (zwei Pferden) verpflichtet, dabei mussten immer zwei sogenannte Halbspänner zusammespannen.<ref>Linde, Kachtenhausen 2004, S. 19.</ref> | |||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
Großer Zweiständerbau von 1655, abgebrochen 2007. Kraftvolles Gefüge, die tragenden Ständer an der Diele waren nach vier Seiten mit großen, bogenförmig ausgesägten (gekehlten) Kopfbändern verstrebt. Verbretterter Giebel, auf profilierten Knaggen vorkragend, Hauptständer durch beidseitige Kopfbänder hervorgehoben. Dieses prächtige Haus von 1655 war ein spätes Beispiel eines voll entwickelten Zweiständerbaus, entstanden wenige Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg. | Großer Zweiständerbau von 1655, abgebrochen 2007. Kraftvolles Gefüge, die tragenden Ständer an der Diele waren nach vier Seiten mit großen, bogenförmig ausgesägten (gekehlten) Kopfbändern verstrebt. Verbretterter Giebel, auf profilierten Knaggen vorkragend, Hauptständer durch beidseitige Kopfbänder hervorgehoben. Dieses prächtige Haus von 1655 war ein spätes Beispiel eines voll entwickelten Zweiständerbaus, entstanden wenige Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg. | ||
Fettdielenhaus ohne Kammerfach (der zuletzt vorhandene Wohnteil war | Fettdielenhaus ohne Kammerfach (der zuletzt vorhandene Wohnteil mit massiven Außenwänden war um 1850 angefügt worden). Flett mit eineinhalb Fach langen und dielenhohen Luchten. Über der früheren offenen Herdstelle war in halber Höhe eine verbretterte Räucherbühne eingezogen (s. Aufmaß G. Eitzen, Querschnitt). Stallteil mit Kuh- und Rinderställen in den Stallabseiten (Kübbungen) an der Diele, Pferdestall in kastenförmig vorspringendem Einbau rechts neben dem Dielentor. | ||
Das Haus wurde um 1950 von dem Hausforscher Gerhard Eitzen aufgemessen und von Josef Schepers in seinem bekannten Werk "Haus und Hof westfälischer Bauern" gewürdigt.<ref>Josef Schepers, Haus und Hof westfälischer Bauern, Münster 1960, S. 371, dort mit dem aus der Inschrift abgelesenen Hofnamen "Erveling"; vgl. auch | Das Haus wurde um 1950 von dem Hausforscher Gerhard Eitzen aufgemessen und von Josef Schepers in seinem bekannten Werk "Haus und Hof westfälischer Bauern" gewürdigt.<ref>Josef Schepers, Haus und Hof westfälischer Bauern, Münster 1960, S. 371, dort mit dem aus der Inschrift abgelesenen Hofnamen "Erveling"; vgl. auch Stiewe, Fachwerk 2004, S. 233ff.</ref> | ||
==Inschrift== | ==Inschrift== | ||
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Die Inschrift in mittelniederdeutscher Sprache und lateinischen Großbuchstaben in Kernschnitt enthält den bekannten "Gottvertrauensspruch", die ersten Zeilen eines Kirchenliedes von Joachim Magdeburg (1570, Ev. Gesangbuch Nr. 660) und ein Bibelzitat aus Römer 8, "Wenn Gott für uns ist, wer kann wider uns sein", im 16. und 17. Jahrhundert eine bekannte Devise der lutherischen Reformation, u. a. von Philipp Melanchthon.<ref>Stiewe, Hausinschriften 2017.</ref> | Die Inschrift in mittelniederdeutscher Sprache und lateinischen Großbuchstaben in Kernschnitt enthält den bekannten "Gottvertrauensspruch", die ersten Zeilen eines Kirchenliedes von Joachim Magdeburg (1570, Ev. Gesangbuch Nr. 660) und ein Bibelzitat aus Römer 8, "Wenn Gott für uns ist, wer kann wider uns sein", im 16. und 17. Jahrhundert eine bekannte Devise der lutherischen Reformation, u. a. von Philipp Melanchthon.<ref>Stiewe, Hausinschriften 2017.</ref> | ||
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ||
Angaben nach Linde, Kachtenhausen, 2004, S. 265. | |||
1456: ''Erveldinck'' und ''liftucht Ervelding'' (Heberolle der Zehnten und Einkünfte des Klosters Marienfeld) <ref>Heberolle der Zehnten und Einkünfte des Klosters Marienfeld , in: Franz Darpe (Bearb.), Codex Traditionum Westfalicarum, Bd. 5, Münster 1900, S. 204ff., außerdem Erwähnung im Pachtkornverzeichnis.</ref> | 1456: ''Erveldinck'' und ''liftucht Ervelding'' (Heberolle der Zehnten und Einkünfte des Klosters Marienfeld) <ref>Heberolle der Zehnten und Einkünfte des Klosters Marienfeld , in: Franz Darpe (Bearb.), Codex Traditionum Westfalicarum, Bd. 5, Münster 1900, S. 204ff., außerdem Erwähnung im Pachtkornverzeichnis.</ref> | ||