Lakeweg 9 (Belle): Unterschied zwischen den Versionen

Keine Bearbeitungszusammenfassung
Markierungen: Mobile Bearbeitung Mobile Web-Bearbeitung
Markierungen: Mobile Bearbeitung Mobile Web-Bearbeitung
Zeile 59: Zeile 59:
'''Meierhaus von 1708''', größtes und ältestes Gebäude des Hofes, abgebrochen 2013. Großer Vierständerbau, auf Stichbalken vorkragender Giebel, unteres Giebelstockwerk ursprünglich sichtbares Fachwerk mit Backsteinausfachung, im 19. Jahrhundert verbrettert. Gegenläufige Fußstreben beiderseits des Dielentores, Torbogen mit Rose und Stern auf den Kopfbändern und langer Bauinschrift, weitere Inschrift auf dem Giebelrähm. Großer Vierständerbau mit aufgelegten Dachbalken, dreischiffiges Flettdielenhaus mit eindrucksvoller Diele, breiterem Pferdestallseitenschiff links (um 1920 um seitlichen Pferdestallanbau erweitert) und schmalerem Kuhstallseitenschiff rechts. Die Kuhställe für 8 bis 12 Kühe waren ursprünglich unter drei mächtigen Kuhnackenriegeln, die jeweils zwei Fache überbrücken, zur Diele geöffnet. Mächtiges Sparrendach mit Hochständerdachwerk mit angeblatteten Streben, 2 Bodenaufzüge. Flett mit hoher Lucht rechts und halbhoher Küchenlucht links; hier befand sich die Herdstelle unter einer Räucherbühne. Der mächtige Luchtriegel, ca. 32/22 cm hochkant, war gebrochen und musste nachträglich mit einer Säule mit barock profilierten Knaggen abgestützt werden. Das Gebäude war ursprünglich ein Flettdielenhaus ohne Kammerfach; der zulezt bestehende Wohnteil in Stockwerkbauweise war etwa eine Generation später (um 1730) angebaut worden. Das Kammerfach war ursprünglich seitlich eingerückt und wurde im 19. Jahrhundert auf Hausbreite verbreitert. Es gliederte sich in eine große Stube in Ecklage rechts, eine Eheschlafkammer mit Wandbett und Abortanbau in der Mitte und eine kleine Kammer rechts; eine weitere große Kammer bestand im Obergeschoss. Bedeutende Teile der barocken Ausstattung waren erhalten geblieben: mehere Stuben- und Kammertüren mit durchbrochenen Schippenhespen und geohrten Füllungen sowie eine frühere Bettnische in der mittleren Eheschlafkammer mit einem geschnitzten Pfosten und Klappen zur Diele.  
'''Meierhaus von 1708''', größtes und ältestes Gebäude des Hofes, abgebrochen 2013. Großer Vierständerbau, auf Stichbalken vorkragender Giebel, unteres Giebelstockwerk ursprünglich sichtbares Fachwerk mit Backsteinausfachung, im 19. Jahrhundert verbrettert. Gegenläufige Fußstreben beiderseits des Dielentores, Torbogen mit Rose und Stern auf den Kopfbändern und langer Bauinschrift, weitere Inschrift auf dem Giebelrähm. Großer Vierständerbau mit aufgelegten Dachbalken, dreischiffiges Flettdielenhaus mit eindrucksvoller Diele, breiterem Pferdestallseitenschiff links (um 1920 um seitlichen Pferdestallanbau erweitert) und schmalerem Kuhstallseitenschiff rechts. Die Kuhställe für 8 bis 12 Kühe waren ursprünglich unter drei mächtigen Kuhnackenriegeln, die jeweils zwei Fache überbrücken, zur Diele geöffnet. Mächtiges Sparrendach mit Hochständerdachwerk mit angeblatteten Streben, 2 Bodenaufzüge. Flett mit hoher Lucht rechts und halbhoher Küchenlucht links; hier befand sich die Herdstelle unter einer Räucherbühne. Der mächtige Luchtriegel, ca. 32/22 cm hochkant, war gebrochen und musste nachträglich mit einer Säule mit barock profilierten Knaggen abgestützt werden. Das Gebäude war ursprünglich ein Flettdielenhaus ohne Kammerfach; der zulezt bestehende Wohnteil in Stockwerkbauweise war etwa eine Generation später (um 1730) angebaut worden. Das Kammerfach war ursprünglich seitlich eingerückt und wurde im 19. Jahrhundert auf Hausbreite verbreitert. Es gliederte sich in eine große Stube in Ecklage rechts, eine Eheschlafkammer mit Wandbett und Abortanbau in der Mitte und eine kleine Kammer rechts; eine weitere große Kammer bestand im Obergeschoss. Bedeutende Teile der barocken Ausstattung waren erhalten geblieben: mehere Stuben- und Kammertüren mit durchbrochenen Schippenhespen und geohrten Füllungen sowie eine frühere Bettnische in der mittleren Eheschlafkammer mit einem geschnitzten Pfosten und Klappen zur Diele.  


