Kirchhofstraße 5 (Blomberg): Unterschied zwischen den Versionen

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Der Erbauer Hans Henrich Ridder (Herkunft und Beruf unbekannt) erwarb 1663 das Blomberger Bürgerrecht <ref>Hans-Peter Wehlt, Das Bürgerbuch der Stadt Blomberg. Detmold 1974.</ref> und heiratete am 30. Oktober 1664 Cathrine Avenhausen. Im gleichen Jahr wurde das Haus fertiggestellt. Ridder starb 1700.
Der Erbauer Hans Henrich Ridder (Herkunft und Beruf unbekannt) erwarb 1663 das Blomberger Bürgerrecht <ref>Hans-Peter Wehlt, Das Bürgerbuch der Stadt Blomberg. Detmold 1974.</ref> und heiratete am 30. Oktober 1664 Cathrine Avenhausen. Im gleichen Jahr wurde das Haus fertiggestellt. Ridder starb 1700.


Spätere Bewohner waren der Blomberger Küster, ein Kleinschmied und mehrere Zeugmacher (Wollweber). Um 1930 gehörte das Haus dem Fuhrmann Heinrich Tönsmeier, der zwei Kaltblutpferde besaß und mit seinem Fuhrwerk Blomberger Gaststätten mit Bier der Detmolder [[Blomberger Straße 67 (Spork-Eichholz)|Falkenkrug-Brauerei]] belieferte. Zahlreiche Rechnungen und ein Reklameschild blieben im Haus erhalten.
Spätere Bewohner waren Blomberger Küster, ein Kleinschmied und mehrere Zeugmacher (Wollweber). Um 1930 gehörte das Haus dem Fuhrmann Heinrich Tönsmeier, der zwei Kaltblutpferde besaß und mit seinem Fuhrwerk Blomberger Gaststätten mit Bier der Detmolder [[Blomberger Straße 67 (Spork-Eichholz)|Falkenkrug-Brauerei]] belieferte. Zahlreiche Rechnungen und ein Reklameschild blieben im Haus erhalten.


==Gebäude==
==Gebäude==

Aktuelle Version vom 4. September 2026, 00:25 Uhr

Kirchhofstraße 5 (Blomberg)
OrtsteilBlomberg (Kernstadt)
StraßeKirchhofstraße (Blomberg)
Hausnummer5
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeBlomberg
StraßeHinter dem Kirchhof
Hausnummer5
Ergänzte Hausnummer032

Alte Hausnummer 32. Das bestehende Haus wurde 1664 von Hans Henrich Ridder und Catrine Auenhausen (Avenhausen) erbaut, vermutlich Erstbebauung der Hausstätte.

Kirchhofstraße 5, 1664. Fassade mit 2014 wiederhergestellter Rotfassung. Foto: Stiewe 2022
Kirchhofstraße 5, 1664. Torbogen mit wiederhergestellter Rotfassung und vergoldeter Inschrift. Foto: Stiewe 2015
Kirchhofstraße 5, Fassade mit altem Dielentor, um 1970. Foto: LWL-Freilichtmuseum Detmold, Bildsammlung
Kirchhofstraße 5, 1926. Foto: LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur, Bildarchiv
Kirchhofstraße 5, 1937. LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur, Bildarchiv
Kirchhofstraße 5, 1664. Straßengiebel, Zustand 1988. Aus: Stiewe 1996, 275.
Kirchhofstraße 5, Rückgiebel mit Stallanbau, Zustand 1988. Aus: Stiewe 1996, 275.
Kirchhofstraße 5, rechte Traufseite, Zustand 1988. Aus: Stiewe 1996, 276.
Kirchhofstraße 5, Längsschnitt, Zustand 1988. Aus: Stiewe 1996, 276.
Kirchhofstraße 5, Querschnitt, Zustand 1988. Aus: Stiewe 1996, 158.
Kirchhofstraße 5, Grundriss, Zustand 1988. Aus: Stiewe 1996, 276.
Kirchhofstraße 5, vordere Stube. Trennwand zur Kammer mit früherem Alkoven (links) und 2 Wandschränken (rechts), 18.. Jahrhundert. Rechts gemalte Ofennische (um 1830-40). Foto: Stiewe 2022
Vordere Stube, gemalte Ofennische, um 1835. Blaue Umrahmung mit Giebelblume. Foto: Stiewe 2020
Vordere Stube, gemalte Ofennische, um 1835. Blaue Umrahmung mit Wellenlinie. Foto: Stiewe 2020
Vordere Stube, gemalte Ofennische, um 1835. Blaue Umrahmung, Freilegungsbefund. Foto: Stiewe 2020

Geschichte

Der Erbauer Hans Henrich Ridder (Herkunft und Beruf unbekannt) erwarb 1663 das Blomberger Bürgerrecht [1] und heiratete am 30. Oktober 1664 Cathrine Avenhausen. Im gleichen Jahr wurde das Haus fertiggestellt. Ridder starb 1700.

