Kolonat 30 (Hörste): Unterschied zwischen den Versionen
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Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die Stätte ''Seuwen achter dem Berge'' im Sommer 1623 bei großen Truppendurchzügen von Ost nach West (zuerst Armee des Christian von Braunschweig, dann verfolgend eine kaiserliche Armee unter Tilly) niedergebrannt worden. In diesem Rahmen kam es im Juli 1623 auch zu einer brutalen Verwüstung der nahen Dorfschaft Oerlinghausen. Hierzu liegt ein Beschwerdeschreiben des lippischen Grafen an den kaiserlichen Heerführer Tilly vom 24. Juli 1623 vor, in dem es heißt: <ref> LAV NRW OWL, L 56 Nr. 10 </ref> . . . ''daß dero Armee meine Graffschafft vorbei paßieren solle, derowegen thue gegen dieselbige Ich mich dienstfreundtlich bedanken, ich mag aber E: Exelz: darbeÿ nicht verhalten, daß unerachtet dero ungezweiffelten ernsten Befehls, gleichwoll viell vnderschiedtliche eintzelichte Trouppen beÿ 10, 20, auff hundert vnndt darüber häuffigs herein geritten vndt sonderlich im Kirspell Orlinghausen die arme Leuthe, die neben anderen biß dahero zu Underhaltung des Lindtloischen gantzer siebenzehn Wochen in dieser Graffschafft einlogierten Regiments alle das Ihrige vndt waß sie müsten darzu entlehnen vndt auffbringen können, gehorsamb vndt willig dargeschoßen vndt also deßwegen zu Ihr vndt der Ihrigen nottwendiger Alimentation fast nichts behalten, überfallen, Häuser, Mühlen, Höfe, Fenster vndt Thüren mit Gewaldt auß vndt auffgeschlagen, waß noch vbrigs gewesen darauß genommen, alles Haußgeräth, Kisten vndt Kasten in Stücke zerschlagen, auch die Leuthe jämmerlich verwundet vndt beleidigtt, die Kirchen auffgebrochen, ja auch, welches aber doch dießer Örter vnerhört vndt abscheulich, der Todten Gräber nicht geschonet, die Sarke vndt Leichnam herauß genommen vndt alles waß irgendtwo in Kirchen vndt Häusern zu finden, geplündert vndt mitgenommen haben. Vndt ob man woll nicht eigentlich wißen kan(n), wer eines nach dem anderen gethan, ist doch der Obrist Nivenheimb umb Mitternacht in gedachtes Örlinghausen gefallen, vnndt hatt alles waß da vorhanden gewesen, außgeplündert vnndt weggeführt. Was nun aber solcher großer Frevel, Gewaldt, Muthwill vnndt Schade gantz unverantwortl: vnndt erbarmlich, . . .'' Der Landesherr steht dem voranschreitenden dreißigjährigen Krieg mehr oder weniger hilflos gegenüber; so wird in den 1640er Jahren zu einer ganzen Gruppe von mehreren Hörster Stätten vermerkt: ''gantz wegh.'' | Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die Stätte ''Seuwen achter dem Berge'' im Sommer 1623 bei großen Truppendurchzügen von Ost nach West (zuerst Armee des Christian von Braunschweig, dann verfolgend eine kaiserliche Armee unter Tilly) niedergebrannt worden. In diesem Rahmen kam es im Juli 1623 auch zu einer brutalen Verwüstung der nahen Dorfschaft Oerlinghausen. Hierzu liegt ein Beschwerdeschreiben des lippischen Grafen an den kaiserlichen Heerführer Tilly vom 24. Juli 1623 vor, in dem es heißt: <ref> LAV NRW OWL, L 56 Nr. 10 </ref> . . . ''daß dero Armee meine Graffschafft vorbei paßieren solle, derowegen thue gegen dieselbige Ich mich dienstfreundtlich bedanken, ich mag aber E: Exelz: darbeÿ nicht verhalten, daß unerachtet dero ungezweiffelten ernsten Befehls, gleichwoll viell vnderschiedtliche eintzelichte Trouppen