Teutoburger-Wald-Straße 16 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen

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Die Kleinkötterstätte Weber in Hörste ist seit 1497 in den Landschatzregistern nachweisbar: ''Weuirherman 1 m.'' (1497), ''Weuerherman 1/2 g.'' (1507), ''Weuer Gercke 1 Ort'' (1535), ''Weuergercke 1 Ort'' (1545), ''Weuergercke 1/2 Fl.'' (1562), ''Weuergercke 1/2 Ort'' (1572), ''Weffer Gerke 1 Ort'' (1590), ''Marten Wefer 20 g.'' (1603), ''Marten Weiffer 20 Gr.'' (1618).
Die Kleinkötterstätte Weber in Hörste ist seit 1497 in den Landschatzregistern nachweisbar: ''Weuirherman 1 m.'' (1497), ''Weuerherman 1/2 g.'' (1507), ''Weuer Gercke 1 Ort'' (1535), ''Weuergercke 1 Ort'' (1545), ''Weuergercke 1/2 Fl.'' (1562), ''Weuergercke 1/2 Ort'' (1572), ''Weffer Gerke 1 Ort'' (1590), ''Marten Wefer 20 g.'' (1603), ''Marten Weiffer 20 Gr.'' (1618).
   
   
Die Stätte war gräflich lippisch eigenbehörig und wurde als Hoppenplöcker geführt.
Die Stätte war gräflich lippisch eigenbehörig und wurde teils als Hoppenplöcker geführt.


Aus dem Jahre 1603 wird eine etwas delikate Angelegenheit berichtet: 1602 ist des Kötter Webers Frau verstorben <ref>LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 195 </ref>, und der Witwer mit drei Kindern — wohl der in den Schatzregistern genannte Marten Weber — hat noch im selben Jahr wieder geheiratet. ''Trine, der alten Beinschen zu Wellentrup dochter'', ist diese zweite Ehefrau.<ref>LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 196</ref> Irgendwie muss dem Lagenser Amtmann Johannes Backbier ein Jahr später zu Ohren gekommen sein, was man heute als höchst private Angelegenheit sehen würde, der Amtmann aber an das Geistliche Gericht in Detmold — die zentrale Stelle für Ehe- und Partnerschaftsfragen im damaligen Lippe — berichtet: <ref>LAV NRW OWL, L 85 Nr. 2291</ref>  .  .  . ''daß der Weffer zu Hörste an der alten Beinschen Tochter Trinen zu Wellentrup ehelich bestattet, folgends aber nach geendigter ehelicher Copulation, hatt sich gedachte Trine des Weffers genzlich geeußert'' (verweigert), ''vnndt Ihme nit ehelich beÿwohnen wollen, welches sich der Weffer hiebevör bei den wolgeb: unsern allerseits gnedig Hern vnderthenig abgeclagt, Ich s.''(selbst) ''auch gnedig darauf befohlen, man sollte sie ernstlich dahin ermahnen, daß sie Weffer ehelich wie sich deßen geziembt, beiwohnte, wo aber nit, sollte man sie durch Zwangsmittel dahin halten.    .  .  .'' Wie die Sache ausgeht, wird nicht berichtet. Sechs Jahre später in der Volkszählung wird Weber jedenfalls mit Frau und zwei Kleinkindern erfasst.<ref>LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 142, S. 136</ref>
Aus dem Jahre 1603 wird eine etwas delikate Angelegenheit berichtet: 1602 ist des Kötter Webers Frau verstorben <ref>LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 195 </ref>, und der Witwer mit drei Kindern — wohl der in den Schatzregistern genannte Marten Weber — hat noch im selben Jahr wieder geheiratet. ''Trine, der alten Beinschen zu Wellentrup dochter'', ist diese zweite Ehefrau.<ref>LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 196</ref> Irgendwie muss dem Lagenser Amtmann Johannes Backbier ein Jahr später zu Ohren gekommen sein, was man heute als höchst private Angelegenheit sehen würde, der Amtmann aber an das Geistliche Gericht in Detmold — die zentrale Stelle für Ehe- und Partnerschaftsfragen im damaligen Lippe — berichtet: <ref>LAV NRW OWL, L 85 Nr. 2291</ref>  .  .  . ''daß der Weffer zu Hörste an der alten Beinschen Tochter Trinen zu Wellentrup ehelich bestattet, folgends aber nach geendigter ehelicher Copulation, hatt sich gedachte Trine des Weffers genzlich geeußert'' (verweigert), ''vnndt Ihme nit ehelich beÿwohnen wollen, welches sich der Weffer hiebevör bei den wolgeb: unsern allerseits gnedig Hern vnderthenig abgeclagt, Ich s.''(selbst) ''auch gnedig darauf befohlen, man sollte sie ernstlich dahin ermahnen, daß sie Weffer ehelich wie sich deßen geziembt, beiwohnte, wo aber nit, sollte man sie durch Zwangsmittel dahin halten.    .  .  .'' Wie die Sache ausgeht, wird nicht berichtet. Sechs Jahre später in der Volkszählung wird Weber jedenfalls mit Frau und zwei Kleinkindern erfasst.<ref>LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 142, S. 136</ref>


