Langer Steinweg 20 (Blomberg): Unterschied zwischen den Versionen

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==Geschichte==
==Geschichte==
Das Haus Langer Steinweg 20 ist das einzige erhaltene Fachwerkhaus aus der Zeit des Wiederaufbaus nach der Zerstörung Blombergs in der Soester Fehde am 14. Juni 1447. (Das 1450-54 (d) wiederaufgebaute Haus [[Neue Torstraße 10 (Blomberg)|Neue Torstraße 10]] befindet sich seit 1967 im LWL-Freilichtmuseum Detmold, Wiederaufbau 1986-88). Der rückwärtige Steinkeller unter dem Hinterhaus reicht möglicherweise sogar noch in die Zeit vor 1447 zurück. Das Gebäude ist das derzeit älteste Fachwerkhaus in Blomberg und darüber hinaus in ganz Lippe.
Das Haus Langer Steinweg 20 ist eines von zwei erhaltenen Fachwerkhäusern aus der Zeit des Wiederaufbaus nach der Zerstörung Blombergs in der Soester Fehde am 14. Juni 1447. (Das 1450-54 (d) wiederaufgebaute Haus [[Neue Torstraße 10 (Blomberg)|Neue Torstraße 10]] befindet sich seit 1967 im LWL-Freilichtmuseum Detmold, Wiederaufbau 1986-88). Der rückwärtige Steinkeller unter dem Hinterhaus reicht möglicherweise sogar noch in die Zeit vor 1447 zurück. Das Gebäude ist das derzeit älteste Fachwerkhaus in Blomberg und darüber hinaus in ganz Lippe.


1662 (d) Anbau eines hausbreiten Saal-Hinterhauses mit reicher Spätrenaissance-Ausstattung (2 Türen, Fenster mit Bleiverglasung und bsschnitzten Pfosten, Aborterker) durch den Pastor Christoph Levinus Theopold, der das Haus in diesem Jahr erwarb (Pfarrer an St. Martini von 1657 bis 1676). Sein Sohn Dr. Heinrich Werner Theopold praktizierte ab 1683 in dem Haus als Arzt und Apotheker; es gab Beschwerden wegen unerlaubten Branntweinbrennens.  
1662 (d) Anbau eines hausbreiten Saal-Hinterhauses mit reicher Spätrenaissance-Ausstattung (2 Türen, Fenster mit Bleiverglasung und bsschnitzten Pfosten, Aborterker) durch den Pastor Christoph Levinus Theopold, der das Haus in diesem Jahr erwarb (Pfarrer an St. Martini von 1657 bis 1676). Sein Sohn Dr. Heinrich Werner Theopold praktizierte ab 1683 in dem Haus als Arzt und Apotheker; es gab Beschwerden wegen unerlaubten Branntweinbrennens.  
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Hausbreiter Saalbau von 3 Fachen 1662 (d) angefügt (unter Einbeziehung des Kellers von 1455 +/- 1 d), Dachwerk aus 5 Sparrengebinden auf Sparrenschwellen, Hochständerdachwerk mit Stuhlrähm in Längsrichtung. Dachboden über dem Saal mit Lehmestrich. Fachwerkgeschoss des Saalbaus abwechselnd mit Kopfbändern und Fußstreben an den Eckständern vertrebt. Große, ehemals bleiverglaste Fensteröffnungen des Saales erkennbar, ein Teil eines geschnitzten Fensterpfostens aus der Bauzeit wurde auf dem Dachboden gefunden. Außerdem fanden sich zwei Spätrenaissance-Türen mit Arkadenfüllungen, die zur repräsentativen Erstausstattung dieses Saales zu rechnen sind. Spuren eines Aborterkers am Rückgiebel rechts.
Hausbreiter Saalbau von 3 Fachen 1662 (d) angefügt (unter Einbeziehung des Kellers von 1455 +/- 1 d), Dachwerk aus 5 Sparrengebinden auf Sparrenschwellen, Hochständerdachwerk mit Stuhlrähm in Längsrichtung. Dachboden über dem Saal mit Lehmestrich. Fachwerkgeschoss des Saalbaus abwechselnd mit Kopfbändern und Fußstreben an den Eckständern vertrebt. Große, ehemals bleiverglaste Fensteröffnungen des Saales erkennbar, ein Teil eines geschnitzten Fensterpfostens aus der Bauzeit wurde auf dem Dachboden gefunden. Außerdem fanden sich zwei Spätrenaissance-Türen mit Arkadenfüllungen, die zur repräsentativen Erstausstattung dieses Saales zu rechnen sind. Spuren eines Aborterkers am Rückgiebel rechts.