Spätere Bewohner waren Blomberger Küster, ein Kleinschmied und mehrere Zeugmacher (Wollweber). Um 1930 gehörte das Haus dem Fuhrmann Heinrich Tönsmeier, der zwei Kaltblutpferde besaß und mit seinem Fuhrwerk Blomberger Gaststätten mit Bier der Detmolder Falkenkrug-Brauerei belieferte. Zahlreiche Rechnungen und ein Reklameschild blieben im Haus erhalten.

Gebäude

Giebelständiges Fachwerkhaus, zweischiffiges Dielenhaus von 1664, restauriert 2014-2022. Diele rechts, links unterkellerte Stube, darüber Kammer. Zweifach vorkragender Giebel mit Spätrenaissance-Dekor: Inschriften, Zahnschnitt, Beschlagwerk, Füllhölzer mit Akanthusblättern (untere Giebelvorkragung) und paarweise angeordneten Ranken- und Drachenmotiven (obere Giebelvorkragung). Torbogen mit Inschrift und seitlichen Wappenschilden mit Initialen der Erbauer, darüber vorkragendes Profilbrett und zwei Oberlichter mit erhaltenen Rauchgittern mit barocken Balusterbrettern (18. Jahrhundert), zwischen den Oberlichtern Stiel mit Blumentopfmotiv. Dielentor mit zweigeteilter Fußgängertür ("Klöntür") und vorgeblendeter Rahmen-Füllungs-Konstruktion mit Mittelpilaster (18. Jahrhundert), 2022 nach alten Fotografien wiederhergestellt.

Monochrom roter Anstrich der Fassade 2014 nach restauratorischem Befund wiederhergestellt: rostrote Hölzer, altrosa Gefache mit Backsteinausfachung und Besenputz des frühen 19. Jahrhunderts. Leinöl- bzw. Kalkfarbenanstriche mit rotem Ocker als Pigment.

Sturzriegel über den Stubenfenstern mit stark verwittertem Beschlagwerk (vgl. Im Seligen Winkel 12, 1661), ursprünglich breites, bleiverglastes Fensterband der Stube, im frühen 19. Jahhrhundert durch zwei hochformatige Flügelfenster mit Doppelstielen ersetzt.

Zweischiffiges Dielenhaus von sechs Fachen (7 Gebinden), 1711 (d) um zwei Fach langes Hinterhaus mit Pferdestall und zweiter Stube im Erdgeschoss sowie Saal und Kammer im Obergeschoss erweitert. Nach Anbau des Hinterhauses wurde eine halbhohe Küchenlucht in den hinteren beiden Fachen der Diele eingebrochen. Am Ende der Diele ist eine sehr große Feuerstelle durch rot verziegelten Lehm im Boden archäologisch nachgewiesen, 1712 und 1726 ist für das Haus eine Braugerechtigkeit bezeugt.[2]

Im Innern blieben wesentliche Teile der originalen Ausstattung erhalten: Räucherstangen an der Decke im vorderen Bereich der Diele, über dem früheren Rauchaustritt des Stubenofens (Einbau des heutigen Stubenschornsteins 1910, Bauakte). Stube mit hölzerner Täfelungswand zur anschließenden Kammer mit früherer Alkovenöffnung links und zwei Wandschränken rechts (18. Jahrhundert, letztes erhaltenes Beispiel in Blomberg), weiterer Wandschrank im Saal. Gemalte Ofennischen in der vorderen und der hinteren Stube, anthrazitgrau mit ultramarinbblauem Begleitstrich und einfachen Ziermustern (Giebelblume, Wellenlinien). Steinkrippen im früheren Pferdestall erhalten (heutiges Bad).

An der Hofseite erhaltener Stallanbau mit zwei Schweineställen (letztes Beispiel in Blomberg), Fachwerk mit Schwelle-Rähm-Streben und Brettergiebel, frühes 19. Jahrhundert.

Inschriften

Inschrift am Torbogen:

HANS HENRICH RIDDER . CATRINE AVUENHAUSEN / ANNO CHRISTI. 1664.

Auf den Torständern Wappenschilde mit Iniitialen der Erbauer: HR und CA

Inschrift am oberen Giebelrähm (vorgenageltes Brett):

WO DER HER NIT DAS HAUS BAWET SO ARBETEN UMBSONST DIE DARAN BAWEN.PSALM CXXVII.

Inschrift am unteren Giebelrähm (vorgenageltes Brett, Fehlstellen im Bereich späterer Fenster ergänzt), Fortsetzung von Psalm 127:

ES IS[T UMSONST DA]S IH[R FRÜH AUFSTE]HET UND HERNACH LAN[GE SITZE]T UND ESSET EWER BROT MIT SORGEN DENN SEINEN FREUNDEN GIBT ERS / SCHAFFEND (statt "schlafend")

Dabei ist unklar, ob hier mit "schaffend" nur ein Abschreibfehler vorliegt oder ob es sich um eine absichtliche Veränderung des Bibeltextes handelt - möglicherweise im Sinne von "protestantischer Ethik" nach Max Weber: seinen Freunden gibt ers schaffend, "Gott ist mit den Tüchtigen".[3] Am Giebel des Hauses Neue Torstraße 26 von 1677 findet sich dagegen eine Inschrift mit dem korrekten Wortlaut nach Psalm 127.

