Murnerweg 3 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen

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==Geschichte==
==Geschichte==
Die Stätte Bax in Hörste Nr. 15 wirkt mit den beiden giebelständig an der Straßen stehenden Häusern ohne erkennbaren Hofraum eher wie eine Straßenkötterstätte und wird auch häufig so bezeichnet. Sie ist aber im Salbuch von 1781 als Hoppenplöcker eingestuft. Die gräflich lippisch eigenbehörige Stätte ist ab 1535 in den Landschatzregistern nachweisbar: ''Cort Backeß 1 Ort'' (1535), ''Cordt Backs 1 Ort'' (1545), ''Cordt Backhuiß 1/2 Fl.'' (1562), ''Cordt Backhuß 1/2 Ort'' (1572), ''Backhues 1 Ort'' (1590), ''Backhaus 20 g.'' (1603), — (nicht aufgeführt) (1618).
Die Stätte Bax in Hörste Nr. 15 wirkt mit den beiden giebelständig an der Straßen stehenden Häusern ohne erkennbaren Hofraum eher wie eine Straßenkötterstätte und wird auch häufig so bezeichnet. Sie ist aber im Salbuch von 1781 als Hoppenplöcker eingestuft. Die gräflich lippisch eigenbehörige Stätte ist ab 1535 in den Landschatzregistern nachweisbar: ''Cort Backeß 1 Ort'' (1535), ''Cordt Backs 1 Ort'' (1545), ''Cordt Backhuiß 1/2 Fl.'' (1562), ''Cordt Backhuß 1/2 Ort'' (1572), ''Backhues 1 Ort'' (1590), ''Backhaus 20 g.'' (1603), — (nicht aufgeführt 1618).
   
   
1599 hat ''Hermann Backhaus zu Höste vff seines Bruders Johan Hoff zu Höste ein Häußlein gesetzet, zu dessen ferner Aufbereitung er etwas Gelds benötigt.''<ref> LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 130, S. 313 </ref> 1607 erhält dieser Hermann Backhaus (= Bax) gegen Zahlung von 14 Talern von der gräflichen Regierung die Genehmigung zur Umsetzung seines Hauses auf die Hörster Gemeine  .  .  . ''vnndt ist ihme danebst ein kleines Gärtlein  .  .  . zugeweiset.''<ref> LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 131, S. 987 </ref> Hörstes Stätte mit der späteren Nummer 28 entsteht.
1599 hat ''Hermann Backhaus zu Höste vff seines Bruders Johan Hoff zu Höste ein Häußlein gesetzet, zu dessen ferner Aufbereitung er etwas Gelds benötigt.''<ref> LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 130, S. 313 </ref> 1607 erhält dieser Hermann Backhaus (= Bax) gegen Zahlung von 14 Talern von der gräflichen Regierung die Genehmigung zur Umsetzung seines Hauses auf die Hörster Gemeine  .  .  . ''vnndt ist ihme danebst ein kleines Gärtlein  .  .  . zugeweiset.''<ref> LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 131, S. 987 </ref> Hörstes Stätte mit der späteren Nummer 28 entsteht.
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Wie es auf der Stätte Bax weitergeht, ist nicht unmittelbar ersichtlich. 1616 wird in der Landschatzliste zu der Sollzahlung von 10 Groschen vermerkt ''„0“'' (gezahlt); daneben nur bei dieser Stätte der Kommentar „''ist nichts zu bekommen''“. Im Salbuch des Folgejahres 1617 wird die Stätte als ''Leneke Backs'' aufgeführt. Möglicherweise ist diese die Witwe des Johann Bax, sie wird in Abgaben-Registern bis 1643 genannt. Erstmals im Salbuch um 1640 tritt dann Berendt (auch Bernhard) Bax (ihr Sohn ?) als Kötter in Erscheinung, dessen 1640 und 1644 geborene Kinder seine Eheschließung und seinen Stättenantritt kurz vor 1640 nahelegen.
Wie es auf der Stätte Bax weitergeht, ist nicht unmittelbar ersichtlich. 1616 wird in der Landschatzliste zu der Sollzahlung von 10 Groschen vermerkt ''„0“'' (gezahlt); daneben nur bei dieser Stätte der Kommentar „''ist nichts zu bekommen''“. Im Salbuch des Folgejahres 1617 wird die Stätte als ''Leneke Backs'' aufgeführt. Möglicherweise ist diese die Witwe des Johann Bax, sie wird in Abgaben-Registern bis 1643 genannt. Erstmals im Salbuch um 1640 tritt dann Berendt (auch Bernhard) Bax (ihr Sohn ?) als Kötter in Erscheinung, dessen 1640 und 1644 geborene Kinder seine Eheschließung und seinen Stättenantritt kurz vor 1640 nahelegen.


