Kirchplatz o.Nr. (Heiden): Unterschied zwischen den Versionen

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}} Nachdem er am 22. Oktober 1846 in Heiden eine Visitation abgehalten hatte, schrieb der lippische Generalsuperintendent Georg Althaus erkennbar beeindruckt, die Kirche sei " in ihrer Größe und Bauart nach eine der ansehnlichsten und schönsten im Lande".<ref Name="Meier">{{MeierLippischeKirchen2004}}, S. 11</ref>
}}Kirchenbau des 12. Jh. mit älterem Turm, gotischem Chor und gotischen Seitenschiffen über älterer, vorromanischer Apsiskirche des 9. oder 10. Jh.
 
Nachdem er am 22. Oktober 1846 in Heiden eine Visitation abgehalten hatte, schrieb der lippische Generalsuperintendent Georg Althaus erkennbar beeindruckt, die Kirche sei " in ihrer Größe und Bauart nach eine der ansehnlichsten und schönsten im Lande".<ref Name="Meier">{{MeierLippischeKirchen2004}}, S. 11</ref>


==Geschichte==
==Geschichte==
[[Datei: Kirche Heiden von Süden.jpg | thumb | Kirche Heiden von Süden, Foto Hans-M. Kaup 2017]]
[[Datei: Kirche Heiden von Süden.jpg | thumb | Kirche Heiden von Süden, Foto Hans-M. Kaup 2017]]


Die Kirche in Heiden wurde oberhalb des Oetternbaches auf einem Felssporn aus mergeligem Kalkgestein errichtet. Der Standort lag nahe einer Furt am Oetternbach.  
Die Kirche in Heiden wurde oberhalb des Oetternbaches auf einem Felssporn aus mergeligem Kalkgestein errichtet. Der Standort lag nahe einer Furt am Oetternbach. Die Kirche ist seit vielen Jahrhunderten von einer Natursteinmauer umgeben, die mutmaßlich ehemals höher war und eine Schutzfunktion für die Dorfbewohner hatte. An der Ost- und Südseite ist die Kirchplatzmauer noch gut erhalten bzw. sie wurde vor einigen Jahren teilweise erneuert. An der Nordseite sind auf der Kirchenmauer ab ca. 1600 kleine Wohnstätten entstanden, die als Kirchplatzbebauung mit der Kirche ein in Westfalen fast einmaliges Ensemble historischer Bausubstanz bilden. [[Kirchplatz (Heiden)|Kirchplatz]]
[[Datei: Kirchplatz Heiden, Zeichnung von Reineke 1828.jpg | thumb | Kirchplatz Heiden, Zeichnung von Reineke 1828, Ausschnitt, Archiv Lipp. Landeskirche]]


Schriftliche Quellen zur Gründung der Kirche liegen nicht vor. Eine erste schriftliche Erwähnung der Kirche in Heiden findet sich in einem Verzeichnis des Herforder Stiftes vom Berge aus dem Jahr 1151 unter der Ortsbezeichnung „Hethe“.<ref>{{HülsHeiden1974}} S.114</ref> Der lateinische Name Hethe (später auch Hethis oder Hethem), als „Haus in der Heide“ für den Standort der Kirche nimmt offenbar Bezug auf den ca. 400 m westlich der Kirche damals schon bestehenden Meierhof zu Heiden, der später als Hof Meier Nr. 3 in Heiden bezeichnet wurde.
Schriftliche Quellen zur Gründung der Kirche liegen nicht vor. Eine erste schriftliche Erwähnung der Kirche in Heiden findet sich in einem Verzeichnis des Herforder Stiftes vom Berge aus dem Jahr 1151 unter der Ortsbezeichnung „Hethe“.<ref>{{HülsHeiden1974}} S.114</ref> Der lateinische Name Hethe (später auch Hethis oder Hethem), als „Haus in der Heide“ für den Standort der Kirche nimmt offenbar Bezug auf den ca. 400 m westlich der Kirche damals schon bestehenden Meierhof zu Heiden, der später als Hof Meier Nr. 3 in Heiden bezeichnet wurde.
   
