Langer Steinweg 8 (Blomberg): Unterschied zwischen den Versionen
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}}Alte Hausnummer Blomberg Nr. 269. Große bürgerliche Hausstätte, Fachwerk-Dielenhaus mit Saal des späten 16. Jahrhunderts, 1912 abgebrochen und durch historistischen Neubau ersetzt. | }}Alte Hausnummer Blomberg Nr. 269. Große bürgerliche Hausstätte, Fachwerk-Dielenhaus mit Saal des späten 16. Jahrhunderts, 1912 abgebrochen und durch historistischen Neubau ersetzt. Der abgebrochene Bau war eines der bedeutendsten Fachwerkhäuser der Spätrenaissance in Blomberg und ist durch historische Fotografien und Aufmaßzeichnungen (Henrici 1892, Ebinghaus 1912) ungewöhnlich gut dokumentiert. | ||
[[Datei:Langer Steinweg 8 Haase 2008.jpg|mini|Langer Steinweg 8, heutiges Wohn- und Geschäftshaus von 1912. Foto: Rüdiger Haase, 2008]] | [[Datei:Langer Steinweg 8 Haase 2008.jpg|mini|Langer Steinweg 8, heutiges Wohn- und Geschäftshaus von 1912. Foto: Rüdiger Haase, 2008]] | ||
[[Datei:Langer Steinweg 8 um 1900 Slg Stiewe.jpg|mini|Blomberg, Langer Steinweg 8, Fotografie um 1910. Reicher Fachwerkgiebel der Spätrenaissance, abgebrochen 1912. Sammlung Stiewe]] | [[Datei:Langer Steinweg 8 um 1900 Slg Stiewe.jpg|mini|Blomberg, Langer Steinweg 8, Fotografie um 1910. Reicher Fachwerkgiebel der Spätrenaissance, abgebrochen 1912. Sammlung Stiewe]] | ||
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'''Heutiger Bau von 1912:''' Zweigeschossiges, giebelständiges Wohn- und Geschäftshaus, historistischer Putzbau mit Werksteingliederung und Bruchsteinfassade im EG, dreifach vorkragender Fachwerkgiebel, im 1. OG links Fachwerkerker auf vier Kragsteinen. Zierschnitzereien der Neorenaissance, am Erker drei Brüstungsbohlen mit Rollwerkkartuschen, mittlere mit Datierung "19.12". Bauzeitlicher Ladeneinbau im Erdgeschoss rechts mit Mitteleingang und zwei großen Schaufenstern mit Werksteingewänden. | '''Heutiger Bau von 1912:''' Zweigeschossiges, giebelständiges Wohn- und Geschäftshaus, historistischer Putzbau mit Werksteingliederung und Bruchsteinfassade im EG, dreifach vorkragender Fachwerkgiebel, im 1. OG links Fachwerkerker auf vier Kragsteinen. Zierschnitzereien der Neorenaissance, am Erker drei Brüstungsbohlen mit Rollwerkkartuschen, mittlere mit Datierung "19.12". Bauzeitlicher Ladeneinbau im Erdgeschoss rechts mit Mitteleingang und zwei großen Schaufenstern mit Werksteingewänden. | ||
'''Altbau, spätes 16. Jahrhundert, abgebrochen 1912:''' Rekonstruktion der ursprünglichen Bau- und Raumstruktur nach rekonstruierender Fassadenansicht von Charton und Stiehl (1883) und schematischem Aufmaß von Hugo Ebinghaus (1912): Fachwerk-Giebelhaus, ursprünglich zweischiffiges Dielenhaus (Dreiständerbau) von sieben Fachen (8 Gebinden) mit rückwärtigem Saal-Hinterhaus von vier Fachen. Steiles Sparrendach mit Spitzständerdachwerk, Bodenluke mit Aufzugrad zwischen zwei Spitzständern im 3. Fach. Das 1912 abgebrochene Gebäude war das bedeutendste Fachwerk-Bürgerhaus der Spätrenaissance in Blomberg, reiche Zahschnittdekoration der Fassade in enger Abhängigkeit vom Rathaus (1587). Auch in seiner inneren Raumstruktur und Ausstattung (Dielen- und Saalkamin, Saalfenster mit alter Bleiverglasung) war das Haus | '''Altbau, spätes 16. Jahrhundert, abgebrochen 1912:''' Rekonstruktion der ursprünglichen Bau- und Raumstruktur nach rekonstruierender Fassadenansicht von Charton und Stiehl (1883) und schematischem Aufmaß von Hugo Ebinghaus (1912): Fachwerk-Giebelhaus, ursprünglich zweischiffiges Dielenhaus (Dreiständerbau) von sieben Fachen (8 Gebinden) mit rückwärtigem Saal-Hinterhaus von vier Fachen. Steiles Sparrendach mit Spitzständerdachwerk, Bodenluke mit Aufzugrad zwischen zwei Spitzständern im 3. Fach. Das 1912 abgebrochene Gebäude war das bedeutendste Fachwerk-Bürgerhaus der Spätrenaissance in Blomberg, reiche Zahschnittdekoration der Fassade in enger Abhängigkeit vom Rathaus (1587). Auch in seiner inneren Raumstruktur und Ausstattung (Dielen- und Saalkamin, Saalfenster mit alter Bleiverglasung) war das Haus ungewöhnlich gut erhalten. | ||
Dreifach auf Stichbalken vorkragender Giebel aus kräftigen Hölzern, Vorkragungen mit reicher Zahnschnittdekoration, nach oben abnehmend. Im unteren Giebelstockwerk Brüstungsgefache mit Andreaskreuzen (vgl. Rathaus, Ostgiebel), unter dem Rähm des Dielen-Untergeschosses breite vorgenagelte Bohle mit Inschrift in Fraktur. Leicht außermittiger Torbogen aus sehr breiten Hölzern, Inschrift verwittert (auf hist. Fotos nicht erkennbar), umlaufendes breites Zierband mit zwei Taubändern und mittlerer Perlschnur, unten in Schlingen auslaufend. Obere Flügel des Dielentores mit Lilienbeschlägen, bauzeitlich, Oberlichter mit alter Bleiverglasung. Rekonstruktion des Erdgeschossfachwerks bei Charton und Stiehl (1883) schemaatisch und unzutreffend; das Foto von ca. 1910 zeigt links einen Sturzriegel über den beiden Fenstern der Stube mit Tauband und Resten weiterer Zierschnitzereien, ursprünglich breites, bleiverglastes Fensterband der Stube. Rechts vom Torbogen Rest einer langen Fußstrebe, zwei Stubenfenster im EG erst im 19. Jahrhundert eingebaut. | Dreifach auf Stichbalken vorkragender Giebel aus kräftigen Hölzern, Vorkragungen mit reicher Zahnschnittdekoration, nach oben abnehmend. Im unteren Giebelstockwerk Brüstungsgefache mit Andreaskreuzen (vgl. Rathaus, Ostgiebel), unter dem Rähm des Dielen-Untergeschosses breite vorgenagelte Bohle mit Inschrift in Fraktur. Leicht außermittiger Torbogen aus sehr breiten Hölzern, Inschrift verwittert (auf hist. Fotos nicht erkennbar), umlaufendes breites Zierband mit zwei Taubändern und mittlerer Perlschnur, unten in Schlingen auslaufend. Obere Flügel des Dielentores mit Lilienbeschlägen, bauzeitlich, Oberlichter mit alter Bleiverglasung. Rekonstruktion des Erdgeschossfachwerks bei Charton und Stiehl (1883) schemaatisch und unzutreffend; das Foto von ca. 1910 zeigt links einen Sturzriegel über den beiden Fenstern der Stube mit Tauband und Resten weiterer Zierschnitzereien, ursprünglich breites, bleiverglastes Fensterband der Stube. Rechts vom Torbogen Rest einer langen Fußstrebe, zwei Stubenfenster im EG erst im 19. Jahrhundert eingebaut. | ||