Der jüngere Sohn Johann Hermann Bax übernimmt die Stätte in der nächsten Generation offenbar früh. Er lässt 1670  -  noch ledig  -  ein bis heute erhaltenes Haus auf der Stätte errichten, das dementsprechend nur seinen Namen im Torbalken trägt. 1674 heiratet er dann eine Tochter aus der Familie Schulze, die als Einlieger mit auf der Bax-Stätte lebt. Bereits vier später verstirbt er. Die Witwe heiratet daraufhin Johann Jost Bax, einen Einlieger (und vermutlich Verwandten des Verstorbenen) aus Mackenbruch. Diese Ehe währt 47 Jahre.
Der jüngere Sohn Johann Hermann Bax übernimmt die Stätte in der nächsten Generation offenbar früh. Er lässt 1670  -  noch ledig  -  ein bis heute erhaltenes Haus auf der Stätte errichten, das dementsprechend nur seinen Namen im Torbalken trägt. 1674 heiratet er dann eine Tochter aus der Familie Schulze, die als Einlieger mit auf der Bax-Stätte lebt. Bereits vier Jahre später verstirbt er. Die Witwe heiratet daraufhin Johann Jost Bax, einen Einlieger (und vermutlich Verwandten des Verstorbenen) aus Mackenbruch. Diese Ehe währt 47 Jahre.


Nach Jahrzehnten in gleichförmigen Bahnen kommt es 1722/23 wieder zu großen Veränderungen auf der Stätte Bax: Tod der Ehefrau und Mutter, Wiederheirat des Witwers Cord Bax, sein Tod und nachfolgend die Einheirat des Interimswirts Simon Jobst Sundermann ereignen sich in dichter Folge. Die alten Leibzüchter und ihre Enkelkinder sehen sich unvermittelt mehr oder weniger fremden Menschen gegenüber, die das Leben auf der Stätte jetzt und die nächsten 20 Jahre bestimmen.
Nach Jahrzehnten in gleichförmigen Bahnen kommt es 1722/23 wieder zu großen Veränderungen auf der Stätte Bax: Tod der Ehefrau und Mutter, Wiederheirat des Witwers Cord Bax, sein Tod und nachfolgend die Einheirat des Interimswirts Simon Jobst Sundermann ereignen sich in dichter Folge. Die alten Leibzüchter und ihre Enkelkinder sehen sich unvermittelt mehr oder weniger fremden Menschen gegenüber, die das Leben auf der Stätte jetzt und die nächsten 20 Jahre bestimmen.
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Im 19. Jahrhundert werden noch mehr Kinder als zuvor auf der Stätte geboren, aber auch der Tod hält reiche Ernte: Nicht nur Kinder sterben, auch die Eltern werden häufig im Alter von 30 bis 50 Jahren dahingerafft  -  meistens ist ''Schwindsucht'' die Todesursache. Zweimal wird  so per Heirat der verwitweten Colona ein jüngerer, noch auf der Stätte lebender Bruder des verstorbenen Colons Bax zum Interimswirt Bax Nr. 15.
Im 19. Jahrhundert werden noch mehr Kinder als zuvor auf der Stätte geboren, aber auch der Tod hält reiche Ernte: Nicht nur Kinder sterben, auch die Eltern werden häufig im Alter von 30 bis 50 Jahren dahingerafft  -  meistens ist ''Schwindsucht'' die Todesursache. Zweimal wird  so per Heirat der verwitweten Colona ein jüngerer, noch auf der Stätte lebender Bruder des verstorbenen Colons Bax zum Interimswirt Bax Nr. 15.