   
Zur Gründung der Kirche in Heiden gibt es unterschiedliche Annahmen. Eine Hypothese bezieht sich auf den Paderborner Bischof Meinwerk, der in seiner Zeit als Bischof (1009-1036) die neu gegründeten Kirchen im Bistum unter dem Patronat Peter und Paul errichten ließ. Ausführliche Überlegungen dazu finden sich bei Hüls. <ref>Hüls 1974 S. 112 ff</ref>
Zur Gründung der Kirche in Heiden gibt es unterschiedliche Annahmen. Eine Hypothese bezieht sich auf den Paderborner Bischof Meinwerk, der in seiner Zeit als Bischof (1009-1036) die neu gegründeten Kirchen im Bistum unter dem Patronat Peter und Paul errichten ließ. Ausführliche Überlegungen dazu finden sich bei Hüls. <ref>Hüls 1974 S. 112 ff</ref> Recht neu ist die These von Dr. Birgit Meineke zu einer deutlich früheren Gründung eines Klosters in Heiden, die von ihr 2021 erstmalig veröffentlicht wurde. Frau Dr. Meineke war in Münster für viele Jahre mit der Erforschung von Ortsnamen in Westfalen und Lippe befasst. Folgt man ihrer These, und Vieles spricht dafür, dann wären die erste Klosterbauten in Heiden bereits im Jahre 815 errichtet worden.
 
Es ist bekannt, dass im Jahre 815 die Mönche aus Corbie in Nordfrankreich nach Sachsen zogen. Sie hatten sich dort in einem Ort namens Hethis niedergelassen, um ein neues Kloster zur Missionierung der Sachsen zu gründen. Die Lage dieses Ortes Hethis (ein Ort mit mehreren Quellen) ist bisher unbekannt, denn Ortsbezeichnungen mit Hethis gab es in Norddeutschland mehrfach. Die örtlichen Verhältnisse in Hethis haben sich in den Anfangsjahren der Klostergründung nach 815 wohl als nicht ausreichend geeignet dargestellt für den großen Zuzug von Menschen in das neue Kloster, so dass ein alternativer Standort gesucht und mit der Weseraue in Corvey bei Höxter gefunden wurde. Der Umzug nach Corvey fand im Jahre 822 statt, und zwar (so ist überliefert) mit einem Wegemarsch von zwei Tagen. Für Frau Dr. Meineke erscheint es plausibel, dass das Dorf Heiden bei Lage dieser bisher unbekannte Ort namens Hethis ist, an dem von den Mönchen aus Corbie für sieben Jahre ein Kloster in der Aufbauphase betrieben wurde, bevor diese nach Corvey bei Höxter umzogen. <ref>Birgit Meineke, Historisches Jahrbuch Lage, 2023 </ref>
 
Der Pfarrbezirk umfasste außer Heiden noch Bentrup, Dehlentrup, Hardissen, Heßloh, Hedderhagen, Loßbruch, Nienhagen, Niewald, Oettern-Bremke, Pivitsheide V. H. und bis 1915 auch Klüt, Jerxen und Orbke. Eine ehemalige Filialkapelle befand sich in Bentrup. Früheste urkundliche Erwähnung 1315.<ref>Lippische Regesten, Nr. 618.</ref> Die Kirche war reich dotiert und hatte so hohe Einkünfte, dass außer dem Pfarrer auch ein Kaplan gehalten werden konnte. Einführung des lutherischen Gottesdienstes 1537, des reformierten 1608.
 
[[Datei: Lage - 07 - Kirche Heiden.jpg|thumb|Dorfkirche Heiden, 2012, Foto: Tsungam]]
[[Datei: Lage - 07 - Kirche Heiden.jpg|thumb|Dorfkirche Heiden, 2012, Foto: Tsungam]]
Im Jahre 1970 wurden in der Heidener Kirche im Zuge von Bauarbeiten archäologischen Grabungen durchgeführt. Dabei fanden Dr. Lobbedey und Hohenschwert im Chorraum der Kirche Fundamentreste von einem vorromanischen Apsidensaal, den sie in die Zeit von 950-1025 einordnen. Dieser erste Bau hatte eine Länge von 26,80 m und der Breite von 7,80 m und ähnelte anderen Kirchengrundrissen in Lippe (Schlangen, Heiligenkirchen), jedoch der Kirchenraum in Heiden war auffällig länger.  
Im Jahre 1970 wurden in der Heidener Kirche im Zuge von Bauarbeiten archäologischen Grabungen durchgeführt. Dabei fanden Dr. Lobbedey und Hohenschwert im Chorraum der Kirche Fundamentreste von einem vorromanischen Apsidensaal, den sie in die Zeit von 950-1025 einordnen. Dieser erste Bau hatte eine Länge von 26,80 m und der Breite von 7,80 m und ähnelte anderen Kirchengrundrissen in Lippe (Schlangen, Heiligenkirchen), jedoch der Kirchenraum in Heiden war auffällig länger. Den nachfolgenden romanischen Gewölbebau ordnete Lobbedey der zweiten Hälfte des 12. Jh. zu. <br>
==Gebäude==
Umbau zur gotischen Hallenkirche in der 2. Hälfte des 14. Jh. beginnend, bis in die Zeit um 1500, begonnen mit dem Anbau des Chors (um 1380) und des Nordschiffs, dann Neuwölbung des Mittelschiffs und der Anbau von Südschiff und Nebenchors sowie Erhöhung des Turms um ein Geschoss (jetziges Glockengeschoss).<ref>{{Gaul}}.</ref>
Der romanische Turm an der Westseite ist der älteste noch bestehende Teil der heidener Kirche und wurde zwischen 1100 und 1150 aus Natursteinmauerwerk erstellt. Die äußeren Abmessungen betragen 8 x 8 m und die Höhe des gemauerten Turmes beträgt 23 m.