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

1663 Hans Henrich Ridder erwirbt das Blomberger Bürgerrecht.[4]

1664, 10. Oktober: Heirat von Hans Henrich Ridder und Cathrine Avenhausen (Tochter von Hans Avenhusen aus Nr. 219, Kuhstraße 13, Bau des erhaltenen Hauses.[5]

1687: Georg Otto Marthäus (Bürgerrecht 1687), Küster und Schulmeister.

1728: Sohn Georg Wilhlem Marthäus, "zeitiger Küster"

Ab etwa 1750 war das Nachbarhaus Kirchhofstraße 4 städtisches Küsterhaus, das Haus Nr. 5 wurde von Marthäus vermietet.

1782 (VZ): des Küsters dienst Hauß, bewohnt von vier eingeheuerten Frauen und einem Jungen, lebten vom Wolle spinnen, eine Ziege.

1784: Sohn Diederich Wilhelm Marthäus (Bürger 1784), "zeitiger Küster dieser Stadt".

1801 (VZ): Kleinschmied Lesemann (Bürger 1797) mit Familie, 2 Kühe.

1804 (BK): Camerarius Rudolph Theophilus Reuter, Zeugmacher (Bürger 1784). Das Haus bleibt bis nach 1926 im Besitz der Familie Reuter.

1823: 2. Sohn Heinrich Friedrich Wilhelm Adolph Reuter (Bürger 1823, steht im Militär).

1835 (VZ): Wilhelm Reuter, Zeugmacher (Bürger 1823) mit Familie und Einliegerin Charlotte Rose.

1864: 2. Sohn Carl Friedrich Wilhelm Reuter (Bürger 1864)

1901 (AB, S. 165): Hinter dem Kirchhof 5 Reuter, Wilhelm, Müller. Reuter, Caroline, Wittwe.

1920: Sohn Wilhelm Reuter, Müller in der Oberen Mühle.

1926 (AB, S. 564): Reuter, Wilhelm, Landwirt.

Um 1930 Heinrich Tönsmeier, Fuhrmann, beliefert Blomberger Gaststätten mit Bier der Detmolder Falkenkrug-Brauerei.

Literatur

  • Heinz-Walter Rolf, Die Bürger der Stadt Blomberg. Namen - Daten - Berufe - Häuser. 1525–1910, Blomberg 1996.
  • Heinrich Stiewe, Hausbau und Sozialstruktur in einer niederdeutschen Kleinstadt. Blomberg zwischen 1450 und 1870 (Schriften des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold – Landesmuseum für Volkskunde; 13), Detmold 1996.
  • Heinrich Stiewe, Blomberger Inschriften des 15. bis 18. Jahrhunderts, in: Hiram Kümper (Hg.), Miscellanea Blombergense. Quellen und Beiträge zur Blomberger Stadtgeschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit (Somderveröffentlichungen des NHV, 87), Bielefeld 2015, S. 161-226.
  • Hans-Peter Wehlt, Das Bürgerbuch der Stadt Blomberg. Detmold 1974.

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hans-Peter Wehlt, Das Bürgerbuch der Stadt Blomberg. Detmold 1974.
  2. Heinrich Stiewe, Hausbau und Sozialstruktur in einer niederdeutschen Kleinstadt. Blomberg zwischen 1450 und 1870 (Schriften des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold – Landesmuseum für Volkskunde; 13), Detmold 1996, S. 222.
  3. Vgl. Heinrich Stiewe, Blomberger Inschriften des 15. bis 18. Jahrhunderts, in: Hiram Kümper (Hg.), Miscellanea Blombergense. Quellen und Beiträge zur Blomberger Stadtgeschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit (Somderveröffentlichungen des NHV, 87), Bielefeld 2015, S. 161-226, hier: S. 200.
  4. Hans-Peter Wehlt, Das Bürgerbuch der Stadt Blomberg. Detmold 1974.
  5. Diese und die folgenden Angaben nach Heinz-Walter Rolf, Die Bürger der Stadt Blomberg. Namen - Daten - Berufe - Häuser. 1525–1910, Blomberg 1996, S. 24 und Heinrich Stiewe, Hausbau und Sozialstruktur in einer niederdeutschen Kleinstadt. Blomberg zwischen 1450 und 1870 (Schriften des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold – Landesmuseum für Volkskunde; 13), Detmold 1996, S. 275.

Autor*innen

Heinrich Stiewe

Seitenhistorie

Seite erstellt am 05.08.2026 von Heinrich Stiewe

Letzte Änderung am: 04.09.2026 von Heinrich Stiewe