Brinkstraße 4 (Blomberg): Unterschied zwischen den Versionen
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Giebelständiges Fachwerkhaus, kleines zweischiffiges Dielenhaus von vier Fachen, datiert 1569 (d) und 1571 (i), 1834 Fachwerk der Außenwände weitgehend erneuert, 1857 um ein kürzeres Hinterhaus verlängert. | Giebelständiges Fachwerkhaus, kleines zweischiffiges Dielenhaus von vier Fachen, datiert 1569 (d) und 1571 (i), 1834 Fachwerk der Außenwände weitgehend erneuert, 1857 um ein kürzeres Hinterhaus verlängert. | ||
'''Kernbau von | '''Kernbau von 1571:''' Kleiner Dreiständerbau von vier Fachen (Grundfläche ca. 7,8 x 10,2 m), ursprünglich hohe Diele rechts und zweigeschossiges Seitenschiff links, weitere Angaben zur inneren Raumgliederung sind in dem umgebauten Haus nicht möglich. Gefüge aus kräftigen Hölzern mit aufgelegten Dachbalken (Unterrähmzimmerung), Ständer mit großen, gekehlten Kopfbändern in Längs- und Querrichtung (zur Diele bzw. zum Hausinnern) verstrebt. Sparrendach mit zwei verzapften Kehlbalkenlagen, ein älterer, wiederverwendeter Sparren mit Anblattungsspur (Schwalbenschwanz) wohl von einem Vorgängerbau des 15. Jahrhunderts, ein älterer Kehlbalken datiert 1514 +/- 3 (d). Rechte Traufwand mit drei Riegelketten, Ständer mit beidseitigen kleinen Wandkopfbändern, mittlerer Ständer ohne Kopfbänder. Linke Traufwand im 19. Jahrhundert (1834) erneuert. | ||
Straßengiebeldreieck aus Fachwerk, ehemals auf Knaggen vorkragend, Giebelschwelle mit Profilen und breitem Tauband, in der Mitte kurze Inschrift. Das erhaltene Giebelfachwerk war vermutlich mit Backsteinen ausgemauert, es besteht aus einem mittigen Spitzständer und jeweils drei seitlichen Giebelständern, die leicht zur Mitte geneigt sind und damit eine fächerförmige Anordnung zeigen, wie sie z. B. aus Braunschweig bekannt ist.<ref>Rudolf Fricke, Das Bürgerhaus in Braunschweig (Das deutsche Bürgerhaus, XX), Tübingen 1975, S. 58f.</ref> Drei Giebelständer mit beidseitign dreieckigen Fußbändern und darauf geschnitzten Fächerrosetten, auch diese Gestaltung verweist auf niedersächsische Vorbilder (vgl. Neue Torstra0e 14, 1560; Burg, Ostflügel, 1567).<ref>Dazu Otto Gaul, Zierschnitzereien der Renaissance an lippischen Fachwerkbauten, in: Mitteilungen aus der lippischen Geshichte und Landeskunde 27, 1958, S. 58 und 66.</ref> | Straßengiebeldreieck aus Fachwerk, ehemals auf Knaggen vorkragend, Giebelschwelle mit Profilen und breitem Tauband, in der Mitte kurze Inschrift. Das erhaltene Giebelfachwerk war vermutlich mit Backsteinen ausgemauert, es besteht aus einem mittigen Spitzständer und jeweils drei seitlichen Giebelständern, die leicht zur Mitte geneigt sind und damit eine fächerförmige Anordnung zeigen, wie sie z. B. aus Braunschweig bekannt ist.<ref>Rudolf Fricke, Das Bürgerhaus in Braunschweig (Das deutsche Bürgerhaus, XX), Tübingen 1975, S. 58f.</ref> Drei Giebelständer mit beidseitign dreieckigen Fußbändern und darauf geschnitzten Fächerrosetten, auch diese Gestaltung verweist auf niedersächsische Vorbilder (vgl. Neue Torstra0e 14, 1560; Burg, Ostflügel, 1567).<ref>Dazu Otto Gaul, Zierschnitzereien der Renaissance an lippischen Fachwerkbauten, in: Mitteilungen aus der lippischen Geshichte und Landeskunde 27, 1958, S. 58 und 66.</ref> | ||
Version vom 7. August 2026, 17:42 Uhr
| Brinkstraße 4 (Blomberg) | |
|---|---|
| Ortsteil | Blomberg (Kernstadt) |
| Straße | Brinkstraße (Blomberg) |
| Hausnummer | 4 |
| Karte | |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Straße | Am Brink |
| Hausnummer | 4 |
| Ergänzte Hausnummer | 304 |
Alte Hausnummer 304. Kleine bürgerliche Hausstätte, überwiegend von Handwerkern bewohnt. Das erhaltene Haus von 1571 ist das älteste an der Brinkstraße.