Die Kirche in Heiden ist mehrfach durch Anbauten an den romanischen Turm erweitert worden, etwa im 12. Jahrhundert als romanische Kirche mit rechteckigem Chorraum an der Ostseite. Die folgenden Erweiterungen zu der noch heute bestehenden Kirche als einer dreischiffigen spätgotischen Hallenkirche mit einem polygonen Chorraum entstanden bis 1380. Auf vier Pfeilern ruhen die Stützbögen, die das Kreuzgratgewölbe tragen. In die Außenwand des Chorraumes ist ein kleiner Tabernakel mit einer Pelikandarstellung eingebaut worden.  
Vor dem ältesten Kirchenbau gab es nach Lobbedey bereits eine profane Besiedlung des Platzes, vermutlich einen größeren Hof.<ref>{{LobbedeyHeiden1971}}.</ref>
Als möglicher Gründer der Kirche wurde Bischof Meinwerk (Amtszeit 1009–1039) vermutet, der 1016 das ebenfalls den Schutzheiligen Petrus und Paulus geweihte Abdinghof-Kloster in Paderborn gründete.


Unter den Kalkfarbanstrichen von vielen Jahrhunderten fanden sich im Jahre 1957 Ausmalungen aus der Frühzeit der Kirche, die in etwa eine Datierung der letzten Bauphase erlauben. Die Ausmalungen auf den Fensterpfeilern im Chorraum mit einem Apostelzyklus soll schon in der Zeit bis 1380 entstanden sein. Neben den Abbildungen vom heiligen Sebastian und Hubertus im Nordflügel kommt der Darstellung des heiligen Christopherus im Südflügel eine besondere Bedeutung zu. Hier verweisen die spätgotische Darstellung der umgebenden Landschaft, des Gewandes und des Schlapphutes auf Anlehnungen an die Gemälde des Soester Malers Heinrich Aldegrever (1502-1555), weshalb man davon ausgeht, dass diese Wandmalerei spätesten um 1530 entstanden ist. <ref>Hüls 1974 S. 107 </ref>
==Gebäude==
[[Datei: Kirchplatz Heiden 01..jpg | thumb | Kirchplatz Heiden 01., Foto Mika Weiser, 2025]]
[[Datei: Kirchplatz Heiden 01..jpg | thumb | Kirchplatz Heiden 01., Foto Mika Weiser, 2025]]
 
