Neue Torstraße 10 (Blomberg): Unterschied zwischen den Versionen
Markierungen: Mobile Bearbeitung Mobile Web-Bearbeitung |
2 Abbildungen eingefügt |
||
| (8 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 9: | Zeile 9: | ||
}}1450-54 [d] auf wohl älterer Parzelle errichtet, Wiederaufbau nach der Zerstörung von 1447. Alte Hausnummer Blomberg Nr. 40. Das bestehende Haus wurde 1968 abgetragen und 1986-1988 im [[LWL-Freilichtmuseum Detmold (LWL-Museum Hellerlecht, Detmold)|Westfälischen Freilichtmuseum Detmold]] wiederaufgebaut. | }}1450-54 [d] auf wohl älterer Parzelle errichtet, Wiederaufbau nach der Zerstörung von 1447. Alte Hausnummer Blomberg Nr. 40. Das bestehende Haus wurde 1968 abgetragen und 1986-1988 im [[LWL-Freilichtmuseum Detmold (LWL-Museum Hellerlecht, Detmold)|Westfälischen Freilichtmuseum Detmold]] wiederaufgebaut. | ||
[[Datei:Neue Torstraße 10-alt FM Detmold.jpg|mini|Blomberg, Neue Torstraße 10, historische Fotografie um 1920. LWL-Freilichtmseum Detmold, Bildsammlung]] | [[Datei:Neue Torstraße 10-alt FM Detmold.jpg|mini|Blomberg, Neue Torstraße 10, historische Fotografie um 1920. LWL-Freilichtmseum Detmold, Bildsammlung]] | ||
[[Datei:Blomberg, Neue Torstraße 10, Abbau FM DT 1968.jpg|mini|Blomberg, Neue Torstraße 10 im Abbau, 1968. Rechts anschließend Häuser Nr. 12 bis 18. Foto: FM Detmold 1968]] | |||
[[Datei:Blomberg, Neue Torstraße 10, Abbau 1 FM DT 1968.jpg|mini|Neue Torstraße 10, Fassade im Abbau 1968. Foto: FM Detmold]] | |||
[[Datei:Blomberg, Neue Torstraße 10, Abbau 2 FM DT 1968.jpg|mini|Neue Torstraße 10, Fassade mit Torbogen im Abbau 1968. Foto: FM Detmold]] | |||
[[Datei:Blomberg, Neue Torstraße 10, Giebel oben FM DT 1968.jpg|mini|Neue Torstraße 10, oberes Giebeldreieck, 1968. Foto: FM Detmold]] | |||
[[Datei:Blomberg, Neue Torstraße 10 FM DT 1968.jpg|mini|Neue Torstraße 10, Fassade im Abbau, 1968. Foto: FM Detmold]] | |||
[[Datei:BL-NTorstr10_JK2007.jpg|thumb|Neue Torstraße 10, Neubau von 1970. Foto: Joachim Kleinmanns 2007]] | [[Datei:BL-NTorstr10_JK2007.jpg|thumb|Neue Torstraße 10, Neubau von 1970. Foto: Joachim Kleinmanns 2007]] | ||
[[Datei:Neue Torstraße 10 FM Kleinmanns 1988.jpg|mini|Haus Neue Torstraße 10 am neuen Standort im LWL-Freilichtmuseum Detmold. Foto: Joachim Kleinmanns 1988, FM Detmold.]] | [[Datei:Neue Torstraße 10 FM Kleinmanns 1988.jpg|mini|Haus Neue Torstraße 10 am neuen Standort im LWL-Freilichtmuseum Detmold. Foto: Joachim Kleinmanns 1988, FM Detmold.]] | ||
[[Datei:Neue Torstraße 10, Ansicht 1611 Rek Stiewe 1996, 84.jpg|mini|Neue Torstraße 10. Fassade, Zustand nach 1611 (d), Rekonstruktion. Aus: Stiewe 1996, 84.]] | [[Datei:Neue Torstraße 10, Ansicht 1611 Rek Stiewe 1996, 84.jpg|mini|Neue Torstraße 10. Fassade, Zustand nach 1611 (d), Rekonstruktion. Aus: Stiewe 1996, 84.]] | ||
[[Datei:Neue Torstraße 10, Querschnitt 1454 Rek Stiewe 1996, 56.jpg|mini|Neue Torstraße 10, Querschnitt des Kernbaus von 1450-54 (d), Rekonstruktion. Aus: Stiewe 1996, 56.]] | [[Datei:Neue Torstraße 10, Querschnitt 1454 Rek Stiewe 1996, 56.jpg|mini|Neue Torstraße 10, Querschnitt des Kernbaus von 1450-54 (d), Rekonstruktion. Aus: Stiewe 1996, 56.]] | ||
| Zeile 19: | Zeile 23: | ||
