Langer Steinweg 8 (Blomberg): Unterschied zwischen den Versionen

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|Straße1901=Langer Steinweg
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|Hausnummer1901=8
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}}Alte Hausnummer Blomberg Nr. 269. Große bürgerliche Hausstätte, Fachwerk-Dielenhaus mit Saal des späten 16. Jahrhunderts, 1912 abgebrochen und durch historistischen Neubau ersetzt. Der abgebrochene Bau war eines der bedeutendsten Fachwerkhäuser der Spätrenaissance in Blomberg und ist durch historische Fotografien und Aufmaßzeichnungen (Charton und Stiehl 1883, Henrici 1892, Ebinghaus 1912) ungewöhnlich gut dokumentiert.
}}Alte Hausnummer Blomberg Nr. 269. Große, mittelalterliche bürgerliche Hausstätte, Fachwerk-Dielenhaus mit Saal des späten 16. Jahrhunderts, 1912 abgebrochen und durch historistischen Neubau ersetzt. Der abgebrochene Bau war eines der bedeutendsten Fachwerkhäuser der Spätrenaissance in Blomberg und ist durch historische Fotografien und Aufmaßzeichnungen (Charton und Stiehl 1883, Henrici 1892, Ebinghaus 1912) ungewöhnlich gut dokumentiert.
[[Datei:Langer Steinweg 8 Haase 2008.jpg|mini|Langer Steinweg 8, heutiges Wohn- und Geschäftshaus von 1912. Foto: Rüdiger Haase, 2008]]
[[Datei:Langer Steinweg 8 Haase 2008.jpg|mini|Langer Steinweg 8, heutiges Wohn- und Geschäftshaus von 1912. Foto: Rüdiger Haase, 2008]]
[[Datei:Langer Steinweg 8 um 1900 Slg Stiewe.jpg|mini|Blomberg, Langer Steinweg 8, Fotografie um 1910. Reicher Fachwerkgiebel der Spätrenaissance, abgebrochen 1912. Sammlung Stiewe]]
[[Datei:Langer Steinweg 8 um 1900 Slg Stiewe.jpg|mini|Blomberg, Langer Steinweg 8, Fotografie um 1910. Reicher Fachwerkgiebel der Spätrenaissance, abgebrochen 1912. Sammlung Stiewe]]
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==Geschichte==
==Geschichte==
Mittelalterliche Hausstätte, Ende des 16. Jahrhunderts mit großem Fachwerk-Dielenhaus mit Saal bebaut. Mutmaßlicher Erbauer war Cord von Braunschweig aus Kassel, 1590 Amtsschreiber im Amt Sternberg, später Amtmann in Blomberg. Er strab 1634 mit seiner zweiten Frau Cahtharina Höcker an der Pest. Weitere Eigentümer und Bewohner waren ein Offizier aus Magdeburg, Kaufleute und Bäcker sowie Lohgerber. 1912 erwarb es der Sattlermeister August Mariß. Er ließ das alte Haus abbrechen und durch den erhaltenen Neubau ersetzen.
Mittelalterliche Hausstätte, Ende des 16. Jahrhunderts mit großem Fachwerk-Dielenhaus mit Saal bebaut. Mutmaßlicher Erbauer war Cord von Braunschweig aus Kassel, 1590 Amtsschreiber im Amt Sternberg, später Amtmann in Blomberg. Er strab 1634 mit seiner zweiten Frau Catharina, geb. Höcker, an der Pest. Weitere Eigentümer und Bewohner waren der Hauptmann Andreas Böneke aus Magdeburg, verschiedene Kaufleute und Bäcker sowie Lohgerber. 1912 erwarb es der Sattlermeister August Mariß. Er ließ das alte Haus abbrechen und durch den erhaltenen Neubau ersetzen.


==Gebäude==
==Gebäude==
'''Heutiger Bau von 1912:''' Zweigeschossiges, giebelständiges Wohn- und Geschäftshaus, historistischer Putzbau mit Bruchsteinfassade im EG und Werksteingliederung, dreifach vorkragender Fachwerkgiebel, im 1. OG links Fachwerkerker auf vier Kragsteinen. Zierschnitzereien der Neorenaissance, am Erker drei Brüstungsbohlen mit Rollwerkkartuschen, mittlere mit Datierung "19.12". Bauzeitlicher Ladeneinbau im Erdgeschoss rechts mit Mitteleingang und zwei großen Schaufenstern mit Werksteingewänden.
'''Heutiger Bau von 1912:''' Zweigeschossiges, giebelständiges Wohn- und Geschäftshaus, historistischer Putzbau mit Bruchsteinquader-Fassade im EG und Werksteingliederung, dreifach vorkragender Fachwerkgiebel, im 1. OG links Fachwerkerker auf vier Kragsteinen. Zierschnitzereien der Neorenaissance, am Erker drei Brüstungsbohlen mit Rollwerkkartuschen, mittlere mit Datierung 1912. Bauzeitlicher Ladeneinbau mit Mitteleingang und zwei großen Schaufenstern mit Werksteingewänden im Erdgeschoss rechts .


'''Altbau, spätes 16. Jahrhundert, abgebrochen 1912:''' Rekonstruktion der ursprünglichen Bau- und Raumstruktur nach rekonstruierender Fassadenansicht von Charton und Stiehl (1883) und schematischem Aufmaß von Hugo Ebinghaus (1912): Fachwerk-Giebelhaus, ursprünglich zweischiffiges Dielenhaus (Dreiständerbau) von sieben Fachen (8 Gebinden) mit rückwärtigem Saal-Hinterhaus von vier Fachen. Steiles Sparrendach mit Spitzständerdachwerk, Bodenluke mit Aufzugrad zwischen zwei Spitzständern im 3. Fach. Das 1912 abgebrochene Gebäude war das bedeutendste Fachwerk-Bürgerhaus der Spätrenaissance in Blomberg, reiche Zahschnittdekoration der Fassade in enger Abhängigkeit vom Rathaus (1587). Auch in seiner inneren Raumstruktur und Ausstattung (Dielen- und Saalkamin, Saalfenster mit alter Bleiverglasung) war das Haus sehr gut erhalten.
'''Altbau, spätes 16. Jahrhundert, abgebrochen 1912:''' Rekonstruktion der ursprünglichen Bau- und Raumstruktur nach rekonstruierender Fassadenansicht von Charton und Stiehl (1883) und schematischem Aufmaß von Hugo Ebinghaus (1912): Fachwerk-Giebelhaus, ursprünglich zweischiffiges Dielenhaus (Dreiständerbau) von sieben Fachen (8 Gebinden) mit rückwärtigem Saal-Hinterhaus von vier Fachen. Steiles Sparrendach mit Spitzständerdachwerk, Bodenluke mit Aufzugrad zwischen zwei Spitzständern im 3. Fach. Das 1912 abgebrochene Gebäude war das bedeutendste Fachwerk-Bürgerhaus der Spätrenaissance in Blomberg, reiche Zahschnittdekoration der Fassade in enger Abhängigkeit vom Rathaus (1587). Auch in seiner inneren Raumstruktur und Ausstattung (Dielen- und Saalkamin, Saalfenster mit alter Bleiverglasung) war das Haus sehr gut erhalten.
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==Inschriften==
==Inschriften==
Torbogen: Inschrift vermutlich abgearbeitet oder verwittert, auf historischen Fotos nicht erkennbar. Umlaufendes breites Zierband mit zwei Taubändern und mittiger Perlschnur, unten in Schlingen auslaufend.
'''Neubau von 1912:'''
Erker im 1. OG, mittlere Brüstungsbohle: ''19.12''
 
'''Altbau, Ende 16. Jh.:'''
Torbogen: Inschrift vermutlich abgearbeitet, auf historischen Fotos nicht erkennbar. Umlaufendes breites Zierband mit zwei Taubändern und mittiger Perlschnur, unten in Schlingen auslaufend.


Giebelinschrift auf breiter, vorgenagelter Bohle mit Zahnschnittkanten, unterhalb des Rähms:
Giebelinschrift auf breiter, vorgenagelter Bohle mit Zahnschnittkanten, unterhalb des Rähms:
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{{StieweHausbau1996}}.
{{StieweHausbau1996}}.
Reinhard Vogelsang, Bielefeld in alten Ansichten, Zaltbommel 198#


==Quellen==
==Quellen==