===Äußeres===
Besonderes Merkmal der Kirche in Heiden ist der hohe, um 90° gedrehte achtseitige Kirchturmhelm.  
Dreischiffige Hallenkirche mit polygonalem (5/8) Chor und Westturm. Quersatteldächer über den Seitenschiffen, gedrehter Turmhelm. Verputzter Mauerwerksbau aus Bruchstein mit Werksteingliederungen aus hellem Sandstein ohne Steinmetzzeichen. Gewölbe aus Bruchstein.<ref>Nachfolgende Beschreibung nach Gaul: Stadtarchiv Lemgo, 14 L 9983: Bau- und Kunstdenkmäler des Landkreises Detmold, unveröff. Typoskript, 2. Fassung [https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/title-info/10093449 Digitalisat].</ref> Gesamtlänge der Kirche 39,50 m.
* Chor. Umlaufende Sockelbank, die nur an der Stirnseite der Strebe pfeiler unterbrochen ist. Steinernes Dachgesims aus Platte und Kehle. Regelmäßige Gliederung durch Strebepfeiler mit einem Wasser- schlag und oberer, mit Höxterplatten abgedeckter Schräge. In jedem Joch ein spitzbogiges, 2-teiliges Maßwerkfenster mit schrägem Gewände, abgeschrägten Pfosten und spitzbogigem Vierpass.
* Langhaus. Die Sockelbank des Chors setzt sich am Nordschiff bis zur Tür im Ostjoch fort. Ein Dachgesims nur an der Westseite des Südschiffs. Gliederung durch Strebepfeiler (außer an der Südost- Ecke) von entsprechender Form wie am Chor. - Die Fenster sämtlich spitzbogig. Nordschiff: An der Nordseite in jedem Joch ein 3-teiliges Maßwerkfenster mit schrägem Gewände, abgeschrägten Pfosten und im Maßwerk 2 Vierpässen und kleinem Dreipass. An der West- und Ostseite je ein 2-teiliges Maßwerkfenster, bündig mit der Außenwand. - Südschiff: An der Südseite des Ost- und Mitteljoches je ein 2- teiliges Maßwerkfenster, das aus der Mitte der Mauer erheblich nach außen gerückt ist; das Gewände gekehlt, die Pfosten abgeschrägt, als Maßwerk ein spitzbogiger Dreipass. An der Südseite des Westjoches ein 3-teiliges, an der Westseite ein 2-teiliges Maßwerkfenster mit schrägem Gewände, gekehlten Pfosten und Fischblasen- Maßwerk. Das Ostfenster nur noch von innen zu erkennen. - Die jetzigen einfachen Türen aus dem 19.Jh. An der Nordseite des Ostjoches ist das Gewände einer ehem. segmentbogigen Tür z. T. sichtbar. Über den 3 Jochen Quersatteldächer mit steinernen Dreieckgiebeln. Zwischen den Giebeln an der Nordseite 2 Wasserspeier in Röhrenform mit Tierköpfen. An der Südseite 2 spätere einfache Röhren- Wasserspeier, unter dem einen noch ein älterer Tierkopf. - An der Nordost-Ecke unter dem Giebelansatz ein menschlicher Kopf, entsprechend an der Nordwest-Ecke ein Tierkopf.
* Dach. Die drei Quersatteldächer mit doppelt stehendem Stuhl, verbunden durch ein modernes Längssatteldach in Fortsetzung des Chordaches. Dachdeckung mit Höxterplatten.
* Der romanische Turm an der Westseite ist der älteste noch bestehende Teil der Heidener Kirche und wurde zwischen 1100 und 1150 aus Natursteinmauerwerk erstellt. Die äußeren Abmessungen betragen 8 x 8 m und die Höhe des gemauerten Turmes beträgt 23 m. Viergeschossig, ohne Geschossgliederung. An den westlichen Ecken grobe, später angebaute Strebepfeiler. An der Westseite eine einfache Tür, Inschrift "1700" (vorher ohne Eingang). Im 1. Obergeschoss im Norden ein später eingebrochenes Fenster. Im 2. Obergeschoss (urspr. Glockengeschoss) an der Nord-, West- und Süd-Seite je zwei kleinere rundbogige Öffnungen mit geradem Gewände (die westlichen vermauert). Im 3. 0bergeschoss (jetzige Glockenstube) an der Nord-, West- und Süd-Seite je eine, an der Ostseite zwei spitzbogige Öffnungen, zweiteilig mit Vierpass-Maßwerk; die westliche später zugesetzt, in der südlichen das Maßwerk z. T. zerstört. An der Westseite des Turms ein hölzernes Uhrzifferblatt des 18. Jh. Besonderes Merkmal der Kirche in Heiden ist der hohe, um 90° gedrehte achtseitige Kirchturmhelm.  
  Der Kirchturm wurde 1594 erbaut, 1633 durch ein "Donnergewitter" zerstört, 1663 teilweise erneuert. 1843 wurde der Turm ein weiteres Mal durch einen Blitzschlag in Brand gesetzt.<ref name="Butterweck">{{ButterweckGeschichte1926}}, Seite 409 ff</ref>
  Der Kirchturm wurde 1594 erbaut, 1633 durch ein "Donnergewitter" zerstört, 1663 teilweise erneuert. 1843 wurde der Turm ein weiteres Mal durch einen Blitzschlag in Brand gesetzt.<ref name="Butterweck">{{ButterweckGeschichte1926}}, Seite 409 ff</ref>
Eine Vermessung der Höhe des Kirchturmes ergab 2024, dass die Höhe des Kirchturmes von der Schwelle am Turmeingang bis OK der Kugel eine Höhe von 50,62 m beträgt.
Eine Vermessung der Höhe des Kirchturmes ergab 2024, dass die Höhe des Kirchturmes von der Schwelle am Turmeingang bis OK der Kugel eine Höhe von 50,62 m beträgt.
* Nebenchor und Sakristei: An der Ostseite des Nebenchors ein rundbogiges, zweiteiliges Maßwerkfenster von derselben Forn wie die beiden am Südschiff. Die Tür 1909 angelegt. Die Jahreszahl 1888 über der Sakristei-Tür bezeichnet eine Restauration. Über beiden Anbauten ein Pultdach.
