Kirchplatz 8 (Heiden): Unterschied zwischen den Versionen

Kurztext und Text zur Geschichte überarbeitet.
Gebäude: Baubeschreibung ergänzt
Zeile 23: Zeile 23:
[[Datei:Kirchplatz8_160809_2.jpg|thumb|Torbogen des Pfarrhauses mit Inschrift, Foto: Hans-Christian Schall, 2009]]
[[Datei:Kirchplatz8_160809_2.jpg|thumb|Torbogen des Pfarrhauses mit Inschrift, Foto: Hans-Christian Schall, 2009]]


"Das Pfarrhaus ist zwar ein sehr geräumiger, aber kein einheitlicher Bau. Der westliche Teil ist der älteste, der östliche Teil wahrscheinlich 1809 angebaut worden, die Dehle mit Stallung stammt aus dem Jahre 1813. Es ist größtenteils Fachwerkbau. Die angebaute Veranda rührt aus dem Jahre 1916 her. Der 6–7 Scheffelsaat große Baumhof und die der Gemeinde gehörige tausendjährige Linde gereichen der Pfarre zur Zierde."<ref>{{ButterweckGeschichte1926}}, S. 409.</ref>
Bei Wilhelm Butterweck 1926 wird das Heidener Pfarrhaus wie folgt beschrieben: "Das Pfarrhaus ist zwar ein sehr geräumiger, aber kein einheitlicher Bau. Der westliche Teil ist der älteste, der östliche Teil wahrscheinlich 1809 angebaut worden, die Dehle mit Stallung stammt aus dem Jahre 1813. Es ist größtenteils Fachwerkbau. Die angebaute Veranda rührt aus dem Jahre 1916 her. Der 6–7 Scheffelsaat große Baumhof und die der Gemeinde gehörige tausendjährige Linde gereichen der Pfarre zur Zierde."<ref>{{ButterweckGeschichte1926}}, S. 409.</ref>


Nach Norden niedrigeres Fachwerk-Vorderhaus mit Diele 1813 neu gebaut an Stelle eines älteren Fachwerkbaues. Am Torbogen Inschrift "ANNO 1813 DEN 8. MEI. M(eister): S. M." Das höhere Hinterhaus (Wohnteil) im Süden, 2. Hälfte 16. Jh., mit Bruchsteinkeller und zwei Fachwerk-Geschossen, Wandkasten im Westen und teilw. im Süden aus Bruchstein, dort im Erdgeschoss je ein dreibahniges Fenster mit Werksteingewänden. Dach nach Süden mit Halbwalm. Der Keller mit zwei Segmenttonnen gewölbt. Gaul beobachtete Mitte der 1930er Jahre außen an der Südseite "das Relief einer männlichen Halbfigur, spätgotisch, 15. Jh. Sandstein, mit Ölfarbe überstrichen, derbe handwerkliche Arbeit. H. 0,60 m, T. 9 cm. Die Halbfigur, auf rechteckigem Sockel, hat die Arme vor die Brust gelegt; Attribute zerstört, in der Rechten ehemals vermutlich ein Schlüssel, zumal die Haartracht - trotz Bartlosigkeit - an Petrus denken lässt. Wahrscheinlich hat die Figur des Titelheiligen, ebenso wie in Lage und Talle, auf einer Giebelspitze gestanden."<ref>StadtA Lemgo, 14 L 9987: Otto Gaul, Landkreis Detmold, Typoskript, um 1935/ergänzt um 1960, S. 167 [https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/titleinfo/10093449 Digitalisat].</ref>
Nach Norden niedriger Fachwerk-Wirtschaftsteil, Vierständerbau mit Mitteldiele von 1813 an Stelle eines älteren Vorgängerbaues. Südlicher Wohnteil mit höherem Krüppelwalmdach, bestehend aus einem Steinhinterhaus (Steinkammer, ''camera lapidea'') der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Im Erdgeschoss je ein dreibahniges Fenster mit Werksteingewänden, der Keller mit zwei Segmentbogentonnen gewölbt. An der Ostseite zweistöckiger Fachwerkanbau mit "zwei Stubens" 1753 hinzugefügt.