Ein Vorgängerbau war bei der Zerstörung Blombergs am 14. Juni 1447 im Verlauf der Soester Fehde von sächsischen und böhmischen Söldnern im Auftrag des Erzbischofs von Köln niedergebrannt worden. Der Wiederaufbau erfolgte nur wenige Jahre später, Bauhölzer im Dachwerk datieren von 1450 (d) bis 1454 (d). Erste Reparaturen um 1554 (d). 1609 bis 1611 (d) wurde der gesamte Wandkasten einschließlich der Fassade neu gebaut und das Seitenschiff verbreitert. Balkenlage und Dachwerk des Kernbaus von 1450-54 (d) blieben jedoch erhalten.<ref>{{KleinmannsHandwerkerhaus1991}}, S. 21–23; {{StieweHausbau1996}}, S. 310f.</ref> | Ein Vorgängerbau war bei der Zerstörung Blombergs am 14. Juni 1447 im Verlauf der Soester Fehde von sächsischen und böhmischen Söldnern im Auftrag des Erzbischofs von Köln niedergebrannt worden. Der Wiederaufbau erfolgte nur wenige Jahre später, Bauhölzer im Dachwerk datieren von 1450 (d) bis 1454 (d). Erste Reparaturen um 1554 (d). 1609 bis 1611 (d) wurde der gesamte Wandkasten einschließlich der Fassade neu gebaut und das Seitenschiff verbreitert. Balkenlage und Dachwerk des Kernbaus von 1450-54 (d) blieben jedoch erhalten.<ref>{{KleinmannsHandwerkerhaus1991}}, S. 21–23; {{StieweHausbau1996}}, S. 310f.</ref> | ||
1966 Verkauf an den Nachbarn [[Neue Torstraße 12 (Blomberg)|(Neue Torstraße 12)]] zur Vergrößerung seiner Gastwirtschaft "Zum Scholli", wegen Versagen der Genehmigung dazu kam es jedoch 1968 zum Ankauf und Abbau durch das Westfälische Freilichtmuseum Detmold (jetzt: LWL-Museum Hellerlecht). 1986 bis 1989 Wiederaufbau im "Paderborner | 1966 Verkauf an den Nachbarn [[Neue Torstraße 12 (Blomberg)|(Neue Torstraße 12)]] zur Vergrößerung seiner Gastwirtschaft "Zum Scholli", wegen Versagen der Genehmigung dazu kam es jedoch 1968 zum Ankauf und Abbau durch das Westfälische Freilichtmuseum Detmold (jetzt: LWL-Museum Hellerlecht). 1986 bis 1989 Wiederaufbau im "Paderborner Dorf" auf dem Museumsgelände in Detmold, dabei das Hinterhaus rekonstruiert. | ||
Anschließend um 1970 Neubau der Deutschen Bank auf der Parzelle Neue Torstraße 10. | Anschließend um 1970 Neubau der Deutschen Bank auf der Parzelle Neue Torstraße 10. | ||
| Zeile 26: | Zeile 30: | ||
'''Neubau um 1970:''' | '''Neubau um 1970:''' | ||
Zweieinhalbgeschossiges Giebelhaus in sog. Stahlbeton-Fachwerk mit dunkler Klinker-Ausmauerung, fünf Fensterachsen breit, Satteldach mit Betonsteindeckung. | Zweieinhalbgeschossiges Giebelhaus in sog. Stahlbeton-Fachwerk mit dunkler Klinker-Ausmauerung, fünf Fensterachsen breit, Aluminiumfenster, Satteldach mit Betonsteindeckung. | ||
'''Altbau bis 1968:''' | '''Altbau bis 1968:''' | ||
| Zeile 32: | Zeile 36: | ||
Der historische Vorgängerbau wurde 1986-1988 im LWL-Freilichtmuseum Detmold wiedererrichtet: Fachwerk-Giebelhaus, Dreiständerbau, zweischiffiges Dielenhaus mit hoher Diele rechts. 9 Fache lang, davon gehören 6 Fache zum Kernbau von 1450-54 (d). Grundfläche 18 x 8,60 m. | Der historische Vorgängerbau wurde 1986-1988 im LWL-Freilichtmuseum Detmold wiedererrichtet: Fachwerk-Giebelhaus, Dreiständerbau, zweischiffiges Dielenhaus mit hoher Diele rechts. 9 Fache lang, davon gehören 6 Fache zum Kernbau von 1450-54 (d). Grundfläche 18 x 8,60 m. | ||
Giebel mit Dekor der Spätrenaissance: Zahnschnitt, Beschlagwerk, Füllhölzer mit Ranken und gereihten Aktanthusblättern, Firstdreieck mit Rosette. Kräftiger Sturzriegel mit verwittertem Beschlagwerk über den Stubenfenstern links, ehemals breites, bleiverglastes Fensterband der Stube. Sturzriegel des Stubenfensters und des Dielentores sowie Giebelschwelle ehemals von hölzernen Gesimsleisten abgeschlossen, Abdrücke erhalten. Dielentor in der ersten Hälfte des 19. Jh. in Richtung Gebäudemitte verschoben und Torkopfbänder beschnitten, um einen flachen Segmentbogen zu erhalten. Inschrift und Schnitzdekor des Torbogens nicht erhalten, vermutlich | Giebel mit Dekor der Spätrenaissance: Zahnschnitt, Beschlagwerk, Füllhölzer mit