===Inneres===
Gewölbte Hallenkirche mit 3-schiffigem, 3-jochigem Langhaus, 5/8-Chorschluss und Westturm.<ref>Nachfolgende Beschreibung nach Gaul: Stadtarchiv Lemgo, 14 L 9983: Bau- und Kunstdenkmäler des Landkreises Detmold, unveröff. Typoskript, 2. Fassung [https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/title-info/10093449 Digitalisat].</ref> Das Langhaus innen 19 m lang, 21,40 m breit, Höhe 8–8,40 m. Mittelschiff und Chor 7,70 m breit, Seitenschiffe 6 m. Länge des Chors 8 m, Höhe 9,70 m. Nebenchor 2,30 m tief und 2,65 m breit. Die Mittelschiffjoche leicht querrechteckig, die Seitenschiffjoche quadratisch. Chor stark gestreckt. Südliches Seitenschiff mit später angebautem rechteckigem Nebenchor, durch Zwischenwand abgetrennt. Zwischen Haupt- und Nebenchor nachträglich angebaute Sakristei.
* Chor: Umlaufend ein profiliertes Brustgesims. In den Ecken Runddienste mit Kelchkapitellen, die Dienste über dem Brustgesims abgekragt, darüber hohes Birnstab-Rippengewölbe mit fünf Kappen, Schlussstein mit Lamm Gottes im Blütenkranz. In der Südseite Tür zur Sakristei. Schmaler Chorbogen mit abgeschrägten Kanten, auf profilierten Konsolen.
* Langhaus: Die Höhe des vorherigen romanischen Saalbaus bewirkt den niedrigen Eindruck der Halle. Kreuzförmige Freipfeiler, die nördlichen gleichseitig, die südlichen von querrechteckigem Querschnitt. Basen der Pfeiler vielleicht im Fußboden. Die südlichen Pfeiler bewahren an der Mittelschiffseite die romanischen Kämpfer als Hinweis auf die Wölbung des Vorgängerbaus. Der westliche nur mit Platte und Kehle, der östliche wie die Wandvorlage am Chorbogen mit reicherem Profil. Die Kämpfer zum Seitenschiff bei der Erweiterung angleichend gestaltet. Die nördlichen Pfeiler und die Wandvorlage am Chorbogen mit einheitlichem Kämpferprofil aus Platte und Kehle. In den westlichen Ecken des Mittelschiffs die romanischen Vorlagen für Schildgurte erhalten, rechtwinklig abgetreppt, mit Kämpfern aus Platte und Kehle. Im südlichen Seitenschiff rechteckige Wandvorlagen mit profilierten Kämpfern und kleinen romanischen Kämpferstücken; in den Ecken gotisch profilierte Gewölbekonsolen. Die rechteckigen Wandvorlagen im nördlichen Seitenschiff mit Kämpfern wie an den nördlichen Freipfeilern. In den Ecken Konsolen, davon eine mit gotischem Blattornament. Die Arkadenbögen und Quergurte sämtlich von rechteckigem Querschnitt. Die drei südlichen Arkadenbögen als wuchtige Halbkreisbögen unter Beibehaltung der alten Schildgurte hergestellt. Die nördlichen Arkadenbögen und die Quergurte der Gewölbe spitzbogig. An der Westwand des Mittelschiffs zum Turm ein romanischer, rundbogiger Schildgurt.
* Gewölbe spitzbogig. Im westlichen Mittelschiffjoch ein rippenloses, kuppeliges Gewölbe, die steigenden Kappen mit geradem Stich, die Grate zum Scheitel verlaufend, offenbar dem vorangehenden romanischen Gewölbe nachgebildet. Ein entsprechendes rippenloses Gewölbe ebenso im Westjoch des nördlichen Seitenschiffs. In den übrigen Jochen Kreuzrippengewölbe, die steigenden Kappen mit geradem Stich. Rippenprofil teils gekehlt, teils in Birnstabform, im östl. Mittelschiffjoch einfach abgeschrägt. Schlusssteine im Mittelschiff-Ostjoch lippische Rose, umrahmt von Blüten, Mitteljoch Blattornament; im südlichen Seitenschiff zwei Schlusssteine mit Blattornament, der dritte mit Rose bemalt. Im nördlichen Seitenschiff im Ostjoch Blüten und Blätter, im Mitteljoch 6-blättrige Rosette. Der ehemalige Nebenchor mit spitzbogiger Tonne gewölbt, die Sakristei mit Segmenttonne, in der Südost-Ecke ein romanisch profilierter Kämpfer vermauert.
* Turm: Erdgeschoss mit einer 1957 erneuerten Halbkreistonne in West-Ost-Richtung gewölbt. Turmhalle ehemals zum Schiff in einem Rundbogen geöffnet, in spätgotischer Zeit durch eine Mauer abgetrennt. In der starken Nordmauer des Turms Mauertreppe bis über das Gewölbe.
* Wandmalerei:
1957/58 aufgedeckt und restauriert, weniger bedeutende Fragmente wieder übertüncht.<ref>Stadtarchiv Lemgo, 14 L 9983: Bau- und Kunstdenkmäler des Landkreises Detmold, unveröff. Typoskript, 2. Fassung [https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/title-info/10093449 Digitalisat], S. 165.</ref> <ref>{{HülsHeiden1974}}, S. 106 f..</ref> <ref>{{HenzeRheinlande1969}}, S. 243.</ref>
Die 12 Apostel im Chor, davon 10 in den Fenstergewänden, um 1380. Schlanke Gestalten mit schmalen Köpfen auf durchbrochenen Sockeln, darüber zinnenbekrönte Baldachine. Im Einzelnen:<br>
Thomas (mit Lanze) <br>
Petrus (mit Schlüssel) <br>
unbestimmt<br>
Matthäus (mit Hellebarde) <br>
Andreas (mit Kreuz) <br>
Johannes (mit Kelch) <br>
Philippus (mit Kreuzstab) <br>
Judas Thaddäus oder Jacobus minor (mit Keule?) <br>
Matthias (mit Beil) <br>
Paulus (mit Schwert) <br>
Bartholomäus (mit Schabmesser<br>
Jacobus maior (?).


