Hiddentruper Straße 11-13 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen

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==Geschichte==
==Geschichte==
[[Datei:1262 Urkunde Hörste LAV W B214u 00152.jpg|mini|Urkunde über den Verkauf der Höfe Hanning und Hilbrink im Jahre 1262, LAV W B 214u / Kloster Marienfeld, Nr. 152]]
[[Datei:1629 30 Unpflicht Hans Hanning und Trinecke Vos.jpg|mini|„Unpflicht“ (uneheliche Kindeszeugung) und folgende Eheschließung von Hans Hanning u. Trinecke Voß, 1629/30, LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 174, S. 34]]
Graf Otto III. von Ravensberg beurkundete 1262 als Lehnsherr den Verkauf von zwei Höfen  -  so genannten Mansen  -  in der ''villa Horste'', Kirchspiel Stapelage, seitens eines ''Gerhard Duvellescop'' an das Kloster Marienfeld.<ref>LAV W B 214u / Kloster Marienfeld, Nr. 152</ref> <ref>Herbert Stöwer, Lippische Ortsgeschichte, S. 408</ref>  Fachleute verstehen solche „Mansen“ als mittelgroße Höfe, so dass unter den Jahrhunderte später marienfeldischen Höfen in Hörste nur Hanning Nr. 6 und Hilbrink Nr. 7 als die 1262 verkauften in Frage kommen. Hier ist der Großkötterhof  Hanning (später Nr. 6) also  erstmals erwähnt worden  -  dies allerdings ohne Namensnennung.
Graf Otto III. von Ravensberg beurkundete 1262 als Lehnsherr den Verkauf von zwei Höfen  -  so genannten Mansen  -  in der ''villa Horste'', Kirchspiel Stapelage, seitens eines ''Gerhard Duvellescop'' an das Kloster Marienfeld.<ref>LAV W B 214u / Kloster Marienfeld, Nr. 152</ref> <ref>Herbert Stöwer, Lippische Ortsgeschichte, S. 408</ref>  Fachleute verstehen solche „Mansen“ als mittelgroße Höfe, so dass unter den Jahrhunderte später marienfeldischen Höfen in Hörste nur Hanning Nr. 6 und Hilbrink Nr. 7 als die 1262 verkauften in Frage kommen. Hier ist der Großkötterhof  Hanning (später Nr. 6) also  erstmals erwähnt worden  -  dies allerdings ohne Namensnennung.


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Das geht einige Jahre scheinbar gut, dann wird im März 1882 ein neues Problem offenbar: ''Curatel für die Witwe Colona Hilbrink No. 6 und 7 zu Hoerste.''<ref>LAV NRW OWL, D 23 Detmold Nr. 1245</ref> In der Akte heißt es: ''Die Witwe Colona Hilbrink No 6 und 7 zu Hörste ist als Verschwenderin durch Beschluß von heute entmündigt und kann ohne Genehmigung der ihr als Curatoren bestellten Colonen  .  .  . keine Schulden mehr contrahieren.  .  .  .''
Das geht einige Jahre scheinbar gut, dann wird im März 1882 ein neues Problem offenbar: ''Curatel für die Witwe Colona Hilbrink No. 6 und 7 zu Hoerste.''<ref>LAV NRW OWL, D 23 Detmold Nr. 1245</ref> In der Akte heißt es: ''Die Witwe Colona Hilbrink No 6 und 7 zu Hörste ist als Verschwenderin durch Beschluß von heute entmündigt und kann ohne Genehmigung der ihr als Curatoren bestellten Colonen  .  .  . keine Schulden mehr contrahieren.  .  .  .''
[[Datei:1882 Anzeige Kolonatsverkauf.jpg|mini|Insertion/Bekanntmachung „Kolonats-Verkauf“ in der Lippischen Landeszeitung, 1882]]
[[Datei:1914 Tod Fritz Meier klein.jpg|mini|Todesanzeige Fritz Meier, Hörste, Lipp. Landeszeitung, Juli 1914]]
[[Datei:1981 Abbruch Hanning Nr. 6 farbig.jpg|mini|Abbruch des alten Bauernhauses Hanning/Meier/Brokmann, ehemals Hörste Nr. 6, 1981, aus 825 Jahre Hörste - Historische Fotosammlung]]
[[Datei:1981 Abbruch sw.jpg|mini|Abbruch des alten Bauernhauses Hanning/Meier/Brokmann, ehemals Hörste Nr. 6, 1981, aus 825 Jahre Hörste - Historische Fotosammlung]]
    