Zwischen 1790 und 1850 hatten die Colone und Interimswirte Bax Nr. 15 durchgehend das „Amt“ des Hörster Bauerrichters inne.<ref> LAV NRW OWL, L 92 A Nr. 484 </ref> Diese Zuarbeit für die Landesverwaltung/den Vogt in Lage wurde vergleichsweise schlecht bezahlt, war dadurch für größere Bauern nicht attraktiv. Besitzer kleiner Stätten mussten jedoch irgendeinem Nebenerwerb nachgehen.
Zwischen 1790 und 1850 hatten die Colone und Interimswirte Bax Nr. 15 nahezu durchgehend das „Amt“ des Hörster Bauerrichters inne.<ref> LAV NRW OWL, L 92 A Nr. 484 </ref> Diese Zuarbeit für die Landesverwaltung/den Vogt in Lage wurde vergleichsweise schlecht bezahlt, war dadurch für größere Bauern nicht attraktiv. Besitzer kleiner Stätten mussten jedoch irgendeinem Nebenerwerb nachgehen.
 
Im Juni 1833 fällt auf, dass der Bauerrichter und Interimswirt Nr. 15, Wilhelm Bax, mit der Ablieferung ''Herrschaftlicher Gelder vom Monat Maÿ rückständig geblieben'' ist. ''Bauerrichter Bax hat sich des Criminis refidui'' (der Unterschlagung) ''schuldig gemacht und um Dienstentlassung nachgesucht''.<ref> LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. XIII </ref> Die ''Abdankung'' wird angenommen, der Dienst vorübergehend vom Billinghauser Kollegen mit übernommen.
 
[[Datei:1836 Schuldenregulierung exBR Bax Kopie.jpg|mini|Schuldenregulierung BR Bax, Hörste Nr. 15]]
Das komplette Bax´sche Vermögen wird inventarisiert: mehr als 200 Positionen, dabei 3 Webstühle, ''Schießgewehr'' und ''Schießpistole'' sowie mehrere Bücher im Gesamtwert von 350 Talern. Der Anerbe Bax, als Nachfolger in Erwägung gezogen, verstirbt Ende 1834 überraschend mit 25 Jahren.
1836 wird ein amtliches Schuldenregulierungsverfahren durchgeführt, das ohne Zwangsversteigerung endet. Im Jahr darauf heiratet der neue Anerbe und übernimmt die Stätte und das Bauerrichter“amt“. Im Eheprotokoll heißt es: ''Dem bisherigen Interimswirth Bax kann wegen schlechter Wirthschaftsführung keine Leibzucht verschrieben werden.''<ref>  LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 336, S. 93/94 </ref> Der abgesetzte Bauerrichter Wilhelm Bax verbringt seinen Lebensabend trotzdem auf der Stätte  -  dies allerdings nicht auf Basis eines Rechtsanspruches, sondern gnadenhalber.


1882/83 kam es mit dem Tod auch beider Stiefeltern des Anerben zum völligen Absterben der Erwachsenen-Generation auf der Stätte. Der zehnjährige Anerbe und zwei Halbgeschwister wuchsen deshalb im weiteren bei ihren Vormündern und Onkeln (und zugleich Nachbarn) auf, die auch die Stätte über Jahre mit bewirtschaften.
1882/83 kam es mit dem Tod auch beider Stiefeltern des Anerben zum völligen Absterben der Erwachsenen-Generation auf der Stätte. Der zehnjährige Anerbe und zwei Halbgeschwister wuchsen deshalb im weiteren bei ihren Vormündern und Onkeln (und zugleich Nachbarn) auf, die auch die Stätte über Jahre mit bewirtschaften.
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HANS HERMAN BACKHAVS FECIT
HANS HERMAN BACKHAVS FECIT


[[Datei:Murnerweg3_050410_2.jpg|thumb|Hausinschrift der Hausstätte Hörste ehem. Nr. 15, Foto: Hans-Christian Schall, 2010]]
[[Datei:Murnerweg3_050410_2.jpg|thumb|Hausinschrift der Hausstätte Bax, ehem. Hörste Nr. 15, Foto: Hans-Christian Schall, 2010]]


