Grotenburg (Hiddesen): Unterschied zwischen den Versionen

Helmut Luley (Diskussion | Beiträge)
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Die Grotenburg, in der Literatur auch „Großer Hünenring“ genannt, fand zu Beginn der Burgenforschung Anfang des 19. Jahrhunderts ein außergewöhnlich großes Interesse: In ihren Ruinen sah man eine Burg des Arminius, des Fürsten der Cherusker – und nach damaliger Deutung damit die namengebende Anlage für den Teutoburgiensis saltus, in dem die Legionen des Varus vernichtet worden waren.<ref>Tacitus, Annalen I, 60.</ref>
Die Grotenburg, in der Literatur auch „Großer Hünenring“ genannt, fand zu Beginn der Burgenforschung Anfang des 19. Jahrhunderts ein außergewöhnlich großes Interesse: In ihren Ruinen sah man eine Burg des Arminius, des Fürsten der Cherusker – und nach damaliger Deutung damit die namengebende Anlage für den Teutoburgiensis saltus, in dem die Legionen des Varus vernichtet worden waren.<ref>Tacitus, Annalen I, 60.</ref>
Diese Herleitung gilt heute als nicht belegt.
Diese Herleitung gilt heute als nicht belegt.
In den meisten Beschreibungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird die Grotenburg noch als eindrucksvolle Anlage geschildert, obwohl seit Jahrhunderten den Bewohnern der umliegenden Gemeinden die Überreste als Steinbruch gedient hatten, etwa zur Einfriedung von Ländereien und Hofräumen wie auch zum Häuser- und Straßenbau. Letztlich führte die Wahl dieser beherrschenden Bergkuppe als Standort des Hermannsdenkmals zur weitgehenden Zerstörung der ursprünglich etwa 11 ha großen vorgeschichtlichen Befestigung.
In den meisten Beschreibungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird die Grotenburg noch als eindrucksvolle Anlage geschildert, obwohl seit Jahrhunderten den Bewohnern der umliegenden Gemeinden die Überreste als Steinbruch gedient hatten, etwa zur Einfriedung von Ländereien und Hofräumen wie auch zum Häuser- und Straßenbau. Letztlich führte die Wahl dieser beherrschenden Bergkuppe als Standort des Hermannsdenkmals zur weitgehenden Zerstörung der ursprünglich etwa 11 ha großen vorgeschichtlichen Befestigung.
Ausführliche Vermessungen und Beschreibungen der Grotenburg durch den Fürstlich Lippischen Archivrat Christian Gottlieb Clostermeier (1752–1829) und den Offizier, Militärhistoriker und Numismatiker Friedrich Ludwig Hölzermann (1830–1870) bestätigten das allmähliche Verschwinden der archäologischen Zeugnisse.<ref>Chr. Gottlieb Clostermeier, Wo Hermann den Varus schlug. Lemgo 1822, 118–129</ref>
Ausführliche Vermessungen und Beschreibungen der Grotenburg durch den Fürstlich Lippischen Archivrat Christian Gottlieb Clostermeier (1752–1829) und den Offizier, Militärhistoriker und Numismatiker Friedrich Ludwig Hölzermann (1830–1870) bestätigten das allmähliche Verschwinden der archäologischen Zeugnisse.<ref>Chr. Gottlieb Clostermeier, Wo Hermann den Varus schlug. Lemgo 1822, 118–129</ref>
Hölzermann beklagt, „dass diese ehrwürdigen Reste …, so wenig Beachtung gefunden haben, dass dieselben an manchen Stellen gänzlich, an anderen aber zum grössten Theile, um eines höchst unbedeutenden Vortheils willen, zerstört werden konnten und zwar in einer Zeit, in welcher man viele tausend Thaler bereitwillig opferte, um dem Helden der Varusschlacht inmitten jener Burg ein bleibendes Denkmal zu errichten.“<ref>Ludwig Hölzermann, Lokaluntersuchungen, die Kriege der Roemer und Franken sowie die Befestigungsmanieren der Germanen, Sachsen und des spaeteren Mittelalters betreffend. Münster 1878, 115 u. Abb. 24.</ref>
Hölzermann beklagt, „dass diese ehrwürdigen Reste …, so wenig Beachtung gefunden haben, dass dieselben an manchen Stellen gänzlich, an anderen aber zum grössten Theile, um eines höchst unbedeutenden Vortheils willen, zerstört werden konnten und zwar in einer Zeit, in welcher man viele tausend Thaler bereitwillig opferte, um dem Helden der Varusschlacht inmitten jener Burg ein bleibendes Denkmal zu errichten.“<ref>Ludwig Hölzermann, Lokaluntersuchungen, die Kriege der Roemer und Franken sowie die Befestigungsmanieren der Germanen, Sachsen und des spaeteren Mittelalters betreffend. Münster 1878, 115 u. Abb. 24.</ref>
Hölzermann vermutet den Verlauf der Befestigungslinie entlang der 355-m-Höhenlinie, mit einer Innenfläche von ca. 11 ha Größe. Abgesehen von den noch vorhandenen schwachen Resten am heutigen Parkplatz lässt sich der genaue Wallverlauf bis zum nördlichen Steilhang kaum mehr klären. Für die Wasserversorgung der Burg diente eine Quellmulde im östlichen Hanggelände innerhalb der Umwallung.<ref>Ludwig Hölzermann, Lokaluntersuchungen, die Kriege der Roemer und Franken sowie die Befestigungsmanieren der Germanen, Sachsen und des spaeteren Mittelalters betreffend. Münster 1878, Taf. 45.</ref>
Hölzermann vermutet den Verlauf der Befestigungslinie entlang der 355-m-Höhenlinie, mit einer Innenfläche von ca. 11 ha Größe. Abgesehen von den noch vorhandenen schwachen Resten am heutigen Parkplatz lässt sich der genaue Wallverlauf bis zum nördlichen Steilhang kaum mehr klären. Für die Wasserversorgung der Burg diente eine Quellmulde im östlichen Hanggelände innerhalb der Umwallung.<ref>Ludwig Hölzermann, Lokaluntersuchungen, die Kriege der Roemer und Franken sowie die Befestigungsmanieren der Germanen, Sachsen und des spaeteren Mittelalters betreffend. Münster 1878, Taf. 45.</ref>
Erste Grabungen fanden zwischen 1900 und 1907 durch den Burgenforscher und Direktor des Kestner-Museums Hannover Carl Schuchhardt (1859–1943) und den Gymnasialprofessor Otto Weerth (1849–1930), Leiter des Naturwissenschaftlichen Museums Detmold (Vorläufer des Lippischen Landesmuseums), statt. Untersuchungen einer Fläche im Burginneren durch Schuchhardt erbrachten in Reihe angeordnete Pfostenspuren, die aber nicht eindeutig einem Baubefund zugeordnet werden konnten. Fortsetzung fanden die Grabungen auf der Grotenburg 1950 durch den Leiter der Abteilung für Vor- und Frühgeschichte des Lippischen Landesmuseums Leo Nebelsiek (1886–1974), unterstützt durch den Direktor des Westfälischen Landesmuseums für Vor- und Frühgeschichte und Geschäftsführer der Altertumskommission für Westfalen, Prof. Dr. August Stieren (1885–1970). Letztlich konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Befestigung im Rahmen der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Germanen und Römern in der Zeit um 9 n. Chr. noch Bedeutung und Funktion hatte. Der Fund einer eisernen Pilumspitze, dem vorderen Teil eines Wurfspeeres römischer Legionäre, reicht als Beweis für eine Benutzung der Grotenburg in der Zeit um Christi Geburt nicht aus. Aufgefundene Holzkohle im Bereich eines Wallfußes lässt zumindest eine wesentlich frühere Datierung mit Hilfe der C14-Radiokarbonmethode in das 3. Jahrhundert v. Chr. zu.
Erste Grabungen fanden zwischen 1900 und 1907 durch den Burgenforscher und Direktor des Kestner-Museums Hannover Carl Schuchhardt (1859–1943) und den Gymnasialprofessor Otto Weerth (1849–1930), Leiter des Naturwissenschaftlichen Museums Detmold (Vorläufer des Lippischen Landesmuseums), statt. Untersuchungen einer Fläche im Burginneren durch Schuchhardt erbrachten in Reihe angeordnete Pfostenspuren, die aber nicht eindeutig einem Baubefund zugeordnet werden konnten. Fortsetzung fanden die Grabungen auf der Grotenburg 1950 durch den Leiter der Abteilung für Vor- und Frühgeschichte des Lippischen Landesmuseums Leo Nebelsiek (1886–1974), unterstützt durch den Direktor des Westfälischen Landesmuseums für Vor- und Frühgeschichte und Geschäftsführer der Altertumskommission für Westfalen, Prof. Dr. August Stieren (1885–1970). Letztlich konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Befestigung im Rahmen der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Germanen und Römern in der Zeit um 9 n. Chr. noch Bedeutung und Funktion hatte. Der Fund einer eisernen Pilumspitze, dem vorderen Teil eines Wurfspeeres römischer Legionäre, reicht als Beweis für eine Benutzung der Grotenburg in der Zeit um Christi Geburt nicht aus. Aufgefundene Holzkohle im Bereich eines Wallfußes lässt zumindest eine wesentlich frühere Datierung mit Hilfe der C14-Radiokarbonmethode in das 3. Jahrhundert v. Chr. zu.
Jüngere Untersuchungen des Lippischen Landesmuseums Detmold, der Cardiff University (Wales) und der Ruhr-Universität Bochum in den Jahren 2017 und 2018 erbrachten keine neuen Erkenntnisse über die Besiedlungsgeschichte der Grotenburg.
Jüngere Untersuchungen des Lippischen Landesmuseums Detmold, der Cardiff University (Wales) und der Ruhr-Universität Bochum in den Jahren 2017 und 2018 erbrachten keine neuen Erkenntnisse über die Besiedlungsgeschichte der Grotenburg.
Als Bodendenkmal eingetragen in die Denkmalliste der Stadt Detmold am 11.01.1989, Nr. 38.
Als Bodendenkmal eingetragen in die Denkmalliste der Stadt Detmold am 11.01.1989, Nr. 38.
==Beschreibung==
==Beschreibung==