    
Drei Monate später strebt man eine Lösung des Problems an; in der Landeszeitung wird ein öffentlicher Termin ''im Ostmannschen Kruge zu Hörste'' am Freitag, den 14. Juli 1882 bekannt gemacht: ''Die Kuratoren der Witwe Hilbrink Nr. 6 und 7 in Hörste beabsichtigen, das früher angekaufte Hanningsche Kolonat Nr. 6 daselbst, bestehend aus einem Wohnhause, taxiert zu 7600 M, einem Backhause zu 1300 Mark, nebst 72 Schffls. Ackerland, 26 Schffls. Heideboden u. ca. 8 Schffls. Holzbestand  .  .  .  meistbietend zu verkaufen.''
Drei Monate später strebt man eine Lösung des Problems an; in der Landeszeitung wird ein öffentlicher Termin ''im Ostmannschen Kruge zu Hörste'' am Freitag, den 14. Juli 1882 bekannt gemacht: ''Die Kuratoren der Witwe Hilbrink Nr. 6 und 7 in Hörste beabsichtigen, das früher angekaufte Hanningsche Kolonat Nr. 6 daselbst, bestehend aus einem Wohnhause, taxiert zu 7600 M, einem Backhause zu 1300 Mark, nebst 72 Schffls. Ackerland, 26 Schffls. Heideboden u. ca. 8 Schffls. Holzbestand  .  .  .  meistbietend zu verkaufen.''
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g) 1981  Abrissgenehmigung und Abriss des alten Wohnhauses
g) 1981  Abrissgenehmigung und Abriss des alten Wohnhauses
 
[[Datei:Schepers Giebel.jpg|mini|Bauernhaus Hanning/Meier/Brokmann: Bauaufnahme und Rekonstruktion des ursprünglichen Zustandes; in J. Schepers, Haus und Hof westfälischer Bauern, Münster 1973]]
[[Datei:Schepers gesamt.jpg|mini|Bauernhaus Hanning/Meier/Brokmann: Bauaufnahme und Rekonstruktion des ursprünglichen Zustandes; in J. Schepers, Haus und Hof westfälischer Bauern, Münster 1973]]
[[Datei:1885 Geb steuer änderungen Hörste.jpg|mini|Baumaßnahmen u. Gebäudesteuer-Veränderungen in Hörste 1885, LAV NRW OWL, L 101 A III Nr. 431]]
Neben dem nach bauhistorischen Untersuchungen um 1560 errichteten Haupthaus hat es also ein Backhaus und vor 1670 ein weiteres Haus (Leibzucht ?) auf dem Hof Hanning gegeben. Um 1673 ist ein weiteres Haus entstandan. Etwa 1778 ist die Leibzucht abgebrannt, 1780 dann das Ersatzgebäude errichtet, wie der erhaltene Torbalken ausweist. Dieser Torbalken muss nach Abbruch der „neuen“ Leibzucht 1871/72 auf dem Hof Hanning verblieben sein, so dass er um 1877 bei Errichtung des nächsten, bis heute erhaltenen Hauses an gleicher Stelle (Haus Nr. 72) wieder verwendet werden konnte.
Neben dem nach bauhistorischen Untersuchungen um 1560 errichteten Haupthaus hat es also ein Backhaus und vor 1670 ein weiteres Haus (Leibzucht ?) auf dem Hof Hanning gegeben. Um 1673 ist ein weiteres Haus entstandan. Etwa 1778 ist die Leibzucht abgebrannt, 1780 dann das Ersatzgebäude errichtet, wie der erhaltene Torbalken ausweist. Dieser Torbalken muss nach Abbruch der „neuen“ Leibzucht 1871/72 auf dem Hof Hanning verblieben sein, so dass er um 1877 bei Errichtung des nächsten, bis heute erhaltenen Hauses an gleicher Stelle (Haus Nr. 72) wieder verwendet werden konnte.


