Wilbasen, Wohnplatz in Siebenhöfen: Unterschied zwischen den Versionen

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Die '''Einzelhofsiedlung Wilbasen''', der frühere Meierhof Stork, liegt südlich der heutigen Bundesstraße 1, der früheren "Cöllnischen Landstraße", etwa 2 km westlich der Stadt Blomberg. Östlich verläuft der Hainbach, früher "Wilbaser Beke", ein nördlicher Zufluss des Königsbaches. Westlich führt ein alter Hohlweg in nord-südlicher Richtung an der Hofstelle vorbei. Nordöstlich des heutigen Hofes hat Willy Gerking durch archäologische Streufunde mit Keramikscherben des 9. bis 14. Jahrhunderts eine Wüstung lokalisiert.<ref>Willy Gerking, Die Wüstungen des Kreises Lippe. Eine historisch-archäologische und geographische Studie zum spätmittelalterlichen Wüstungsgeschehen in Lippe (Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen, 10), Münster 1995, S. 58f., 77, 125ff., 167.</ref>  
Die '''Einzelhofsiedlung Wilbasen''', der frühere Meierhof Stork, liegt südlich der heutigen Bundesstraße 1, der früheren "Cöllnischen Landstraße", etwa 2 km westlich der Stadt Blomberg. Östlich verläuft der Hainbach, früher "Wilbaser Beke", ein nördlicher Zufluss des Königsbaches. Westlich führt ein alter Hohlweg in nord-südlicher Richtung an der Hofstelle vorbei. Nordöstlich des heutigen Hofes hat Willy Gerking durch archäologische Streufunde mit Keramikscherben des 9. bis 14. Jahrhunderts eine Wüstung lokalisiert.<ref>Willy Gerking, Die Wüstungen des Kreises Lippe. Eine historisch-archäologische und geographische Studie zum spätmittelalterlichen Wüstungsgeschehen in Lippe (Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen, 10), Münster 1995, S. 58f., 77, 125ff., 167.</ref>  


Die '''Wilbaser Kapelle''' lag mit einem umgebenden Kirchhof an der nordwestlichen Ecke des Meierhofes Stork. Hier ist sie in der Flurkarte der Feldmark Blomberg des Landmessers Friemel von 1750 als Ruine eingezeichnet. Schon seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Kapelle abgebrochen, die Steine wurden zum Wegebau verwendet. Nach wenigen Bauteilen, die 1878 ausgegraben wurden und eingemauert an der Scheune des Hofes Stork/Tippenhauer erhalten blieben (Schlussstein mit Lamm Gottes, heute in der Kirche Reelkirchen, mehrere gotische Gewölberippen) war die Kapelle ein wohl einschiffiger, spätgotischer Bau mit Kreuzrippengewölben (vgl. die Zeichnungen von Dewitz 1880 in der Landesbibliothek), doch sind die Anzahl der Joche und die Art des Chorabschlusses unbekannt. Gotisch profilierte Gewölberippen, runde Wanddienste, Gaul vermutet einemn polygonalen Chorabschluss.<ref>Ohtto Gaul, Detmold-Land, Manuskript um 1960, S. 664ff.</ref>
Die '''Wilbaser Kapelle''' lag mit einem umgebenden Kirchhof an der nordwestlichen Ecke des Meierhofes Stork. Hier ist sie in der Flurkarte der Feldmark Blomberg des Landmessers Friemel von 1750 als Ruine eingezeichnet. Schon seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Kapelle abgebrochen, die Steine wurden zum Wegebau verwendet. Nach wenigen Bauteilen, die 1878 ausgegraben wurden und eingemauert an der Scheune des Hofes Stork/Tippenhauer erhalten blieben (Schlussstein mit Lamm Gottes, heute in der Kirche Reelkirchen, mehrere gotische Gewölberippen) war die Kapelle ein wohl einschiffiger, spätgotischer Bau mit Kreuzrippengewölben (vgl. die Zeichnungen von Dewitz 1880 in der Landesbibliothek), doch sind die Anzahl der Joche und die Art des Chorabschlusses unbekannt. Der Bau hatte gotisch profilierte Gewölberippen und runde Wanddienste, Gaul vermutet einemn polygonalen Chorabschluss.<ref>Ohtto Gaul, Detmold-Land, Manuskript um 1960, S. 664ff.</ref>