Geschichte
Gebäude
Giebelständiges Fachwerkhaus, kleines zweischiffiges Dielenhaus von vier Fachen, datiert 1569 (d) und 1571 (i), 1834 Fachwerk der Außenwände weitgehend erneuert, 1857 um ein kürzeres Hinterhaus verlängert.
Kernbau von 1571: Kleiner Dreiständerbau von vier Fachen (Grundfläche ca. 7,8 x 10,2 m), ursprünglich hohe Diele rechts und zweigeschossiges Seitenschiff links, weitere Angaben zur inneren Raumgliederung sind in dem umgebauten Haus nicht möglich. Gefüge aus kräftigen Hölzern mit aufgelegten Dachbalken (Unterrähmzimmerung), Ständer mit großen, gekehlten Kopfbändern in Längs- und Querrichtung (zur Diele bzw. zum Hausinnern) verstrebt. Sparrendach mit zwei verzapften Kehlbalkenlagen, ein älterer, wiederverwendeter Sparren mit Anblattungsspur (Schwalbenschwanz) wohl von einem Vorgängerbau des 15. Jahrhunderts, ein älterer Kehlbalken datiert 1514 +/- 3 (d). Rechte Traufwand mit drei Riegelketten, Ständer mit beidseitigen kleinen Wandkopfbändern, mittlerer Ständer ohne Kopfbänder. Linke Traufwand im 19. Jahrhundert (1834) erneuert.
Straßengiebeldreieck aus Fachwerk, ehemals auf Knaggen vorkragend, Giebelschwelle mit Profilen und breitem Tauband, in der Mitte kurze Inschrift. Das erhaltene Giebelfachwerk war vermutlich mit Backsteinen ausgemauert, es besteht aus einem mittigen Spitzständer und jeweils drei seitlichen Giebelständern, die leicht zur Mitte geneigt sind und damit eine fächerförmige Anordnung zeigen, wie sie z. B. aus Braunschweig bekannt ist.[1] Drei Giebelständer mit beidseitign dreieckigen Fußbändern und darauf geschnitzten Fächerrosetten, auch diese Gestaltung verweist auf niedersächsische Vorbilder (vgl. Neue Torstra0e 14, 1560; Burg, Ostflügel, 1567).[2]
Das Untergeschossfachwerk des Giebels kann nach wenigen erhaltenen Hölzern und Holznagel-Bohrlöchern im Giebelbalken rekonstruiert werden: Leicht aus der Mitte nach rechts verschobener Torbogen mit umlaufendem, breitem Flechtband, der linke Torständer und die beiden Eckständer als tragende Hauptständer des Dreiständerbaus waren mit Kopfbändern hervorgehoben. Ein Rest des Torsturzes mit bogenförmigem Zierstreifen mit Taubändern und Inschriftrest ...RNHART WA... als senkrechter Stiel im Giebelfachwerk verbaut, Schnitzereien auf älteren Fotos noch erkennbar, später abgearbeitet.
Umbauten im 19. und 20. Jahrhundert: Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude erheblich umgebaut und erweitert; die Baudaten sind durch Wertsteigerungen und Beschreibungen in den Taxationsprotokollen zur Brandversicherung überliefert: 1834 wurde das Außenwandfachwerk der linken Traufwand und im Dielen-Untergeschoss des Vordergiebels erneuert, gleichmäßiges Rasterfachwerk mit drei Riegelreihen und zwei gegenläufigen, gekrümmten Fußstreben (am Vordergiebel nur am rechten Eckständer). Gleichzeitig wurde die Diele zweigeschossig durchgebaut und das Dielentor durch eine zweiflügelige Haustür mit zwei seitlichen Fenstern ersetzt. 1857 wurde das Haus um ein Hinterhaus von vier kürzeren Fachen erweitert; Fachwerk aus relativ dünnen Hölzern mit Eckfußstreben in den hinteren Fachen. Um 1970 Umbau des Hauseingangs und Einbau einer Garage rechts daneben; Garagentor um 2025 wieder zurückgebaut.
Inschriften
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
AB 1901, S. 162: Am Brink 4, Burgdorf, Karoline, Wwe. Steinhagen, Fritz, Tagelöhner.
Literatur
Heinz-Walter Rolf, Die Bürger der Stadt Blomberg. Namen - Daten - Berufe - Häuser. 1525–1910, Blomberg 1996.
Heinrich Stiewe, Hausbau und Sozialstruktur in einer niederdeutschen Kleinstadt. Blomberg zwischen 1450 und 1870 (Schriften des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold – Landesmuseum für Volkskunde; 13), Detmold 1996.
Ulrich Meier/Heinrich Stiewe, Blomberg (Historischer Atlas westfälischer Städte, 13), Münster 2022.
Quellen
Weblinks
Einzelnachweise
Autor*innen
Seitenhistorie
Seite erstellt am 07.08.2026 von Heinrich Stiewe
Letzte Änderung am: 07.08.2026 von Heinrich Stiewe