Ranken und gereihten Aktanthusblättern, Firstdreieck mit Rosette. Kräftiger Sturzriegel mit verwittertem Beschlagwerk über den Stubenfenstern links, ehemals breites, bleiverglastes Fensterband der Stube. Sturzriegel des Stubenfensters und des Dielentores sowie Giebelschwelle ehemals von hölzernen Gesimsleisten abgeschlossen, Abdrücke erhalten. Dielentor in der ersten Hälfte des 19. Jh. in Richtung Gebäudemitte verschoben und Torkopfbänder beschnitten, um einen flachen Segmentbogen zu erhalten. Inschrift und Schnitzdekor des Torbogens nicht erhalten, vermutlich abgearbeitet. | ||
Das zweischiffiges Dielen-Vorderhaus von 6 Fachen entspricht dem Kernbau von 1450-54 (d), von dem Balkenlage und Dachwerk erhalten geblieben sind. Knapp 60 Grad steiles Sparrenndach mit zwei mit halbem Schwalbenschwanz angeblatteten Kehlbalkenlagen. Aufgelegte Dachbalken, mit den Ständern durch verzapfte Kopfbänder verstrebt. Seitenschiff bei Umbau 1609-11 (d) um gut einen Meter zur Diele verbreitert, seitdem vier Fach langer Stubeneinbau mit straßenseitiger Stube und anschließdener Kammer. Dahinter frühere hohe Küchenlucht über zwei Fache mit verstärktem Rähm und Kopfbändern, zwei hochliegende große Fenster zur Traufgasse. Höheres Hinterhaus von 2 Fachen Tiefe 1745 (d) über älterem Gewölbekeller, ersetzt ein mindestens seit 1611 (d) bestehendes Hinterhaus. Früherer Saal um 1880 als Tischlerwerkstatt genutzt. | Das zweischiffiges Dielen-Vorderhaus von 6 Fachen entspricht dem Kernbau von 1450-54 (d), von dem Balkenlage und Dachwerk erhalten geblieben sind. Knapp 60 Grad steiles Sparrenndach mit zwei mit halbem Schwalbenschwanz angeblatteten Kehlbalkenlagen. Aufgelegte Dachbalken, mit den Ständern durch verzapfte Kopfbänder verstrebt. Seitenschiff bei Umbau 1609-11 (d) um gut einen Meter zur Diele verbreitert, seitdem vier Fach langer Stubeneinbau mit straßenseitiger Stube und anschließdener Kammer. Dahinter frühere hohe Küchenlucht über zwei Fache mit verstärktem Rähm und Kopfbändern, zwei hochliegende große Fenster zur Traufgasse. Höheres Hinterhaus von 2 Fachen Tiefe 1745 (d) über älterem Gewölbekeller angebaut, ersetzt ein älteres, mindestens seit 1611 (d) bestehendes Hinterhaus. Früherer Saal um 1880 als Tischlerwerkstatt genutzt. | ||
Um 1865 Einbau eines zweiten, sehr schmalen Seitenschiffes an der rechten Seite der Diele mit einem Fenster zur Straße, später wieder entfernt und Fenster vermauert (Zapfspuren an der Diele erhalteln). 1913 Einbau eines Schornsteins für den Stubenofen (Bauakte). | Um 1865 Einbau eines zweiten, sehr schmalen Seitenschiffes an der rechten Seite der Diele mit einem Fenster zur Straße, später wieder entfernt und Fenster vermauert (Zapfspuren an der Diele erhalteln). 1913 Einbau eines Schornsteins für den Stubenofen (Bauakte). | ||
| Zeile 41: | Zeile 45: | ||
Inschrift auf dem Torbogen nicht erhalten. | Inschrift auf dem Torbogen nicht erhalten. | ||
Frühere Inschrift auf vorgenageltem Brett unterhalb des Giebelrähms (vgl. Kirchhofstraße 5); davon war nur ein kleiner Rest mit den Buchstaben "ER" neben dem linken Torständer erhalten geblieben, beim Abbau 1968 verloren gegangen.<ref>Kleinmanns, Handwerkerhaus, S. 25.</ref> | Frühere Inschrift auf vorgenageltem Brett unterhalb des Giebelrähms (vgl. [[Kirchhofstraße 5 (Blomberg)|Kirchhofstraße 5]]); davon war nur ein kleiner Rest mit den Buchstaben "ER" neben dem linken Torständer erhalten geblieben, beim Abbau 1968 verloren gegangen.<ref>Kleinmanns, Handwerkerhaus, S. 25.</ref> | ||
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ||