Friedrich-Petri-Straße 5 (Lage): Unterschied zwischen den Versionen
KKeine Bearbeitungszusammenfassung |
Tippfehler korrigiert |
||
| Zeile 23: | Zeile 23: | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Das relativ große Grundstück nördlich der Langen Straße am rechten Ufer der Werre wird in älteren Katastern als "Freier Hof" bezeichnet und war bis ins 18. Jahrhundert in landesherrlichem Besitz, in unmittelbarer Nachbarschaft befand sich die ehemalige landesherrliche Wassermühle (abgebrochen in den | Das relativ große Grundstück nördlich der Langen Straße am rechten Ufer der Werre wird in älteren Katastern als "Freier Hof" bezeichnet und war bis ins 18. Jahrhundert in landesherrlichem Besitz, in unmittelbarer Nachbarschaft befand sich die ehemalige landesherrliche Wassermühle (abgebrochen in den 1960er Jahren). Die verkehrsgünstige Lage in der Nähe eines alten Flussübergangs über die Werre am westlichen Rand des Siedlungskerns von Lage spricht für die Annahme, hier die urkundlich nachgewiesene "Burg zur Lage" zu lokalisieren. 1984 legten Mitglieder der Arbeitsgruppe Natur- und Denkmalschutz im Lippischen Heimatbund, Ortsverein Lage, mit fachlicher Unterstützung des Lippischen Landesmuseums Detmold (Dr. Friedrich Hohenschwert) einen Grabungsschnitt an, bei dem ein mittelalterlicher Graben angeschnitten wurde, der nach den gefundenen Scherben im 15.-17. Jahrhundert verfüllt worden ist. Dieser Graben ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der spätmittelalterlichen Burganlage zuzuordnen. | ||
Die Burg von Lage wird in mittelalterlichen Urkunden als "Haus zur Lage" oder als "Steinwerk" bezeichnet; demnach handelte es sich um die Kleinform einer befestigten Anlage, ein steinernes "Festes Haus", das von dem archäologisch nachgewiesenen Wassergraben umgeben war. Historischen Nachrichten zufolge wurde das "Steinwerk" 1395 von Henrich Waltering, genannt Quaditus oder Quaditz, mit Billigung des Landesherrn Simon III. zur Lippe erbaut. Dieser hatte seinem Gefolgsmann Waltering das Dorf Lage verpfändet; später kam das Zollrecht hinzu. In der Eversteinschen Fehde (1404-1409) wurde die Burg eingenommen und beschädigt, aber wohl nicht völlig zerstört. Als Amtmänner oder Vögte verwalteten Angehörige der Familie Quaditz über mehrere Generationen die Vogtei Lage innerhalb des größeren Amtes Detmold. 1532 wurde die Familie von Barkhausen mit dem "Haus" und der Mühle in Lage belehnt; nach dem Tode des letzten Lehnsnehmers fiel das Lehen an den Landesherrn zurück. Dieser nutzte es in den folgenden Jahrhunderten als Amtssitz und Wohnung für die Vögte der Vogtei Lage. Zu diesem Zweck | Die Burg von Lage wird in mittelalterlichen Urkunden als "Haus zur Lage" oder als "Steinwerk" bezeichnet; demnach handelte es sich um die Kleinform einer befestigten Anlage, ein steinernes "Festes Haus", das von dem archäologisch nachgewiesenen Wassergraben umgeben war. Historischen Nachrichten zufolge wurde das "Steinwerk" 1395 von Henrich Waltering, genannt Quaditus oder Quaditz, mit Billigung des Landesherrn Simon III. zur Lippe erbaut. Dieser hatte seinem Gefolgsmann Waltering das Dorf Lage verpfändet; später kam das Zollrecht hinzu. In der Eversteinschen Fehde (1404-1409) wurde die Burg eingenommen und beschädigt, aber wohl nicht völlig zerstört. Als Amtmänner oder Vögte verwalteten Angehörige der Familie Quaditz über mehrere Generationen die Vogtei Lage innerhalb des größeren Amtes Detmold. 1532 wurde die Familie von Barkhausen mit dem "Haus" und der Mühle in Lage belehnt; nach dem Tode des letzten Lehnsnehmers fiel das Lehen an den Landesherrn zurück. Dieser nutzte es in den folgenden Jahrhunderten als Amtssitz und Wohnung für die Vögte der Vogtei Lage. Zu diesem Zweck entstand 1618 (d) der bis 2004 erhaltene Neubau auf dem jetzt "Freier Hof" genannten Grundstück. 1716 erwarb der Amtsvogt Hermann Henrich Brandt das Bürgerrecht des Fleckens Lage und wenig später auch das Vogteigebäude von Graf Friedrich Adolph zur Lippe. Es wurde weiter als "Freier Hof" bezeichnet und blieb wie ein städtischer Adelshof "eximiert", d. h. von der Kontributionspflicht der anderen Hausstätten in Lage ausgenommen. | ||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
| Zeile 38: | Zeile 38: | ||