'''Speicher von 1781''', großer, zweigeschossiger Fachwerkspeicher auf hohem Bruchstreinsockel mit Backsteinausfachung. Krüppelwalmdach mit Hochständerdachwerk mit angeblatteten Streben, ursrprünglich mit Sollingplattendeckung. Ungewöhnliches Fachwerk aus kräftigen Hölzern mit fischgrätartigen Streben in den Eckfachen und beiderseits der Mittelachsen, keine Stockwerkvorkragungen. Doppelflügelige, rautenförmig aufgedoppelte Eingangstür, breite Türständer und Sturz mit Tulpenranken, Rose und Stern und Bauinschriften reich beschnitzt, weitere Inschriften auf den Rähmen des Erdgeschosses, Eckständer mit geschnitzten Ecksäulchen. Die Schnitzereien waren stark verwittert und sind beim Wiederaufbau in Detmold kräftig nachgeschnitzt worden. Im Innern verräucherte Eingangsdiele mit Treppe zum Speichergeschoss und angebautem Back- und Dörrofen; links unterkellerte Altenteilerwohnung mit Stube und Kammer, aufwendig ausgestattet mit Zweifüllungstüren, einem Wandschrank und einem angebauten Aborterker. Obergeschoss mit Ladeluke und Dachgeschoss als Kornspeicher genutzt. Der "Spieker" wurde 1977 vom Landesverband Lippe erworben, abgetragen und als Gaststätte beim Lippischen Landesmuseum an der Ameide in Detmold wiederaufgebaut.
'''Speicher von 1781''', großer, zweigeschossiger Fachwerkspeicher auf hohem Bruchstreinsockel mit Backsteinausfachung. Krüppelwalmdach mit Hochständerdachwerk mit angeblatteten Streben, ursrprünglich mit Sollingplattendeckung. Ungewöhnliches Fachwerk aus kräftigen Hölzern mit fischgrätartigen Streben in den Eckfachen und beiderseits der Mittelachsen, keine Stockwerkvorkragungen. Doppelflügelige, rautenförmig aufgedoppelte Eingangstür, breite Türständer und Sturz mit Tulpenranken, Rose und Stern und Bauinschriften reich beschnitzt, weitere Inschriften auf den Rähmen des Erdgeschosses, Eckständer mit geschnitzten Ecksäulchen. Die Schnitzereien waren stark verwittert und sind beim Wiederaufbau in Detmold kräftig nachgeschnitzt worden. Im Innern verräucherte Eingangsdiele mit Treppe zum Speichergeschoss und angebautem Back- und Dörrofen; links unterkellerte Altenteilerwohnung mit Stube und Kammer, aufwendig ausgestattet mit Zweifüllungstüren, einem Wandschrank und einem angebauten Aborterker an der Schlafkammer. Obergeschoss mit Ladeluke und Dachgeschoss als Kornspeicher genutzt. Der zuletzt stark verfallene "Spieker" wurde 1976 dem Landesverband Lippe geschenkt, abgetragen und 1977 als Gaststätte beim Lippischen Landesmuseum an der [[Ameide 8 (Detmold)|Ameide]] in Detmold wiederaufgebaut.


'''Dreschhaus von 1809''', große Längsdurchfahrtsscheune von 19 Fach Länge mit Brettergiebeln und Sollingplattendach, stand quer zum Haupthaus mitten auf dem Hof, zuletzt als Kuhstall genutzt, abgebrochen um 1960.
'''Dreschhaus von 1809''', große Längsdurchfahrtsscheune von 19 Fach Länge mit Brettergiebeln und Sollingplattendach, stand quer zum Haupthaus mitten auf dem Hof, zuletzt als Kuhstall genutzt, abgebrochen um 1960.