Wilbasen, Wohnplatz in Siebenhöfen: Unterschied zwischen den Versionen
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Der in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts erstmals erwähnte Ort Wilbasen war Sitz eines Freistuhles, eines Freigerichtes, an dem vom Kaiser ernannte Freigrafen Recht sprachen.<ref>Zum Folgenden vgl. Burkhard Meier, Kirchen, Klöster, Mausoleen. Die Grabstätten der Häuser Lippe und Schaumburg-Lippe, Leopoldshöhe/Bielefeld 1996, S. 19-22; Karl-Ferdinand Beßelmann, Stätten des Heils, Münster 1998, S. 95-99.</ref> Noch bis zum Ende des 16. Jahrhunderts tagte das Freigericht regelmäßig unter einer Eiche auf dem Meierhof Stork, dann wurde es in den sog. Wilbasensaal, den kleinen Saal im Blomberger Rathaus, verlegt. | Der in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts erstmals erwähnte Ort Wilbasen war Sitz eines Freistuhles, eines Freigerichtes, an dem vom Kaiser ernannte Freigrafen Recht sprachen.<ref>Zum Folgenden vgl. Burkhard Meier, Kirchen, Klöster, Mausoleen. Die Grabstätten der Häuser Lippe und Schaumburg-Lippe, Leopoldshöhe/Bielefeld 1996, S. 19-22; Karl-Ferdinand Beßelmann, Stätten des Heils, Münster 1998, S. 95-99.</ref> Noch bis zum Ende des 16. Jahrhunderts tagte das Freigericht regelmäßig unter einer Eiche auf dem Meierhof Stork, dann wurde es in den sog. Wilbasensaal, den kleinen Saal im Blomberger Rathaus, verlegt. | ||
Heiligabend 1398 stifteten Simon III. und Bernhard VI. zur Lippe einen Altar des Evangelisten Johannes in der Wilbaser Kapelle, einer Filiale der Kirche in Reelkirchen, und statteten diesen mit Besitz aus. 1400 wird eine Marienkapelle zu ''Wilbodessen'' erwähnt. Möglicherweise wurde schon vor 1400 ein Sohn Simons III., Otto, in Wilbasen beigesetzt, doch war zu dieser Zeit noch die Marienkirche in Lemgo Grablege der Edelherren zur Lippe. Nach Johannes Piderit (''Chronicon Comitatus Lippiae'', Rinteln 1627) soll die Kapelle Ende des 14. Jahrhunderts von der Gemahlin Simons III. wegen einer schweren Hautkrankheit Simons zu Ehren der Jungfrau Maria gestiftet worden sein. Die Kapelle soll auf eine wundertätige Marienfigur zurückgehen, die an einem Feldweg nach Istrup gestanden haben soll, das Flurstück heißt noch heute "Auf unserer lieben Frau". Die Wilbaser Kapelle, in der neben dem Maria geweihten Hauptaltar weitere Altäre für den Evangelisten Johannes und die Apostel Petrus und Paulus sowie für die Heiligen Antonius und Katharina standen, entwickelte sich schon bald zu einer beliebten Wallfahrtsstätte. Eine spätgotische, aus | Heiligabend 1398 stifteten Simon III. und Bernhard VI. zur Lippe einen Altar des Evangelisten Johannes in der Wilbaser Kapelle, einer Filiale der Kirche in Reelkirchen, und statteten diesen mit Besitz aus. 1400 wird eine Marienkapelle zu ''Wilbodessen'' erwähnt. Möglicherweise wurde schon vor 1400 ein Sohn Simons III., Otto, in Wilbasen beigesetzt, doch war zu dieser Zeit noch die Marienkirche in Lemgo Grablege der Edelherren zur Lippe. Nach Johannes Piderit (''Chronicon Comitatus Lippiae'', Rinteln 1627) soll die Kapelle Ende des 14. Jahrhunderts von der Gemahlin Simons III. wegen einer schweren Hautkrankheit Simons zu Ehren der Jungfrau Maria gestiftet worden sein. Die Kapelle soll auf eine wundertätige Marienfigur zurückgehen, die an einem Feldweg nach Istrup gestanden haben soll, das Flurstück heißt noch heute "Auf unserer lieben Frau". Die Wilbaser Kapelle, in der neben dem Maria geweihten Hauptaltar weitere Altäre für den Evangelisten Johannes und die Apostel Petrus und Paulus sowie für die Heiligen Antonius und Katharina standen, entwickelte sich schon bald zu einer beliebten Wallfahrtsstätte. Eine spätgotische, aus Lindenholz geschnitzte Marienfigur aus der Zeit um 1500 blieb erhalten und befindet sich heute im Lippischen Landesmuseum. Die Kapelle enthielt Grabstäten von drei in der Umgebung ansässigen Adelsfamilien (von Gropendorf, Gröpperhof bei Wellentrup, von Donop, Borkhausen und von Friesenhausen, Maspe) und diente für einige Jahrzehnte auch als Grablege des Hauses Lippe. Die Kapelle wurde mit Schenkungen und Stiftungen reich ausgestattet, neben ihr bestand eine Klause, in der zwei Priester lebten, die in der Kapelle Dienst taten. | ||
Über die Wallfahrt berichtet Piderit 1627 in seiner lippischen Chronik: "Man hat zu unserer Zeit die Krücken und Stäbe, welche die Gebrechlichen zum Zeichen ihrer Gesundheit haben stehen und liegen gelassen, gefunden, wie auch die Hellen und eisern Bande, so die Türcken und andere Tyrannen armen Christen mit Gewalt angelegt, ohne Zutun daselbst sind abgefallen." Aus dem Kirchweihfest der Kapelle, das auf den 10. September fiel, entwickelte sich schon bald der "Wilbaser Markt", ein Jahrmarkt, der bis heute am zweiten Wochenende im September stattfindet und der 1500 erstmals erwähnt wird. Am 10. September 1430 musste die Wilbaser Kapelle durch den Mindener Bischof neu geweiht werden, weil sich der 1429 dort bestattete Simon IV. zur Lippe im Kirchenbann befand. Vielleicht war dieser Umstand der Grund für die Wahl der Kapelle zu Wilbasen (und nicht der Marienkirche in Lemgo) als Grablege durch seine Witwe. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts diente die Kapelle als Grablege der Edelherren zur Lippe. | Über die Wallfahrt berichtet Piderit 1627 in seiner lippischen Chronik: "Man hat zu unserer Zeit die Krücken und Stäbe, welche die Gebrechlichen zum Zeichen ihrer Gesundheit haben stehen und liegen gelassen, gefunden, wie auch die Hellen und eisern Bande, so die Türcken und andere Tyrannen armen Christen mit Gewalt angelegt, ohne Zutun daselbst sind abgefallen." Aus dem Kirchweihfest der Kapelle, das auf den 10. September fiel, entwickelte sich schon bald der "Wilbaser Markt", ein Jahrmarkt, der bis heute am zweiten Wochenende im September stattfindet und der 1500 erstmals erwähnt wird. Am 10. September 1430 musste die Wilbaser Kapelle durch den Mindener Bischof neu geweiht werden, weil sich der 1429 dort bestattete Simon IV. zur Lippe im Kirchenbann befand. Vielleicht war dieser Umstand der Grund für die Wahl der Kapelle zu Wilbasen (und nicht der Marienkirche in Lemgo) als Grablege durch seine Witwe. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts diente die Kapelle als Grablege der Edelherren zur Lippe. | ||