Hiddentruper Straße 11-13 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen
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In der Volkszählung Mitte 1609 werden uns die Menschen auf dem Hof vorgestellt - der Kötter ''Hanningh'' (Curt Hanning) mit Frau, 1 Sohn, 1 Tochter, 3 Kleinkinder(n), 1 Knecht. Der Kötter bzw. der Hof ist zu dieser Zeit ''ziemblich vermugens''. Die ebenfalls auf dem Hof lebende ''Leibzüchtersche'' mit ''1 dochter'' und 2 Kleinkindern ist dagegen arm.<ref>LAV NRW OWL, L 92 Z, Nr. 1424, S. 131</ref> | In der Volkszählung Mitte 1609 werden uns die Menschen auf dem Hof vorgestellt - der Kötter ''Hanningh'' (Curt Hanning) mit Frau, 1 Sohn, 1 Tochter, 3 Kleinkinder(n), 1 Knecht. Der Kötter bzw. der Hof ist zu dieser Zeit ''ziemblich vermugens''. Die ebenfalls auf dem Hof lebende ''Leibzüchtersche'' mit ''1 dochter'' und 2 Kleinkindern ist dagegen arm.<ref>LAV NRW OWL, L 92 Z, Nr. 1424, S. 131</ref> | ||
Wohl der Sohn - ggfs. auch eines der genannten Kleinkinder - ist Hans Hanning, der 1629 Trinecke Voß aus Wellentrup schwängert und heiratet<ref>LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 174, S. 34</ref> und alsbald seinem Vater als Kötter folgt. Diese Eheleute haben Glück in mehrfacher Hinsicht: Eine offenbar stabile Gesundheit ermöglicht ihnen eine extrem lange Schaffenszeit von 45 Jahren als Kötterpaar auf dem Hof, so dass sie erst 1676 gemeinsam dem Kloster Marienfeld, ihrem Grundherrn, die Hofübergabe an ihren Sohn Bartold und dessen Ehefrau Anna Margarethe berichten.<ref>LAV W B 214 / Kloster Marienfeld / Akten, Nr. 1 - 16i, fol. 47r</ref> Des Weiteren übersteht ihr Haus den Dreißigjährigen Krieg unbeschadet - es bleibt noch Jahrhunderte (bis 1981) erhalten. Unverhofftes Glück kommt schließlich hinzu: In den allgemein sehr schweren Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg verstirbt Cord Voß, ein Bruder von Trinecke Voß, 1669 kinderlos in Amsterdam. Er hat dort lange gelebt und ist zu beachtlichem Wohlstand gekommen. Trinecke Voß und ihre anderen Brüder, u. a. der Kötter auf dem Hof Voß in Wellentrup, erben das Vermögen ihres verstorbenen Bruders - jeweils mehrere Hundert Taler. Diese Erbschaft ermöglicht den Bau eines Hauses auf dem Hof Hanning.<ref>LAV NRW OWL, L 83 A Nr. 9 N 63, Bl. 4</ref> | Wohl der Sohn - ggfs. auch eines der genannten Kleinkinder - ist Hans Hanning, der 1629 Trinecke Voß aus Wellentrup schwängert und heiratet <ref>LAV NRW OWL, L 89 A, Nr. 174, S. 34</ref> und alsbald seinem Vater als Kötter folgt. Diese Eheleute haben Glück in mehrfacher Hinsicht: Eine offenbar stabile Gesundheit ermöglicht ihnen eine extrem lange Schaffenszeit von 45 Jahren als Kötterpaar auf dem Hof, so dass sie erst 1676 gemeinsam dem Kloster Marienfeld, ihrem Grundherrn, die Hofübergabe an ihren Sohn Bartold und dessen Ehefrau Anna Margarethe Löwe berichten.<ref>LAV W B 214 / Kloster Marienfeld / Akten, Nr. 1 - 16i, fol. 47r</ref> Des Weiteren übersteht ihr Haus den Dreißigjährigen Krieg unbeschadet - es bleibt noch Jahrhunderte (bis 1981) erhalten. Unverhofftes Glück kommt schließlich hinzu: In den allgemein sehr schweren Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg verstirbt Cord Voß, ein Bruder von Trinecke Voß, 1669 kinderlos in Amsterdam. Er hat dort lange gelebt und ist zu beachtlichem Wohlstand gekommen. Trinecke Voß und ihre anderen Brüder, u. a. der Kötter auf dem Hof Voß in Wellentrup, erben das Vermögen ihres verstorbenen Bruders - jeweils mehrere Hundert Taler. Diese Erbschaft ermöglicht den Bau eines Hauses auf dem Hof Hanning.<ref>LAV NRW OWL, L 83 A Nr. 9 N 63, Bl. 4</ref> | ||