Hinter diesem unterkellerten Einbau weitete sich die Diele zu einer hausbreiten '''Flettküche''' von drei Fachen mit einem mächtigen '''Herdkamin''' aus Bruchsteinmauerwerk in der hinteren Querwand. Es ist anzunehmen, dass diese Küche seitliche Ausgänge und große bleiverglaste Fenster in den Traufwänden besaß, ähnlich dem Flett eines Bauernhauses. Hinter der Querwand lag ursprünglich ein drei Fache langer, dielenhoher '''Saal''', der durch einen kleineren Kamin an der Rückseite des Küchenkamins beheizt werden konnte. Beide Kamine besaßen schlichte, abgerundete und scharrierte Kragsteine ohne weitere Dekorationselemente. Kaminstürze und Rauchfänge waren nicht mehr vorhanden. Ursprünglich endete der Rauchabzug als "halber Schornstein" auf dem Dachboden - Dachsparren und -latten wiesen eine starke Rußschwärzung auf. Die Deckenbalken über Küche und Saal wurden durch kräftige, an den Kanten gefaste Mittelunterzüge unterstützt. | Hinter diesem unterkellerten Einbau weitete sich die Diele zu einer hausbreiten '''Flettküche''' von drei Fachen mit einem mächtigen '''Herdkamin''' aus Bruchsteinmauerwerk in der hinteren Querwand. Es ist anzunehmen, dass diese Küche seitliche Ausgänge und große bleiverglaste Fenster in den Traufwänden besaß, ähnlich dem Flett eines Bauernhauses. Hinter der Querwand lag ursprünglich ein drei Fache langer, dielenhoher '''Saal''', der durch einen kleineren Kamin an der Rückseite des Küchenkamins beheizt werden konnte. Beide Kamine besaßen schlichte, abgerundete und scharrierte Kragsteine ohne weitere Dekorationselemente. Kaminstürze und Rauchfänge waren nicht mehr vorhanden. Ursprünglich endete der Rauchabzug als "halber Schornstein" auf dem Dachboden - Dachsparren und -latten wiesen eine starke Rußschwärzung auf. Die Deckenbalken über Küche und Saal wurden durch kräftige, an den Kanten gefaste Mittelunterzüge unterstützt. | ||
Damit entspricht dieses Haus dem Bautyp des | Damit entspricht dieses Haus dem Bautyp des städtischen Dielenhauses mit rückwärtigem Saal, wie es in westfälischen und lippischen Städten wie Lemgo, Salzuflen oder Detmold vielfach anzutreffen ist. Die Annahme, dass mit dem bruchsteinernen Kamin oder dem Kellermauerwerk Teile der mittelalterlichen Burg erhalten geblieben waren, konnte durch die Bauuntersuchung nicht bestätigt werden. Keller und Kaminanlage sind originäre Bestandteile des Dielenhauses von 1618 (d). | ||
'''1769''' (Datierung über einer Tür an der Nordostseite) wurde am rückwärtigen (nordwestlichen) Giebel ein kleinerer Fachwerk-Anbau von drei Fachen angefügt, der vermutlich Stallungen oder Wirtschaftsräume erhielt. | '''1769''' (Datierung über einer Tür an der Nordostseite) wurde am rückwärtigen (nordwestlichen) Giebel ein kleinerer Fachwerk-Anbau von drei Fachen angefügt, der vermutlich Stallungen oder Wirtschaftsräume erhielt. | ||
| Zeile 76: | Zeile 76: | ||
==Literatur== | ==Literatur== | ||
* {{PeterPflug1960}} | * {{PeterPflug1960}} | ||
* Heinrich Stiewe: "Alte Burg" und "Freier Hof" in Lage. Zur Bau- und Nutzungsgeschichte eines ungewöhnlichen Fachwerkhauses, in: Heimatland Lippe 85 (1992), S. 242-248.<ref>Heinrich Stiewe: "Alte Burg" und "Freier Hof" in Lage.[https://s2w.hbz-nrw.de/llb/periodical/pageview/5971843 Digitalisat]</ref> | |||
* Heinrich Stiewe: "Alte Burg" und "Freier Hof" in Lage. Zur Bau- und Nutzungsgeschichte eines ungewöhnlichen Fachwerkhauses, in: Heimatland Lippe 85 (1992), S. 242-248.<ref> | |||
* Margarete Wißmann: Die „Alte Burg“ früher und heute, in: Historisches Jahrbuch Lage, 2017, S. 24-55. | * Margarete Wißmann: Die „Alte Burg“ früher und heute, in: Historisches Jahrbuch Lage, 2017, S. 24-55. | ||
| Zeile 84: | Zeile 82: | ||
==Weblinks== | ==Weblinks== | ||
* LZ vom 21.6.2016: https://www.lz.de/lippe/lage/20830403_Bei-der-Restaurierung-der-Alten-Burg-legen-Arbeiter-wertvolles-Relief-frei.html | * LZ vom 21.6.2016: https://www.lz.de/lippe/lage/20830403_Bei-der-Restaurierung-der-Alten-Burg-legen-Arbeiter-wertvolles-Relief-frei.html | ||
* LZ vom 12.7.2020: https://www.lz.de/lippe/lage/22823023_Neue-Plaene-fuer-die-Alte-Burg-in-Lage.html | * LZ vom 12.7.2020: https://www.lz.de/lippe/lage/22823023_Neue-Plaene-fuer-die-Alte-Burg-in-Lage.html | ||
* LZ vom 13.4.2026: https://www.lz.de/lippe/lage/24310083_Vergangenheit-und-Zukunft-Die-wechselvolle-Geschichte-der-Alten-Burg-in-Lage.html | * LZ vom 13.4.2026: https://www.lz.de/lippe/lage/24310083_Vergangenheit-und-Zukunft-Die-wechselvolle-Geschichte-der-Alten-Burg-in-Lage.html | ||