==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
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1808 - 1816  Johann Henrich Christoph Bax (1780 - 1816), ∞ (I) 1808 Anna Sophie Elisabeth Schulze († 1838) von Währentrup Nr. 23, diese ∞ (II) 1817 Töns Henrich <u>Wilhelm</u> Bax (1794 - 1848) (Bruder des verstorb. ersten Ehemannes), der Interimswirt Bax Nr. 15 wird; dieser ∞ (III) 1840 Witwe Anna Marg. Elisabeth Orth, geb. Rettberg (1792 - 1856) von Piv. VL
1808 - 1816  Johann Henrich Christoph Bax (1780 - 1816), ∞ (I) 1808 Anna Sophie Elisabeth Schulze († 1838) von Währentrup Nr. 23, diese ∞ (II) 1817 Töns Henrich <u>Wilhelm</u> Bax (1794 - 1848) (Bruder des verstorb. ersten Ehemannes), der Interimswirt Bax Nr. 15 wird; dieser ∞ (III) 1840 Witwe Louise Orth, geb. Rettberg (1792 - 1856) von Piv. VL


Kinder aus 2 Ehen:
Kinder aus 2 Ehen:


• Johann Friedrich Christoph, * 1808, ledig, † 1833 (Schlagfluß)
• Johann Friedrich Christoph, * 1808, Anerbe, ledig, † 1833 (Schlagfluß)


• Johann Hermann Henrich, * 1810, Anerbe
• Johann <u>Hermann Henrich</u>, * 1810, wird 1834 Anerbe


• Cord Henrich Adolph, * 1813, ∞ 1844 Sophie Wilhelmine Amalie Temme, Anerbin Holzhausen/Ext. Nr. 34, wird Col. Temme u. Schuster in Holzh.
• Cord Henrich <u>Adolph</u>, * 1813, ∞ 1844 Sophie Wilhelmine Amalie Temme, Anerbin in Holzhausen/Ext. Nr. 34, wird Col. Temme u. Schuster in Holzh.


• Töns Heinrich, * 1814, ∞ 1852, wird Interimswirt Bax, Hörste Nr. 15
• Töns Heinrich, * 1814, ∞ 1852, wird Interimswirt Bax, Hörste Nr. 15
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1837 - 1850  Johann Hermann Henrich Bax (1810 - 1850), ∞ (I) 1837 Caroline Wilhelmine Orthmann (1816 - 1853) von Müssen Nr. 30, diese ∞ (II) 1852 Töns Heinrich Bax (1815 - 1884),  jüng. Bruder ihres verstorb. ersten Ehemannes, der Interimswirt Bax Nr. 15 wird, er ∞ (III) 1854 Louise Amalia Wiese (1815 - 1897) von Müssen Nr. 13
1837 - 1850  Johann <u>Hermann Henrich</u> Bax (1810 - 1850), ∞ (I) 1837 Caroline Wilhelmine Orthmann (1816 - 1853) von Müssen Nr. 30, diese ∞ (II) 1852 Töns Heinrich Bax (1815 - 1884),  jüng. Bruder ihres verstorb. ersten Ehemannes, der Interimswirt Bax Nr. 15 wird, er ∞ (III) 1854 Louise Amalia Wiese (1815 - 1897) von Müssen Nr. 13


Kinder aus 2 Ehen:
Kinder aus 2 Ehen:
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1852 - 1869 Töns Heinrich Bax, Interimswirt (s. o.)
1852 - 1870 Töns Heinrich Bax, Interimswirt (s. o.)




1869 - 1878  <u>Heinrich</u> August Bax (1842 - 1878), ∞ (I) 1869 Karoline Henriette Schulte (1845 - 1872) von Hörste Nr. 11,  ∞ (II) 1872 Henriette Luise Erfkamp (1851 - 1882) von Müssen Nr. 10, diese ∞ (III) 1879 <u>Gottlieb</u> August Mellies (1850 - 1883) von Hörste Nr. 9, der Interimswirt Nr. 15 wird
1870 - 1878  <u>Heinrich</u> August Bax (1842 - 1878), ∞ (I) 1869 Karoline Henriette Schulte (1845 - 1872) von Hörste Nr. 11,  ∞ (II) 1872 Henriette Luise Erfkamp (1851 - 1882) von Müssen Nr. 10, diese ∞ (III) 1879 <u>Gottlieb</u> August Mellies (1850 - 1883) von Hörste Nr. 9, der Interimswirt Nr. 15 wird


Kinder aus 3 Ehen:
Kinder aus 3 Ehen: