Döringsfeld 1 (Remmighausen): Unterschied zwischen den Versionen

Abbildung eingefügt
Joachim Kleinmanns (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
 
(17 dazwischenliegende Versionen von einem anderen Benutzer werden nicht angezeigt)
Zeile 8: Zeile 8:
|Wohnplatz1901=Döringsfeld
|Wohnplatz1901=Döringsfeld
|Hausnummer1901=001
|Hausnummer1901=001
}}Vor 1390 gegründeter Hof, seit 1590 unter dem Namen Döringsfeld erwähnt, ehemals Remmighausen Nr. 1.
}}Großer Meierhof in Einzellage, um 1390 erstmals im Schatzregister erwähnt, seit 1590 unter dem Namen Döringsfeld, ehemals Remmighausen Nr. 1. Das eindrucksvolle Meierhaus von 1592 brannte 1917 ab, ist aber durch einige frühe Fotografien und zwei Gemälde von Bruno Wittenstein relativ gut dokumentiert.
[[Datei:Döringsfeld, Eiche Düstersiek um 1920 LLB BA DT-58-54.jpg|mini|Döringsfeld, alte Eiche mit Hofgebäuden. Foto: Ferdinand Düstersiek, um 1920 (LLB, BA DT-58-54)]]
[[Datei:Döringsfeld, Eiche Düstersiek um 1920 LLB BA DT-58-54.jpg|mini|Döringsfeld, alte Eiche mit Hofgebäuden. Foto: Ferdinand Düstersiek, um 1920 (LLB, BA DT-58-54)]]
[[Datei:Döringsfeld 1592, Traufwansds Fritz Günther vor 1917 LLB BA DT-59-52.jpg|mini|Döringsfeld, Meierhaus von 1592, Traufwand mit Seiteneingang. Foto: Fritz Günther vor 1917 (LLB BA-DT 59-52)]]
[[Datei:Döringsfeld 1592, Traufwansds Fritz Günther vor 1917 LLB BA DT-59-52.jpg|mini|Döringsfeld, Meierhaus von 1592, Traufwand mit Seiteneingang. Foto: Fritz Günther vor 1917 (LLB BA-DT 59-52)]]
[[Datei:Döringsfeld, 1592, Traufwand, Knaggen Fritz Günther vor 1917, Ausschnitt LLB BA-DT 59-52.jpg|mini|Döringsfeld, Meierhaus von 1592, linke Traufwand, Knaggen. Foto: Fritz Günther (Ausschnitt, LLB BA-DT 59-52]]
[[Datei:Döringsfeld, Flett Böse 1928.jpg|mini|Döringsfeld, Flett im Meierhaus von 1592. Foto: Fritz Böse 1928]]
[[Datei:Döringsfeld, 1592, Flett Bruno Wittenstein, vor 1917.jpg|mini|Döringsfeld, Flett im Meierhaus von 1592. Gemälde von Bruno Wittenstein, vor 1917 (Lippisches Landesmuseum Detmold)]]
[[Datei:Döringsfeld, Herdstelle Wittenstein um 1900.jpg|mini|Döringsfeld, Herdstelle. Gemälde von Bruno Wittenstein, um 1900. (Lippisches Landesmuseum Detmold)]]
[[Datei:Döringsfeld, rechts Meierhaus mit Kammerfach 18. Jh, links Längsdurchfahrtsscheune Landfrauen 1986, 450.jpg|mini|Döringsfeld, Kammerfachgiebel des Meierhauses (18. Jh., rechts) und Durchfahrtsscheune (links). Foto vor 1917 (Detmolder Landfrauen 1986)]]
[[Datei:Döringsfeld Kammerfach 18. Jh Fritz Günther vor 1917 LLB BA DT-59-51.jpg|mini|Döringsfeld, Meierhaus von 1592, Kammerfachgiebel des 18. Jahrhunderts. Foto: Fritz Günther, vor 1917 (LLB BA-DT 59-51)]]