Die Kirche in Heiden ist seit vielen Jahrhunderten von einer Natursteinmauer umgeben, die mutmaßlich ehemals höher war und eine Schutzfunktion für die Dorfbewohner hatte. An der Ost- und Südseite ist die Kirchplatzmauer noch gut erhalten bzw. sie wurde vor einigen Jahren teilweise erneuert. An der Nordseite sind auf der Kirchenmauer ab ca. 1600 kleine Wohnstätten entstanden, die als Kirchplatzbebauung mit der Kirche ein in Westfalen fast einmaliges Ensemble historischer Bausubstanz bilden. [[Kirchplatz (Heiden)|Kirchplatz]]
Im Nordschiff Hl. Hubertus und hl. Sebastian, Mitte u. Ende 15. Jh., nur in Resten erhalten und wieder übertüncht.
[[Datei: Kirchplatz Heiden, Zeichnung von Reineke 1828.jpg | thumb | Kirchplatz Heiden, Zeichnung von Reineke 1828, Ausschnitt, Archiv Lipp. Landeskirche]]
 
Recht neu ist die These von Dr. Birgit Meineke zu einer deutlich früheren Gründung eines Klosters in Heiden, die von ihr 2021 erstmalig veröffentlicht wurde. Frau Dr. Meineke war in Münster für viele Jahre mit der Erforschung von Ortsnamen in Westfalen und Lippe befasst. Folgt man ihrer These, und Vieles spricht dafür, dann wären die erste Klosterbauten in Heiden bereits im Jahre 815 errichtet worden.
An der Westwand des Südschiffs, beiderseits des Fensters Hl. Christophorus in bergiger Flusslandschaft, um 1525. Überlebensgroße Figur. Die Landschaft, mit vielen Einzelheiten und kleinen Figuren, erinnert an den Rhein beim Siebengebirge. Hier verweisen die spätgotische Darstellung der umgebenden Landschaft, des Gewandes und des Schlapphutes an die Gemälde des Soester Malers Heinrich Aldegrever (1502-1555), weshalb man davon ausgeht, dass diese Wandmalerei spätesten um 1530 entstanden ist. <ref>{{HülsHeiden1974}}, S. 107.</ref>
 
Reste spätgotischer Rankenmalerei in rotbrauner Farbe. Am Gewölbe des Nebenchors, um 1500.
 
2011 weitere Funde: am südöstlichen Schildbogen Wellenranke (Erstfassung, 14. Jh.), im südöstlichen Seitenschiffjoch Ornamentband im Scheitel der Gewölbekappe (Erstfassung, 14. Jh.), im Mittelschiffgewölbe Ornamentranken (Zweitfassung, 15. Jh.), im Westjoch des Nordschiffs Gratbänder mit Begleitern aus Rundbordüren und Tupfen (um 1500), an der Nordwand Madonnendarstellung (nicht erhalten), an der Nordseite vom südöstlichen Pfeiler Figurenfragment (nach Dokumentation wieder überstrichen).<ref>[https://www.kirche-heiden.de]</ref>