1824 (d) und 1826 (i) Erneuerung der Fassade und der Trauwfwände des spätmittelalterlichen Vorderhauses durch Färber Friedrich Rohne; Einbau eines zweiten Dielenseitenschiffes links (vgl. Taxation von 1829). Gefüge der erneuerten Traufwände dreifach verriegelt mit Zwischenständern; Ausfachung mit Lehmsteinen. Erhaltenes Schiebefenster mit Bleiverglasung an der linken Traufwand, Reste eines Fensterstockes über dem rechten Seiteneingang. Relativ steiler, zweifach vorkragender Vordergiebel mit Backsteinausfachung anstelle eines anzunehmenden mittelalterlichen Brettergiebels, der auf Knaggen weit vorgekragt war. Fassade im 19. Jahrhundert verputzt; 1967 freigelegt und modernisiert.
1824 (d) und 1826 (i) Erneuerung der Fassade und der Trauwfwände des spätmittelalterlichen Vorderhauses durch Färber Friedrich Rohne; Einbau eines zweiten Dielenseitenschiffes links (vgl. Taxation von 1829). Gefüge der erneuerten Traufwände dreifach verriegelt mit Zwischenständern; Ausfachung mit Lehmsteinen. Erhaltenes Schiebefenster mit Karnies- Bleiverglasung an der linken Traufwand, Reste eines Fensterstockes über dem rechten Seiteneingang. Relativ steiler, zweifach vorkragender Vordergiebel mit Backsteinausfachung anstelle eines anzunehmenden mittelalterlichen Brettergiebels, der auf Knaggen weit vorgekragt war. Fassade im 19. Jahrhundert verputzt; 1967 freigelegt und modernisiert.


Räume nach Taxation von 1829: ''Stube rechts'' mit ''Lamperrei'' (Lambris) und ''alkoben'', dahinter Schlafkammer. Zweite Stube mit Nebenkammer in schmalerem Seitenschiff links, wohl 1824 (d) eingebaut. Geschlossene Küche mit gewellerter Decke, ''Feuerherd mit Brandmauer'' und Schornstein. Über dem Keller der ''Sal'', zu dem eine Treppe hinaufführte, mit ''Neben Kammer''. Erhaltener Stallanbau mit Schleppdach an der rechten Traufwand des Hinterhauses (heute Garage). Um 1930 zweigeschossiger Durchbau der vorderen Diele und Vergrößerung der linken Stube; moderner Ladeneinbau 1968.
Räume nach Taxation von 1829: ''Stube rechts'' mit ''Lamperrei'' (Lambris) und ''alkoben'' (Alkoven, Bettkasten), dahinter Schlafkammer. Zweite Stube mit Nebenkammer in schmalerem Seitenschiff links, wohl 1824 (d) eingebaut. Geschlossene Küche mit gewellerter Decke, ''Feuerherd mit Brandmauer'' und Schornstein. Über dem Keller der ''Sal'', zu dem eine Treppe hinaufführte, mit ''Neben Kammer''. Erhaltener Stallanbau mit Schleppdach an der rechten Traufwand des Hinterhauses (heute Garage). Um 1930 zweigeschossiger Durchbau der vorderen Diele und Vergrößerung der linken Stube; moderner Ladeneinbau 1968.


==Inschriften==
==Inschriften==
Riegel an der linken Traufseite oben, eingeritzte Jahreszahl "1826"
Vorderer Riegel an der linken Traufseite oben, eingeritzte Jahreszahl "1826".


==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
Erster nachweisbarer Besitzer ist Hermann Kleinsorge (Bürgerrecht 1637); 1662 Erwerb durch Pastor Christoph Levinus Theopold, der im selben Jahr den erhaltenen Saalbau anfügen ließ.<ref>{{StieweHausbau1996}}, S. 299f.; ausführlicher: {{RolfBürger1996}}, S. 112.</ref> Theopold, Sohn des ersten reformierten Pfarrers Abraham Theopold, war von 1657 bis zu seinem Tode 1676 Pastor an der Stadtkirche St. Martini.<ref>{{ButterweckGeschichte1926}}, S. 332.</ref> Sein zweiter Sohn, der Arzt Dr. Heinrich Werner Theopold, erbte das Haus und praktizierte dort ab 1683 als Arzt und Apotheker. 1726 Braugerechtigkeit, auch Beschwerden wegen unrechtmäßigen Branntweinbrennens.  
Erster nachweisbarer Besitzer ist Hermann Kleinsorge (Bürgerrecht 1637); 1662 Erwerb durch Pastor Christoph Levinus Theopold, der im selben Jahr den erhaltenen Saalbau anfügen ließ.<ref>{{StieweHausbau1996}}, S. 299f.; ausführlicher: {{RolfBürger1996}}, S. 112.</ref> Theopold, Sohn des ersten reformierten Pfarrers Abraham Theopold, war von 1657 bis zu seinem Tode 1676 Pastor an der Stadtkirche St. Martini.<ref>{{ButterweckGeschichte1926}}, S. 332.</ref> Sein zweiter Sohn, der Arzt Dr. Heinrich Werner Theopold, erbte das Haus und praktizierte dort ab 1683 als Arzt und Apotheker. 1726 Braugerechtigkeit, auch Beschwerden wegen unrechtmäßigen Branntweinbrennens.<ref>{{RolfBürger1996}}, S. 112.</ref>


1735 heiratete der Schlosser und spätere Ratsbeisitzer Franz Henrich Fette ein (Bürgerrecht 1733); er lebte 1776 (VZ) mit einem Sohn und einer Magd im Haus und hielt 2 Kühe und 1 Rind.  
1735 heiratete der Schlosser und spätere Ratsbeisitzer Franz Henrich Fette ein (Bürgerrecht 1733); er lebte 1776 (VZ) mit einem Sohn und einer Magd im Haus und hielt 2 Kühe und 1 Rind.