==Geschichte==
==Geschichte==
Der Hof liegt am weitesten außerhalb des eigentlichen Dorfes einsam hinter Hügeln und Wäldchen, durchflossen von der Wörbke. Früher auch der Bauerschaft Leistrup-Meiersfeld zugerordnet, Im Salbuch von 1782 endgültig zu Remmighausen. Eine gute Wegeverbindung besteht nur nach Leistrup-Meiersfeld, nicht nach Lenstrup oder Remmighausen.<ref>{{SchnareRemmighausen1952}}, S. 16.</ref>
Der Einzelhof Döringsfeld liegt in etwa 2 km Entfernung nordöstlich des Dorfes Remmighausen. Die Hofstelle in einer reizvollen Hügellandschaft ist von Wald umgeben und wird von der Wörbke durchflossen. Auf dem Hof stand eine mächtige, mehrere Jahrhunderte alte Eiche, die in den 1950er Jahren zusammengebrochen ist. Früher wurde der Hof auch der nordöstlich benachbarten Bauerschaft Leistrup-Meiersfeld zugerordnet, erst im Salbuch von 1782 kam er endgültig zu Remmighausen. Eine gute Wegeverbindung besteht nur nach Leistrup-Meiersfeld, nicht nach Lenstrup oder Remmighausen.<ref>{{SchnareRemmighausen1952}}, S. 16.</ref>


Der Hof ist unter dem Namen Döringsfeld erstmals im Landschatz 1590 beim Wohnplatz Lenstrup erwähnt: Doringsfeldt 2 ½ Fl.,<ref>{{StöwerLandschatzregister1964}}, S. 4.</ref> aber sicherlich älter und mit dem um 1390 "To Lenstynchtorpe" genannten "Bernd" gleichzusetzen.<ref>{{StöwerLandschatzregister2001}}, S. 144.</ref> 1467 und 1497 wird der Hof dann unter dem Namen "Henne" geführt, 1507 "Gerde".<ref>{{StöwerLandschatzregister2001}}, S. 113.</ref>
Der Hof ist unter dem Namen Döringsfeld erstmals im Landschatz 1590 beim Wohnplatz Lenstrup erwähnt: Doringsfeldt 2 ½ Fl.,<ref>{{StöwerLandschatzregister1964}}, S. 4.</ref> aber sicherlich älter und mit dem um 1390 "To Lenstynchtorpe" genannten "Bernd" gleichzusetzen.<ref>{{StöwerLandschatzregister2001}}, S. 144.</ref> 1467 und 1497 wird der Hof dann unter dem Namen "Henne" geführt, 1507 heißt der Inhaber "Gerde".<ref>{{StöwerLandschatzregister2001}}, S. 113.</ref>
Im Salbuch 1614 unter Nr. 304. Doringßfeldtt. Pferde 6, 3 Stoten, Vahlen 1; das Land zu 3 F. Haber; zu vollr Mastung 8 Schweine; Hawwachs zu 5 F.; Kühe 10, Rinder 8, Kalbr 6, Schweine 15. Gibt auch jahrlichs M. G. H. 1 feist Schwein; der Aigentumb M. G. H. Symon Schwartzen den Zehenden 3 Mt. Korn, auch den Fleischzehenden; Garn jahrlichs 4 Stucke. NB. Symon Boßen 3 Mt. Korn, auch jahrlichs 1 feist Schwein, item jahrlichs 3 TIr. Dienstgelt. Den Burgfest M. G. H.; gibt auch jahrlichs in die Rentcammer. Schafe 20. Zum halben Landschatze 2½ Gfl.; gibt auch jahrlich M. G. H. 1 feist Schwein. Hat ufm Zinse 90 TIr.<ref>{{StöwerSalbücher1969}}, S. 36 f.</ref> Nach dem Landschatzregister von 1618 unter "Lenstorff" (Lenstrup) zahlte "Dorringsveldt" 5 Gfl.<ref>{{StöwerLandschatzregister1964}}, S. 4.</ref> Nach dem Salbuch von 1721 war Herman Christoff Dörringsfeldt ein Vollspänner mit "1 Wohnhauß, 1 Leibzuchtshauß, 1 Backhaus, 1 Schoppen und Pferdehauß, 1 Gebäu, 1 Schweinestall und 1 alte Scheuer".<ref>LAV NRW OWL, L 101 C I / Lippische Salbücher und Katasterbücher, Nr. 20: Salbuch der Vogtei Detmold von 1721, Bd. 1, 1721, fol. 196.</ref> Zwei Generationen später, 1782, ist er nur noch ein großer Halbmeier: Salbuch 1782 Nr. 1 Dörringsfeld, ein großer Halbmeyer, war der Landesherrschaft leibeigen (1777 freigesprochen) und zahlte Sterbfall und Weinkauf; an Gebäuden waren vorhanden: Wohnhaus, Leibzucht, Pferdehaus und Schoppen, Backhaus, Schweinehaus, Holzschoppen.<ref>LAV NRW OWL, L 101 C I (Lippische Salbücher und Katasterbücher), Nr. 37, Salbuch der Vogtei Detmold von 1782, S. 797.</ref> Im Salbuch von 1827 hat sich nichts verändert.<ref>LAV NRW OWL, L 101 C I (Lippische Salbücher und Katasterbücher), Nr. 41, Salbuch der Vogtei Detmold von 1827, S. 1205.</ref> Im nachfolgenden Salbuch von 1854 ist vermerkt, dass Döringsfeld durch Verheiratung 1876 an Friedrich Berghahn übertragen wurde.<ref>LAV NRW OWL, L 101 C I (Lippische Salbücher und Katasterbücher), Nr. 53, Salbuch der Vogtei Detmold von 1854, Bd. 2, S. 1103.</ref> 1859 konnte Döringsfeld vom Kolonat Hüppe Nr. 6 Land erwerben.<ref>LAV NRW OWL, L 108 Detmold / Amt Detmold, Nr. Fach 30 Nr. 15 - Band: I: Veräußerung von Grundeigentum, Anlegung von Neuwohnerstätten etc. in der Bauerschaft Remmighausen, Band 1, 1783-1852, Nr. 28: Landverkauf vom Kolonat Hüppe oder Kuhlo Nr. 6 an Kolon Döringsfeld Nr. 1 zu Oberschönhagen, 1859.</ref>
 
Im Salbuch von 1614 unter Nr. 304: ''Doringßfeldtt. Pferde 6, 3 Stoten, Vahlen 1; das Land zu 3 F. Haber; zu vollr Mastung 8 Schweine; Hawwachs zu 5 F.; Kühe 10, Rinder 8, Kalbr 6, Schweine 15. Gibt auch jahrlichs M. G. H. 1 feist Schwein; der Aigentumb M. G. H. Symon Schwartzen den Zehenden 3 Mt. Korn, auch den Fleischzehenden; Garn jahrlichs 4 Stucke. NB. Symon Boßen 3 Mt. Korn, auch jahrlichs 1 feist Schwein, item jahrlichs 3 TIr. Dienstgelt. Den Burgfest M. G. H.; gibt auch jahrlichs in die Rentcammer. Schafe 20. Zum halben Landschatze 2½ Gfl.; gibt auch jahrlich M. G. H. 1 feist Schwein. Hat ufm Zinse 90 TIr.'' <ref>{{StöwerSalbücher1969}}, S. 36 f.</ref> Im Landschatzregister von 1618 unter "Lenstorff" (Lenstrup) verzeichnet, musste "Dorringsveldt" 5 Gfl. (Goldflorin) zahlen.<ref>{{StöwerLandschatzregister1964}}, S. 4.</ref>  
 
Nach dem Salbuch von 1721 war ''Herman Christoff Dörringsfeldt'' ein Vollspänner mit ''1 Wohnhauß, 1 Leibzuchtshauß, 1 Backhaus, 1 Schoppen und Pferdehauß, 1 Gebäu, 1 Schweinestall und 1 alte Scheuer.'' <ref>LAV NRW OWL, L 101 C I / Lippische Salbücher und Katasterbücher, Nr. 20: Salbuch der Vogtei Detmold von 1721, Bd. 1, 1721, fol. 196.</ref> Zwei Generationen später, im Salbuch von 1782, wurde er nur noch als großer Halbmeier eingestuft: ''Nr. 1 Dörringsfeld, ein großer Halbmeyer, war der Landesherrschaft leibeigen (1777 freigesprochen) und zahlte Sterbfall und Weinkauf; an Gebäuden waren vorhanden: Wohnhaus, Leibzucht, Pferdehaus und Schoppen, Backhaus, Schweinehaus, Holzschoppen.<ref>LAV NRW OWL, L 101 C I (Lippische Salbücher und Katasterbücher), Nr. 37, Salbuch der Vogtei Detmold von 1782, S. 797.</ref> Im Salbuch von 1827 hat sich nichts verändert.<ref>LAV NRW OWL, L 101 C I (Lippische Salbücher und Katasterbücher), Nr. 41, Salbuch der Vogtei Detmold von 1827, S. 1205.</ref>  
 
Im nachfolgenden Salbuch von 1854 ist vermerkt, dass Döringsfeld durch Verheiratung 1876 an Friedrich Berghahn übertragen wurde.<ref>LAV NRW OWL, L 101 C I (Lippische Salbücher und Katasterbücher), Nr. 53, Salbuch der Vogtei Detmold von 1854, Bd. 2, S. 1103.</ref> 1859 konnte Döringsfeld vom Kolonat Hüppe Nr. 6 Land erwerben.<ref>LAV NRW OWL, L 108 Detmold / Amt Detmold, Nr. Fach 30 Nr. 15 - Band: I: Veräußerung von Grundeigentum, Anlegung von Neuwohnerstätten etc. in der Bauerschaft Remmighausen, Band 1, 1783-1852, Nr. 28: Landverkauf vom Kolonat Hüppe oder Kuhlo Nr. 6 an Kolon Döringsfeld Nr. 1 zu Oberschönhagen, 1859.</ref>


Durch Heirat und Zukauf wuchs der Hof bis Mitte 20. Jh. vom drittgrößten zum größten Hof der Gemeinde.<ref>{{SchnareRemmighausen1952}}, S. 16.</ref>
Durch Heirat und Zukauf wuchs der Hof bis Mitte 20. Jh. vom drittgrößten zum größten Hof der Gemeinde.<ref>{{SchnareRemmighausen1952}}, S. 16.</ref>


==Gebäude==
==Gebäude==
===Haupthaus===
===Meierhaus von 1592===
Das alte Haupthaus, ein Fachwerkhaus aus dem Jahr 1592, ist am 7. Juni 1917 abgebrannt. Dabei gingen unersetzliche Akten und eine Chronik zugrunde. Ein Modell des Hauses und einige Fotos des Inneren findet man im Lippischen Landes-Museum.<ref>{{SchnareRemmighausen1952}}, S. 16.</ref> Das Dach war mit Höxterplatten gedeckt. Torbogen mit Inschrift (s. u.). Das Haus war im Äussern wie im Innern ausgezeichnet im alten Zustand erhalten. Am Ende der Deele die Herstelle, darüber der Bosen (Rauchfang), getragen von steinernen, profilierten Konsolen.<ref>[https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/pageview/10093452 Otto Gaul, Detmold-Land, unveröff. Typoskript, um 1935].</ref>
Das alte Meierhaus, ein großer Fachwerkbau aus dem Jahr 1592, ist am 7. Juni 1917 abgebrannt. Dabei gingen wertvolle Hofakten und eine alte Familienchronik verloren. Ein Modell des Hauses, zwei Gemälde von Bruno Wittenstein und einige Fotos aus dem Innern befinden sich im Lippischen Landesmuseum Detmold.<ref>{{SchnareRemmighausen1952}}, S. 16.</ref> Das Dach war zumindest in Teilen mit Höxterplatten gedeckt. Der Torbogen mit Inschrift von 1592 (s. u.) befand sich an der Nordseite; der verbretterte Giebel war auf profilierten Knaggen vorgekragt. Der große Vierständerbau war im Äußern wie im Innern in einem sehr alten Zustand erhalten. "An der Dielen-Rückwand (lag) die Herstelle mit 'Bosen' (Rauchfang) auf profilierten Steinkonsolen." <ref>[https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/pageview/10093452 Otto Gaul, Detmold-Land, unveröff. Typoskript, um 1935, S. 75].</ref>
Schnare beschreibt Deele und Flett nach einem Foto: "Auf der Dehle war die Feuerstelle, wie sie ein Photo noch zeigt. Sie ist aber schon modernisiert; denn links sehen wir einen merkwürdig geformten Eisenofen mit drei Kochstellen, dahinter einen Backsteinaufbau mit einer Eisenplatte zum Backen von Plätzchen, Pickert usw. Rechts ist ein sogenannter Schweinepott aufgestellt. Ganz rechts ist die Tür zum Wohnzimmer. Das viereckige Loch dicht über der Erde ist die Ofentür zu einem Wandofen. Links daneben wesentlich höher sieht man das Lett, durch das der Bauer seinen Kopf steckte, wenn er morgens die Mädchen weckte. (Die Knechte schliefen im Pferdestall.) Links hoch neben der Feuerstelle sehen wir ein zweites Lett, es war mit einem Schiebetürchen versehen. Mitten im Haus, hinter der Feuerstelle, lag ein Geheimzimmer in einer Größe von zirka zwanzig Quadratmetern. Es hatte kein Fenster, und die einzige Tür nach dem Nebenzimmer wurde mit einem Schrank verstellt. Auch wenn man den Schrank auf die Seite rückte, war die Tür als solche nicht erkennbar. In diesem Zimmer sind über viele Jahrhunderte die Wertsachen untergebracht gewesen, darunter auch die sehr dicke Familienchronik, die in Schweinsleder gebunden war. Niemals ist dies Zimmer in Kriegs-und Notzeiten von unberufenen Menschen betreten worden. Nicht einmal nahe Verwandte wußten von diesem Geheimnis."<ref>{{SchnareRemmighausen1952}}, S. 17.</ref>
 
===Leibzucht===
Diele, Flett und Herdstelle des Hauses sind in zwei Gemälden von Bruno Wittenstein überliefert (Lippisches Landesmuseum Detmold), außerdem gibt es eine Fotografie von Fritz Böse.<ref>Fritz Böse, Das lippische Bauern- und Ackerbürgerhaus, in: Lippischer Dorfkalender 1928, S. 97-116, hier: S. 100.</ref> Das Flett bestand aus einer hohen Lucht unter einem durchlaufenden Rähm mit Kopfbändern links und einer halbhohen Lucht mit einem kräftigen Unterschlagriegel ("Unnerslag") rechts (s. Gemälde von Bruno Wittenstein). In der Mitte vor der Rückwand lag die große Kaminfeuerstelle mit dem gemauerten Schornstein in der Mitte, steinernen Konsolen und einem hölzernen Rauchfang ("Bosen") darüber; der große Kessel hing noch bis zuletzt an einem mächtigen hölzernen Wendebaum über dem offenen Feuer.<ref>Wilhelm Hansen, Hauswesen und Tagewerk im alten Lippe. Ländliches Leben in vorindustrieller Zeit. Münster 1982, S. 86.</ref>
"Frontgiebel vorgekragt auf schmächtigen Knaggen, noch von gotisierender Form und mit Ziermustern. Die Ständer mit Kopfbügen. Wohnteil angebaut 1773. Über der Tür Inschrift" (s. u.).<ref>[https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/pageview/10093452 Otto Gaul, Detmold-Land, unveröff. Typoskript, um 1935].</ref> 1952 beschrieb Schnare auch die Leibzucht: "Eine der dicksten Eichen weit und breit (zirka 500 Jahre alt) wirft noch heute ihren kühlen Schatten über das langsam verfallende Leibzuchtgebäude mit der Jahreszahl 1773. In diesem Jahre haben Johan Jost von Wantrup und Anna Savia Eliesabeth Lebrincks von Retzen dies Haus reparieren lassen (Inschrift über dem nördlichen Hauseingang. Sehr gut in Eiche geschnitzt und erhalten.) Die 1773 reparierte und erweiterte Leibzucht wird sicherlich etwa aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges stammen. Sie ist nun hoffnungslos dem Verfall preisgegeben. In ihr haben Berghahns so lange gewohnt, bis das neue Wohnhaus fertiggestellt war, das war im Jahre 1920."<ref>{{SchnareRemmighausen1952}}, S. 17.</ref>
 
Schnare beschreibt Diele und Flett nach einem Foto: "Auf der Dehle war die Feuerstelle, wie sie ein Photo noch zeigt. Sie ist aber schon modernisiert; denn links sehen wir einen merkwürdig geformten Eisenofen mit drei Kochstellen, dahinter einen Backsteinaufbau mit einer Eisenplatte zum Backen von Plätzchen, Pickert usw. Rechts ist ein sogenannter Schweinepott aufgestellt. Ganz rechts ist die Tür zum Wohnzimmer. Das viereckige Loch dicht über der Erde ist die Ofentür zu einem Wandofen. Links daneben wesentlich höher sieht man das Lett, durch das der Bauer seinen Kopf steckte, wenn er morgens die Mädchen weckte. (Die Knechte schliefen im Pferdestall.) Links hoch neben der Feuerstelle sehen wir ein zweites Lett, es war mit einem Schiebetürchen versehen. Mitten im Haus, hinter der Feuerstelle, lag ein Geheimzimmer in einer Größe von zirka zwanzig Quadratmetern. Es hatte kein Fenster, und die einzige Tür nach dem Nebenzimmer wurde mit einem Schrank verstellt. Auch wenn man den Schrank auf die Seite rückte, war die Tür als solche nicht erkennbar. In diesem Zimmer sind über viele Jahrhunderte die Wertsachen untergebracht gewesen, darunter auch die sehr dicke Familienchronik, die in Schweinsleder gebunden war. Niemals ist dies Zimmer in Kriegs-und Notzeiten von unberufenen Menschen betreten worden. Nicht einmal nahe Verwandte wußten von diesem Geheimnis."<ref>{{SchnareRemmighausen1952}}, S. 17.</ref>
 
===Leibzucht, 17. Jahrhundert?===
"Frontgiebel vorgekragt auf schmächtigen Knaggen, noch gotisierend mit Ziermustern. Die Ständer mit Kopfbügen. - Wohnteil angebaut 1773. Über der Tür Inschr(ift)" (s. unten).<ref>[https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/pageview/10093452 Otto Gaul, Detmold-Land, unveröff. Typoskript, um 1935, S. 75].</ref> 1952 beschrieb Schnare auch die Leibzucht: "Eine der dicksten Eichen weit und breit (zirka 500 Jahre alt) wirft noch heute ihren kühlen Schatten über das langsam verfallende Leibzuchtgebäude mit der Jahreszahl 1773. In diesem Jahre haben Johan Jost von Wantrup und Anna Savia Eliesabeth Lebrincks von Retzen dies Haus reparieren lassen (Inschrift über dem nördlichen Hauseingang. Sehr gut in Eiche geschnitzt und erhalten.) Die 1773 reparierte und erweiterte Leibzucht wird sicherlich etwa aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges stammen. Sie ist nun hoffnungslos dem Verfall preisgegeben. In ihr haben Berghahns so lange gewohnt, bis das neue Wohnhaus fertiggestellt war, das war im Jahre 1920."<ref>{{SchnareRemmighausen1952}}, S. 17.</ref>
 