Marten Weber verstirbt 1618; vermutlich folgt ihm ein Interimswirt, der wiederum 1635/36 verstirbt. In der nächsten Generation kommt es erneut zu zwei Ehen — einer ersten um 1630 und einer zweiten nach dem Tode des jungen Kötters 1635/36 durch Wiederheirat der Witwe Sophie Weber 1638. Drei Kinder aus diesen beiden Ehen leben Ende 1656: Simon, 25 Jahre; Cordt, 18 Jahre; Frantz, 12 Jahre.<ref>in der Volkszählung Ende 1648 werden ''3 erwachsene Kinder'' sowie ''2'' (Kinder) ''unter 8 Jahren'' genannt. Zwei Kinder (eins vor 1640, eins nach 1640 geboren) sind offenbar zwischen Ende 1648 und Ende 1656 verstorben. LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 1424, S. 326</ref>
Marten Weber verstirbt 1618; ihm folgt als Interimswirt Simon (Jo)Hanning<ref>LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 211, S. 79</ref> von Hörste Nr. 6, der wiederum 1635 verstirbt. In der nächsten Generation kommt es erneut zu zwei Ehen — einer ersten um 1630 und einer zweiten nach dem Tode des jungen Kötters 1635/36 durch Wiederheirat der Witwe Sophie Weber 1638. Drei Kinder aus diesen beiden Ehen leben Ende 1656: Simon, 25 Jahre; Cordt, 18 Jahre; Frantz, 12 Jahre.<ref>In der Volkszählung Ende 1648 werden ''3 erwachsene Kinder'' sowie ''2 unter 8 Jahren'' genannt. Zwei Kinder (eins vor 1640, eins nach 1640 geboren) sind offenbar zwischen Ende 1648 und Ende 1656 verstorben. LAV NRW OWL, L 92 Z Nr. 1424, S. 326</ref>


Über Generationen verläuft das Leben auf der Weber-Stätte wie weithin üblich — die wohl einzige Besonderheit: Man ist nicht nur Weber (und Ziegler), sondern heißt auch so. Gleichwohl wird der Ende des 19. Jahrhunderts die Stätte besitzende Kötter August Weber entgegen den Vorgenerationen ausschließlich als Ziegler bezeichnet, denn zu dieser Zeit lässt sich mit Weben kein Geld mehr verdienen. War einst die Finanzlage gut (1645: ''hat einzufordern 100 Thllr.''), werden im 19. Jahrhundert die Schulden mehr und mehr. Lebten 1645 drei (überlebende) Kinder auf der Stätte, gilt es im 19. Jahrhundert, sechs und mehr Kinder in jeder Generation abzufinden.
Über Generationen verläuft das Leben auf der Weber-Stätte wie weithin üblich — die wohl einzige Besonderheit: Man ist nicht nur Weber (und Ziegler), sondern heißt auch so. Gleichwohl wird der Ende des 19. Jahrhunderts die Stätte besitzende Kötter August Weber entgegen den Vorgenerationen ausschließlich als Ziegler bezeichnet, denn zu dieser Zeit lässt sich mit Weben kein Geld mehr verdienen. War einst die Finanzlage gut (1645: ''hat einzufordern 100 Thllr.''), werden im 19. Jahrhundert die Schulden mehr und mehr. Lebten 1645 drei (überlebende) Kinder auf der Stätte, gilt es im 19. Jahrhundert, sechs und mehr Kinder in jeder Generation abzufinden.
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1893 verkauft August Weber I schließlich 1,23 Hektar Land für 4700 Mark an den Kleinkötter u. Ziegler Dietrich Hellweg, Hörste Nr. 28, um aus dem Erlös die Schulden zu mindern. Die Rentkammer befindet in ihrer Genehmigung, dass die Stätte Nr. 28 verbessert werde, das Colonat Weber andererseits mit über 11 Hektar auch nach dem Verkauf noch genügend groß bleibe.
1893 verkauft August Weber I schließlich 1,23 Hektar Land für 4700 Mark an den Kleinkötter u. Ziegler Dietrich Hellweg, Hörste Nr. 28, um aus dem Erlös die Schulden zu mindern. Die Rentkammer befindet in ihrer Genehmigung, dass die Stätte Nr. 28 verbessert werde, das Colonat Weber andererseits mit über 11 Hektar auch nach dem Verkauf noch genügend groß bleibe.


Nach dem Tod des Kötters August Weber II 1955 geht die Stätte seinem Testament gemäß an eine auf der Stätte lebende Tochter, später dann an einen Enkel über. Mitte der 1980er Jahre, als kleinteilige Landwirtschaft bereits weitgehend der Vergangenheit angehört, kommt die Stätte Weber in andere Hände, und auf der bisherigen Hofstelle entsteht das heutige Seniorenzentrum Weberhof. Nicht nur der Name dieser Einrichtung, auch das eine erhaltene, restaurierte und in die Seniorenanlage einbezogene Haus der Stätte Nr. 12  -  seit 1981 das älteste Haus Hörstes  -  stellen die Brücke dar zwischen Geschichte und Gegenwart dieses Ortes.
Nach dem Tod des Kötters August Weber II 1955 geht die Stätte seinem Testament gemäß an eine auf der Stätte lebende Tochter, später dann an einen Enkel über. In den 1980er Jahren, als kleinteilige Landwirtschaft bereits weitgehend der Vergangenheit angehört, kommt die Stätte Weber in andere Hände, und auf der bisherigen Hofstelle entsteht das heutige Seniorenzentrum Weberhof. Nicht nur der Name dieser Einrichtung, auch das eine erhaltene, restaurierte und in die Seniorenanlage einbezogene Haus der Stätte Nr. 12  -  seit 1981 das älteste Haus Hörstes  -  stellen die Brücke dar zwischen Geschichte und Gegenwart dieses Ortes.


==Gebäude==
==Gebäude==
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==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
ca. 1590 - 1618 Marten Weber (o. eingeheir.) († 1617/18), ∞ (I) um 1590 NN (o. Weber) († 1602), ∞ (II) 1602 Trine Beine aus Wellentrup
ca. 1590 - 1618 Marten Weber (o. eingeheir.) († 1617/18), ∞ (I) um 1590 NN (o. Weber) († 1602), ∞ (II) 1602 Trine Beine aus Wellentrup, diese ∞ (III) um 1618 Simon (Jo)Hanning († 1635) von Hörste Nr. 6, der Interimswirt Weber wird


• 3 Kinder aus erster Ehe, * vor 1603
• 3 Kinder aus erster Ehe, * vor 1603
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ca. 1630 - 1635/36  Sohn des Marten Weber (o. eingeheir.) (um 1595 - 1635/36), ∞ (I) um 1630 Sophie NN (o. Weber) († 1665/66), diese ∞ (II) 1638 Jobst Schäfer o. Kalkreuter (* ca. 1607) aus der Kalkreute, der Interimswirt Weber wird
1618 - ca. 1632  Simon Weber, geb. (Jo)Hanning (s.o.)
 
 
ca. 1632 - 1635/36  NNm Weber, Sohn des Marten Weber (o. eingeheir.) (um 1595 - 1635/36), ∞ (I) um 1630 Sophie NN (o. Weber) († 1665/66), diese ∞ (II) 1638 Jobst Schäfer o. Kalkreuter (* ca. 1607) aus der Kalkreute, der Interimswirt Weber wird


Kinder aus 2 Ehen:
Kinder aus 2 Ehen:


• Simon, * 1631, Anerbe
• Simon, * 1631, Anerbe (vermutlich ist Stiefgroßvater Taufpate)


• Cordt, * 1638, ∞ 1664 (kauft sich 1664 frei)
• Cordt, * 1638, ∞ 1664 (kauft sich 1664 frei)