beÿ 10, 20, auff hundert vnndt darüber häuffigs herein geritten vndt sonderlich im Kirspell Orlinghausen die arme Leuthe, die neben anderen biß dahero zu Underhaltung des Lindtloischen gantzer siebenzehn Wochen in dieser Graffschafft einlogierten Regiments alle das Ihrige vndt waß sie müsten darzu entlehnen vndt auffbringen können, gehorsamb vndt willig dargeschoßen vndt also deßwegen zu Ihr vndt der Ihrigen nottwendiger Alimentation fast nichts behalten, überfallen, Häuser, Mühlen, Höfe, Fenster vndt Thüren mit Gewaldt auß vndt auffgeschlagen, waß noch vbrigs gewesen darauß genommen, alles Haußgeräth, Kisten vndt Kasten in Stücke zerschlagen, auch die Leuthe jämmerlich verwundet vndt beleidigtt, die Kirchen auffgebrochen, ja auch, welches aber doch dießer Örter vnerhört vndt abscheulich, der Todten Gräber nicht geschonet, die Sarke vndt Leichnam herauß genommen vndt alles waß irgendtwo in Kirchen vndt Häusern zu finden, geplündert vndt mitgenommen haben. Vndt ob man woll nicht eigentlich wißen kan(n), wer eines nach dem anderen gethan, ist doch der Obrist Nivenheimb umb Mitternacht in gedachtes Örlinghausen gefallen, vnndt hatt alles waß da vorhanden gewesen, außgeplündert vnndt weggeführt. Was nun aber solcher großer Frevel, Gewaldt, Muthwill vnndt Schade gantz unverantwortl: vnndt erbarmlich, . . .'' Der Landesherr steht dem voranschreitenden dreißigjährigen Krieg mehr oder weniger hilflos gegenüber; so wird in den 1640er Jahren zu einer ganzen Gruppe von mehreren Hörster Stätten vermerkt: ''gantz wegh.'' | ||
Als Familienname und/oder als Orts- bzw. Wohnplatzbezeichnung („auf´m Schapeler“) taucht ''Schapeler'' in Hörste ebenfalls ab 1603/04 auf - dies allerdings zunächst nicht in einem erkennbaren Zusammenhang mit ''Seuwen hinter dem Berge''. Uneheliche Schwangerschaften wurden als Unpflicht in Gogerichten mit Bußgeld geahndet; in den Registern findet sich: ''Engelke uffm Schapeler vnd Berend vfm Bockel'' (1603/04) <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 226 </ref> , ''Bartoldt Rykehoff primo vnd Anna Ihm Schapeler primo'' (1607/08) <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 287 </ref> , ''Boker Cordt 2do vnnd Anneke Ihm Schapeler 2do'' (1609) <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 172, S. 116 </ref> , ''Johan Jobst Schaffer von Bauensen primo vnd Anna Ihm Schapeler 2do'' (1613) <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 306 </ref> | Als Familienname und/oder als Orts- bzw. Wohnplatzbezeichnung („auf´m Schapeler“) taucht ''Schapeler'' in Hörste ebenfalls ab 1603/04 auf - dies allerdings zunächst nicht in einem erkennbaren Zusammenhang mit ''Seuwen hinter dem Berge''. Uneheliche Schwangerschaften wurden als Unpflicht in Gogerichten mit Bußgeld geahndet; in den Registern findet sich: ''Engelke uffm Schapeler vnd Berend vfm Bockel'' (1603/04) <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 226 </ref> , ''Bartoldt Rykehoff primo vnd Anna Ihm Schapeler primo'' (1607/08) <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 287 </ref> , ''Boker Cordt 2do vnnd Anneke Ihm Schapeler 2do'' (1609) <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 172, S. 116 </ref> , ''Johan Jobst Schaffer von Bauensen primo vnd Anna Ihm Schapeler 2do'' (1613). <ref> LAV NRW OWL, L 89 A Nr. 171, S. 306 </ref> | ||
1630 wird ein wohl in oder nahe der Senne ansässiges Ehepaar namens Schapeler in einem Raub- und Mordprozess angeklagt - dies allerdings ohne einen direkten Hinweis auf „den Schapeler“ als Wohnsitz.<ref> LAV NRW OWL, L 86 Nr. 586 </ref> So wird dort beispielsweise beschrieben, wie der gemeinsam mit ''Curdt im Schapler'' zum Tode durch das Schwert verurteilte Kumpan Johan Sauer aus Lage einen ahnungslosen und ortsunkundigen jungen Mann aus Kassel angeblich von Lage nach Bielefeld hatte begleiten wollen, ihn durch die Senne geführt, dort an einsamer Stelle hinterrücks erschlagen und entkleidet habe. Danach sei er dann mit den Kleidern in das Haus von Cord Schapeler gegangen. Alsbald hätten die beiden die Leiche auf dem Tönsberg verscharrt (S. 22/23, Ziffern 5 . . . 13). | 1630 wird ein wohl in oder nahe der Senne ansässiges Ehepaar namens Schapeler in einem Raub- und Mordprozess angeklagt - dies allerdings ohne einen direkten Hinweis auf „den Schapeler“ als Wohnsitz.<ref> LAV NRW OWL, L 86 Nr. 586 </ref> So wird dort beispielsweise beschrieben, wie der gemeinsam mit ''Curdt im Schapler'' zum Tode durch das Schwert verurteilte Kumpan Johan Sauer aus Lage einen ahnungslosen und ortsunkundigen jungen Mann aus Kassel angeblich von Lage nach Bielefeld hatte begleiten wollen, ihn durch die Senne geführt, dort an einsamer Stelle hinterrücks erschlagen und entkleidet habe. Danach sei er dann mit den Kleidern in das Haus von Cord Schapeler gegangen. Alsbald hätten die beiden die Leiche auf dem Tönsberg verscharrt (S. 22/23, Ziffern 5 . . . 13). | ||
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Dieser nächste Anerbe - ab 1825 Kötter - auf der Stätte, Johann Berend Christoph Schapeler, legt bei seinem Abtritt 1857 möglicherweise den Grundstein für den späteren Konkurs des Colonates. Sein Sohn und Nachfolger Wilhelm Schapeler geht laut der ''Acta, die Abtretung der Schapelerschen Stätte Nr. 30 zu Hörste an den Anerben Wilh. Schapeler betreffend'' <ref> LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. XX</ref> mit hohen Belastungen an den Start: Seine abtretenden Eltern sollen 900 Taler erhalten, die noch unverheiratete Schwester Johanne bei Eheschließung 600 Taler Brautschatz. 100 Taler Brautschatz-Rückstand stehen der verheirateten Schwester im Hörster Krug noch zu, und schließlich lebt die Großmutter des aufziehenden Kötters noch mit ihrem jüngsten Sohn Hermann und dessen Familie auf der Leibzucht. Für ihren Auszug sollen auch diese 100 Taler Abfindung erhalten. | Dieser nächste Anerbe - ab 1825 Kötter - auf der Stätte, Johann Berend Christoph Schapeler, legt bei seinem Abtritt 1857 möglicherweise den Grundstein für den späteren Konkurs des Colonates. Sein Sohn und Nachfolger Wilhelm Schapeler geht laut der ''Acta, die Abtretung der Schapelerschen Stätte Nr. 30 zu Hörste an den Anerben Wilh. Schapeler betreffend'' <ref> LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. XX</ref> mit hohen Belastungen an den Start: Seine abtretenden Eltern sollen 900 Taler erhalten, die noch unverheiratete Schwester Johanne bei Eheschließung 600 Taler Brautschatz. 100 Taler Brautschatz-Rückstand stehen der verheirateten Schwester im Hörster Krug noch zu, und schließlich lebt die Großmutter des aufziehenden Kötters noch mit ihrem jüngsten Sohn Hermann und dessen Familie auf der Leibzucht. Für ihren Auszug sollen auch diese 100 Taler Abfindung erhalten. | ||
[[Datei:1864 Curatel Wilhelm Schapeler beschnitten2.jpg|mini| | [[Datei:1864 Curatel Wilhelm Schapeler beschnitten2.jpg|mini|Curatel-Anordnung Wilhelm Schapeler, Fürstl.-Lipp. Reg.- u. Amtsblatt v. 5.11.1864]] | ||
Ende 1862 heiratet Johanne Schapeler, die Schwester des jungen Colons, Wilhelm Sölter, den Sohn eines Krug-Pächters aus Detmold. Zu dieser Zeit ist offenbar schon klar, dass der junge Colon Wilhelm Schapeler mit der Bewirtschaftung seiner Stätte überfordert ist. Er wird 1864 wegen schlechter Wirtschaftsführung unter Kuratel gestellt. Sein Schwager Sölter lebt ab Eheschließung als ''Einlieger und Landwirt'' (Kirchenbuch) mit auf dem Schapeler. Bei den Taufen seiner Kinder wird er 1864 als ''Verwalter'', 1866 und 1868 dann als ''Pächter'' (der Stätte Schapeler Nr. 30) bezeichnet. | Ende 1862 heiratet Johanne Schapeler, die Schwester des jungen Colons, Wilhelm Sölter, den Sohn eines Krug-Pächters aus Detmold. Zu dieser Zeit ist offenbar schon klar, dass der junge Colon Wilhelm Schapeler mit der Bewirtschaftung seiner Stätte überfordert ist. Er wird 1864 wegen schlechter Wirtschaftsführung unter Kuratel gestellt. Sein Schwager Sölter lebt ab Eheschließung als ''Einlieger und Landwirt'' (Kirchenbuch) mit auf dem Schapeler. Bei den Taufen seiner Kinder wird er 1864 als ''Verwalter'', 1866 und 1868 dann als ''Pächter'' (der Stätte Schapeler Nr. 30) bezeichnet. | ||
[[Datei:LAVNRWOWL D72 Hunke Heinrich Nr 217 01.jpg|mini|Der Schapelerhof vor dem Teutoburger Wald, um 1935, LAV NRW OWL, D 72 Hunke Nr. 217]] | |||
[[Datei:LAVNRWOWL D72 Hunke Heinrich Nr 217 02.jpg|mini|Vor dem Schapelerhof, um 1935, LAV NRW OWL, D 72 Hunke Nr. 217]] | |||
1870 stehen dem eigentlichen Colon Wilhelm Schapeler zwei Kuratoren zur Seite (u.a. Colon Brink, Hörste Nr. 8 - sein Schwager), die in Abstimmung mit dem Amt in Lage versuchen, die auf 7500 Taler taxierte Stätte Schapeler Nr. 30 öffentlich meistbietend zu verkaufen, um hohe aufgelaufene Schulden begleichen zu können.<ref> LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. XXII </ref> Dabei kommt es zu keinem ausreichenden Gebot, woraufhin das Amt im Frühjahr 1871 den Konkurs des Colons Wilhelm Schapeler erklärt und eine Zwangsversteigerung seiner Stätte anordnet. Verschiedene Gläubiger bieten jetzt mit, schließlich wird das Schapelersche Colonat dem Höchstbietenden Wilhelm Sölter - bisher Pächter der versteigerten Stätte und zudem Schwager des vorigen Besitzers - für 6100 Taler zugeschlagen. | 1870 stehen dem eigentlichen Colon Wilhelm Schapeler zwei Kuratoren zur Seite (u.a. Colon Brink, Hörste Nr. 8 - sein Schwager), die in Abstimmung mit dem Amt in Lage versuchen, die auf 7500 Taler taxierte Stätte Schapeler Nr. 30 öffentlich meistbietend zu verkaufen, um hohe aufgelaufene Schulden begleichen zu können.<ref> LAV NRW OWL, L 108 Lage Fach 2 Nr. 26 Bd. XXII </ref> Dabei kommt es zu keinem ausreichenden Gebot, woraufhin das Amt im Frühjahr 1871 den Konkurs des Colons Wilhelm Schapeler erklärt und eine Zwangsversteigerung seiner Stätte anordnet. Verschiedene Gläubiger bieten jetzt mit, schließlich wird das Schapelersche Colonat dem Höchstbietenden Wilhelm Sölter - bisher Pächter der versteigerten Stätte und zudem Schwager des vorigen Besitzers - für 6100 Taler zugeschlagen. | ||