Hellweg 390 (Kachtenhausen): Unterschied zwischen den Versionen

Wolfgang Kramer (Diskussion | Beiträge)
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|Koordinaten=51.96801, 8.72509
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|Adressbuch1901=Ja
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|Ortsteil1901=Kachtenhausen
|Ortsteil1901=Wellentrup
|Wohnplatz1901=Wellentrup
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}}Hof Haverich, früher Havergoh, Halbspänner, ehemals Wellentrup Nr. 4.
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Hof Haverich, früher Havergoh, Halbspänner, ehemals Wellentrup Nr. 4.
[[Datei:Wellentrup Nr. 4, Hof Haverich, Luftbild um 1950 Linde 2004.jpg|mini|Wellentrup Nr. 4, Hof Haverich, Luftbild um 1950]]
[[Datei:Wellentrup Nr. 4, Hof Haverich, Luftbild um 1950 Linde 2004.jpg|mini|Wellentrup Nr. 4, Hof Haverich, Luftbild um 1950]]
[[Datei:Hellweg 390 LLB BA_TB-19-45_001.png|thumb|Hof Haverich, Haupthaus von 1765. Foto: Friedrich W. Pahmeier, 1970, Sammlung der LLB Detmold]]
[[Datei:Hellweg 390 LLB BA_TB-19-45_001.png|thumb|Hof Haverich, Haupthaus von 1765. Foto: Friedrich W. Pahmeier, 1970, Sammlung der LLB Detmold]]
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==Gebäude==
==Gebäude==
'''Haupthaus von 1765''', erbaut nach Brand eines älteren Vorgängerbaus.<ref>Der Brandschaden betrug 920 Taler; Aufstellung vom 3. Mai 1765 über Brandschäden in Lippe seit dem 11. November 1763. Stadtarchiv Blomberg, Altes Archiv III/D III a 1.</ref> Großer Vierständerbau von 14 m Breite und ca. 28 m Länge, altes Kammerfach um 1880 durch neuen, größeren Wonteil mit zweigeschossigem Kammerfach, Bruchsteinaußenwänden und Fachwerkgiebel ersetzt. 6,8 m breite und 4,5 m hohe Diele, Kuhställe im schmaleren linken Seitenschiff, sechs Kuhstallöffnungen mit Kuhnackenriegeln und barocken Kopfbändern in der linken Dielenwand, Pferdeställe im breitern rechten Seitenschiff. Flett mit hoher Lucht links und halbhoher Lucht mit barocken Kopfbändern rechts, Räucherbühne über der früheren Herdstelle mit mittiger achteckiger Stütze. Wirtschaftsteil von 1765 nach Teileinsturz 1987 abgebrochen, jüngerer Wohnteil aus der Zeit um 1880 erhalten.<ref>Aufmaß von H. Stiewe 1987; vgl. Stiewe, Fachwerk und Bruchstein 2004, S. 243f.</ref>
'''Haupthaus von 1765''', erbaut nach Brand eines älteren Vorgängerbaus.<ref>Der Brandschaden betrug 920 Taler; Aufstellung vom 3. Mai 1765 über Brandschäden in Lippe seit dem 11. November 1763. Stadtarchiv Blomberg, Altes Archiv III/D III a 1.</ref> Großer Vierständerbau von 14 m Breite und ca. 28 m Länge, Brettergiebel, gekrümmte Fußstreben rechts und links neben dem Dielentor. Altes Kammerfach um 1880 durch neuen, größeren Wonteil mit zweigeschossigem Kammerfach, Bruchsteinaußenwänden und seitlichen Queranbauten ersetzt. 6,8 m breite und 4,5 m hohe Diele, Kuhställe im schmaleren linken Seitenschiff, sechs Kuhstallöffnungen mit Kuhnackenriegeln und barocken Kopfbändern in der linken Dielenwand, Pferdeställe im breitern rechten Seitenschiff. Flett mit hoher Lucht links und halbhoher Lucht mit barocken Kopfbändern rechts, Räucherbühne über der früheren Herdstelle mit mittiger achteckiger Stütze. Wirtschaftsteil von 1765 nach Teileinsturz 1987 abgebrochen, jüngerer Wohnteil aus der Zeit um 1880 erhalten.<ref>Aufmaß von H. Stiewe 1987; vgl. Stiewe, Fachwerk und Bruchstein 2004, S. 243f.</ref>


'''Leibzuchtshaus, erbaut 1785''' unter Verwendung wesentlicher Bauteile eines älteren Meierhauses von 1553 (heute Hellweg 388). Kleiner Vierständerbau von 5 Fachen mit Brettergiebel, auf gedrungenen, vorn gekürzten Knaggen vorgekragt. Knaggen am Torbogen mit tartschenförmigen Wappenschilden, auf der linken Knagge die eingeschnittene Jahreszahl 1553. Hauptständer im Giebelfachwerk durch auffallend große, gekehlte Kopfbänder markiert, Torbogen aus sehr breiten Hölzern mit feinen Tulpenranken und Sechssternen sowie fünfzeiliger Inschrift von 1785.<ref>Aufmaß von H. Stiewe 1987; vgl. Stiewe, Fachwerk und Bruchstein 2004, S. 230f.</ref>
'''Leibzuchtshaus, erbaut 1785''' unter Verwendung wesentlicher Bauteile eines älteren Meierhauses von 1553 (heute Hellweg 388). Kleiner Vierständerbau von 5 Fachen mit Brettergiebel, auf gedrungenen, vorn gekürzten Knaggen vorgekragt. Knaggen am Torbogen mit tartschenförmigen Wappenschilden, auf der linken Knagge die eingeschnittene Jahreszahl 1553. Hauptständer im Giebelfachwerk durch auffallend große, gekehlte Kopfbänder markiert, Torbogen aus sehr breiten Hölzern mit feinen Tulpenranken und Sechssternen sowie fünfzeiliger Inschrift von 1785.<ref>Aufmaß von H. Stiewe 1987; vgl. Stiewe, Fachwerk und Bruchstein 2004, S. 230f.</ref>


Bei einer gründlichen Bauaufnahme 1996 konnten in dem kleinen Leibzuchtshaus zahlreiche wiederverwendete Bauhölzer eines älteren, sehr großen Gebäudes von 1553 identifiziert werden, darunter der Torbogen, mehrere Ständer mit Knaggen und Kopfbändern, Rähme und Deckenbalken. Mit Hilfe dieser Hölzer und zahlreicher Verzimmerungsspuren (Zapflöcher, Holznagellöcher) gelang es, Querschnitt und Giebelansicht des Vorgängerbaus von 1553 zu rekonstruieren. Es handelte sich um einen mächtigen Dreiständerbau aus sehr kräftigen Hölzern mit einer ca. 7,65 m breiten Diele und einer rechtsseitigen Stallabseite (Kübbung). Die Giebelbreite betrug etwa 14 m, die ursprüngliche Länge des Gebäudes konnte nicht mehr ermittelt werden. Die tragenden Hauptständer waren im Giebelfachwerk mit Kopfbändern markiert, das verbretterte Giebeldreieck kragte auf gekehlten Knaggen vor. Der Torbogen aus sehr breiten Hölzern hatte in der Mitte einen Balkenkopf mit einer Gesichtsmaske und ein breites, umlaufendes Schmuckband, das zusammen mit einer möglichen Inschrift bei der Wiederverwendung in der Leibzucht von 1785 abgehobelt worden ist. Dieser gewaltige Dreiständerbau muss das alte Meierhaus des großen Vollspännerhofes Havergoh gewesen sein. Möglicherweise war dieser Bau schon im 17. Jahrhundert zur Leibzucht "abgesunken", als man ein neues Meierhaus erbaut hatte, das schließlich 1765 abbrannte und den Neubau des heutigen Haupthauses notwendig machte. Eine ähnliche "Degradierung" von alten Meierhäusern zu Leibzuchtshäusern kennen wir auch von anderen Höfen, etwa Obermeyer in Lieme (Altbau von 1532/33 d) oder Meier zu Asemissen (Altbau von 1555 d).<ref>Aufmaß von H. Stiewe 1987; vgl. Stiewe, Fachwerk und Bruchstein 2004, S. 230f.; vgl. Stiewe, Bauernhäuser  1996, S. 306f.</ref>
'''Altes Meierhaus von 1553:'''  Bei einer gründlichen Bauaufnahme 1996 konnten in dem kleinen Leibzuchtshaus zahlreiche wiederverwendete Bauhölzer eines älteren, sehr großen Gebäudes von 1553 identifiziert werden, darunter der Torbogen, mehrere Ständer mit Knaggen und Kopfbändern, Rähme und Deckenbalken. Mit Hilfe dieser Hölzer und zahlreicher Verzimmerungsspuren (Zapflöcher, Holznagellöcher) gelang es, Querschnitt und Giebelansicht des Vorgängerbaus von 1553 zu rekonstruieren. Es handelte sich um einen mächtigen Dreiständerbau aus sehr kräftigen Hölzern mit einer ca. 7,65 m breiten Diele und einer rechtsseitigen Stallabseite (Kübbung). Die Giebelbreite betrug etwa 14 m, die ursprüngliche Länge des Gebäudes konnte nicht mehr ermittelt werden. Die tragenden Hauptständer waren im Giebelfachwerk mit Kopfbändern markiert, das verbretterte Giebeldreieck kragte auf gekehlten Knaggen vor. Der Torbogen aus sehr breiten Hölzern hatte in der Mitte einen Balkenkopf mit einer Gesichtsmaske und ein breites, umlaufendes Schmuckband, das zusammen mit einer möglichen Inschrift bei der Wiederverwendung in der Leibzucht von 1785 abgehobelt worden ist. Dieser gewaltige Dreiständerbau muss das alte Meierhaus des Hofes Havergoh gewesen sein. Möglicherweise war dieser Bau schon im 17. Jahrhundert zur Leibzucht "abgesunken", nachdem man ein neues Meierhaus erbaut hatte, das schließlich 1765 abbrannte und den Neubau des heutigen Haupthauses notwendig machte. Eine ähnliche "Degradierung" von alten Meierhäusern zu Leibzuchtshäusern kennen wir auch von anderen Höfen, etwa Obermeyer in Lieme (Altbau von 1532/33 d) oder Meier zu Asemissen (Altbau von 1555 d).<ref>Vgl. Stiewe, Fachwerk und Bruchstein 2004, S. 230f.; vgl. Stiewe, Bauernhäuser  1996, S. 306f.</ref>


