Hörster Bruch 1 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen
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Vorausgegangen ist offenbar der Abbruch eines alten Leibzuchtshauses und der Bau einer repräsentativen Pension/Gaststätte direkt gegenüber dem Saalbau des Hörster Kruges in den Jahren 1930/31 (vgl. zu Eigentümern/Bewohnern). Eine zuvor den Schwestern/Töchtern Toni und Elisabeth Hanning erteilte Schankerlaubnis wird mit der Beschwerde beschränkt auf den Zeitraum 15. April bis 15. Oktober jeden Jahres, da nur in diesen Zeiten Sommergäste in Hörste seien. In den übrigen Zeiten würden die vorhandenen Gaststätten Ostmann und Windmann im Ortskern Hörste sowie der Stapelager Krug den örtlichen Bedarf voll abdecken. | Vorausgegangen ist offenbar der Abbruch eines alten Leibzuchtshauses und der Bau einer repräsentativen Pension/Gaststätte direkt gegenüber dem Saalbau des Hörster Kruges in den Jahren 1930/31 (vgl. zu Eigentümern/Bewohnern). Eine zuvor den Schwestern/Töchtern Toni und Elisabeth Hanning erteilte Schankerlaubnis wird mit der Beschwerde beschränkt auf den Zeitraum 15. April bis 15. Oktober jeden Jahres, da nur in diesen Zeiten Sommergäste in Hörste seien. In den übrigen Zeiten würden die vorhandenen Gaststätten Ostmann und Windmann im Ortskern Hörste sowie der Stapelager Krug den örtlichen Bedarf voll abdecken. | ||
[[Datei:1967 Briefbogen Cafe Hanning.jpg|mini|Briefbogen Café Hanning, 1967; LAV NRW OWL, D 23 B Detmold. Lage, Blatt 75 I, S. 378]] | [[Datei:1967 Briefbogen Cafe Hanning.jpg|mini|Briefbogen Café Hanning, 1967; LAV NRW OWL, D 23 B Detmold. Lage, Blatt 75 I, S. 378]] | ||
Der nach bescheidenen Anfängen in 1928 bereits auf etwa 1000 Sommergäste im Jahre 1931 angewachsene Fremdenverkehr in Hörste wird wegen der Weltwirtschaftskrise in den Folgejahren zurückgegangen sein; bestehen bleiben aber sehr hohe Schulden aus dem ambitionierten Neubau: ''Ich, der Schuhmachermeister Friedrich Hanning, Hörste Nr. 39, bekenne hiermit (...) ein Darlehn von Goldmark 16.389,15 (...)erhalten zu haben (...) ab 1. August 1931 mit monatlich mindestens 85,-- Gm zu tilgen.''<ref>LAV NRW OWL, D 23 B Detmold. Lage, Blatt 75 I, S. 77</ref> Das ist offenbar nicht zu leisten; im Mai 1936 wird erstmals die (anzuberaumende) Zwangsversteigerung des Grundbesitzes im Grundbuch eingetragen, die Versteigerung dann aber durch (Teil-)Zahlung im letzten Moment abgewendet. Derlei gerät zur Routine und wiederholt sich in den 1950er und 1960er Jahren noch fünf mal.<ref>LAV NRW OWL, D 23 B Detmold. Lage, Blatt 75 II</ref> Betreibende Gläubiger sind Brauereien in Detmold, Herford und Dortmund, auswärtige Kaffee- und Weinlieferanten, das Finanzamt, die AOK und andere.<ref>LAV NRW OWL, D 23 B Detmold. Lage, Blatt 75 I - IV</ref> Jenseits all dessen pflegt man stets eine recht mondäne Außendarstellung im Hause Hanning. | Der nach bescheidenen Anfängen in 1928 bereits auf etwa 1000 Sommergäste im Jahre 1931 angewachsene Fremdenverkehr in Hörste wird wegen der Weltwirtschaftskrise in den Folgejahren zurückgegangen sein; bestehen bleiben aber sehr hohe Schulden aus dem ambitionierten Neubau: ''Ich, der Schuhmachermeister Friedrich Hanning, Hörste Nr. 39, bekenne hiermit (...) ein Darlehn von Goldmark 16.389,15 (...) erhalten zu haben (...) ab 1. August 1931 mit monatlich mindestens 85,-- Gm zu tilgen.''<ref>LAV NRW OWL, D 23 B Detmold. Lage, Blatt 75 I, S. 77</ref> Das ist offenbar nicht zu leisten; im Mai 1936 wird erstmals die (anzuberaumende) Zwangsversteigerung des Grundbesitzes im Grundbuch eingetragen, die Versteigerung dann aber durch (Teil-) Zahlung im letzten Moment abgewendet. Derlei gerät zur Routine und wiederholt sich in den 1950er und 1960er Jahren noch fünf mal.<ref>LAV NRW OWL, D 23 B Detmold. Lage, Blatt 75 II</ref> Betreibende Gläubiger sind Brauereien in Detmold, Herford und Dortmund, auswärtige Kaffee- und Weinlieferanten, das Finanzamt, die AOK und andere.<ref>LAV NRW OWL, D 23 B Detmold. Lage, Blatt 75 I - IV</ref> Jenseits all dessen pflegt man stets eine recht mondäne Außendarstellung im Hause Hanning. | ||
