Bösingfelder Straße 10 (Lüdenhausen): Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 14: | Zeile 14: | ||
Im Keller des Hauses wurde bei Renovierungsarbeiten im Jahre 2000 ein rituelles jüdisches Tauchbad, eine sogg. Mikwe entdeckt.<ref>Pöschl Antje, Ein jüdisches rituelles Tauchbad in Kalletal-Lüdenhausen, Kreis Lippe. In: Archäologie in Ostwestfalen 6 〈2001〉S. 75–81</ref> | Im Keller des Hauses wurde bei Renovierungsarbeiten im Jahre 2000 ein rituelles jüdisches Tauchbad, eine sogg. Mikwe entdeckt.<ref>Pöschl Antje, Ein jüdisches rituelles Tauchbad in Kalletal-Lüdenhausen, Kreis Lippe. In: Archäologie in Ostwestfalen 6 〈2001〉S. 75–81</ref> | ||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
Das Fachwerkhaus Bösingfelder Straße 10 ist ein Vierständerhaus in sechs Gebinden Länge auf einem Bruchsteinsockel. Der Torbogen mit Schnitzereien und Inschriften nennt 1684 als das Baujahr. Das kleine Kötterhaus wurde vermutlich im 18. Jh. durch einen an der Straßenseite leicht eingezogenen Wohnteil um drei Fachwerkgebinde verlängert. | |||
Im Jahre 2001 ist beim Umbau und der Sanierung des Fachwerkhauses in einem verfüllten Kellerraum ein jüdisches rituelles Tauchbad entdeckt worden. Rituelle Tauchbäder −im jüdischen Sprachgebrauch auch „Mikwe" genannt− bilden einen wichtigen Bestandteil der jüdischen religiösen Reinigungsgesetze. Sie werden vor allem von Frauen nach der Menstruation und nach Geburten zur rituellen Reinigung genutzt. Das aus Bruchstein errichtete Becken ist in den anstehenden Mergel eingetieft, hat eine Größe von ca. 1,20 x 1,20 m und war mindestens 1,40 m tief. Der Boden ist mit unterschiedlich großen Steinplatten ausgelegt. Von der Deele führt eine Steintreppe zum Becken. Innerhalb des Tauchbeckens muss sich zum Ein- und Ausstieg eine Holztreppe befunden haben, Reste davon sind jedoch nicht erhalten. | |||
Im ländlichen Raum haben sich die meist einfachen und schmucklosen Bäder nur sehr selten erhalten, so dass die Wiederentdeckung dieser Anlage in Lüdenhausen einen Glücksfall darstellt. Im Jahr 2006 ist den Eigentümern des Baudenkmals für die fachgerechte Instandsetzung der Westfälische Denkmalpreis verliehen worden.<ref>Kreis Lippe, Denkmalbehörde, 20 Jahre Tag des offenen Denkmals in Lippe, 100 Baudenkmale, Veröffentlichung 2012, S.93</ref> | |||
[[Datei: Fachwerkhaus Schwelentrup m Mikwe.jpg | thumb | Fachwerkhaus Schwelentrup m Mikwe, Bösingf. Str. 10, Foto L. Kaup 2012]] | |||
==Inschrift<ref>[https://www.nhv-ahnenforschung.de/Torbogen/lippe.htm Hausinschriftensammlung des Genealogischen Arbeitskreises im NHV]</ref>== | ==Inschrift<ref>[https://www.nhv-ahnenforschung.de/Torbogen/lippe.htm Hausinschriftensammlung des Genealogischen Arbeitskreises im NHV]</ref>== | ||
HENRICH KVFVS * ANNA ELISABET<br> | HENRICH KVFVS * ANNA ELISABET<br> | ||
Aktuelle Version vom 1. Juni 2026, 12:25 Uhr
| Bösingfelder Straße 10 (Lüdenhausen) | |
|---|---|
| Ortsteil | Lüdenhausen |
| Straße | Bösingfelder Straße (Lüdenhausen) |
| Hausnummer | 10 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Gemeinde | Lüdenhausen |
| Hausnummer | 055 |
Frühere Hausstätte Lüdenhausen Nr. 55



Geschichte
Im Keller des Hauses wurde bei Renovierungsarbeiten im Jahre 2000 ein rituelles jüdisches Tauchbad, eine sogg. Mikwe entdeckt.[1]
Gebäude
Das Fachwerkhaus Bösingfelder Straße 10 ist ein Vierständerhaus in sechs Gebinden Länge auf einem Bruchsteinsockel. Der Torbogen mit Schnitzereien und Inschriften nennt 1684 als das Baujahr. Das kleine Kötterhaus wurde vermutlich im 18. Jh. durch einen an der Straßenseite leicht eingezogenen Wohnteil um drei Fachwerkgebinde verlängert.
Im Jahre 2001 ist beim Umbau und der Sanierung des Fachwerkhauses in einem verfüllten Kellerraum ein jüdisches rituelles Tauchbad entdeckt worden. Rituelle Tauchbäder −im jüdischen Sprachgebrauch auch „Mikwe" genannt− bilden einen wichtigen Bestandteil der jüdischen religiösen Reinigungsgesetze. Sie werden vor allem von Frauen nach der Menstruation und nach Geburten zur rituellen Reinigung genutzt. Das aus Bruchstein errichtete Becken ist in den anstehenden Mergel eingetieft, hat eine Größe von ca. 1,20 x 1,20 m und war mindestens 1,40 m tief. Der Boden ist mit unterschiedlich großen Steinplatten ausgelegt. Von der Deele führt eine Steintreppe zum Becken. Innerhalb des Tauchbeckens muss sich zum Ein- und Ausstieg eine Holztreppe befunden haben, Reste davon sind jedoch nicht erhalten.
Im ländlichen Raum haben sich die meist einfachen und schmucklosen Bäder nur sehr selten erhalten, so dass die Wiederentdeckung dieser Anlage in Lüdenhausen einen Glücksfall darstellt. Im Jahr 2006 ist den Eigentümern des Baudenkmals für die fachgerechte Instandsetzung der Westfälische Denkmalpreis verliehen worden.[2]

Inschrift[3]
HENRICH KVFVS * ANNA ELISABET
SIKERS * ALSO HAT GOT DIE WELT GELI
BET DER SEINEN EINGEBOHRENEN SOHN GAB
AVF DAS ALE DI AN IHN GELAVBEN DAS EWIGE LEBENB
M.HENRICH KRVGER * ANNO 1687
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
Literatur
Quellen
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Pöschl Antje, Ein jüdisches rituelles Tauchbad in Kalletal-Lüdenhausen, Kreis Lippe. In: Archäologie in Ostwestfalen 6 〈2001〉S. 75–81
- ↑ Kreis Lippe, Denkmalbehörde, 20 Jahre Tag des offenen Denkmals in Lippe, 100 Baudenkmale, Veröffentlichung 2012, S.93
- ↑ Hausinschriftensammlung des Genealogischen Arbeitskreises im NHV
- ↑ Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat
- ↑ Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat
Autor
Seitenhistorie
Seite erstellt am 17.08.2025 von Hans-Christian Schall
Letzte Änderung am: 01.06.2026 von Lothar Kaup