'''Speicher, 19. Jahrhundert'''
'''Stallgebäude und Speicher, 19. Jahrhundert'''
Rechts vom Haupthaus steht auf dem Hof ein  zweigeschossigess Stallgebäude aus Bruchstein mit einem Speicher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Giebelfassade mit drei Fensterachsen, in der Mittelachse Eingangstür, darüber Ladeluken im Ober- und Dachgeschoss. Tür- und Fensteröffnungen sind mit Backsteinen eingefasst.


Rechts vom Haupthaus steht auf dem Hof ein zweigeschossiger Bruchsteinspeicher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Giebelfassade mit drei Fensterachsen, in der Mittelachse Eingangstür sowie Ladeluken im Ober- und Dachgeschoss. Tür- und Fensteröffnungen sind mit Backsteinen eingefasst.
'''Weitere Nebengebäude''' Scheune, frühes 20. Jahrhundert.
 
'''Weitere Nebengebäude'''
 
Stallgebäude, Ende 19. Jahrhundert.
 
Scheune, frühes 20. Jahrhundert.


==Inschriften==
==Inschriften==
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'''Leibzucht von 1785, Torbogen:'''
'''Leibzucht von 1785, Torbogen:'''


ANNO 1785 DEN Z.TEN IULIUS HAT HERMAN CHRISTOFEL HAVERGOH / UND SEINE HAUS FRAUHE ANNA SCHERLOTTE MEIERS AUS OHRESEN / HABEN DIS HAUS LASSEN BAUEN PSALM 1Z7 VERS. 1 WO DER HERR / NICHT DAS HAUS BAUET SO ARBEITEN UMSONST DIE DARAN BAUEN WO DER HERR / NICHT DIE STADT BEHUTET SO WACHET DER WECHTER UMSONST / M IOHANN / HERMAN / PLOGER
ANNO 1785 DEN Z.TEN IULIUS HAT HERMAN CHRISTOFEL HAVERGOH / UND SEINE HAUS FRAUHE ANNA SCHERLOTTE MEIERS AUS OHRESEN / HABEN DIS HAUS LASSEN BAUEN PSALM 1Z7 VERS. 1 WO DER HERR / NICHT DAS HAUS BAUET SO ARBEITEN UMSONST DIE DARAN BAUEN WO DER HERR / NICHT DIE STADT BEHUTET SO WACHET DER WECHTER UMSONST /.M. / IOHANN / HERMAN / PLOGER
 
Knaggen mit tartschenförmigen Wappenschilden und Resten von Bemalung. Auf der Knagge am linken Torständer befindet sich die eingeschnittene Jahreszahl ''1553''. Sie datiert ein älteres Meierhaus, von dem der Torbogen und zahlreiche Bauhölzer beim Bau des Leibzuchtshauses von 1785 wiederverwendet worden sind.


Knaggen mit tartschenförmigen Wappenschilden. Auf der Knagge am linken Torständer befindet sich die eingeschnittene Jahreszahl ''1553''. Sie datiert ein älteres Meierhaus, von dem der Torbogen und zahlreiche Bauhölzer beim Bau des Leibzuchtshauses von 1785 wiederverwendet worden sind.
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==


==Eigentümer*innen, Bewohner*innen<ref>Linde, Kachtenhausen 2004, S. 266ff.</ref>==
Angaben nach Linde, Kachtenhausen 2004, S. 266ff.


1437: ''curia in Havergoe, villicus Henneke'' (Rentenbuch des Klosters Abdinghof, Paderborn)
1437: ''curia in Havergoe, villicus Henneke'' (Rentenbuch des Klosters Abdinghof, Paderborn)