Während der 1676 antretende Kötter Bartold Hanning nur eine (bereits verstorbene) Schwester hatte, die bei ihrer Eheschließung 1655 mit 120 Talern und Vieh abgefunden wurde<ref>LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 133, S. 550</ref>, wird die Aussteuerung in der übernächsten und weiteren Generationen mit einer größeren Kinderzahl teuer und für den Hof belastend. Mindestens sieben der acht Kinder des ab 1715 den Hof bewirtschaftenden Ehepaares Hans Bartold Hanning und Anna Elisabeth Hartwig überleben - was eigentlich ein großes Glück ist. Die meisten davon erwarten und erhalten jedoch in den 1740er und 1750er Jahren einen Brautschatz von Hundert und mehr Talern, wenn sie den Hof mit ihrer Eheschließung verlassen. | Während der 1676 antretende Kötter Bartold Hanning nur eine (bereits verstorbene) Schwester hatte, die bei ihrer Eheschließung 1655 mit 120 Talern und Vieh abgefunden wurde <ref>LAV NRW OWL, L 108 A Nr. 133, S. 550</ref>, wird die Aussteuerung in der übernächsten und weiteren Generationen mit einer größeren Kinderzahl teuer und für den Hof belastend. Mindestens sieben der acht Kinder des ab 1715 den Hof bewirtschaftenden Ehepaares Hans Bartold Hanning und Anna Elisabeth Hartwig überleben - was eigentlich ein großes Glück ist. Die meisten davon erwarten und erhalten jedoch in den 1740er und 1750er Jahren einen Brautschatz von Hundert und mehr Talern, wenn sie den Hof mit ihrer Eheschließung verlassen. | ||
So verflüchtigt sich der einstige Wohlstand mehr und mehr. Hatte es im Schuldenkataster von 1683 noch geheißen: ''Berthold Hanning ist nichts schüldig und hatt nichts sonderliches zu fordern . . .'' <ref>LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 97, S. 104</ref>, bleibt sein Enkel Johann Berend Hanning 1769 die Contribution schuldig und bittet um Zahlungsaufschub bis nach der Ernte sowie um Herausgabe von zwei gepfändeten Kühen.<ref>LAV NRW OWL, L 92 T 1 Nr. 1226</ref> 1775 hat eine ähnliche Situation noch krassere Folgen: Im Januar schießt Straßenkötter Griemert aus Pivitsheide dem Colon Hanning 30 Taler (rückständige) Contribution bis nach der Ernte vor; er verlangt dafür die Erträge dreier Ackerstücke als Pfand. Hanning kann auch im August nicht zahlen, woraufhin der gemähte und aufgerichtete Roggen zwangsverkauft wird.<ref>LAV NRW OWL, L 83 A Nr. 11 J 246, Bl. 8f</ref> | So verflüchtigt sich der einstige Wohlstand mehr und mehr. Hatte es im Schuldenkataster von 1683 noch geheißen: ''Berthold Hanning ist nichts schüldig und hatt nichts sonderliches zu fordern . . .'' <ref>LAV NRW OWL, L 101 C I Nr. 97, S. 104</ref>, bleibt sein Enkel Johann Berend Hanning 1769 die Contribution schuldig und bittet um Zahlungsaufschub bis nach der Ernte sowie um Herausgabe von zwei gepfändeten Kühen.<ref>LAV NRW OWL, L 92 T 1 Nr. 1226</ref> 1775 hat eine ähnliche Situation noch krassere Folgen: Im Januar schießt Straßenkötter Griemert aus Pivitsheide dem Colon Hanning 30 Taler (rückständige) Contribution bis nach der Ernte vor; er verlangt dafür die Erträge dreier Ackerstücke als Pfand. Hanning kann auch im August nicht zahlen, woraufhin der gemähte und aufgerichtete Roggen zwangsverkauft wird.<ref>LAV NRW OWL, L 83 A Nr. 11 J 246, Bl. 8f</ref> | ||
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1676 – 1713 Bartold Hanning (um 1635 – 1713), ∞ 1671/72 Anna Margarethe | 1676 – 1713 Bartold Hanning (um 1635 – 1713), ∞ 1671/72 Anna Margarethe Löwe aus Greste <ref>Name der Braut/Ehefrau aus LAV W B 214 / Kloster Marienfeld / Akten, Nr. 1 - 16i, fol. 47r; Datum der Eheschließung aus L 16 Nr. 163</ref> | ||
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