Café Hanning überdauert noch den Niedergang des Fremdenverkehrs in Hörste, und letztlich findet sich eine Lösung für die finanziellen Probleme, als Anfang der 1990er Jahre ein zur Stätte gehörender größerer Acker zu Bauland wird, dessen Verkauf die Schulden abdeckt. Das „Café Hanning“ wird geschlossen, das Haus verkauft. Es lebt in anderen Händen noch einmal einige Jahre als Bierlokal „Eicheneck“ auf, bis es zur endgültigen Schließung kommt. Einem weiteren Verkauf des Gebäudes folgt ein langer Leerstand, schließlich 2020 der Abriss. | Café Hanning überdauert noch den Niedergang des Fremdenverkehrs in Hörste, und letztlich findet sich eine Lösung für die finanziellen Probleme, als Anfang der 1990er Jahre ein zur Stätte gehörender größerer Acker zu Bauland wird, dessen Verkauf die Schulden abdeckt. Das „Café Hanning“ wird geschlossen, das Haus verkauft. Es lebt in anderen Händen noch einmal einige Jahre als Bierlokal „Eicheneck“ auf, bis es zur endgültigen Schließung kommt. Einem weiteren Verkauf des Gebäudes folgt ein langer Leerstand, schließlich 2020 der Abriss. | ||
Auf dem Grundstück in zentraler Lage entstehen danach moderne Wohnbauten ohne erkennbaren Bezug zum baulichen | Auf dem Grundstück in zentraler Lage entstehen danach moderne Wohnbauten ohne erkennbaren Bezug zum baulichen Bestand des Ortskerns von Hörste. | ||
[[Datei:1913 Hörste Ausbaulanung Hiddentrupper Str.jpg|mini|Gebäudegrundrisse 1913 der Stätte Hanning (links Saalbau des Hörster Kruges) (aus Ausbauplanung Hiddentrupper Str. / LAV NRW OWL, L 80.22 Nr. 453)]] | [[Datei:1913 Hörste Ausbaulanung Hiddentrupper Str.jpg|mini|Gebäudegrundrisse 1913 der Stätte Hanning (links Saalbau des Hörster Kruges) (aus Ausbauplanung Hiddentrupper Str. / LAV NRW OWL, L 80.22 Nr. 453)]] | ||
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[[Datei:HörsterBruch1_050410_1.jpg|thumb|Das zuletzt als Weinstube genutzte kleine Fachwerkhaus von 1772, abgebrochen 2020. Foto: Hans-Christian Schall, 2010]] | [[Datei:HörsterBruch1_050410_1.jpg|thumb|Das zuletzt als Weinstube genutzte kleine Fachwerkhaus von 1772, abgebrochen 2020. Foto: Hans-Christian Schall, 2010]] | ||
'''Fachwerkhaus von 1772''' östlich vom ehem. Café Hanning, | '''Fachwerkhaus von 1772''' östlich vom ehem. Café Hanning, möglicherweise der Gründungsbau der Straßenkötterstätte ''Strate vulgo Althof'' von 1772. Kleiner Dreiständerbau von vier Fachen mit Stallabseite rechts, eingehälsten Deckenbalken und ehemals verbretterten Giebeln. Reich gestalteter Torbogen mit langer, ungewöhnlicher Inschrift (s. Inschriften), auf den Ständern Vasen mit Blütenranken, Rose und Stern sowie Rankenornamenten auf den Kopfbändern, Zimmermeister I. K. Brinck. 1905 als Leibzucht bezeichnet (bei Genehmigung eines Anbaus), dieser Anbau vor 1931 abgerissen. In den 1950er Jahren Nutzung u. a. als Hörster Poststelle (siehe Foto), danach Umbau des Hauses zu „Hannings Weinstube“, um 2018 Abriss nach langem Leerstand. | ||
'''Gast- und Pensionshaus "Café Hanning", erbaut 1930/31''', abgerissen 2020. Großer, zweigeschossiger Putzbau mit Walmdach und zurückhaltender Gliederung durch Putzgesimse und vortretendes Dachgesims. Bekanntes und ortsbildprägendes | '''Gast- und Pensionshaus "Café Hanning", erbaut 1930/31''', abgerissen 2020. Großer, zweigeschossiger Putzbau mit Walmdach und zurückhaltender Gliederung durch Putzgesimse und vortretendes Dachgesims. Bekanntes und ortsbildprägendes Haus im Zentrum Hörster, geschlossen Anfang der 1990er Jahre. Nach längerem Leerstand 2020 abgerissen, an seiner Stelle entstanden moderne Eigentumswohnungen. | ||
Der Vorgängerbau des Café Hanning war ein '''kleines Fachwerkhaus''', möglicherweise die im Salbuch von 1781 nachgetragene Leibzucht, demnach erbaut zwischen 1781 und 1829, abgerissen vor 1930. | Der Vorgängerbau des Café Hanning war ein '''kleines Fachwerkhaus''', möglicherweise die im Salbuch von 1781 nachgetragene Leibzucht, demnach erbaut zwischen 1781 und 1829, abgerissen vor 1930. | ||