Es ist bekannt, dass im Jahre 815 die Mönche aus Corbie in Nordfrankreich nach Sachsen zogen. Sie hatten sich dort in einem Ort namens Hethis niedergelassen, um ein neues Kloster zur Missionierung der Sachsen zu gründen. Die Lage dieses Ortes Hethis (ein Ort mit mehreren Quellen) ist bisher unbekannt, denn Ortsbezeichnungen mit Hethis gab es in Norddeutschland mehrfach. Die örtlichen Verhältnisse in Hethis haben sich in den Anfangsjahren der Klostergründung nach 815 wohl als nicht ausreichend geeignet dargestellt für den großen Zuzug von Menschen in das neue Kloster, so dass ein alternativer Standort gesucht und mit der Weseraue in Corvey bei Höxter gefunden wurde. Der Umzug nach Corvey fand im Jahre 822 statt, und zwar (so ist überliefert) mit einem Wegemarsch von zwei Tagen. Für Frau Dr. Meineke erscheint es plausibel, dass das Dorf Heiden bei Lage dieser bisher unbekannte Ort namens Hethis ist, an dem von den Mönchen aus Corbie für sieben Jahre ein Kloster in der Aufbauphase betrieben wurde, bevor diese nach Corvey bei Höxter umzogen. <ref>Birgit Meineke, Historisches Jahrbuch Lage, 2023 </ref>  
==Ausstattung==
==Inschriften==
* Altar, spätgotisch, um 1500, aus Sandstein. Altarplatte mit Weihekreuzen und Sepulcrum in der Mitte der Oberfläche. Die Platte ruht auf einem achteckigen Pfeiler mit hohem, kelchförmigem Kapitell, 1970 an das Ostende des Nordschiffes versetzt, dabei den Fuß des Pfeilers nicht mehr versenkt.
* Tabernakel (Sakramentshäuschen), nördliche Chorwand, um 1500 (diente bis zur Reformation zur Aufbewahrung der geweihten Hostien). Rechteckige Öffnung mit schmiedeeisernem Gitter. Sandsteinrahmung mit drei bekrönenden Fialen, im Giebel oberhalb des Gitters Relief eines Pelikans bei der Fütterung seiner Jungen als Symbol für den Opfertod Christi, Laubwerk mit Masken.
* Romanischer Taufstein aus [[Elbrinxen]], vorn links im Chor, ersetzt seit 1970/71 einen jüngeren Taufstein von 1962. Runde Sandsteinschale auf runder Säule. Gaul beobachtete Mitte der 1930er Jahre noch eine Taufschale aus Zinn, um 1800, Durchmesser 22 cm, Marke: Lippische Rose.
* Barockkanzel, am rechten Chorpfeiler, um 1685, Holz, fünfseitiger Korb auf runder Säule. Die Ecken des Korbes mit Freisäulen, in den Brüstungsfeldern rechteckige Rahmen mit Wellenleisten, reich profilierte und verkröpfte Sockelzone. Der achteckige Schalldeckel mit Wellenleisten 1970 zerstört und ersetzt. 2011 Restaurierung der Kanzel und farbliche Anpassung des Schalldeckels. Die Kanzel ersetzt eine Renaissancekanzel, die 1685 an die neu gegründete Kirchengemeinde [[Haustenbeck]] in der Senne abgegeben wurde und von dort nach der Umsiedlung der Bewohner an die Kirche in [[Donop]] gelangte.
* Die vorhandene Orgel 1973 durch den VEB Orgelbau Dresden (ehem. Orgelbauwerkstatt Gebr. Jehmlich) neu gebaut einschl. Erneuerung der Orgelempore. 1605 erstmals eine Orgel erwähnt, Orgelwerk 1865 durch den Orgelbauer [https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_August_Randebrock Carl August Randebrock] aus Paderborn erneuert, Disposition vergrößert, noch brauchbare Pfeifen wiederverwendet. 1912 Neubau durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Klassmeier_(Orgelbauer) Orgelbaufirma Klaßmeier], Kirchheide, mit Vergrößerung der Orgelempore bis an das westliche Pfeilerpaar mit Dirigentenkanzel. 1946, 1962 und 1970 Überholungen und letzter Ausbau der Orgel durch die Orgelbaufirma G. Steinmann.  
* Kopf eines Bischofs, Steinskulptur, aus der Kirchhofsmauer, 11 Jh.
* Abendmahlskanne, gebauchte Form, 1. Hälfte 19. Jh., Zinn, Höhe 31,5 cm. Marke: Justitia und lippische Rose (mit Schaumburger Nesselblatt in der Mitte ?).<br>
Abendmahlskanne, gebauchte Form. 1. Hälfte 19. Jh., Zinn, Höhe 34 cm. Ohne Marke.