==Verwaltungszugehörigkeit==
==Verwaltungszugehörigkeit==
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Nach der Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts "Zum Heiligen Leichnam" in Blomberg 1468 entzog Edelherr Bernhard VII. der Kapelle in Wilbasen seine Gunst und verlegte die Grablege seiner Familie 1495 in die Klosterkirche nach Blomberg. In der Folge wurde die Wilbaser Kapelle dem Kloster inkorporiert, das künftig für die Unterhaltung der Kapelle, ihrer Ausstattung, der zugehörigen Klause und des Priesterhauses sowie aller Nebengebäude und des Kirchhofes verantwortlich war.  
Nach der Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts "Zum Heiligen Leichnam" in Blomberg 1468 entzog Edelherr Bernhard VII. der Kapelle in Wilbasen seine Gunst und verlegte die Grablege seiner Familie 1495 in die Klosterkirche nach Blomberg. In der Folge wurde die Wilbaser Kapelle dem Kloster inkorporiert, das künftig für die Unterhaltung der Kapelle, ihrer Ausstattung, der zugehörigen Klause und des Priesterhauses sowie aller Nebengebäude und des Kirchhofes verantwortlich war.  


Als um 1500 keine Pilger mehr nach Wilbasen kamen, wurde um 1504 in der Klause bei der Kapelle ein Siechenhaus, also ein Leprosenhaus, eingerichtet, das 200 Jahre später von der Stadt Blomberg übernommen wurde. Anfang des 18. Jahrhunderts war die Kapelle in Verfall geraten; 1708 war sie bereits Ruine und der Bauerrichter ließ die Straße nach Herrentrup mit Steinen der Kapelle ausbessern. Schon 1643 hatte ein Sturm das Dach der Kapelle beschädigt und 1688 brach der Meier zu Siebenhöfen "Fenstergewölbesteine" heraus, um sie auf seinem Hof zu verwenden. Eine Zeichnung des Meierhofes Stork auf einer Flurkarte der Blomberger Feldmark des Landmessers Friemel von 1750 zeigt die Ruine der Kapelle am nördlichen Rand des Hofes; später wurde sie ganz abgebrochen. An ihrer Stelle befindet sich heute ein Erbbegräbnis der Besitzerfamilie Tippenhauer (ab 1909). Ein Schlussstein mit dem Lamm Gottes und einige Stücke von Gewölberippen waren bis vor etwa 30 Jahren noch an der Scheune des Hofes Stork/Tippenhauer eingemauert; heute befindet sich der Schlussstein mit dem "Agnus Dei" in der Kirche in Reelkirchen.
Um 1504 wurde in der früheren Klause bei der Kapelle ein Siechenhaus, also ein Leprosenhaus, eingerichtet, das 200 Jahre später von der Stadt Blomberg übernommen wurde. Die Wallfahrt ging auch nach der Reformation noch weiter - auch Protestanten glaubten an Wunderheilungen. Doch im Verlauf des 17. Jahrhunderts ließ die Wallfahrtsaktivität nach und Anfang des 18. Jahrhunderts war die Kapelle in Verfall geraten; 1708 war sie bereits Ruine und der Bauerrichter ließ die Straße nach Herrentrup mit Steinen der Kapelle ausbessern. Schon 1643 hatte ein Sturm das Dach der Kapelle beschädigt und 1688 brach der Meier zu Siebenhöfen "Fenstergewölbesteine" heraus, um sie auf seinem Hof zu verwenden. Eine Zeichnung des Meierhofes Stork auf einer Flurkarte der Blomberger Feldmark des Landmessers Friemel von 1750 zeigt die Ruine der Kapelle am nördlichen Rand des Hofes; später wurde sie ganz abgebrochen. An ihrer Stelle befindet sich heute ein Erbbegräbnis der Besitzerfamilie Tippenhauer (ab 1909). Ein Schlussstein mit dem Lamm Gottes und einige Stücke von Gewölberippen waren 1878 am Standort der Kapelle ausgegraben worden und bis vor etwa 30 Jahren an der Scheune des Hofes Stork/Tippenhauer eingemauert; heute befindet sich der Schlussstein mit dem "Agnus Dei" in der Kirche in Reelkirchen.


Der '''Wilbaser Markt''', ein überregional bekannter Kram- und Viehmarkt, heute vor allem ein großer Rummelplatz mit Fahrgeschäften, findet bis heute an jedem zweiten Septemberwochenende auf dem Festplatz an der B 1 statt.
Der '''Wilbaser Markt''', ein überregional bekannter Kram- und Viehmarkt, heute vor allem ein großer Rummelplatz mit Fahrgeschäften, findet bis heute an jedem zweiten Septemberwochenende auf dem Festplatz an der B 1 statt.