Das alte Pfarrhaus in Heiden ist 1984 mit nachstehender Begründung in die Denkmalliste der Stadt Lage eingetragen worden.
Otto Gaul beobachtete Mitte der 1930er Jahre außen an der Südseite ein erhaltenes "Relief einer männlichen Halbfigur, spätgotisch, 15. Jh. Sandstein, mit Ölfarbe überstrichen, derbe handwerkliche Arbeit. H. 0,60 m, T. 9 cm. Die Halbfigur, auf rechteckigem Sockel, hat die Arme vor die Brust gelegt; Attribute zerstört, in der Rechten ehemals vermutlich ein Schlüssel, zumal die Haartracht - trotz Bartlosigkeit - an Petrus denken lässt. Wahrscheinlich hat die Figur des Titelheiligen, ebenso wie in Lage und Talle, auf einer Giebelspitze gestanden."<ref>StadtA Lemgo, 14 L 9987: Otto Gaul, Landkreis Detmold, Typoskript, um 1935/ergänzt um 1960, S. 167 [https://digitale-sammlungen.llb-detmold.de/content/titleinfo/10093449 Digitalisat].</ref>


„Das ehemalige Pfarrhaus der ev.-ref. Kirchengemeinde in Heiden, östlich des Kirchhofes gelegen, besteht in seiner historischen Bausubstanz aus zwei deutlich voneinander getrennten Teilen und repräsentiert den Typ des städtischen Ackerbürgerhauses. Das niedrige Fachwerkvorderhaus ist, anstelle eines Vorgängerbaues, 1813 neu errichtet worden.
Das alte Pfarrhaus in Heiden ist 1984 mit nachstehender Begründung in die Denkmalliste der Stadt Lage eingetragen worden. „Das ehemalige Pfarrhaus der ev.-ref. Kirchengemeinde in Heiden, östlich des Kirchhofes gelegen, besteht in seiner historischen Bausubstanz aus zwei deutlich voneinander getrennten Teilen und repräsentiert den Typ des städtischen Ackerbürgerhauses. Das niedrige Fachwerkvorderhaus ist, anstelle eines Vorgängerbaues, 1813 neu errichtet worden.
Das höhere Hinterhaus (Kammerteil) aus Bruchstein mit Werksteingliederungen datiert aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts und wurde im 17. Jahrhundert an der Ostseite durch einen Fachwerkanbau erweitert und anschließend mit einem Krüppelwalmdach einheitlich überdeckt. Beide Teile bilden eine funktional bestimmte Einheit und beziehen sich aufeinander. Dieser nur sehr selten erhaltene, komplette Typ eines städtischen Ackerbürgerhauses als Pfarrhof ist zweifellos ein Baudenkmal von besonderer Bedeutung. Hinzu kommt seine wichtige städtebauliche Funktion als Teil der Umbauung des alten Kirchenhofes und seine massstabgebende Funktion für den hochbedeutenden Bau der mittelalterlichen Dorfkirche. Quelle: Stellungnahme des LWL vom 13.08.1984“  <ref> Stadt Lage, Stadtarchiv </ref>
Das höhere Hinterhaus (Kammerteil) aus Bruchstein mit Werksteingliederungen datiert aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts und wurde im 17. Jahrhundert an der Ostseite durch einen Fachwerkanbau erweitert und anschließend mit einem Krüppelwalmdach einheitlich überdeckt. Beide Teile bilden eine funktional bestimmte Einheit und beziehen sich aufeinander. Dieser nur sehr selten erhaltene, komplette Typ eines städtischen Ackerbürgerhauses als Pfarrhof ist zweifellos ein Baudenkmal von besonderer Bedeutung. Hinzu kommt seine wichtige städtebauliche Funktion als Teil der Umbauung des alten Kirchenhofes und seine massstabgebende Funktion für den hochbedeutenden Bau der mittelalterlichen Dorfkirche. <ref>Denkmalwertbegründung von 1984, Westf. Amt für Denkmalpflege, Stadt Lage, Stadtarchiv.</ref>


Das ehemalige Pfarrhaus wurde zu Ende der 1970-er Jahre zu einem Gemeindehaus der Kirchengemeinde ausgebaut und 1981 eingeweiht. Zugleich ist ein Gemeindebüro eingerichtet worden und im südlichen Bauteil entstanden drei Wohnungen.
Das ehemalige Pfarrhaus wurde zu Ende der 1970-er Jahre zu einem Gemeindehaus der Kirchengemeinde ausgebaut und 1981 eingeweiht. Zugleich ist ein Gemeindebüro eingerichtet worden und im südlichen Bauteil entstanden drei Wohnungen.