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'''JOHAN BERNDT HARNING XND ANNA KATRINA BRINKM VON IRRXSEN HABEN D'''IES HAUS '''LASEN BAUEN DEN 22. NOVEMBER 1780 I  PS 39''' (V 10) '''WO ICH WIL SCHWEIGEN UND MEINEN''' MUND '''NICHT AUFTHUN DAN D'''ER '''HERR HA(S)T ES GETHAN X M IOHAN .  .  .'''
'''JOHAN BERNDT HARNING XND ANNA KATRINA BRINKM VON IRRXSEN HABEN D'''IES HAUS '''LASEN BAUEN DEN 22. NOVEMBER 1780 I  PS 39''' (V 10) '''WO ICH WIL SCHWEIGEN UND MEINEN''' MUND '''NICHT AUFTHUN DAN D'''ER '''HERR HA(S)T ES GETHAN X M IOHAN .  .  .'''
 
[[Datei:1780 Torbalken Hanning.jpg|mini|Torbalken des nach Brand 1780 neu erbauten Leibzuchtshauses Hanning (um 1877 eingebaut in das Haus Hiddentruper Straße 15), 2024, Foto: Dr. Horst Wissbrock]]
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
==Eigentümer*innen, Bewohner*innen==
vor 1591 – nach 1617  Curt Hanning (oder eingeh.), † vor 1646, ∞ um 1600 NNw NN (oder Hanning), † nach 1648
vor 1591 – nach 1617  Curt Hanning (oder eingeh.), † vor 1646, ∞ um 1600 NNw NN (oder Hanning), † nach 1648
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(1884  Verkauf des Hofes Nr. 6 durch Hochfeld in Teilflächen an div. Käufer  -  dabei der Hofstelle/des Haupthauses mit 3,25 ha Land an den dort bereits wohnenden Einlieger Zimmermeister Fritz Meier)
(1884  Verkauf des Hofes Nr. 6 durch Hochfeld in Teilflächen an div. Käufer  -  dabei der Hofstelle/des Haupthauses mit 3,25 ha Land an den dort bereits wohnenden Einlieger Zimmermeister Fritz Meier)


 
[[Datei:1910 Fam Meier Hörste.jpg|mini|Familie Fr. Meier, Hörste Nr. 6, um 1910: (von links:) To. Lina, Ehefrau Juliane, To. Helene, To. Pauline, davor To. Erna, Ehemann Fritz, To. Frieda (hinein retuschiert, da bereits 1905 an Tuberkulose verstorben), To. Mathilde Meier; Privatbesitz Dr. Horst Wissbrock]]
1884 – 1914  Zimmermeister Friedrich Wilhelm (<u>Fritz</u>) Meier (1850 – 1914) aus Müssen, ∞ (I) 1882 Wilhelmine Karoline Stöppler (1852 – 1888) aus Billinghausen, ∞ (II) 1888 Johanne <u>Juliane</u> Nedderhof modo Brinkmann (1863 – 1936) aus Wellentrup
1884 – 1914  Zimmermeister Friedrich Wilhelm (<u>Fritz</u>) Meier (1850 – 1914) aus Müssen, ∞ (I) 1882 Wilhelmine Karoline Stöppler (1852 – 1888) aus Billinghausen, ∞ (II) 1888 Johanne <u>Juliane</u> Nedderhof modo Brinkmann (1863 – 1936) aus Wellentrup