Auf historischen Fotografien erkennt man neben dem Meierhaus noch eine große Längsdurchfahrtsscheune, wohl aus dem 18. Jahrhundert, und ein kleines Backhaus.
 
==Inschriften==
==Inschriften==
Am Haupthaus-Torbogen:<br>
Meierhaus von 1592, Torbogen:  
ANNO DOMINI 1592 DEN 24.MAI UPGEBORT: SIMON DORGENSFELD ELS SIN EHLICK HUSFROW HEBBEN DIT HUS LATEN BUWEN<ref>August Meier-Böke, Zick-Zack-Fahrt durch Lippe. Die lippischen Dörfer. Stadt Detmold, Gemeinde Leistrup-Meiersfeld (1954–19589, hg. von Kurt Dröge, Lemgo 2001.</ref>


Am Leibzuchthaus-Torbogen:
A[NNO] D[OMINI] 1592 DEN 24. MAI UPGEBORT: SIMON DORGENSFELD ELSA SIN EHLICK HUSFROW HEBBEN DIT HUS LATEN (BAWEN) <ref>Otto Preuß, Die baulichen Alterthümer des Lippischen Landes, 2. Aufl . Detmold 1881, S. 141; Manuskript Gaul um 1935, S. 75; August Meier-Böke, Zick-Zack-Fahrt durch Lippe. Die lippischen Dörfer. Stadt Detmold, Gemeinde Leistrup-Meiersfeld (1954–19589, hg. von Kurt Dröge, Lemgo 2001.</ref>
Torbogeninschrift des Leibzuchthauses (nördlicher Hauseingang) mit der Jahreszahl 1773 haben " ... JOHAN JOST VON WANTRUP UND ANNA SOVIA ELIESABETH LEBRINKCKS VON RETZEN DIES HAUS REPARIEREN LASSEN:"<ref>Karl Schnare, Remmighausen. Kurze Geschichte einer alten Bauerschaft. 1052–1952, Detmold 1952, S. 16.</ref>
 
Leibzucht, Torbogeninschrift mit Jahreszahl 1773:
 
JOHAN JOST VON WANTRUP UND ANNA SOVIA ELIESABETH LEBRINKCKS VON RETZEN HABEN DIS HAUS REPARIEREN LASSEN <ref>Manuskript Gaul um 1935, S. 75; Karl Schnare, Remmighausen. Kurze Geschichte einer alten Bauerschaft. 1052–1952, Detmold 1952, S. 16.</ref>


==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
Zeile 69: Zeile 89:


==Literatur==
==Literatur==
{{SchnareRemmighausen1952}}, S. 16–19.
* Otto Gaul, Detmold-Land (Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen), unveröff. Typoskript, um 193.
 
* August Meier-Böke, Zick-Zack-Fahrt durch Lippe. Die lippischen Dörfer. Stadt Detmold, Gemeinde Leistrup-Meiersfeld (1954–19589, hg. von Kurt Dröge, Lemgo 2001.
 
* Otto Preuß, Die baulichen Alterthümer des Lippischen Landes, 2. Aufl . Detmold 1881.
 
* {{SchnareRemmighausen1952}}, S. 16–19.
 
* {{StöwerLandschatzregister1964}}.
 
* {{StöwerSalbücher1969}}.
 
* {{StöwerLandschatzregister2001}}.
 
==Quellen==
==Quellen==