==Glocken==
==Glocken==
Der Glockenstuhl mit drei mittelalterlichen Glocken ist der älteste in Westfalen-Lippe.
Der Glockenstuhl mit drei mittelalterlichen Glocken ist der älteste in Westfalen-Lippe. Vollständiger mittelalterlicher Bestand aus drei Bronze-Glocken, wegen ihres hohen Alters während des Zweiten Weltkriegs nicht zum Einschmelzen beschlagnahmt. 2004 durch die Fa. Lachenmeyer restauriert und an neuen, dem Bestand angepassten Holzjochen aufgehängt. Bis 1952 von Hand geläutet, seitdem elektrisch.<ref>Claus Peter, Die Glocken der Kirche zu Heiden und ihre Restaurierung, Denkmalpflege in Westfalen-Lippe, 12 (2006), 2, S. 66–73.</ref> <br>
Im Kirchturm befinden sich drei Glocken, die die beiden Weltkriege unbeschadet überstanden haben. Die älteste und größte der Glocken stammt aus dem Jahre 1466, ist 1,20 m hoch, hat einen Durchmesser von 1,40 m und wiegt 1370 kg. <ref>B. Meier, Dorfkirche Heiden, 1995, S. 83</ref>
* Die größte und jüngste 1466 von Hans Grawick gegossen, Bronze, Durchmesser 1,32 m, Höhe 1,10–1,20 m, Gewicht: ca. 1.330 kg. Anschlagton: des 1, Schlagton: des'-2. Inschrift (an der Schulter) in gotischen Minuskeln: "dv(m) trahor audite voco ad gaudia vite defvnctos pla(n)go vivos voco fulgura fra(n)go. petri et pauli ap(os)to(l)i anno d(omi)ni m cccc Ixvi tria feria post egidii" (Die Toten betrauere ich, die Lebenden rufe ich, die Blitz breche ich [gegossen zu Ehren] der Apostel Petrus und Paulus im Jahre des Herrn 1466, am dritten Tage nach dem Fest der Hl. Aegidius [3.9.1466]). Unter der Inschrift ein Spitzbogenfries mit Blütenornamenten. Am unteren Rand umlaufende Minuskel-Inschrift: "hans meger to odorpe (Orbke) vn meiger gert to ierxsen deken [Dechen] to der tid to heden [Heiden]. hans grauwick me fecit god rad de mi [...] goten had ihesvs maria iohannes dm". Die Krone mit Flechtbandmuster. Auf der Flanke der Glocke Abdrücke von fünf Bracteaten (kleinen mittelalterlichen Münzen).<br>
* Die mittlere wohl 1. Hälfte des 14. Jh., Bronze, Durchmesser 1,19 m, Höhe 0,97 m, Gewicht ca. 1.090 kg. Anschlagton: f 1, Schlagton: f'+2. Schulterinschrift in Majuskeln zwischen gedrehten Wülsten: "+ NOBIS PROPICIA SEMPER SIS VIRGO MARIA " (Heilige Maria sei uns stets gnädig).<br>
* Die kleinste 14. Jh., Bronze, Durchmesser 0,82 m, Höhe 0,69 bis 0,73 m, Gewicht: ca. 407 kg. Anschlagton: c 2, Schlagton: c''+7. Schulterinschrift zwischen zwei leicht gekehlten Bändern in gotischen Majuskeln: "+ RECTOR CELI NOS EXAVDI TV DIGNARE NOS SALVARE" (Lenker des Himmels, erhöre uns! Erweise dich gnädig, uns zu erretten).
 
==Inschriften==
Auf den Glocken, s. o.
==Orgel==
==Orgel==


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==Literatur==
==Literatur==
* {{MeierLippischeKirchen2004}}
* {{MeierLippischeKirchen2004}}
* {{MeierDorfkirche1995}}.
* {{HülsHeiden1974}}.
* {{LobbedeyHeiden1971}}.
* {{HenzeRheinlande1969}}, S. 243.
* {{DehioHandbuch1969}}, S. 211 ff.
* {{PreußAlterthümer1873}}.


==Quellen==
==Quellen==


Stadtarchiv Lemgo, 14 L 9983: Bau- und Kunstdenkmäler des Landkreises Detmold, unveröff. Typoskript, 2. Fassung [https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/title-info/10093449 Digitalisat]
==Weblinks==
==Weblinks==
* Internetseite der Kirchengemeinde: https://www.kirche-heiden.de
* Internetseite der Kirchengemeinde: https://www.kirche-heiden.de